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fatia u. d. gl. als ein Frauenzimmer mit einer Stadtefrone; man lågt Stådte, die Religion, die Wissenschaften, die freyen Künste, den Handel, u. d. m. auftreten. Zu dies sen legten brauchet man insgemein den Apollo, die Minerva, die Musen, den Merfur u. s. w. Bisweilen fann man auch wohl' die Venus, den Cupido, die Gratien, die Dias na, den Vertumnus, die Flora, die Pomona u. a. m. brauchen, um die Schönheit, Liebe, Anmuth, Jagd, den Frühling, Herbst, u. s. w. vorzustellen. Alle folche Pers sonen müssen nach der Mythologie mit den gehörigen Kleis dungen und Kennzeichen versehen und unterschieden werden: und man muß sich wohl vorsehen, daß unter folche allegorifche oder mythologische Personen, feine wirkliche oder historische gemenget werden. In diesem Stücke ist Sinon Dachs Schauspiel von der Sorbuise, auf das erste Jubelfest der Königsb. Universitåt, fehlerhaft : weil er benderley untereinander menget. Uuf das zwente Jubelfest dieser hohen Schule fteht ein Prologus oder Vorspiel in meiner Schaubühne Vi. Bande.

11. S. Die Nachspiele betreffend, so sind dieselben freylid bey den Griechen unter dem Namen der Satiren, und ben den sateinern unter dem Namen der atellanischen Fas beln gewöhnlich gewesen. Allein jene bestehen, wie ordentliche Stücke, aus fünf Aufzügen; da unsere Nad)spiele viel fürzer sind, und nur aus einem Aufzuge bestehen: von diesen aber weiß man nichts rechtes, als daß sie kleine burgere liche Fabeln des Stadtvolfes in Rom, vorgestellet. Man þat auch Fabulas tabernarias gehabt, die noch gemeinere Leute aufgeführet: und allem Ansehen nach alle lustig und porsenhaft gewesen. Vermuthlich haben auch die Schauspieler solche Stůcke nach einem bloßen Entwurfe, und aus dem Kopfe vorgestellet : daher es denn kommt, daß wir nichts davon übrig behalten haben. Unsere Komödianten haben es auch eine lange Zeit her so gemachet, und nach dem Erempel der wålschen Bühne aus dem Stegreife ihre

Fragen

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Fraßen Hergespielet. Allein da sich viel schlechtes Zeug dar: unter gemenget, welches artigen Stadt- und Hofleuten einen Abscheu gemachet: 'To hat man endlich, nach dem Erem. pel der Franzosen, kleine Stücke von der Art mit Fleiß auss gearbeitet, und sie wohl gar in Versen gemacht, damit die Komödianten sie auch auswendig lernen müßten. Doch hat man sie auch bisweilen in ungebundener Rede verfertiget; von welcher Art in meiner Schaubühne auch ein paar Stuce vorkommen. Der Inhalt folcher Stücke kann aus dem gemeinen bürgerlichen Leben şergenommen seyn ; doch fo, daß der kleine Adel auch nicht ganz ausgeschlossen wird. Man hat aber auch kleine Schäferspiele fchen in guter An. zahl, und diese thun eine gute Wirkung, zumal in Versen. Endlich haben die Franzosen auch schon Herenmåþrden auf die Bühne gebracht: die als was neues, welches den Pa. risern immer gefällt, großen Benfall gefunden haben. Auch ben uns ist das Orakel, und ein paar andere von der Art, schon im Deutschen aufgeführet worden.

12. S. Soll ich meine Gedancen davon sagen, so sind die benden ersten Arten, als Nachahmungen der Natur, theils wie sie gut und unschuldig, theils verderbe und las sterhaft ist, sehr gut: wenn sie sonst den Regeln der Wahrfcheinlichkeit folgen, und die Einigkeit der Zeit und des Oro tes beobachten. Allein, was die lektern betrifft, so sind dieselben aus dem Sande der Hirngespinste, der arabischen Mährlein, oder aus dem Reiche der Heren genommen: und haben folglich kein Vorbild in der Natur. Die Site tenlehren die darinn herrschen, find auch gemeiniglich sehr unsichtbar, ober gehen bloß, auf die schlüpfrige Liebe; ein glattes Eis, darauf, auch ohne folche Anreizungen, schon Zuschauer genug zu straucheln pflegen. Ist dieser Zwed aber der Mühe werth, durch solche gezwungene Mittel befördert zu werden? Es haben sich ohne dieß schon fomi. sche Dicher genug gefunden, die auf den ordentlichen Wes gen, dieser Leidenschaft mehr Vorschub gethan Şaben, als zu

mpúnschen

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wünschen wåre. Und was werden wir für eine Nachs kommenschaft bekommen, wenn wir so eifrig an Verderbung der Sitten der Jugend arbeiten wollen? In dies sem einen Stücke sdyeint mir der Verfasser der Abhandlung recht zu haben, der im vorigen Jahre den Preis der Akad. zu Dijon erhalten hat. Nur die üppigen Pocten, und andere ihnen gleichgesinnte Schriftsteller, befördern die Verderbniß der Zeiten, und thun der Welt dadurch einen schlechten Dienst: da sie dieselben eben so leicht bessern könnten; wenn sie einhållig ihre Federn dem Dienste der Tu. gend widmen wollten. Man lese hierben des Riccoboni Tractat von der Verbesserung der Schaubühne, de la

Reforination du Theatre.

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Des

Des II. Abschnitts VII. Hauptstück. Von politischen Fabeln, und an

dern dergleichen Erdichtungen.

1. S. er Schluß des vorigen Hauptstücfes giebt mir den

Anlaß, auch von dieser weit núblichern Art von dich

tenden Schriftstellern zu handeln. Es ist wahr, daß mancher sie kaum unter die Poeten wird rechnen wollen. Allein, nach der aristotelischen Erklärung der Dichtkunst, kann und muß ich sie mit eben dem Rechte hieber rechnen, womit Suetius die Romane zur Dichtkunst gezogen. Das Alterthum hat uns nur ein einziges Muster von dieser Art hinterlassen, und dieß ist Xenopbons Eyropådie. Dieser große Weltweise und Geschichtschreiber wollte der Welt einen guten Begriff, von der Auferziehung eines föniglichen Prinzen geben; der zu einem großen Monarchen vorbereitet wer: den sollte. Um seine Zeit hatte man feinen größern Helden in den Geschichten, als den Stifter der perfischen Monarchie Cyrus. Von dessen ersten Jugendjahren hatte man in Griechenland, wenig oder keine Nachrichten. Xenopbon bemächtigt sich also dieses Helden, und macht eine Erdichtung, von seiner vermuthlichen Auferziehung; die er aber der Wahrscheinlichkeit nach, fo umständlich erzählet, als ob sie wirklich geschehen wäre. Dieß ist nun ein politisches Ger dicht, weil es in die Staatskunst einschlågt, und jungen Prinzen die vortrefflichften Regeln geben kann. Es läßt sich aber , wie ein jeder sieht, in die engen Regeln eines HelDengedichts nicht einschränken: sondern erstrecket sich auf viele Jahre. Kein anderer von den Alten hat diesen Weg, fo viel mir wissend ist, betreten.

2.9. Von den Neuern hingegen haben wir fast unzäşlige folche Werke. Der erste, der in politischen Absichten der. gleichen unternommen hat, ijt Thomas Morus gewesen. Sein Gedicht heißt llropia; und enthält eine Beschreibung eines unbekannten (andes, darinn die bürgerlichen Verfaffungen der Städte und des Sandvolkes, mit besonderer Ge. schicklichkeit beschrieben werden. Nådyst ihm kann Thomas Campanella, der unter dem Titel Civitas Solis poetica, einen Begriff von einer philosophischen Republik gab. Es ist sehr sinnreich geschrieben, und verdient allerdings gelesen zu werden. Jým folgte Franz Baco, Baron von Pes", rulam, mit seiner neuen Atlantis. Auch diese zeiget die Gedanken eines großen Mannes, der überall viele Einsicht in Staatssachen verråth, und allerdings viel Aufmerksamkeit verdienet.' Auf eben dieser Spur folgte ein Deutscher, der sich aber unter dem Namen Mercurii Britannici versteckete; und sein Buch Mundus alter & idem nennete, darinn ein unbekanntes Südland beschrieben wird, unter dessen Bilde er bloß unsere Welt satirisch abschildert. Ich babe in dem Biedermann vor mehr als zwanzig Jahren einen Auszug daraus gegeben. Ich weis nicht, ob ich noch Melchior Inchofers, eines gewesenen Jesuiten Monarchiam Solipsoruin hieħer rechnen foll; die gleichfalls das Regiment des Jesuiterordens auf eine satirische Art beschreibt. Man hat dieß Werk auch französisch unter dem Titel La Monarchie des Solipses, in groß 12. gedruckt; und es ist allerdings werth, daß man es lieft. Den Barclajus muß ich endlich nicht vergessen, der uns in seiner Argenis einen wirklich politischen Roman beschrieben hat, dazu ben einigen Aus. gaben auch der Schlüssel zu finden ist.

3.9. Ehe ich auf die deutschen Werke dieser Art komme, muß ich einiger französischen erwähnen. Das erste, so mir bekannt ist, heißt Sechos, und enthält eine ägyptische Ges schichte eines alten Königes, oder Prinzen, der von seiner Stiefmutter verfolget, und in einer Schlacht gefangen und weggeführet wird; hernach einen Zug zur See um gang Tric. Dichik.

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Africa

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