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der Verfasser den Gebrauch der Infinitivform der Hülfsverba und der Verba sehen, hören, heissen, helfen, lehren, machen fühlen statt des Particips, in Verbindung mit einem Infinitiv, bezeichnet, z. B. ich habe dies thun können) und die Auslassung des Hülfverbums sein bei geworden, worden und gewesen. Der zweite Abschnitt behandelt die Attraction (Trajection) bei Relativsätzen. Statt der regelmässigen Construction: „Er besitzt das Buch, von welchem du meinst, dass er daraus lernen kann,“ der es an Fasslichkeit offenbar fehlt, hat Lessing u. A. eine lebendigere Construction, welche die Relativität im superordinirten Relativsatz in Beziehung mit dem subordinirten Relativsatz setzt, so dass die ursprüngliche Beziehung der Relativität („das Buch, aus dem er nach deiner Meinung viel lernen kann“) zum Gewinn der Deutlichkeit der Periode hergestellt wird: „Er besitzt das Buch, aus welchem du meinst, dass er viel lernen kann.“ Dies nennt der Verfasser Attraction des Relativs; diese Art der Attraction könne den Namen Trajection erhalten, weil die Relativität eigentlich aus dem Nebensatz des zweiten Grades in den Nebensatz des ersten Grades hinübergestellt erscheint. Die Variationen werden im Folgenden behandelt, zuerst die Einleitungen der beiden Nebensätze: „ferner will ich meinem Vater sagen, was ich glaube, das du wünschest,“ „ich kenne kein Stück, in welchem ich aus verschiedenen Stücken genau weiss, dass sie Mitleid erregen kann,“ „eine alte Statue, aus welcher er nicht weiss, was er machen soll, “ „das Logenwesen, so wie ich höre, dass es jetzt getrieben wird, will mir nicht zu Kopf,“ sodann die Verba finita des regierenden Nebensatzes (glauben, meinen, sich einbilden, behaupten u. a.), die Satzstufen bei der Trajection, die Stilgattungen (besonders im belehrenden Stil hat L. diese Relativ-Trajection). Die weiter aufgezäblten Beispiele dieser Construction ans früheren Schriftstellern beweisen ibr Deutschthum. Die Trajectio besteht überhaupt darin, dass so entweder der regierte Satz Wörter des regierenden Satzes (, welchen König der Gott sah, dieser wird Menschenfreund sein“) oder der regierende Satz Wörter des regierten Satzes in sich hereinzieht, was bei Lessing oft in directen Fragsätzen vorkommt (, wie wollt ihr, dass ich das versteh?" „und was meinen Sie, dass ich mir ausgedacht habe?“). Diese Trajection_ist einfach, leicht und fliessend. Das gewagteste der Art scheint dem Ref. folgendes Goethianum, das er lieber als Nonchalance bezeichnen möchte: „Die Kupfer, die noch bier sind, wäre mir lieb, wenn du sie dem Herzog überliessest“ (Goethe an Lavater bei Döring S. 25). Der dritte Abschnitt behandelt den Accusativ mit dem Infinitiv. Der Acc. c. Inf. ist bekanntlich deutsch. Der Verfasser nennt es ohne Zweifel klar, dass diese Structur jetzt zu vermeiden sei; aber warum? Klingt es auffallend, wenn Gervinus schreibt (Gesch. des 19. Jahrh. 5, 182): „Sein Vater, den er rühmte 700 Türken getödtet zu baben“? und es ist doch Acc. c. Inf. Der Verfasser bespricht zuerst die regierenden Verba, besonders glauben, meinen u. a. auch fühlen („ich bin derjenige, der sich bestimmt zu sein fühlt, seine Einheit zu retten, “. dann die Ellipsen: „So glaube jeder sicher seinen Ring den echten," „vielleicht wäre ich" der, den du mich glaubst,“ Sätze, die als Ellipsen zu betrachten sind nach Analogie des Satzes: „u der ich mich erlesen zu sein glaube Was die Satzstufen betrifft, so kommt die Construction im Hauptsatze am seltensten vor, hauptsächlich in Relativsätzen. Meistens lässt sich die im Relativsatz stehende Structur des Acc. c. Inf. in einen dem Relativsatz untergeordneten, grossentheils von der Conjunction dass eingeleiteten Nebensatz auflösen, und so ist die völlig unveränderte Form des Relativs und die Relativtrajection so naturgemäss, dass um so auffallender unsere schleppende Umschreibung durch die Präposition von erscheint.

Aus der Umgegend von Danzig: Nachträge zum vorjährigen

Programm. Von Dir. Dr. F. Strehlke. Programm der
Realschule in Danzig. 1863.

In dem Programm des Jahres 1862 hatte Dir. Strehlke in Danzig werthvolle Nachrichten über Georg Forster und seine Familie mitgetheilt, die in Kürze bereits im Archiv ausgezogen sind. Das hier vorliegende Programm bringt einige Nachträge. Dass im Jahre 1848 eine eiserne Tafel zur Erinnerung an Georg Forster am Schulhause in Nassenhuben ausgefübrt ist, dazu hatte der Staatsminister von Schön die Veranlassung gegeben; dass eine gleiche Gedenktafel am Geburtshause Reinhold Forster's in Dirschau angebracht wurde, dazu hatte er schon 1847 aufgefordert, sein Wunsch wird boffentlich bald erfüllt werden. Die Kirchengemeinde zu Nassenbuben stand ursprünglich in Verbindung mit der Bruderunität zu Lissa; dies veranlasste Reinhold Forster zu Anfragen in Lissa, zwei darauf bezügliche Briefe desselben theilt der Verfasser aus dem Archiv der reformirten Gemeinde zu Lissa mit, woraus u. A. erhellt, dass das Predigerhaus auf dem Dorfe Hochzeit stand, also die frühere Nachweisung, dass Georg Forster in Hochzeit, nicht in Nassenbuben geboren ist, bestätigt wird. Der letzte Prediger in Nassenhvben legte 1815 die verschlechterte Pfarrstelle nieder, darauf wurde die Gemeinde Tochtergemeinde des benachbarten Müggenbahl. – Mit Georg Forster hat denselben Geburtsort der berühmten Orientalist Oberhofprediger Daniel Ernst Jablonksi in Berlin, geboren 26. Novb. 1660, nicht in Danzig, wie gewöhnlich angegeben wird; sein Geschlecht existirt noch. Therese Forster, Georg Forsters älteste Tochter, ist 3. Juni 1862 zu Freinsheim in der Pfalz gestorben. Sie lebte stets für Andere, nach den Tode ihrer Schwester vereh. Huber 1851 übernahm sie die Erziebung der Kinder ihres Schwagers Herder und lebte so mehrere Jabre in Erlangen, nach dessen Tode 1855 bei ibrer Nichte in der Pfalz. Karl Anton Wilhelm Forster starb als Arzt in Aschersleben, seine Tochter Renata Justine vermählt mit dem emeritirten Prediger Störig lebt mit ihrem Gatten in Berlin; aus dieser Ehe sind noch zwei Kinder am Leben.

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Ueber Schiller's Lyrik im Verhältnisse zu ihrer musikalischen

Behandlung (allgemeine Betrachtung und specielle Aufzählung). Von Dr. F. A. Brandstaeter. Programm des Gymnasiums zu Danzig. 1863.

Das vorliegende Programm bereichert nicht bloss die Schillerliteratur von einem Gesichtspunkte aus, von dem man bisher den Dichter und seine Werke noch gar nicht betrachtet hat, als es auch weit mehr bietet als der Titel sagt; den Freunden Schiller's sei es daher angelegentlich empfohlen. Der Verfasser aber möge diesem Vorläufer bald aus seinen reichen Sammlungen eine umfassende Uebersicht der Schillerliteratur folgen lassen, nach den mitgetheilten Proben scheinen seine Sammlungen sich nicht auf eine Seite beschränkt zu haben und er keinen Nebenbuhler in Bezug auf Reichbaltigkeit zu haben.

Nach Aufzählung der musikalischen Gaben, welche das Schillerfest 1859 brachte, bespricht der Verfasser zuerst das Verhältniss Schiller's zur Musik im Allg

einen und zwar 1) seine Schätzung der Musik. Der Verfasser lässt Schiller überall selbst reden; seine philosophischen Werke und seine

er nur

Gedichte sind Quellen, niemals schiebt der Verfasser seine Ansichten dem Dichter unter. Schiller erkannte tief die Macht des Gesanges, die Wirkungen der Musik oder Poesie sind ihm unergründlich, die Musik wirkt erhebend, zugleich beruhigend, aber auch zerstreuend, ja sinnberückend. 2) Schillers musikalischer Geschmack neigte sich dem Grossartigen zu, . der Oper war er Feind. 3) Musikalische Gleichnisse, nicht ganz selten bei ihm. 4) Seine Kenntniss der Musik war mangelhaft. 5) Theorie der Musik treibt

an wenigen Stellen seiner Schriften und ohne Resultat. 6) Eine Verwendung der Musik findet er auf dem dramatischen Gebiete zulässig. Der zweite Theil der Arbeit behandelt Schiller und seine Lyrik im Allgemeinen und Besonderen. !) Schiller ist philosophischer Dichter.

2) Seine dichterische Begeisterung ist keine unmittelbare, nicht der Erguss einer plötzlichen Seelenerregung, wenigstens in geringerem Grade als bei Goethe. 3) Seine früh herangebildete Objectivität machte ihn wenig zum Liederdichter geeignet. 4) Sein Idealismus, sein Streben nach dem Allgemeineren, das ihn zum eigentlich lyrischen Dichter weniger tauglich machte, hat ihm unzählige Herzen gewonnen. 5) Schiller's Lyrik und lie musikalische Composition im Allgemeinen. Schiller dichtete nicht für den Gesang, viele der namhaftesien Liederconiponisten haben sich daher seine Dichtungen gar nicht oder nur in geringem Maasse zum Vorwurf genommen. 6) Die namhaftesten Componisten seiner Dichtungen (Reichardt, Zelter, Zumsteeg, Schubert, König Georg von Hannover). 7) Die einzelnen Gattungen der Lyrik. a) Schiller als poetischer Schilderer der Natur, b) als erotischer Dichter, früher sinnlich rasend, später sittlich reflectirend [die Lauraoden gehen auf die schöne Wilhelmine, die zweite Tochter des Stuttgarter Arztes Jac. Eberh. Andreae, 1783 mit einem Beamten verheirathet), c) als Sänger der Freundschaft, d) als Dichter für die Geselligkeit; seine Gesellschaftslieder haben nur eine Zeitlang als solche Geltung gehabt; e) als patriotischer Dichter; sein Vaterland war und blieb Würtemberg, eigentlich politische Dichtung ist bei ihm nicht zu finden, die Politik erschien ihm eines böhern Geistes unwürdig; f) Schiller als nationaler Dichter, er ist kein populärer Volksdichter, aber sein ideales Streben hat ihn zu einem bochgefeierten dichterischen Propheten gestempelt; g) Schiller als Volksdichter; er ist eigentlicher Kosmopolit, die Stelle des grossen Vaterlandes vertritt ihm das Publicum; h) Schiller als Sänger der Freiheit; die Idee der Freiheit geht durch alle seine Gedichte und sie nahm nur eine andre Gestalt an wie er ein Anderer wurde; i) Schiller als religiöser Dichter; Schiller hat seiner Zeit den Tribut gebracht, dass ihm die Tiefe des Christenstbums sich nicht erschlossen hat. Aus dieser Uebersicht erhellt, und ergiebt sich noch mehr aus der genaueren Betrachtung der Ansführung, dass der Verfasser sich zwar nicht auf sein Thema, die Lyrik, beschränkt hat, aber dass er mit grossem Fleiss den Stoff gesammelt und gut zurechtgelegt hat. Noch werthvoller ist der dritte und letzte Abschnitt. Trotz des Widerstrebens nämlich so vieler Dichtungen Schiller's gegen die Verbindung mit der Musik haben bis jetzt 234 Cemponisten sich an 82 seiner lyrischen Gedichte und Monologe gemacht und im Ganzen 500 Compositionen geliefert. Diese sind bier sämmtlich aufgezählt. Demnach sind von den lyrischen Gedichten einige gar nicht componirt, dagegen achtzehn Mal der Jüngling am Bache, dreiundzwanzig Mal des Mädchens Klage, siebenundzwanzig Mal an Emma, neunundzwanzig Mal die Sehnsucht, einundvierzig Mal das Lied an die Freude. Die meisten Compositionen sind vor und um 1800 erschienen, nur sehr wenige mit Ausnahme des Jahres 1859 nach 1820.

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Heinrich von Kleist, seine Jugend und die Familie Schroffenstein,

nebst einem noch ungedruckten Stück aus dem Katechismus der Deutschen. Von A. R. Schillmann. Programm der Oberschule zu Frankfurt a. 0. 1863.

Die Abhandlung ist früher erschienen, als der Verfasser die letzte Schrift über Kleist von Wilbrandt benutzen konnte. Er hatte aber nicht sowohl die Absicht, unbekannte Stücke aus Kleist's Leben aufzuhellen oder neue Ansichten über seine Gedichte aufzustellen, als einem noch viel verbreiteten Vorurtheil zu begegnen, als ob Kleist nämlich ein leichtfertiges Genie gewesen sei, welches weniger Achtung verdiene. Der Verfasser hatte den löblichen Zweck, in der Vaterstadt Kleist's das Interresse für den Dichter zu erhöhen, und bei der verständigen Benutzung der übrigen Schriften über Kleist und seines Briefwechsels wird ihm das wohl gelungen sein, Das über die Famalie Schroffenstein gefällte Urtheil ist durchaus richtig. Was die Neuigkeit betrifft, so finden sich bekanntlich in dem von Köpke herausgegebenen politischen Katechismus zwei Lücken. Im Besitz des Präsidenten Dr. Simson zu Frankfurt ist eine Handschrift, vier Halbbogen, von Kleist's eigener Hand, die freilich auch nicht vollständig ist, aber doch das 4. und 7. Capitel vervollständigt, das 5. und 6. ganz und den Anfang des 10. entbält, auch einige Schreibfehler der Köpkeschen Copie verbessert; im Druck beträgt das Ganze nur zwei Quartseiten, hat auch keinen philosophischen Werth, ist aber als Ergänzung immerhin mit Dank anzunehmen. Vielleicht findet man sich in Frankfurt dadurch veranlasst, weiter nach Kleistianis zu forschen. Herford.

Hölscher.

1

Miscelle.

Orthographisches. 1. Ueber das Wörtchen „Mal“ oder „mal“ in seinen verschiedenen Verbindungen.

Bekanntlich herrscht in der Schreibung der hierher gehörenden Wortverbindungen eine nicht geringe Verwirrung: vergleiche einmal, ein Mal; Einmal; - das erstemal und das erste Mal; zum zweitenmal und zum zweiten Mal etc.

Allerdings sind die Abweichungen, um die es sich bierbei handelt, nicht grade von grosser Bedeutung, indess wird es doch gut sein, wenn man sich auch hier über eine gleichmässigere Schreibweise verständigen kann.

Vollkommen einig ist man zunächst über die Schreibung des tonlosen „einmal,“ mag dasselbe nun in der Verbindung von „nicht einmal“ oder „endlich einmal" oder sonst wie vorkommen: vergleiche Schiller VIII, 16, (er konnte dieses nicht einmal wünschen); ib. 23 (endlich einmal); ib. 91 (der Plan, dem er einmal als dem ersten gehuldigt hatte). – Demgemäss pRegt man ferner auch die Zusammensetzungen mit andern Grundzahlen als einfache Adverbia zu behandeln: vergleiche Schiller VIII, 11. (zweimal führte er seine muthlosen Schaaren etc.); ib. 117 (dreimal gelang es ibm etc.). Hieran schliesst sich auch diesmal odes diessmal und ein andermal, wofür man jedoch auch schreiben kann „ein ander Mal oder ein anderes Mal.“

Anders nämlich stellt sich die Sache, wenn zu der Grundzahl noch ein Adjectiv hinzutritt: vergleiche Schiller VIII, 59 (zu zehn schiedenen Malen); ib. 149 (nur ein einziges Mal). Hier tritt der substantivische Charakter des Wortes „Mal“ so entschieden hervor, dass man ihn auch in der Schrift nicht verleugnen darf. Dasselbe gilt aber auch von denjenigen Fällen, wo das Wort „Mal“ mit Ordnungszahlen verbunden ist: vergleiche das erste Mal, das zweite Mal, das letzte Mal etc. Die getrennte Schreibweise ist hier mit Recht zur herrschenden geworden: vergleiche Schiller VIII, 32. 62. 100. 102. 116. etc. Die Schreibweise „das erstemal, das letztemal etc.“ findet sich zwar ebenfalls oft genug, und sie ist z. B. bei Göthe die gewöhnliche (vergleiche XIV, 14; XIX, 222 und öfter), allein sie ist nicht zu billigen, am wenigsten dann, wenn zu der adjectivischen Ordnungszahl noch eine Präposition hinzutritt: vergleiche Göthe XXI, 188 (eine Familie, die ich zum zweitenmal besuchte, wo es nothwendig heissen muss „Zum zweiten Mal“).

Als ein besonderer Fall ist endlich noch der zu erwähnen, wenn in den Worte „einmal" die erste Silbe betont werden soll. Hier ist die Schreibweise sehr schwankend: vergleiche Schiller VIII, 19 (Philipps Erscheinung

ver

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