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Darstellung und Beurtheilung

der deutschen

Strafrechts-Systeme,

ein Beitrag zur Geschichte der Philosophie und der

Strafgeseßgebung8 - Wiffenschaft,

Friedrich Kari Kriodez
Dr. F. C. Th. H e P p,

Professor des Rechts in Tübingen.

Erfte Abtheilung,

die Vergeltungs- oder Gerechtigkeitssysteme.

Zweite völlig umgearbeitete Auflage.

O Heidelberg,
bei 3. C. B. Mohr.

1 8 4 3.

.

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V or r e d'e.

Ochon eine flüchtige Vergleichung dieser zweiten mit der erften Ausgabe der Darstellung und Beurtheilung der wichtigsten deutschen Strafrechtstheorieen wird ergeben, in welchem Verhältnisse beide nicht nur der Form und dem Umfange, sondern auch dem Inhalte und Urtheile nach, zu einander stehen. In legterer Beziehung dürfte die Vergleichung einer Jugendarbeit mit einer reiferen Mannesarbeit am angemessenften reyn.

Auf mehr aber, als auf eine reifere Mannesarbeit macht sie nicht Anspruch. Denn für etwas Vollendetes giebt, ste fich in allen jenen Beziehungen nicht aus, nicht einmal dem Umfange nach. Sie beschränkt sich nämlich auf die inländischen Strafrechtssysteme, die sie aber dafür ausführlicher und, bis auf die Gegenwart herab, in größerer Volftändigkeit giebt, als die seit den leßten Jahrzehenden über diesen Gegenstand erschienenen Schriften, weldie theils nur in dürftigen Auszügen und kurzen, oft kaum den Namen einer Kritik verdienenden, Abfertigungen und Schlagworten bestehen, theils fehr unvollftändig sind, indem site entweder nur gelegentlich in einer Note, oder wohl auch gar keine Notiz von den interessanten Erscheinungeir

der neuesten Zeit nehmen. Da des Verf.'s eigne Schrift (die erfte Ausgabe seiner Strafrechtstheorieen) in dieser Beziehung ein bequemer Donangeber war, so soll dieß, so viel wie möglich, durch die zweite Ausgabe jeßt wieder gut gemacht, und damit der Streit der Strafrechtstheorieen auf diejenige Bahn zurückgeführt werden, welche allein der Wissenschaft, und der Wichtigkeit dieser Frage angemessen ift.

Die ausländischen Strafrechtstheorieen, so sehr fie fich auch durch eine gewiffe Frische und unverkennbare Eigenthümlichkeiten vor den deutschen auszeichnen, und deshalb einen sehr anziehenden und reichen Beitrag zu der vorliegenden Schrift in der ihr eigenthümlichen Richtung gegeben hätten, mußte dagegen der Verf., wenigftens vor der Hand, ausschließen, weil er dem Umfange einer solchen Arbeit für jegt nicht gewachsen war. Ift schon eine gründliche Darstellung und Beurtheilung der deutschen Strafrechtssysteme, wie jeder unpartheiische Beurtheiler zů= geben wird, eine mühevolle Arbeit, so sind auf dem Ge=' biete der ausländischen Systeme die Schwierigkeiten theil. weise noch größer, weil sie nicht nur in vielen Sprachen, namentlich in englischer, französischer und italienischer, auch dänischer Sprache geschrieben, sondern kaum einmal vollständig auf öffentlichen Bibliotheken zu finden sind, endlich auch einer sehr sorgfältigen Auswahl bedürfen, weil nicht Alles was ausländisch ist, darum empfehlenswerth ift. In dieser Beziehung gewähren zwar die kurs zen Inhaltsanzeigen von Mittermaier im Archiv des Criminalrechts, und in der kritischen Zeitschrift für Gefeßs gebung und Rechtswissenschaft des Auslandes, ein beques

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mes (jedoch nicht vollständiges) Repertorium; mehr aber auch nicht, indem sie des eignen Studiums jener auslänbischen Werke, und ihrer selbstständigen Beurtheilung feineswegs entheben.

Zwar hat der Verf. in seinen beiden Schriften: Ueber den Streit der Gerechtigkeits - und der Nußungs (Nußens)-Theorieen des Auslandes , Heidelberg 1834, und : Bentham's. Grundfäße der Criminalpolitik ze., Tübingen 1838 (in Verbindung mit einem Auffage hierüber in der vorgedachten kritischen Zeitschrift, Bd. 11 Nr. 25), einen, wie er glaubt, guten Anfang damit gemacht, die interes: santen Strafrechtssysteme von Rossi, Lucas und Bentham dem deutschen Publikum zugänglich zu machen, und auch Luden hat in der Einleitung zu Romagnost's Genefis des Strafrechts eine gründliche Darstellung des Strafrechtssystems dieses Schriftstellers gegeben. Allein man scheint für die, gewiß wünschenswerthe, Fortseßung dieses Unternehmens nicht weiter thätig seyn zu wollen, und so lange dieß nicht geschieht, kann einer allein sich der gründlichen Zusammenstellung und Beurtheilung der wichtigsten ausländischen Strafrechtssysteme unmöglich unterziehen.

Hieran schließt sich eine kurze Angabe des, oder der mehreren Standpuncte, von welchen der Verf. bei der Beurtheilung der deutschen Systeme des Strafrechts aus_ gegangen ist.

Der erste Standpunct ist der eines practischen Juris sten, welcher, ohne auf den Namen eines Philosophen, oder auch nur Rechtsphilosophen, irgend Anspruch zu machent, fich bewußt ist, mit Ernst über die wichtigsten

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