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Sinne und verweist hinsichtlich einer Gesell- | Feind behandelt. Juristische Personen schaft unter feindlicher Kontrolle auf die werden nur dann als Feinde behandelt, wenn Definition des „Non-Ferrous Metal Industry ihre Rechtspersönlichkeit auf feindlichem Act, 7 & 8 Geo.5 ch. 67, 1918“. Eine solche Recht beruht oder wenn sie in einem anderen Gesellschaft ist im Sinne dieses Gesetzes die- Lande als den Vereinigten Staaten eingejenige, bei der 1. die Mehrzahl der Direktoren tragen sind und im feindlichen Gebiete Handel oder der Personen in leitender Stellung feind- treiben. Sind sie in den Vereinigten Staaten liche Staatsangehörige sind oder 2. die registriert, so werden sie auch dann nicht Stimmenmehrheit sich in Händen von feind- als Feinde angesehen, wenn sie im feindlichen lichen Staatsangehörigen oder von Personen Gebiete Niederlassungen haben. Abweichend befindet, die direkt oder indirekt im Interesse von der englischen Entscheidung im Falle feindlicher Staatsangehöriger ihre Stimme Daimler Company (Limited) v. Continental abgeben, oder 3. die Kontrolle über die Tyre and Rubber Company (Great Britain) Gesellschaft auf irgendeine Weise in Händen (Limited) hat der oberste amerikanische von feindlichen Staatsangehörigen liegt oder Gerichtshof im Falle Fritz Schultz, Jr. Co. 4. die Exekutive eine feindlich kontrollierte v. Raimes & Cie. (1917, 100 Misc. (N. Y.) 697) Gesellschaft (enemy controlled corporation) entschieden, daß nach übereinstimmenden ist oder die Mehrheit der Exekutive von einer amerikanischen Urteilen „eine Körperschaft solchen Gesellschaft angestellt wird. Beide eine von ihren Mitgliedern völlig getrennte Gesetze dienen bereits dem „Krieg nach dem Einheit sei, daß sich ihr Wohnsitz nach dem Kriege".

Recht des Staates ihrer Gründung richte, Die Grundlinien des nunmehr in der daß man sie nicht lediglich als eine VerHauptsache endgültig ausgebildeten und sehr einigung von Individuen ansehen dürfe und dehnbaren Feindesbegriffs sind nun folgende: daß der Wohnsitz oder der Charakter der Feind im formellen Sinne ist 1. jede im feind- Mitglieder den Wohnsitz oder Charakter der lichen oder vom Feinde besetzten Gebiete Gesellschaft nicht bestimme.“ Zweigniedersich aufhaltende und dort handeltreibende lassungen feindlicher Firmen gelten nur dann Person oder Personenvereinigung irgend- nicht als Feinde, wenn sich die Zweigwelcher Nationalität mit Ausnahme der geschäfte in den Vereinigten Staaten befinden internierten englischen Staatsangehörigen; und ihnen die Fortsetzung ihrer Tätigkeit 2. jede in China, Siam, Persien, Marokko, erlaubt ist. Jeder Beamte und Vertreter, Liberien und Portugiesisch-Ostafrika sich jede Staats- oder Selbstverwaltungsbehörde aufhaltende oder dort handeltreibende Person einer feindlichen Regierung, gleichgültig, wo oder Personenvereinigung feindlicher Natio- sie sich befinden und welche Staatsangehörignalität (also Feind im materiellen und for- keit sie haben, gelten als Feinde; ebenso ohne mellen Sinne); 3. jede in den schwarzen Listen weiteres die „Verbündeten der Feinde" im bezeichnete, in neutralen Ländern sich auf- Gegensatz zum englischen Recht, das die haltende oder dort handeltreibende Person Kriegserklärung mit den Verbündeten des oder Personenvereinigung; 4. jede von feind- Feindes zur Voraussetzung macht. Feind. lichen Staatsangehörigen geleitete oder kon- liche Staatsangehörige, die sich in den Ver. trollierte Gesellschaft mit juristischer Per- einigten Staaten oder alliierten, bzw. neusönlichkeit; 5. jede Person mit feindlicher tralen Ländern aufhalten, können nur auf Staatsangehörigkeit, die aus England oder Grund besonderer Proklamation des Präsiseinen Kolonien weggebracht und in einem denten zu Feinden erklärt werden. neutralen Lande interniert worden ist (also 5. Der Feindesbegriff in den FrieFeind im materiellen und formellen Sinne). densverträgen. Der im Vertrag von

Feind im formellen Sinne ist aber nicht Versailles und den anderen großen Friedensder in England sich aufhaltende oder dort verträgen benutzte Feindesbegriff gibt Anlaß handeltreibende feindliche Ausländer, sofern zu Zweifeln. Grundsätzlich ist wohl anzuer registriert ist, auch nicht der Zivil- nehmen, daß hier das „Staatsangehörigkeitsgefangene (bestritten).

prinzip“, nicht mehr das „Domizilprinzip“ Nach modernem amerikanischem Recht Anwendung gefunden hat, daß also der (s. „Trading with the Enemy Act“, Oct. 6, Friedensvertrag nur den Feind im materiellen 1917 c. 106, § 1, 40 Stat. 411) wird der oder engeren Sinn kenne. Wenn aber in § 1 Feind im formellen Sinne (,,enemy“) grund der Anlage zu den Art. 299, 300 und 301 des sätzlich nach dem Domizilprinzip bestimmt. Friedensvertrages (und entsprechend in § 1 Wer sich im feindlichen Staatsgebiet oder der Anlage zu Art. 251 ff. des Friedens von vom Feinde besetzten Gebiet aufhält oder St. Germain, Art. 234 ff. des Friedens von dort vermittels Agenturen oder Filialen" Trianon und Art. 180 ff. des Friedens von „geschäftlich tätig“ ist und sich außerhalb Neuilly) davon die Rede ist, daß die der Vereinigten Staaten aufhält, wird als Vertragsteile dann als „Feinde" gelten,

„wenn der Handel zwischen ihnen verboten its conduct and legal results, London 1915. worden oder infolge von Gesetzen, Verord- E. Böhler-H, Wehberg, Der Wirtschaftsnungen oder Vorschriften, denen eine der krieg, 5. Abt.: Vereinigte Staaten von Parteien unterworfen war, gesetzwidrig ge

Amerika, Jena 1919. – H. Campbell, The worden ist“, und ,,der maßgebende Zeitpunkt

Law of Trading with the Enemy in British

India, Calcutta 1916 und Oxford 1918. der Tag ist, an dem der Handel verboten

F. Evans, Trading with the Enemy Amendworden oder an dem er sonstwie gesetz

ment Act, L. Q. R. XXXII, 1916. widrig geworden ist“, dann bedeutet das

H. v. Frisch, Das Fremdenrecht, Berlin nichts anderes, als daß hier der Begriff des 1910. — J. W. Garner, International Law Feindes im formellen oder weiteren Sinne and the World War, 2 Vols., London 1920. beibehalten ist. Wenn Isay nun sagt: „Diese

B. Harms, Völkerrechtliche Sicherungen Herrschaft des Staatsangehörigkeitsprinzips

der wirtschaftlichen Verkehrsfreiheit in im Friedensvertrag ist auch gegenüber

Friedenszeiten, Jena 1918. – J. Hatschek,

Englisches Staatsrecht, 2 Bde., Tübingen solchen Bestimmungen des letzteren festzu

1905/06. - J. E. Hogg, Companies with stellen, deren Fassung eine weitergehende

Enemy Shareholders, L. Q. R. XXXI, Auslegung offen läßt. Dies gilt insbesondere 1915. Derselbe, The personal character für Art. 299“, so erscheint diese Auffassung of a corporation, L. Q._R. XXXIII, nicht zutreffend, selbst wenn z. B. gemäß 1917. - C. H. Huberich, The Law relaArt. 299d Satz 2 der Vorkriegsvertrag zwi- ting to Trading with the Enemy ..., schen einem während des Krieges im briti

New York 1918. - H. Isay, Die privaten schen Gebiet wohnenden Geschäftsmann und

Rechte und Interessen im Friedensvertrag, einer im Laufe des Weltkrieges in Deutsch

Berlin 1919, 2. Aufl. 1921. – A. D. Mc Nair,

Alien Enemy Litigants, L. Q. R. XXXI, land tätigen Handelsniederlassung eines Eng

1915, XXXIV, 1918. Derselbe, British länders der Regelung des Art. 299 nicht unter- Nationality and Alien Status in Time of worfen wird. Die richtige Auffassung (E. War, L. Q. R. XXXV, 1919; — A. MendelsWolff, Privatrechtliche Beziehungen zwi- sohn-Bartholdy, Der Kriegsbegriff des engschen früheren Feinden nach dem Friedens- lischen Rechts, Erläuterungen zum Fall vertrag, Berlin 1921 S. 6ff.) geht dahin, Panariellos“, Mannheim 1915. — Derselbe, daß § 1 unter Feinden Vertragsparteien ver

Die Kriegsrechtsprechung des englischen

Oberhauses, Rhein.Z. IX. steht, „in deren Person die Tatbestandsmerk

Derselbe,

Handelskrieg und Rechtsprechung, Z. f. male des Handelsverbots erfüllt sind“ (vgl.

VR. X. — Derselbe, Wirtschaft und Recht, Kramer v. Attorney General, Times (Law

Koloniale Rundschau 1916. A. Page, Report), May 5, 1923). Ein Vorkriegsvertrag

War and Alien Enemies, 2. ed., London eines Deutschen mit einem Engländer fällt 1915. A. Pepy, La Nationalité des dann nicht unter Art. 299, wenn z. B. der Sociét és, Paris 1920 (vgl. Besprechung Deutsche während des Krieges in England von H. J. Held in Weltwirtschaftliches lebte und dort registriert war.

Vgl. im Archiv, 17. Bd. 1921). C. Phillipson, übrigen die Artikel „Kriegsbegriff" und

International Law and the Great War, „Wirtschaftskrieg“.

London 1915. — E. Satow, The Treatment of Enemy Aliens, „Problems of the War",

II, London 1917. E. Schuster-H. WehQuellen und Literatur:

berg, Der Wirtschaftskrieg, 1. Abt.: EngQuellen: The Public General Acts, published land, Jena 1917. T. E. Scrutton, The

by authority, London 1917/20.- A. Pulling, War and the Law, L. Q. R. XXXIX, 1918. Manual of Emergency Legislation ..., Lon- K. Strupp, Das internationale Land. don 1914 mit Supplement Nr. 2 (ent

kriegsrecht, Frankfurt a. M. 1914. Derhält auch Nr. 1), Nr. 3, Nr. 4, London selbe, Gegenwartsfragen des Völkerrechts, 1914/15 (Offizielle Gesetzesausgabe). N. Z. XXV, 1915. C. de Visscher, Du Derselbe, Defence of the Realm Manual, caractère ennemi ..., L. Q. R. XXXI, 1915. 3rd ed., London 1917 (Offizielle Gesetzes

H. J. Held. ausgabe). - U. S. Compiled Statutes 1918. Compact Edition, St. Paul 1918. Ferner die englischen und amerikanischen Law Reports. — Allgemeine Darstellungen: L. Oppenheim, International Law, 2 Vols., Feindliche Bestimmung, Eigenschaft, 3rd ed. by Roxburgh, London 1920/21. - Flagge, Ladung s. Seekriegsrecht. R. Phillimore, Commentaries upon Interna. Feld geistliches. Kombattanten, Genfer tional Law, 2. ed., 4 Vols., London 1871–74.

Konvention.
K. Strupp, Grundzüge des positiven Feldlazarette s. Genfer Konvention.
Völkerrechts, 2. Aufl.; Bonn 1922.

Ferdinandfall s. Zar Ferdinandfall.
J. Westlake, International Law I, 1904, II,
1907. – Monographien und Abhandlungen:

Fernsprechanstalten S. Telegraphenrecht T. Baty, Intercourse with alien enemies,

Landkriegsrecht. L.Q.R. XXXI, 1915. — Baty-Morgan, War,

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zu

Festungen, Verproviantierung belagerter nommenen (I.) Kreuzzug niedergelassen. Seit

Die Frage der Verproviantierung kommt 1249 erscheint Finnland als schwedische Proals Sonderfrage nur in Betracht im Falle vinz, die seit 1362 das Recht besaß, wie die einer Waffenruhe oder eines Waffenstill-Landschaften Schwedens an der Königswahl standes (s. d. Art.). Im übrigen gelten die

teilzunehmen. Aus dem Landesgesetz von 1442 allgemeinen Grundsätze, wie sie unter „Be- geht klar hervor, daß Finnland den schwelagerung“ dargelegt sind (WB. Bd. I, 117). gestellt war. Es lag in seiner abgesonderten

dischen Provinzen rechtlich völlig gleichFür den Fall eines Waffenstillstandes hängt die Verproviantierung von den getroffenen geographischen Lage sowie darin, daß der überVerabredungen ab. Der Satz des Grafen wiegende Teil Finnlands durch Sprache und Chaudordy eines berüchtigten ultramon- Abstammung von Schweden verschieden war, tanen Diplomaten, der in Bern und Madrid begründet, wenn es dem Kernland gegenüber wegen seiner päpstlichen Politik sich un

eine eigene Individualität zuerkannt erhielt:

Seit 1587 erscheint es als besonderes Grob. möglich machte — „le principe d'un armistice implique nécessairement, quand il est question

fürstentum, ohne daß hieran freilich weitere d'un une place assiégée, le ravitaillement de

Rechtswirkungen geknüpft worden wären. cetteplace“, ist ganz willkürlich und wird durch

Staatsrechtlich erscheint Finnland als schwe

dische Provinz. die Geschichte widerlegt. Hält der stärkere Teil die Verhältnisse noch nicht für friedens

II. Durch die Frieden von 1722 und 1743 reif, wäre es unrichtig, Verproviantierung zu

wurden die südöstlichen Gebietsteile Finngestatten. So wurde 1871 die Verprovian

lands (das spätere russische Gouvernement

Vertierung (Paris) verweigert, während Preußen Wiborg) von Schweden abgetrennt. in Nikolsburg die Verproviantierung der

suche Rußlands, Finnland selbst aus dem böhmischen Festungen zugestanden hatte.

Bestande des Nachbarreiches lösen, Wenn Chaudordy, der sich 1870 für Inter- scheiterten an der Anhänglichkeit der Finnvention Englands ins Zeug legte und 1876—78 länder. Erst der für Schweden unglückliche das Bündnis Frankreichs mit Rußland herbei- Krieg von 1808/09 brachte den russischen zuführen suchte, obige Äußerung tat, so darf Expansionsbestrebungen Erfolg: Kurz nach an Thiers hist. de la révolution VII, S. 84

Eröffnung

der

Feindseligkeiten erklärte (vgl. Rev. d. deux mondes 59, S. 468) er

Alexander I. in einer an die Mächte geinnert werden, wo die Weigerung Napoleons richteten (völkerrechtlich bedeutungslosen!) 1801, die Verproviantierung Mantuas zuzu

Deklaration vom 28./16. März 1808 die Ingestehen, gelobt wird. Im allgemeinen würde besitznahme des Landes durch Rußland. eine Verproviantierung alle Vorteile des Be- Ergab diese Erklärung noch die Absicht des lagerers illusorisch machen und unter Um- Monarchen, Finnland zur russischen Pro. ständen zur Verlängerung des Krieges bei- vinz zu machen, so erscheint jene stark tragen, kann also durchaus nicht als völker-modifiziert in einem an die Finnländer gerechtlicher Satz anerkannt werden.

richteten Manifest vom 17./5. Juni 1808.

In ihm erklärte er, daß die alten Gesetze und Literatur:

Vorrechte Finnlands heilig gehalten werden Außer der allgemeinen im Art. Belagerung sollten. Weiterhin berief er kurz darauf nach

nachgewiesenen Literatur s. bes. Heffter- den Gesetzen, die bisher hierfür maßgebend Geffcken, S. 313. Anm. 9 und Anm. 33 zu gewesen waren, einen Landtag nach Borga, Lueder, § 120 in HH. IV, S. 542. Bluntschii , in Holtzendorffs Jahrbuch begab. Alsbald nach seiner Ankunft, 15./27.

zu dessen Eröffnung er sich persönlich dorthin für Gesetzgebung usw. I, 295. Brentano u. Sorel, S. 304. Fälle: Calvo,

V. 1809, erließ er eine Versicherung an die § 2138ff. v. Kirchenheim. sämtlichen Einwohner Finnlands, in der es

heißt: „Nachdem Wir, mit dem Willen der

Vorsehung, das Großfürstentum Finnland in Festungen s. a. Land- bzw. Seekriegsrecht. Besitz genommen, so haben wir die Religion Feuerwaffen in Afrika s. Kongo.

und die Grundgesetze des Landes samt Finanzverwaltung s. Weltwirtschaft.

den Privilegien und Rechten, die ein jeder Stand im erwähnten Großfürstentum

für sich und alle dessen Einwohner überhaupt, Finnland.

sowohl höhere wie niedere, gemäß der

Konstitution genossen, hiermit be. 1. Die Finnen, ursprünglich wohl an der stätigen und befestigen wollen. GeWolga beheimatet, haben sich in Finnland lobend alle diese Vorteile und Verfassungen (Suomi) einige Jahrhunderte vor dem von fest und unverrückbar in ihrer vollen Kraft König Erich von Schweden im Jahre 1157 auf zu bewahren.“ Und bei der Eröffnung des Wunsch des Papstes Hadrian III. unter-Landtages erklärte er ausdrücklich in seiner

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französischen Ansprache: „J'ai promis de die vorher Schweden als Ganzes eingenommen maintenir votre constitution, vos lois fon- hatte. An die Gesamtheit seiner Erklärungen damentales.“ Nachdem dann die feierliche war Alexander I., waren aber auch seine Eidesleistung der Stände in der alther- Nachfolger gebunden. Und zwar u. E. staatsgebrachten Form des schwedischen Landes- rechtlich wie völkerrechtlich. Staats. gesetzes von 1442 erfolgt war, erließ Alexander rechtlich nicht deshalb, weil die Vorgänge, am 4. IV./23. III. 1809 eine Kundmachung die der Gründung des Neustaates voranan sämtliche Einwohner Finnlands des In- gingen, dessen Geburtstag selbst als Faktum halts, daß der Kaiser, indem er die Stände sich der genauen Feststellung entzieht, im zu einem allgemeinen Landtage versammelte Sinne jenes viel behaupteten pacti unionis und ihren Eid der Treue empfangen, bei dieser et subiectionis gewertet werden müssen. Gelegenheit durch eine feierliche, im Heilig- Von einem echten „Vertrag“ zwischen Zar tum des Höchsten verkündete Akte die und Volk kann keine Rede sein. Wohl aber Religion und Herdgesetze des Landes be- deshalb, weil Kaiser Alexanders sämtliche stätigt habe. Kurz nach diesen Vorgängen Nachfolger bei ihrer Thronbesteigung enterhielt die Endigung der Zugehörigkeit Finn- sprechende Erklärungen abgegeben hatten. lands zu Schweden ihre unerläßliche Völkerrechtlich und, wegen des erfolgten völkerrechtliche Sanktion. Denn Art. IV Umgusses in Landesrecht, auch staatsrechtdes Frederikshammer Friedens vom 17. IX. lich, im Hinblick auf den in dieser Beziehung 1809 bestimmt: „Ces gouvernements noch nicht in seiner Bedeutung richtig erappartiendront désormais en toute pro- faßten Schlußpassus des Frederikshammer priété et Souveraineté à l'Empire de Russie Friedens, der rechtlich eine Auflage, nämlich et lui resteront incorporés.“ Weiter heißt es die zur Beachtung der finnischen Privilegien, unter Anspielung auf die oben erwähnten enthielt. Vorgänge: ,,Sa Majesté l'Empereur de toutes IV. War Finnland auch ein Staat, d. h. les Russies déjà ayant donné les preuves les ein organisiertes, selhaftes Volk, das auf plus manifestes de la clémence et de la justice, eigenem Staatsgebiet, unter eigener Staatsavec lesquelles La Majesté a résolu de gou-gewalt nach eigenen Gesetzen lebte, so war verner les habitants des pays qu'elle vient es doch kein Völkerrechtssubjekt. Wie es d'acquérir en les assurant généreusement et irrig ist, Finnland staatsrechtlich als Staatsd'un mouvement spontané du libre exercice fragment oder Land zu bezeichnen, so ist es de leur réligion, de leurs drois de propriété ebenso falsch, es unter eine der üblichen et de leurs privilèges, La Majesté Suédois Formen der Staatenverkündungen zu subse voit par là dispensée du devoir, de faire sumieren: Weder der Typus der Personal-, des réservations là-dessus en faveur de ses noch der Realunion, noch der Suzeränität, noch anciens sujets.“

des Protektorats, noch des Bundesstaats trifft III. Die verschiedenen Äußerungen des auf den völkerrechtlich überhaupt nicht Zaren bedeuten die Erhebung Finnlands zum vorhandenen, von Rußland völlig gedeckten Staat (als „placé au rang des nations“ finnischen Staat zu. Daher waren die zahlbezeichnete es Alexander I. selbst in seiner reichen Eingriffe in das staatliche Leben Abschiedsrede vom 18./6. VII. 1909, mit der Finnlands seitens der russischen Regierung, er den finnischen Landtag schloß). Alexander die etwa um die Jahrhundertwende einhätte, als er antizipierend (d. h. vor Abschluß setzten und bis zum Ausbruch des Weltkriegs des Friedensvertrages) an die Ordnung Finn- dauerten, staatsrechtlich glatte, aufs schärfste lands ging, nachdem er einmal entschlossen zu brandmarkende Verfassungsbrüche, völwar, dem Lande staatliche Natur zuzuer-kerrechtlich waren sie, außer für kennen, ihm eine beliebige Verfassung neu Schweden (s. sub III), uninteressant. schaffen können. Wohl aus praktischen Dieser Staat hat aber von dem ihm nach Erwägungen heraus, insbesondere um an Art. IV des Frederikshammer Friedens zuBestehendem anzuknüpfen, hat er dies nicht stehenden Einspruchsrecht, soweit bekannt, getan, sondern bestimmt, daß die Verfassung keinen Gebrauch gemacht. Schwedens, dessen Bestandteil Finnland bis- V. Die erste Revolutionsregierung Rußher gewesen war, weiterhin dort Geltung lands (Kerenski) hat die Sonderstellung Finnhaben sollte. Während aber Schweden aus lands zu Rußland bestätigt. Das Land selbst einer Reihe von Landesteilen, zu denen auch aber ist weitergegangen: Am 6. XII. 1917 Finnland gehörte, bestanden hatte, waren hat der finnische Landtag die Unabhängig.

was bisher noch nicht zum Ausdruck ge-keit Finnlands proklamiert, eine Proklakommen ist nunmehr die schwedisch ver- mation, die, zunächst völkerrechtlich bebleibenden Gebiete weggefallen, so daß Finn- deutungslos, durch die Anerkennung Sowjetland mit seiner vormals schwedischen, nun-rublands am 22. XII. 1917, der sämtliche mehr eigenen Verfassung die Stelle einnahm, übrigen Staaten gefolgt sind, zur Anerkennung Finnlands als Völkerrechtssubjekt geführt hat. Fischereiverträgen (trêves pêcheresses). Es Von den Verträgen, die der Neustaat der handelt sich hier um die Befreiung der F. von auch Mitglied des Völkerbundes und dessen der Wegnahme, aber ohne daß diese Praxis Verfassung in der Regierungsform vom 17. als eine positive und ausdrückliche allgemeine VII. 1919 festgelegt ist, seitdem abgeschlossen Norm des Völkerrechtes angesehen werden hat, sind besonders zu nennen der mit dem kann. Während z. B. Art. 79 eines Ediktes Deutschen Reiche vom 21. IV. 1922 und Heinrichs IV. von Frankreich an die Admit Sowjetrußland vom 14. X. 1920 (Strupp miralität vom März 1584 (Pardessus, Col. Documents V Nr. CCCCVI).

lection des lois maritimes, T. IV, 1837, S. 319) Literatur: (besonders)

die F. vom Prisengericht eximiert, enthält Erich, Das Staatsrecht des Großfürstentums

die Marineordonnanz Ludwigs XIV. vom Finnland, 1912. – Vuolle-Apiala, Die Ent- August 1681 (Pardessus, T. IV, S. 325) keine wicklung der Verfassung Finnlands bis Bestimmungen mehr darüber, weil die Eng. zum Regierungsantritt Nicolaus II., Würzb. länder keine Gegenseitigkeit gewährten. Das Diss. 1912. Delpech, La question finlan- humane Verhalten gegenüber den F. wurde daise, RG. 1899 S. 552ff; 1900 S. 402 ff. von Frankreich unter Ludwig XVI. (1779) Oppenheim-de Louter Arch. d.

off. wieder aufgegriffen und auch in späteren Rechts XV (1900). Despagnet, La Kriegen meistens beobachtet (1796, 1854, question finlandaise, 1901. Ein Beitrag zur Beurteilung der staats- 1870); dagegen erkannten die englischen rechtlichen Stellung des Großfürstentums Instruktionen z. B. während des Krim krieges Finnland, 1900. Erich, Le droit de la im Asowschen Meere und im Finnischen Finlande d'après les juristes étrangers, Meerbusen (1854) die Immunität der F. nicht 1908. Bornhak, Rußland und Finnland, an. Eine allgemein verbindliche internatio1900. Getz, Das staatsrechtliche Ver- nale Regelung erfuhr die Behandlung der F. hältnis zwischen Finnland und Rußland, auf der II. Haager Konferenz 1907, obwohl 1900. Politis in AJ. 1912 S. 258 ff. v. d. Osten-Sacken, Die staatsrechtliche

sie auf dem russischen Programm nicht Stellung des Großfürstentums Finnland im

besonders erwähnt war. Im Verlaufe der Russischen Reiche, 1909. Mechelin, La Verhandlungen der IV. Kommission wurden question finlandaise, 1893. van der die Erörterungen aber auch auf die Frage Vlught, The legal position of the Grand der Befreiung der F. von der Wegnahme Duchy of Finland, 1912. – Redslob, Ab- ausgedehnt. Die Diskussion ergab, daß über hängige Länder, 1914, S. 242 ff. La das Prinzip der Behandlung der F. Einstimquestion des îles d’Aland II (Rapport der migkeit herrschte und eine Divergenz sich Kommission des Völkerbunds) 1921 S. 80 ff.

nur auf unbedeutende Einzelheiten erstreckte. Finland, Handbook of the historical section of the foreign Office Nr. 47, London Als Artikel 3 des XI. Abkommens vom Haag 1920.

Strupp.

1907 fand der einstimmig angenommene Entwurf seinen Niederschlag. Er besagt, daß

die ausschließlich der Küstenfischerei dienenFiore s. VRsliteraturgeschichte.

den Fahrzeuge sowie ihr Fischgerät, ihre Takelage, ihr Schiffsgerät und ihre Ladung

Diese von der Wegnahme befreit sind. Fischerboote.

Befreiung hört selbstverständlich auf, sobald Im Sinne des Völkerrechts sind unter F. sie in irgendwelcher Art an den Feindselig. diejenigen Seefahrzeuge zu verstehen, die keiten teilnehmen. Ebenso versagen es sich ausschließlich der Küstenfischerei dienen. die Vertragsmächte, den harmlosen Charakter In Friedenszeiten unterliegen die F. den dieser Fahrzeuge auszunutzen, um sie unter Bestimmungen, die die innere Gesetzgebung Beibehaltung ihres friedlichen Aussehens zu ihres zugehörigen Staates über die Küsten- militärischen Zwecken zu verwenden. In fischerei erlassen hat. In Kriegszeiten ist diesem Falle ist die Anhaltung, Durchsuchung es eine jahrhundertalte Gewohnheit, daß die und die ev. Aufbringung oder gar die ZerF. wie ihre Besatzungen einen besonderen störung gerechtfertigt, wie dieses im letzten internationalen Schutz genießen; denn ihre Kriege besonders häufig von deutscher Seite Tätigkeit ist eine absolut friedliche und für gegenüber englischen F. geschehen mußte. den nationalen Reichtum eines Landes ohne

Literatur: die geringste Bedeutung. Meistens sind es arme Familien (les moissonneurs des mers

Ch. de Boeck, De la propriété privée ennemie territoriales), die nur notdürftig ihr Leben

sous pavillon ennemi, Paris 1882. vom Fischfang fristen. Besonders seit dem

Th. Ortolan, Règles internationales et

Diplomatie de la mer, Paris 1864. XVI. Jahrh, finden sich Bestimmungen zum F. Perels, Das internationale öffentl. SeeSchutze der Fischerboote sowohl in den recht der Gegenwart, Berlin 1903. Reglements einzelner Staaten wie in den sog.

Mewes.

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