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Des II. Abschnitts V. Hauptstück. Von Wirthschaften, Mummerenja

en, und Balletten.

1. S.
ine große Verwandschaft mit den Opern haben die ikt

benannten poetischen Erfindungen: nur mit dem Un

terschiede, daß hier bey weitem nicht alles gesungen, sondern vieles nur geredet, vieles nur stumm vorgestellet, und vieles getanzet wird. Ich will von allem eine zulånga liche Nachricht geben, und dadurch zeigen, daß große Herren auch in Ermangelung der Opern, bey ihren Höfen allerley Vergnügungen und poetische Luftbarkeiten anstellen können. Ich werde ihnen die Benspiele ausländischer und einheimischer Fürsten vorhalten, die darinn igre Vorgänger gewesen; ehe die Oper diese weit edlern Ergeßungen, daran die vornehmsten leute selbst Theil nahmen, verdrungen. Denn fonder Ziveifel vergnüget es fürstliche, gråfliche und adeliche Personen weit mehr, wenn sie Gelegenheit Haben, selbst ihre Rollen, auf eine anständige Weise, mitzuspielen, und sich ihrem Character gemåß, mit ihrer Geschicklichkeit, vor einem ganzen Hofe zu zeigen; als wenn sie bloß můßige Zuschauer

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einer

* Ileber die Gelehrsamkeit versteht bezahlet. : : : Ich fann sagen, das id der, Scaiser auch die Musik , und läßt diese Fasten selbit ein Zeuge ihrer Uns oft in seiner Hofcapelle Stücke von Aezogenheit gewesen. Denn als ein seiner eigenen Composition aufführen. folcher Halbinensch sich durch das Das ist auch die Ursache, warum er Dolf die Stiege hinauf dringen wollte, verschiedene Muficos, sonderlich Ita: als eben ein musikalisches Dratorium liener unterhalt, die sich dann wegeit gesungen ward, ungeachtet er feine dieser Zuneigung bei verschiedenen Partie daben zu singen batte, wollte Gelegenheiten sebe ungebührlich aufs er einen fremden Cavalier, ro ibm führen. Es ijt mehr als eininal ge im Wege stund, fortstoßen, und wie schehen, daß, wenn sie sind bersain: ihm dieser nicht sogleich den verlangs men gewesen, ein Concert zu halten, ten Respect bezeigete, sagte er gleich: fie sich im Ungesichte des Saisers und sam dråuungsweise: Ego sum Anto. Aangen Hofes geweigert, indem sie nius Manna, musicus Sacræ Cæfarer

aeben, sie würden nicht richtig Majeltatis; gleich als wenn ihn diese

einer wålschen Castratenbande abgeben sollen; die durch den erhaltenen Beyfall, und die großen Kosten, so man auf sie wendet, so stolz wird, daß sie alle Hofleute hernach kaum über die Achsel ansieht. Ich kann mich hier zwar auf die tägliche Erfahrung beruffen; will aber doch aus vorigen Zeiten einen Beweis anführen. Im 1705ten Jahre gab ein Reisender von Udel, eine Relation vom Kaiserl. Szofe Heraus, die sehr wohl geschrieben ist, und unter andern auch der das maligen Opernhelden in Wien, ihre Sitten und lebensart abschildert. Weil das Buch nicht überall zu haben ist, will ich ein Stück daraus meinen Lesern mittheilen.

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2. J. Was also die Wirthschaften betrifft, so hat es diese Bewandniß damit. Große Herren wollen bisweilen zur Luft, auch die Süßigkeit des Privatstandes schmecken; und gleichsam, nach Art der Alten, Saturnalien feyren. Daher verkleidet sich insgemein der regierende Herr und seine Ges mahlinn, in einen gemeinen bürgerlichen Wirth, und in eine Wirthinn, und die andern fürstlichen Personen, die man etwa beehren und bewirthen will, in Gåste; ihre Hofbedienten aber in Hausknechte, Koche, Kellner , Diener, Küchenmågde, Hausmågde, Gärtnerinnen auch wohl Bauermådchen. Unter diesen angenommenen Gestalten, wird nun irgend entweder eine Hochzeit, oder nur sonst ein Gastmahl, welches die Alten eine Wirthschaft nenneten , vorgestellt: jede Person

aber

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Freine Qualitat gegen die ganze Welt Gnadenbezeugungen seiner

Gränzen ?c. båtte schrecklich machen sollen. : : : Weil sie sich Geld verdienen, daß sie Wenn man aufrichtig sagen soll, was als Leute von Stande leben können, man daben gedenfet, so if man wabr- und einige Protection ber großen baftig nicht wenig gegen die Musitan: Herren genießen, so unterstehen sio ten erbittert, und hat man zu Vene: ficb, alle Peute ungeftrafet zu beleidis dig und durch ganz Italien solche gent ; ob fie gleich sonft mit allen fastern empfindliche Gedanken über ihre Un angefädet sind, daraus sie sich noch bescheidenbeit geführet: dena da sie eine Ehre machen, um für Leute, die von dem geineinsten Póbel herstam: etwas zu sagen haben, angeseben zu inen, von welchein man sie nimint, werden. So redet man von den Miiund sie hernach von großen Herren, ficis vom ersten Orden, und von den in Ansebung ihrer Stimine, gesuchet Helden der Singe: Can - die die und geliebkosei werden: so entreißt Gnade der großen Herren misbraufic ihr kleiner Berstand bey diesen det.

aber pflegt irgend, auf des Poeten Angeben, gewisse Verse bey Gelegenheit Herzusagen. So finden wir z. E. in Las nigen dergleichen poetische Gedanken auf eine Wirthschaft, die 1682, ben einer Wirthschaft in Berlin, eine Diane, eine Sultaninn, der Sultan, der Schäfer , die Zigeunerinn, die Mohren, der Hausknecht, der Charlatan, ein Jude und zwo Jüdinnen, ein Pickelhering, eine Moscowiterinn, eine Gärtnerinn, bersagen sollen. Eben dergleichen findet man in Beffers Gedichten; wo bey dem Jayrmarkte und der Masquerade, die der Churfürst Friedrich 1700. auf den Geburthstag der Gemahlinn gefeyert,verschiedene vermummte Damen als Quacffalber, Zigeunerinnen und Taschenspieler vorgestellet, und rebend eingeführet werden. Wollte man nun gleich sagen, der Dichter habe nur diese zufälligen Gedanken über die also verkleideten Personen ausgelassen: To sebe ich doch, daß sie alle ausdrücklich so aufgeregt sind, daß jede Person fie nad) ihrem Character hat reden können, um die Gesellschaft zu vergnügen. 3. E. Diana, die Zweifels. fren von einer großen Prinzessinn, vieleiche der Churfürstinn felbst vorgestellet worden, spricht: Wo hab ich mich verirrt? Wo bin ich eingefehret?

Warum ist dieser Ort so herrlid, ausgerüst?

Es schrinet , 'wo ich bin, daß auch mein Tempel ist, Weil hier so manches Volk, als Göttinn, mich verehret.

3. S. Sollte es jemanden bedünken, daß dieses schon einigermaßen zu den Mummereyen, oder Maskeraden gebore; To will ich nicht sehr zuwider renn, und aus dem P. XIjes nestrier, ein altes Muster einer schönen Verkleidung anführen, welches in Wålschland, gegen das Ende des XV.

Jahr underts von dem Bergonzo Botta, einem Lombardia fden von Adel zu Tortona, tem Herzoge von Meyland, Joh. Galeaz30, zu Ehren, ben dessen Benlager mit der Prins zessinn Isabella von Arragonien, vorgestellet worden. 216 alles bey der Tafel faß: so ward keine Schüssel aufgetragen, dabey nicht eine vermummte Person, mit einem Gedich. te, Liebe, oder einer Fabel aus dem Alterthume erschien.

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Z. E. Jason brachte das goldne Vließ aus Kolchis. Mers cur erzählte, mit was für lift er dem Apollo, der des 20. metus Vieh weidete, ein Kalb gestohlen, um dieser Mahl. zeit das Gebratene zu liefern. Diana brachte den in einen Hirsd) verwandelten Actaon geführet, und nachdem sie die Ursache ihres Zornes erklåret, schloß sie für ein Wild, das aus einem Menschen entstanden wåre, sen kein würdiger Grab, als der Durchl. Braut Nagen, zu ersinnen. Orpheus fam, und sagte, als er auf dem apenninischen Gebirge den Verlust seiner Euridice beweinet, und von diesem pråchtigen Beys lager gehöret, wären zu dem Klange seiner Lever die leder: sten Vogel herzu geflogen, die er hiermit zur Tafel liefern wollte. Atalanta brachte des falndonischen Ebers Kopf, den fie so viel Jahrhunderte aufbewahret håtte, zu diesem Feste; und gestund, daß sie der Durchl. Braut an Schönheit gern weichen wollte. Als ein gefochter Pfau aufgetragen warb, fam Jris, der Juno Vorläuferinn, die einen Wagen führte, der von Pfauen gezogen ward; und Argus trug die Schülsel. Theseus brachte das übrige von dem Eber; Hebe, Ju. piters Mundschenkinn, trug das Confect auf, und sagte, daß es Umbrosia von der Göttertafel wåre. Arkadische Schäfer brachten Käse und Mild)speisen, die Pan selbst zubereitet håtte. Vertumnus und Pomona brachten Früchte, und sagten, sie hätten mit Fleiß ihre Zeitigung beschleuniget. Die Najaden und Flußgotter, brachten Fische, Austern und Muscheln. Ulysses endlich brachte eine Sirene geführet, die er gefangen hätte, um sie der fürstlichen Braut zu schenken.

4. S. Als die Tafel aufgehoben war, fam Orpheus in griechischer Tracht, und foderte den Hymen fingend auf. Dieser erschien, von einem Schwarme kleiner Liebesgotter begleitet, die wechselsweise ein Brautlied sungen! Die drey Gratien mit einem Gürtel umgeben, erschienen im Dreye ecke, und dreheten sich geschicklich in die Runde, woben die leste artige Verse gegen die Braut Bersagte. Die eheliche Treue folgte in einem schneeweißen Kleide, und trug ein weißes Häschen in der Rechten, und ein Halsband von

Jaspis

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Jaspis in der infen: womit sie sich der Braut zu eigen wibmete. Hierauf kam Merkur. vom Himmel geflogen, und brachte die Fama geführet. Diese ward vom Virgil an einer, und dem Livius an der andern Seite begleitet, und erklärte ihr Amt, in ewiger Ausbreitung alles Guten und Bösen.' Virgil fagte darauf ein lateinisches Gedicht her. Nun erschien Semiramis, von einem Sdywarme ungůch. tiger Weiber, Helena, Medea , Kleopatra, begleitet; die, aber, als sie ihre Schandthaten erzählen wollten, von der ehelichen Treue bestrafet, und auf ihren Befehl von den lies besgöttern mit ihren brennenden Fadeln, woinit fie ihre Kleider ansteckten, hinausgetrieben wurden. Nun erschien ein Chor ehrbarer Frauen; Penelope, Lucretia, Tomyris, Juditą, Porria, Sulpitia, die alle mit Versen die Tugend priesen, und die Prinzessinn Jfabella lobten. Zum Be. schlusse kam noch ein betrunkener Silen auf seinem Efel ins Zimmer geritten, der so lange herumtaumelte, bis er vom Esel fiel, und der ganzen Vorstellung ein lustiges Ende machete. Nun urtheile man, ob wohl was sinnreichers und artigers ausgedacht werden kann, als dergleichen maskirte Vorstellung, darinn sich Erfindung, Wiß und Pracht zugleich gezeiget, und so zu reden, die ganze Dichtkunst ihre Reichthümer erschöpfet hat, ein Beylager zu verehren.

5. S.. Doch ich muß noch eins anführen, welches der engl. Aufseher im II. Bande, im 115. St. aus dem Strada genommen, und beschrieben hat. Dieses ist Pabst leo dem X. zu Ehren aufgeführet worden: ich will es aber init den eigenen Worten der Uebersekerinn hier einrücken:

Man weis überall, daß Pabst Leo de: Zehnte ein großer Góng ner der Gelehrsamkeit gewesen, und bey den Ausführungen, Geo sprachen und Disputationen der besten Sdriftsteller seiner Zeit zuges gen zu seyn pflegte. Auf diesen Grund erzählet Strada folgendes: Als dieser Pabst auf Teinem Lufthause gewesen, welches auf einer Hohe an dem Ufer der Tiber gelegen, so hatten die Dichter folgendes Sdrauspiel zu seiner Ergebung ausgesonnen. Sie haben einen hohen schwimmenden Berg gemacht, der gleich dem Parnaß, auf der Spike gespalten gewesen. In diesem waren verfhiedene Merkmaale, daß er

pur

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