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Kebt die gefaltne Hand zu seinen Göttern auf,
Und spricht: D hóchites Glück ! der seinen Lebenslauf
Vor dem gemeinen Feind auf Trojens Mauren (dyließet,
Und für der Våter Heil das Heldenblut vergießet.
O tapfrer Diomed! Der Griechen höchste Zier,
Ach fiel id) doch, vor dir, auf Trojens Blutrevier !
Wo Hektors Wunderarm Achillen mußte weichen,
Sarpedons Riesenbau des Lebens Segel streichen;
Ind wo Simoens Strom, durch seiner Wirbel Zwang,

Blut, Körper, Schild und Helm begierig in sich schlang 2c.
Auch die Antwort des Großveziers in Pietschens VI. Carl,
áft vortrefflich:

Nein! Kaiser, nein, es steht dein unbewegter Thron!
So brach der Großvezier mit einem kühnen Ton,
Durch die Verzweifelung, die Achmers Brust bestricket :'
Die Pfeiler deines Reid's hat nod) kein Feind verrůcket!
Wer glaubt, daß fein Gewicht aus Schwachheit sinken kann?
Nein, die beherschte Welt sett tausend Sdultern an.
Die ungeheure Zahl der Arme, die sich schuitzen,
Sind Seulen deines Stuhls, die deine Herrschaft stůben.
Bersammle deine Macht, verdopple nur dein Heer,
Dein Voff vermehre fich, so wie der Sand am Meer.
Es müse Stal und Glut und Schrecken mit fid) tragent.

Wer es nicht zåhlen kann, der wird es nimmer schlagen.
31. %. Viertens schicket fich diese Schreibart in die Schaus
fpiele. Da kommen unzählige Gelegenheiten vor, die Per-
fonen in vollen Affecten aufzuführen; und da können sie
nicht nachdrücklicher, beweglicher und durchdringender reden,
als in dieser pathetischen Art des Ausdruckes. Hier kann
man des Terenz Komödien, iingleichen in meiner deutschen
Schaubühne, den Menschenfeino , die Spielerinn, den Ver-
fchwender, u. a. m. nachschlagen, und die Tragödien zu
Hülfe nehmen. Sonderlich lese man im Cato den Auftritt,
wo Cäfar mit dem Cato spricht; in der Iphigenia, den Auf-
tritt Agamemnons, mit dem Achilles und mit der Cintemne-
stra im II. Aufzuge. In der Alzire und Cornelia, wird
man gleichfalls die allervortrefflichsten Proben finden, wenn
man in jener die Scene des Zamores mit dem Gusmann,

in

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376 Das XI. Hauptst. Von der poet. Schreibart: in dieser aber, der Cornelia ihre mit dem Gracchus, und mit dem Bürgermeister Opimius, nachlesen will.

Schwache Geister, können diese Schreibart auch hier nicht erreichen, und lassen alle ihre Helden gar zu sinnreich reden. Sie fón: nen nicht weinen, oiyne die spizfindigsten Klagen dabey aus. zusdyútten, und wenn sie verzweifeln, so geschieht es allezeit mit großer Scharfsinnigkeit. Lobenstein hat es in seiner Sophonisbe fait durchgehends so gemacht, weswegen er mit Rechte getadelt worden. Seneca hat ebenfalls tausend Feh. ler wider diese Regeln begangen: indem er seinen Personen durchgehends mehr Belesenheit und Scharfsinnigkeit beygeleget hat, als es die Wahrscheinlichkeit erlaubte.

32. Q. Das wäre nun fürzlich, was man von der poetischen Schreibart über aupt, und ihren besondern Gattungen sagen kann.

Die angefülrter? Scribenten werden das ůvrige hinzuısegen, wenn man sie nachschlagen will. Ich sollte noch kürzlich von den Gattungen der Schreibart handeln,die in Schäfergedichten, Satiren, Scherzgediditen, u. s.W. herrschet. Allein, das alles spare ich in die Hauptstücke des andern Theils dieser Dichtkunst, wo ins besondere davon ge. handelt werden wird. Ueberhaupt schließe ich dieses Hauptstůck mit Horazens Worten:

Scribendi recte, fapere el et principiuin et fons:
Rem tibi Socraticæ poterunt ostendere chartæ,
Verbaque prævisam rem non invita sequentur.

Das

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N

Das XII. Hauptstück.
Von dem Wohlflange der poeti-
schen Schreibart, dem verschiedenen
Sylbenmaaße und den Reimen.

1. S.
Nichts ist in diesem allgemeinen Theile der Dichtkunst

noch übrig, als die Abhandlung von dem Wohl

klange, der in der poetischen Schreibart mehr, als in prosaischen Sachen, beobachtet werden muß. Unter diesem allgemeinen Ausdrucke begreife ich alles, was an den Versen ins Gehör fållt; die Abwechselung langer und kurzer Sylben, den Abschnitt, die Schlußpuncte in den Strophen, die Reime, und wo sonst noch etwas die Ohren füßeln , und das durch das Gemüth eines Lesers oder Zuhörers belustigen fann.

Die Musik allein nehme ich aus, als welde eine eigene Kunst ist, die auch ohne die Poesie bestehen kann: es wåre denn, daß man auc) die Harmonie eines wohl ausgesprochenen Verres, nach Art der Alten, einen Gesang nennen wollte. Zwar hat aud) die ungebundene Schreibart ihren gewissen Wohlflang: davon Cicero in seinen Gespråchen vom Redner, Quintilian, und nach ihnen fast alle Lehrer der Beredsamkeit ausführlich zu handeln pflegen. Wenn man es genau untersuchet, woher derselbe entsteht, so findet man: daß es nichts anders, als die angenehme Net wechselung gewisser lautenden und stummen Buchstaber; imgleichen die Vermischung langer und kurzen Sylben îm, die, hinter einander ausgesprochen, einen lieblichen Klong verursachen. Wie viel in der Wollretenyeit darauf anfomme, das ist bekannt. Oftmals werden die Zuhörer ei- ner so harmonischen Rede dadurch mehr, als durch die besten Gründe, gerühret und eingenommen; zumal, wenn der

Reoner

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Redner eine liebliche Stimme hat, und ber einer deutlicher Aussprache aller Sylben und Buchstaben die Töne derselben geschickt, 0.i. den Sachen und dem Affecte gemåß, zu verándern weis. Außer obgedachten Scribenten kann man aud)

. das XVI. Capitel des I. Theils meiner ausführlichen Redes kunst nachsehen, wo im 13. u. f. S. davon gehandelt worden.

2. G. Wie nun die gebundene Schreibart eller, als die ungebundene ins Geschick gebracht worden: also können wir auch den Wohlflang der Poesie nicht von dem Wohlklange der Redner herleiten. Es ist bereits oben ben anderer Gelegenheit gedacht worden, das Cicero das Gegentheil angemerket hat, wenn er erzählet: daß Isokrates den Poeten vieles abgelernet, was zur Lieblichkeit einer Rede etwas bey

Die Ursache reket er auch hinzu; nämlich, weil die ersten Dichter zugleich Sånger und Spielleute gewesen, und ihre Verse also zur Beluftigung der Ohren ge= macht: so hätten sie eher Anlaß gehabt , auf die Harmonie zu sehen. Die Musik hilft uns also den Lrfprung des poetischen Wehiklanges erklären. Ich habe schon in dem ersten Hauptstücke erwähnet, daß die ersten Meloderen eine gewisse Anzahl der Sylben, oder eine abgemessene Långe der Zeilen, in den Liedern erfordert haben; wodurdy sie geschickt geworden, darnach abgesungen zu werden. Das war nun der allergeringste Grad des poetischen Wohlklanges, der auch bey den gróbsten Völkern statt gefunden. Es ist aber gleichwohl dem Gehöre angenehm, wenn alle Abschnitte einer Rede, die nach einander folgen, fast einerley Långe haben: so, daß die Zunge nach gewissen bestimmten Pulsschlás g:n, gleichsam zu einer periodisden Ruhe kommt. So sind die Psalinen der Hebråer, auch so gar in unserer deutschen

Uebers

tragen kann.

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* S. was der Ubt fourmont iin initio fufuin, et aurium mensura VI. B. der Memoires, oder ausführl. et fimiliter decurrentium spatioSchriften der parisiichen utad. der rum observatione esse generatum; schönen Wissenschaften davon ges mox in eo repertos pedes: das ist: fitrieben bat.

Ohne Z:veifel ist die Poesie aus einein ** Quintilian schribt: Poema unftudirien Triebe voll ohngefähr entnemo dubitaverit imperito quodam Mandail, und durch die Aufmerksam:

Uebersekung noch beschaffen : daher es denn kommt, daß sie auch so prosaisch nach einer gewissen freyen Melodie gesungen werden können. * Die ältesten griechischen Poeten has ben freylich ihre Sylben schon genauer nachgezählt, als die morgenlåndischen: allein mehr läßt uns doch die Rauhige Feit, der alles in seinem ersten Ursprunge unterworfen ist, von ihren ersten Liedern nicht hoffen.

3. . Niemand hat den Ursprung und die wahre Beschaffenweit des poetischen Wohlflanges besser untersucht und ins licht gesekt, als Isaac Voßius, in seinem Tractate de Poematum cantu et viribus Rhythmi, den er zu Orfort im Theatro Sheldoniano 1673. in gr. 8.' herausgegeben. Er behauptet gleichfalls darinn auf der 2. Seite, daß die ersten griechischen Verse, nach der meisten Schriftsteller Mennung, keine Füße, und keinen Wohlklang gehabt, und folglich ganz rauh gewesen. Er führet den Quintilian zum Zeugen an, dessen Worte man unten ** sehen wird. Und darauf fåært er fort, die Natur und den Ursprung des Sntbenmaaßes zu erklären. Er vertheidiget dasselbe gegen seine Veråchter, die sich einbilden, es sey angenehnter, wenn ein Vers wie ein Fluß in einem geraden Ufer fortschieße; wo er fein Hinderniß antrifft, als wenn er gleichsam schrittweise, über so viele im Wege stehende Felsen sprudeln müßte. Allein, er zeiget aus einer Anmerkung Cicerons, daß diejenigen, die Natur des Schönen nicht verstehen, die dafür halten, daß etwas ganz Einträchtiges ohne Abtheilung, Untersdied, und Abwechselung gefallen könnte. *** Doch weil wir unter unsern Deutschen keinen Widerspruch hierinn zu besor: gen haben, so halte ich mich hierbey nicht auf. **** Nur segen wir hier voraus, daß das Gehör und die Aussprache

selbst feit der Ohren auf die gleich fortlau: cussio , numerain conticit, quem in fenden Zeilen und Worte erzeuget cadentibus gurris, quod intervallis morden; bis bald darauf auch die distinguuntur , notare possumus, in Süße erfunden worden.

ainni præcipitante non possumus. Numerus in continuatione nullus eft, distinctio et æqualium es

**** S. meine Sprachlehre IV. fæpe varioruin intervallorum per- Ibeil, I. und III. Hauptt.

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