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Off or linen, Palau und Marianen. Von China | Staat die Jesuiten für gemeingefährlich, Upg 27 wurde durch V. v. 6. III. 1898 Kiautschou so gilt ein Gesetz gegen sie nicht ohne erlies erworben, die Verpachtung war eine ver- weiteres draußen, aber es wäre widersinnig, se fe schleierte Abtretung. Die übrigen Kolonien hier in der Verwaltung andere Anschauungen 1.5 wurden okkupiert, allerdings wurden auch zu vertreten). b Es hier mehrfach Verträge mit den Häuptlingen Ob die Kolonien handelspolitisch für das 22 geschlossen, die die Rechte, „die nach Zollwesen als Inland zu behandeln oder

deutschem Staatsrecht den Inhalt der Staats- besonderen Normen zu unterwerfen sind, ist

gewalt bilden“, abtraten. Bei allen diesen eine wirtschaftliche, keine Rechtsfrage. Dem ft ? Erwerbungen hatten die Kolonialgesell-Völkerrecht ist es nicht entgegen, wenn das 05* schaften eine große Bedeutung. Wie schon Mutterland sich den Handel mit den Kolonien tuzz in früheren Zeiten wurden Gesellschaften mit allein vorbehält oder bestimmte Einfuhron! Privilegien ausgestattet: so stellte auch das verbote erläßt oder den Handel Fremder mit ET Deutsche Reich der Ostafrikanischen Gesell-Zöllen belegt: das mag als Unhöflichkeit seek schaft und der Neuguineakompagnie Schutz- empfunden werden oder unklug sein, dem der : briefe aus und übertrug ihnen Regierungs- Recht widerspricht es nicht. Im übrigen sebi i rechte, während das Rechtsverhältnis bei der kann auf Gesetzgebung, Verwaltung, RechtsEt Jaluitgesellschaft etwas anders war. Die pflege usw. hier nicht eingegangen werden; ei ältere Kolonialgeschichte zeigt uns, daß man, s. hier über die Nachweise in dem WB. des Det er gleichwie Lehnherren Eroberung und Kolo-VerwR. und im WB. der Volkswirtschaft. ET nisierung von Ländern ihren Lehnsleuten Bei Erörterung und Behandlung von

übertrugen, so die Staaten große kauf-Kolonialsachen dürfte aber für den Praktiker männische Gesellschaften mit der Regierung und Diplomaten noch zweierlei in Betracht betrauten. Von diesen chartered companies kommen, einmal die Frage nach der staatssind besonders bekannt geworden: die Eng- rechtlichen Grundlage der Organisation und lisch-Ostindische (1601—1858), die Nieder- sodann die mehr das Verwaltungsrecht beländisch-Ostindische (1602—1795), während rührende der Organisation der Zentralleitung hunderte kleinerer Gesellschaften mit völligem selbst. Da ist nun eine eigentümliche ErBankerott endigten. Was in früheren Zeiten scheinung, daß, wenn auch der Satz gilt, vorteilhaft und geeignet war, ist bei der daß die Kolonien dem Souverän unterstehen heutigen Staatsentwicklung nicht nötig. und in Republiken das Volk souverän ist, Heute haben die Staaten die wirtschaftliche selbst der Präsident der französischen Reund kriegerische Macht, um Kolonialpolitik publik in den Kolonien größere gesetzzu treiben und andererseits sind die Gründe, geberische Befugnisse hat. So war es auch die gegen die Interessenpolitik treibenden im Deutschen Reich nach § 1 des RG. vom Gesellschaften sprechen, nicht entkräftet 16. IV. 1886. Die Schutzgewalt (= Staats(s. Hoffmann, S. 16). Damit ist von gewalt) übt der Kaiser im Namen des Reichs den Kolonien das, was völkerrechtlich wichtig aus das Reich hat sie quoad ius, quoad ist, dargelegt worden. Kolonien bilden völker- usum ist sie dem Kaiser übertragen. Nach rechtlich einen Teil des Staatsgebiets, wer der VU. von 1919 steht dem Reich allein sie angreift, greift den Staat an. Von einer das Kolonialwesen zu. Auch in England hat Anwendung des Art. 11 der Kongoakte, der der König, der im Mutterlande sehr geringe den Zweck hatte, europäische Verwicklungen gesetzliche Befugnisse hat, solche im weiten nicht auf die afrikanischen Besitzungen aus- Maße in den Kronkolonien und die englische zudehnen, und sie neutral zu lassen, ist leider Kolonialpolitik hat es verstanden, der Krone nicht die Rede gewesen. Für das Völkerrecht weitgehende Machtvollkommenheiten in den kommt es nur in Betracht, daß die Kolonien Kolonien zu sichern und andererseits den Inland sind. Die Frage, ob sie nach bürger- Kolonisten politische und religiöse Freiheiten lichem und Strafrecht nicht als Inland anzu- als selbstverständlich zu gewähren. Dem sehen sind, gehört nicht hierher und läßt natürlichen Gefühl vieler Millionen, das sich gar nicht allgemein beantworten. Ja, monarchisch ist und sich an eine Person man sollte sich anders ausdrücken: es handelt klammert, ist dadurch Rechnung getragen. sich nur darum, ob einzelne Gesetzespara- Die Zentralverwaltung der deutschen graphen in überseeischen Kolonien An- Kolonien bildete der Reichskanzler und unter wendung finden sollen. Da das Recht von ihm das Auswärtige Amt, in dem 1890 eine Kolonien auch unter völkischen und kli- Kolonialabteilung errichtet wurde. Aus ihr matischen Einflüssen steht, gilt nicht das wuchs 1905 das den übrigen Reichsämtern ganze Recht des Mutterstaates auch in der gleichwertige Kolonialamt hervor (für das Kolonie. Es wäre dies unrichtig, aber ebenso der RT. zuerst die Mittel verweigerte). muß gesagt sein, daß dieselben Grundsätze Kiautschou stand unter dem Reichsmarinedort wie hier gelten müssen (z. B. hält ein' amt, in den Niederlanden steht die Oberverwaltung nach § 59 VU. dem König zu, z. T. gewählt (8 Kolonien). Die 3. Gruf der auch hier anerkanntermaßen umfang- bilden die Kolonien mit Representative reichere Rechte hat, als im Hauptstaat. Die richtung und verantwortlicher Regieru? Unterscheidung in Kolonien und Besitzungen Es sind die 14 Dominions: Kanada, Ne. tritt neuerdings zugunsten der letzten hervor. fundland, die 6 Kolonien des commonweal. Das Kolonialdepartement ist ein Ministerium of Australia (vgl. darüber Doerkes 000 mit verschiedenen sachlichen Abteilungen monwealth, Diss. Heidelberg), Neuseela: und einer Abt. „Westindien“. Näheres bei Kapkolonie, Natal, Transvaal, Orangefick Hartog in Marquardsens Hdb. d. öff. R. IV, kolonie. (Dazu treten noch eine Anza! 1. Hibbd. Abt. 4 S. 84. In Frankreich war nicht regelrecht organisierter Schutzgebit: das Marineministerium, das 1669 unter und die von charter companies verwaltete: Colbert eingesetzt wurde, die Zentralbehörde, Gebiete Borneo und Rhodesia, ferner einzelre von der ein Jahrhundert später eine eigene Malaienstaaten und die Protektorate, sow: Kolonialabteilung abgezweigt wurde. Es Zypern und Weihaiwei, die zu den 32 de hat jetzt ein eigenes Kolonialministerium Klasse 12 gerechnet werden.) (Pavillon de Flore), während Algier unter Die deutschen Kolonien sollen nach den allgemeinen Behörden steht (vgl. dem FV. vom Völkerbund verwaltet werden, den Gothaischen Kalender und die sehr der das Mandat Frankreich und England genaue Darstellung im Dictionnaire de übertragen, was zu allerlei Streitigkeiter l'administration 1).

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und Unzuträglichkeiten Anlaß gegeben (s. In Großbritannien waren lange Zeit die Petermann, Mitteilungen 1921, S. 21 u. Kolonialsachen von einem Komitee des Privy ev. Nachtrag). counsel bearbeitet, seit 1695 mit einem

Literatur und Quellen: Board of trade and plantation. Seit 1854 besteht ein Colonial Office (Downingstreet SW)

Allgemeines: Roscher u. Jannasch, Kolo

nien, Kolonialpolitik u. Auswanderung, das 1907 neu organisiert ist, drei Abt. 1. für

1885 (nach dem Art. im Archiv f. polit. Dominions, 2. für Kolonien und Kron- Ökonomie u. Polizeiwissensch. VI, VII, kolonien, 3. Generalabt. Für Indien ist ein 1846/7/8). Plehn u. Sarwey, Kolonial. großes Indisches Amt (St. James Park SW.) politik in d. Zeitschr. „Deutsches Wollen“, errichtet; vom Colonial Office ressortiert ein 1906. – Hauptwerke: A. Zimmermann, bes. Emigrants Information Office (31 Broad- Kolonialpolitik 1905 und Köbner, Einway SW.) und crown agents. Das Staats- führung in die Kolonialpolitik, 1908, mit handbuch führt folgende an: Antigua, Ba

guten Literaturangaben zu den einzelnen

Abschnitten. Kolonialgeschichte: hamas, Barbados, Basutoland, Bechuana

Morris, History of colonies.- Dietr. Schäfer, land, Bermuda, British Guiana, British

Kolonialgesch. (Samml. Göschen 156). Honduras, Ceylon, Cyprus, Dominicz, Falk- A. Zimmermann, Die europ. Kolonien, land, Islands, Tiji, Gambia, Gibraltar, Gold- 1896-1903, 5 einzelne Bände.

Supan coast, Grenada, Hongkong, Jamaica, Lagos, v. Halle u. a. m. s. Köbner, S. 25. Leeward Islands, Malta, Mauritius, Mont- Häbler, D. d. überseeischen Unternehmun. serrat, St. Helena, St. Kitts, Nevis,

gen der Welser, 1903. — Schück, BrandenSt. Lucia, St. Vincent, Seychelles Islands,

burg-Preußens Kolonialpolitik unter dem

Gr. Kurfürsten, 1889. – Ring, Asiat. Sierra Leone, Straitsettlements (including

Handelskompagnien unter Friedr. d. Gr., the Malay states of Jelebu, Negri Sembilan, 1890. — Stengel in Hirths Annalen 1886. Pahan, Perak, Selangor and Sungey Ujong), - Amtliches Material in den seit 1885 erTobaco, Trinidad, Turks Islands, Virgin schienenen Weißbüchern und den dem Islands, Zululand. Diese Einteilung be- RT. vorgelegten Denkschriften und Jahres. zeichnet die Colonial office List selbst als

berichten. Deutsches Kolonialblatt und „largely obsolete“, druckte sie aber trotz

VOBlatt für Kiautschou. Eine Sammlung, dem jährlich ab. Eine vorzügliche Übersicht zuerst herausgeg. v. Riebow, 1893ff. bei 1

Mittler & Sohn in Berlin. erhält man aus Köbner (s. u.).

Leroy Beau

lieu, De la colonisation chez les peuples Danach unterscheidet man, abgesehen

modernes, 2. Aufl. 1882. — Fochifi, Colonie von Indien, das ein besonderes Reich ist etc. 1890. Sacerdoti, Studi sulla coloin dem aber wieder das eigentliche Indien, nizzatione 1890. Franchotti, L'Italia die Schutzstaaten und Aden unter- e la sua colonia africana, 1890 (s. auch scheiden sind — 1. Kronkolonien mit Gesetz

Lit. bei Tripolitan. Krieg). Völker gebung der Krone und heimatlicher Ver

rechtliche und kolonialrechtliche waltung, 2. Kolonien mit verantwortlicher

Lit. außer in den völkerrechtl. Werken von Regierung und Representativeinrichtungen,

Liszt, Ullmann, Martens, Moore,

Oppenheim, Bonfils bei Fleischmann, nud zwar ohne legislative Council (9 Kolo

Register S. 368/9 und bei den einzelnen nien), gesetzgebender Rat von der Krone Staaten; ferner: Stengel, Schutzgebiete, ernannt (15 Kolonien), gesetzgebender Rat 1886 u. 1901. – G. Meyer, 1888. - Poser

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u. Groß-Naedlitz, Rechtl. Stellung der Gesetze und Gebräuche des Krieges be-
Schutzgebiete, 1903. Florack, Schutz- achtet. In der bewaffneten Macht werden
gebiet, 1905. Gareis, Kolonialrecht, Kombattanten und Nicht kombattanten unter-
2. Aufl., 1902. Edler v. Hoffmann, schieden. Zu jedem Heer gehören eine Menge
Deutsches Kolonialrecht, 1907, S. 5.
Weitere Literatur über die Frage des Ge- yon Personen, die Nichtkombattanten sind,
biets s. Geffcken, Das Gesamtinteresse als Ärzte, Veterinäre, Schwestern, Kranken-
Grundlage d. Völkerr., 1904. – Über pfleger, Geistliche, Marketender, Privat-

Interesse“- und Einflußsphären vgl. van dienerschaft, Diplomaten, fremde Militärs,
Ortroy, Conventions internationales définis- Preßberichterstatter, das, was man früher
sant les limites etc. 1898. - v. Hoffmann, ,,TroB“ nannte, Personen, die im § 164 des
S. 8. Despagnet in Rev. gen. T. 103 deutschen MilStGB. bezeichnet sind als
(,,Hinterland" ) u. Liszt, Note zu § 9 (S. 80). solche, die in irgendeinem Dienst- oder Ver-

Über Kolonialgesellschaften: Noilau, Z. f. Kolonialpolitik VI, 385.

tragsverhältnis stehen oder dem Heere folgen. Dislère, Traité de législation coloniale, Sicher ist, daß, wenn wir von „bewaffneter 1886 u. Girault, Principes de colonisation, Macht“ sprechen, wir nicht an die Nicht2 A. T. H., 1903/4. Gourd, Les chartes kombattanten des Art. 3 denken, denen die coloniales, 1885. Dilke, Problems of Haager Konferenz die Behandlung als KriegsGreat Britain, 4. Aufl., 1890. — Levis Mill, gefangene errungen hat. Über Kolonialverfassung u. Verwaltung. Man hat im Haag das große Problem, ob Tarring, Chapters on the law relating die Verteidigung des Vaterlandes ein Vorcolonies.

Wem diese sorgfältig ausge- recht des Heeres, oder ob jedermann im wählten Schriften nicht genügen, möge die Werke, die ausführliche Angaben ent- Lande Haus und Herd mit seinem Schwert halten, zu Rate ziehen, bes. Brose, Die zu verteidigen berechtigt, zu lösen geglaubt deutsche Kolonialliteratur, 1884–95, her- und sich, nachdem manchmal die ganze Verausgeg. v. d. Deutschen Kol.-Ges. 1897 handlung zu scheitern drohte, auf die drei mit jährlichen Nachträgen (ev. Auskunft Artikel geeinigt. Ob damit etwas Wesentbei d. Deutsch. Kol.-Ges. Berlin W. 35, Amliches erreicht ist, kann dahingestellt beiben Karlsbad 10. Griffin, List of books. im Hinblick auf die Preambel und Vorbehaltsrelating to the theory of colonization (auf erklärung, die als eine Art „GlaubensVeranlassung d. Philippinenkomitees des nordamerikan. Senats als Anhang

bekenntnis“ der Mächte anzusehen ist und (Austin, Colonial Administration, 1903).

die wenigstens so klug ist, Fälle anzuerkennen, Katalog der Bibliothek d. comité de légis- die nicht unter die Artt. 1 u. 2 fallen. So lation étrangère, Paris 1889, Nr. 2346 ff. bleibt das Problem. Das Völkerrecht muß und Nachträge, die Colonial Office list, juristische Formen verlangen, aber wenn die die Veröffentlichungen des Institut inter- höchsten Güter von Volk und Vaterland auf nat. des colonies, die Nachweise im Dic- dem Spiele stehen, versagen die juristischen tionnaire de l'administration française I, Formen und Formeln. So bleibt immer die v. M. Block (5) I, 729 und die Literatur im Wörterbuch' d.' Volkswirtschaft (Zöpfl)

Frage, was verlangt das Völkerrecht, wenn V, S. 1032 und im StWB. d. Görresgesellsch. es heißt, „das Volk steht auf, der Sturm s. v. Koloniale Politik (1. Aufl.).IV, S. 455. bricht los“? Man muß gestehen, wenig Ver

Allgemeine Nachweise und 'Übersichten nünftiges ist in den zahlreichen und breiten in den Konversationslexicis und bei Erörterungen der Lehrbücher usw. gesagt Köbner, S. 44. v. Kirchenheim 4. das Klarste und Treffendste in dem Kriegs

gebrauch des Generalstabsheftes und bei

Lueder. Die Geschichte aller Kriege ist Kombattanten.

voller Beispiele von Volksbewaffnung, Massen

erhebung Die freiwilligen Jäger vom Subjekte des Kriegsrechts, mit facultas 3. II. 1813, das Schillsche Freikorps, Lützows bellandi ausgestattet sind die Staaten. Der „wilde verwegene Jagd“, die Tiroler Schützen 1. Abschnitt der LKO. führt die Überschrift 1809 waren zwar irregulär, aber dem Heere „Kriegführende“ und bringt damit zum Aus- angegliedert, der Landsturm war Teil des druck, daß hier die Personen konkret be- Heeres, aber vom heutigen Standpunkte aus stimmt werden sollen, die die Völkerrechts- hätten Zweifel entstehen können, da der subjekte, die Staaten vertreten, ihre Rechte Landsturm nicht uniformiert war. Die Anausüben, ihre Pflichten zu beachten haben. regung zu den Auseinandersetzungen der Die LKO. faßt unter Heer auch Milizen und neuesten Zeit in Brüssel und dem Haag Freiwilligenkorps. Nach Art. 2 soll selbst wurde vor allem durch den Franktireurkrieg die Bevölkerung eines noch nicht ,,besetzten“ gegeben, der 1870 in Frankreich als „,widrige Gebietes (s. Art. Besetzung, Invasion) der Karrikatur des Volkskriegs“erfolgte (F. Dahn). Rechte der regulären Truppen teilhaftig sein, Es ist nicht richtig, daß die deutsche Heereswenn sie die Waffen offen führt und die leitung 1870 in ihren Forderungen zu weit

u.

ging, indem sie eine besondere Ermächtigung im Grunde unnütz werden. Denn was zu als Nachweis verlangte. Dies geschah nur, „Heere" gehört, das hat natürlich das Milita weil die Franktireurs bald in Bauernbluse, recht des einzelnen Staates zu entscheidebald uniformiert erschienen, aus dem Hinter- Schweizer Milizen, deutscher Landsturt halt schossen usw. und weil der Meuchelmord | Tiroler Freiwillige waren genau so Soldaten durch Nichtuniformierte amtlich empfohlen wie andere. Bleiben Franktireurs, Guerilla und belohnt wurde (Präfekt d. Dep. Cote u. dgl. Für sie gilt 1. sie müssen organisier d'Or v. 21. XI. 1870 u. a. in „Wie die Fran- sein, d. h. es muß „jemand“ an ihrer Spitz zosen Krieg führen“ von ***, Berlin 1871, stehen, der verantwortlich ist, nicht nolDuncker; Meurer, S. 81). Das LKR. ent-wendig ein Offizier, es kann ein Beamter, eis schied nicht und konnte nicht entscheiden, Parteisekretär, ein Lohgerber sein. Dagege ob ein Volk zu den Waffen greifen dürfe. wird nicht, wie von früheren Schriftstellera Wenn das Vaterland in Gefahr, wenn der Ermächtigung durch die Staatsgewalt gé Sieger heranrückt, wer könnte es hindern, fordert: es genügt Organisation, das „Autodaß Alt und Jung von glühender Begeisterung risationsprinzip" ist gefallen. 2. Unerläßlich ergriffen zu den Waffen eilte, Heim und Herd ist ein bestimmtes, aus der Ferne (Gewehr. zu verteidigen. Sollen das nicht ehrliche schußweite) erkennbares Abzeichen; eine Kombattanten, sollen das Verräter und lächerliche kindliche Festsetzung, da man Räuber sein? Aber darum handelt es sich mindestens dann das Zeichen (Kreuz, Armhier gar nicht. Nicht, ob das Volk zu den binde) genau hätte bezeichnen müssen. Richtig Waffen greifen darf, sondern wie es dies tun, fordert Bonfils a. gleichmäßige Be wie es sich verhalten muß, um nicht den kleidung. Die Blusen der Franktireurs und militärischen Strafgesetzen, dem Kriegsrecht die roten Schnüre die unter Umständen zu verfallen, das ist die Frage. Trotzdem schnell entfernt wurden genügten nicht; muß festgehalten werden, daß gewisse Be- 3. daß sie die Waffen offen führen. Wer dingungen hinsichtlich Organisation, Ab- Pistolen in der Tasche trägt, Handgranaten zeichen usw. erfüllt werden müssen, wenn man bei sich hat, fällt nicht hierunter; 4. daß sie den Krieg nicht zu einem verderblichen die Gesetze und Gebräuche des Krieges Kampf unter Privaten zurückschrauben will. beachten. Ob dies die im letzten Kriege Das würde schlimmer sein, als die scheinbare herangezogenen Truppen unzi vilisierter Einschränkung des Rechts der Volksbewaff- Völker getan, ist zweifelhaft. Für die sich nung und Massenerhebung. Zuweitgehende, zur Verteidigung erhebende Bevölkerung wenn auch auf den ersten Blick empfehlens- sind nur die beiden letzten Bedingungen vorwert scheinende und gut gemeinte Kon- geschrieben, deren letzte vermutlich nie zessionen könnte revera weniger human sein erfüllt werden kann, es sei denn, daß diese und vielmehr die geordnete Kriegführung Bevölkerung vorher einer Prüfung im Völkererschweren. Das Ergebnis der Haager Kon-recht unterworfen worden wäre, insondei heit ferenz ist nichtssagend und sehr mäßig. noch Meurer II, S. 52—112. Schöne Worte in der Martensschen Er

Lietartur: klärung, dazu die tönenden Reden Beer Geschichtliches Material Lueder in HH. IV, naerts und schließlich ein Vertragstext,

S. 373ff. Bonfils-Grah, S. 582. der Lücken läßt. Die ganze Streitfrage

Spaight, War rights, S. 48ff. Oppenhat insofern an Bedeutung verloren, als heim II, S. 94. — F. Dahn, Bausteine V, 1, die letzten Kriege eine solche Verwendung S. 145ff, Archiv f. öff. R. XV, S. 162. großer Massen und die Angliederung aller Weitere reichhaltige Nachweise in Meurers waffenfähigen Volksbestände an das Heer Anmerkungen II, S. 52 ff. und bei Strupp, gezeigt, daß kaum noch Wehrtüchtige übrig.

LKO. S. 37. v. Kirchenheim 7. bleiben, die wirkliche Freischaren bilden könnten.

Die Haager Bestimmungen enthalten nun- Kompromissarische Klausel s. Weltwirtmehr folgendes: Gesprochen wird vom ,,Heer“ schaft und Weltwirtschaftsrecht. und (83) von bewaffneter Macht. Art.3 sichert auch den Nichtkombattanten Behandlung als Kriegsgefangene zu (s. diesen Art.). Art. 1

Kondominat und 2 unterscheiden Milizen und Freiwilligenkorps und „die Bevölkerung eines Gebietes, ein schiefer Ausdruck für ein eigenartiges das nicht besetzt bei Herannahen des Fein- Rechtsgebilde das nach dem Introitus des“. Für die erste Gruppe sind eine Reihe mehrerer es beseitigenden Verträge allerlei von Bedingungen aufgestellt, die bei einer Unzuträglichkeiten und Mißstände in sich recherche de paterni sofort auf den Theo- birgt un daher von vielen als etwas Vorretiker führen und durch den letzten Satzl übergehendes betrachtet wird — bezeichnet

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die Herrschaft mehrerer über dasselbe Gebiet | Stifter der hannoverschen Linie mit vier und sollte richtiger coimperium heißen. Der Siebentel und August d: J., Stifter der BraunAusdruck Kondominat ist aber gebräuchlich schweigschen Linie mit drei Siebentel über. und stammt aus der Zeit des Lehnrechts und So blieb es bis 1788: in diesem Jahr wurde aus Zeiten, wo man auch für öffentliches ein Teilungsrezeß errichtet, besonders auch Recht Begriffsbestimmungen dem römischen über die Forsten und Jagdrechte. GemeinRecht entlehnte. Es gilt in der Tat für den schaftlich blieben das ius metalli fodinarum (nicht das) Kondominat, daß Gebiete oder im Goslarer Stadtwald und die oben aufGebietsteile Wasser oder Land - meh- geführten Hütten usw. die jetzt die Komreren Staaten gemeinsam, pro indiviso ge- munion genannt werden und bis 1874 bildeten. hören, wie beim Miteigentum im bürgerlichen Nachdem 1866 durch Einverleibung der Recht (BGB. 741 ff., 1008ff., vgl. Seeler, hannöversche Anteil an Preußen gekommen Miteigentum nach BGB. 1899) alle das Ganze war, hat 1874 Braunschweig an dies seine haben, aber niemand es ganz hat. Der Kon- Hoheitsrechte abgetreten (s. u. Quellen). dominat ist eine Anomalie, meist das Ergebnis Nach dem Wiener Frieden vom 30. X. politischer Vorgänge und der Anlaß zu „zahl- 1864 (Martens, NR. XVIII, S. 474) bestand reichen Inkonvenienzen“ (Russ.- Japan. Ver- ein Kondominat für Preußen und Österreich trag 1875, Martens, NRG. II Ser. II, 582). über die Elbherzogtümer: der König von Die Gründe lagen früher besonders im Dänemark verzichtete auf alle seine SouveLehnrecht, regierende Familien wünschten ränitätsrechte über die Herzogtümer Schleseinen gemeinsamen Besitz zu behalten. Aus wig und. Holstein zugunsten des Königs von diesem Grunde bestanden im alten Deutschen Preußen und des Kaisers von Österreich. Reich viele Kondominate, die im 19. Jahrh. Bereits in der Gasteiner Konvention vom meist verschwanden, so die „denkwürdigen 14. VIII. 1865 (Martens XVIII, S. 2) wurde

Territorialkondominatverhältnisse“ von Reuß in Anbetracht der aus dem Kondominat sich j. L. S. Lit. (Klüber), die gemeinschaft- ergebenden Unzukömmlichkeiten die Ausliche Souveränität Preußens und Lippes über übung der Rechte so geregelt, daß die für die Stadt Lippstadt, der Kondominat von Schleswig Preußen, für Holstein Österreich Hessen und Baden über Kürndorf und be- erhielt. Außerdem wurde Lauenburg ganz sonders der Kommunion-Unterharz. Dieser an Preußen gegen Entschädigung abgetreten. Kommunion Unterharz hatte staats- Nach dem Nikolsburger Präliminarfrieden rechtlich bis 1874 eine sehr eigenartige und dem Frieden von Prag v. 23. VIII. 1866 Stellung, die jetzt sich nur noch bergfiskalisch Art. 5 überträgt der Kaiser von Österreich zeigt. Er umfaßt den Rammelsberg, die alle seine Rechte aus dem Wiener Frieden Eisengruben am Iberg, am Schweinsrücken über Schleswig-Holstein auf Preußen, wobei Klingenhagen und im Gegenthal bei durch das Kondominat nach nicht vollen Seesen, die Eisenhütte Gittelde und die zwei Jahren sein Ende erreicht hat und die Saline Juliushall bei Harzburg, also sehr Schleswig-Holsteinsche Frage in glänzender ergiebige Bergwerke, deren Überschuß zu Weise von Bismarck gelöst war. vier Siebentel an Preußen (Hannover) zu Auch in der Schweiz beherrschten jahrdrei Siebentel an Braunschweig floB. Die hundertelang mehrere Kantone einzeine Kommunion rührt aus dem Nachlaß des Gegenden gemeinschaftlich, die keineswegs Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig, zu den best verwalteten gehörten (Rivier, der 1634 ohne unmittelbare Nachkommen S. 151). Ein Kondominat bestand mit Frankstarb. Über die Beerbung entstand unter den reich über das Vallée des Dappes (Dappensieben Herzögen Braunschweig-Lüneburg thal), das 1862 durch Vertrag an Frankreich Streit, der durch Vertrag von 1635 beigelegt abgetreten wurde. Rußland und Japan wurde. Danach erhielten die einzelnen hatten Kondominate über die Insel Zachalin Herzöge die verschiedenen Fürstentümer gemäß Vertrag von 1875. Kalenberg, Wolfenbüttel persönlich (vgl. die Auch das Verhältnis von Frankreich und sehr verwickelte Geschichte bei Havemann, Großbritannien über die Neuen Hebriden Gesch. der Lande Braunschweig usw., Göt- kann als eine Art Kondominat betrachtet tingen 1853 und Sudendorf, Urkundenbuch werden: es ist geregelt durch den Vertrag z. Gesch. Braunschweigs, 1859ff.; Manecke, vom 16. XI. 1887 und Art. 3 der II. DeklaBraunschw. StR. bis 1800, Celle 1859), ration vom 8. IV. 1904; Fleischmann, während sämtliche zur Erbschaft gehörenden S. 348). Ganz eigenartig ist das Kondominat Bergwerke und Bergstädte Zellerthal, Grund, über den Sudan, das nach der Schlacht von die Hüttenwerke an der Oker usw. gemein- Omdurmann im Vertrage zwischen Großschaftlich blieben. Durch Aussterben ein- britannien und dem Khedive vom 19. I. 1899 zelner Linien gingen die Anteile an der festgestellt wurde. Dieser Vertrag kann Kommunion 1648 auf Georg Wilhelm, den linsofern nicht als rechtsbedeutsam anerkannt

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