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, Siehe auch das auf den Tod von Friedrichs erster Ges

mahlinn aus dem Hause Cassel: welches aud) eine kleine Alenderung in den Reimen versuchet hat.

9. 9. Nun folgte der Freyherr von Kanig, der zwar in seinem Kampfe wider die Sünde hierinn Bessern folge: te, aber auch selbst einen Gesang von zehnzeiligten Strophen, auf den Tod des Grafen von Dohna 1686. versuches te. Der Unfang lautet so:

Laß, mein beklemmtes Herz der Regung nur den Zügel,
Begeuß mit einer Fluth von Thrånen diesen Hügel,

Weil ihn niein treuster Freund mit seinern Blut beneßt.
Äuf dieser Stelle sank mein tapfrer Dohna nieder,
Hier war sein Kampf und Fall, hier starrten seine Glieder,

Als ein verfluchtes Blev die theure Stirn verlegt:
Das, eh der Sonnen Kad den andern Morgen bradyte,

Jhn leider ! gar zu bald zu einer Leiche madyte.
Dieses vortreffliche und bewegliche Stůc nun, hat sonder
Zweifel VTeukirchen, der bald darauf nach Berlin gekoms
men, und einigen andern Dichtern zum Muster gedienet,
daß sie verschiedene Gesänge von der Art verfertiget, die
man in den Hofmannswaldauischen Gedichten, antrifft.
Weil aber Vleukirch damals noch den Cohensteinischen Ges
schmack liebte, als er sie verfertigte: so habe id, sie in die
Sammlung seiner Gedichte nicht mit geseget. Sie heben an:
Der Geist der Poesie zc. Wir armen Sterblichen 2c. Geiz,
und Verschwendung bat zc. Der Affe der Natur 2c. Der
Zunder der Natur 2c. Daß Himmel und Gestirn 2c. und
stehen alle im I. Theile der Hofmannsio. Ged. Auch vor
dem II. Theile des Arminius wird man noch ein Benspiel
dieser Art finden. Doch hat er auch achtzeiligte Strophen
versuchet, z. E. auf den Geheimen Kath von Fuchs, u. a. m.
die aber auch noch von dem wilden Wiße strogen," Andere
sind noch weiter gegangen, und haben audy zwolfzeiligte
Strophen in solchen Gesängen versuchet, wie man im III. Th.
der Hof. W. Ged. sehen wird; aber wenig Beyfall und keine
Nachfolger gefunden. Pietsch, aber fat die achtzeiligten

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Stros

Strophen mit ungetrennten-Reinen in seinen schönsten Ges
fången mit dem besten Erfolge von der Welt gebrauchet;
worinn ihm denn viele neuere nachgefolget sind. 3. E. sein
heroischer Gefang an den Prinzen Eugen von 1716. hebe
foan:

Ofeuriger Eugen! wirkt dein entbrannter Muth,
Tuch in die kalte Land? Ja, ja, die hohe Glut
Die deinen Geift bewegt, hat mich auch überwunden.
Mein Geist wird bandenlos, da du den Feind gebundens
Der mich, wie schwad) er sonst die matten Flügel regt,
Doch ist vom Helikon auf Wall und Schanzen trågt,
Durdy Dampf und Leichen führt, und mich dahin gerissen,
Wo unter Türkenblut mir meine Reime fließen.

1o. S. In eben dieser Versart, þat Hr. Secr. Ropp, die neue Uebersegung des Taso, mit sehr gutem Erfolge verfasset. Es wäre zu wünschen, daß auch Brokes feinen marinischen Kindermorð auf eben diese ordentliche Art übers Feket håtte. Allein er hat sichs für erlaubt gehalten, die richtigen Strophen des Wålschen in unrichtige deutsche zu bringen, die bald sechs, bald acht, bald zehn Zeilen haben, und ihre Reime bald so, bald anders abwechseln: bloß, damit er in seiner Dollmetschung keine Zeile mehr, oder wenia ger bekommen möchte, als das Original hat. Hat aber Hr. Kopp dieses gleichwohl beobachtet ; so mußte es auch im Marino angegangen seyn; wenn ja ein so schwulstiger Dichter überseget werden müssen. Allein Brokes war zu allen Licenzen febr geneigt, und man fónnte ihn den Dithy rambisitzen Dichter unter uns nennen ; weil wirklich fola che ungebundene Versarten, bald von langen, balb von kurzen Strophen, und allerlen Versen, ohne Regel und Ordnung diesen Namen verdienen. Ich sage dieses niche, als ob er feine Erempel bey den Ausländischen, auch wohl gar bey den Griechen, vor sich gehabt Håtte. Nein, diese haben auch Dithyramben, das ist, wilde Verse gemacht; ja Wälsche, Franzosen und Engländer haben Stances irregulieres, u. 0. gl. gemachet. Allein, wir finden auch Bila

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berreime

1

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derreime bey den Alten ; und was fékr schlechtes Zeug ist nicht bey den Wälschen zu finden, wie man selbst im Nu, racori und Crescimbeni finden kann. Wer also Gesänge machen will, der muß die Strophen so gleich machen, daß sie nach einer Singweise gesungen werden können. Nicht aber wie das Stück auf der 284sten S. des III. Th. der Hof. W. Ged. Und geseßt, daß manche gar nicht gesungen wer: den follen: so ist doch ein harmonisches Lesen gines guten Ges dichtes auch schon eine Art von Musik, und Gesange : und auch da ergezet es das Ohr eines Zuhörers, wenn allemal dieselbe Zahl, und einerley Abwechselung der Reime, in allen Strophen beobachtet wird. Von jenen wunderlichen Nisgeburten aber heißt es, aus dem Soraz :

Ut gratas inter mensas symphonia discors,
Et crassum unguentum, et fardo cuin Melle papaver
Offendunt; poterat duci quia cæna sine istis :
Sic aniinis natum inventunquc poema juvandis
Si paullum a suunmo discessit, vergit ad imum.

11. S. Wenn ich hier von allen denen Gesängen håtte handeln wollen, welche die Italiener Canzoni nennen, deren Strophen bald aus langen , bald aus kurzen Zeilen hestehen: fo hätte ich auch von den mannigfaltigen Liedern unserer alten Meistersänger handeln müssen, die sie Bar nennen, und deren jede Art der Strophe ihren besondern son hat. Allein diese beyden Arten gehören nicht in diese Classe: und theils hat Wagenseil schon von ihnen gehandelt, thoils werde ich felbst an seinem Orte noch weit ausführlichere, Nachricht davon geben. Von der obigen Urt wird man ganze Abtheis lungen folcher Gesänge in meinen Gedichten

antreffen.

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ming Des II. Abschnitts Ill. Hauptstück. Von Cantaten, Serenaten, und Kirchenstücken, oder Oratorien.

1. g. ie Cantaten sind eine neue Erfindung der Jtaliener,

davon die Alten nichts gewußt haben: es hat aber

allem Ansehen nach die Musik Gelegenheit dazu ges geben, und sie sind an statt der Oden eingeführet worden. Crescimbeni sagt, sie waren erst im XVII. Jahrhunderte erfunden: er weis aber den ersten Erfinder nicht zu nennen. Doch meynt er Chiabrera, und Tronsarella wåren mit unter den ersten gewesen, die sie gemachet; und er růhmeç den Seradella, für einen der besten Tonkünstler im Seßen derselben. Ich stelle mir die Sache folgendergestalt vor. Weil in Liedern von einerley Strophen auch dieselbe Melodie beybehalten werden mußte: so ward man gewahr, daß sich dieselbe nicht zu allen Versen gleich gut schickte. Der erste Vers einer Ode war z. E. traurig, und gegen das Ende legte sich dieser Affect, ja verånderte sich wohl gar in eine Freude. Satte sich nun die Gesangweise zum Anfange gut geschickt: fo schicte sie sich zum Ausgange desto schlechter. Denn wie flingt es, wenn ein lustiger Tert nach einer trau. rigen Melodie gesungen wird? War aber die Musik weder traurig noch lustig; so schickte sie sich weder zum Anfange noch zum Ende recht: weil sie feins von beyden in der gehör rigen Schönheit vorstellete, und keine Gemüthsbewegung recht lebhaft ausdrůdete. Nun håtten die Poeten diesem Fehler zwar abhelfen können, wenn sie in einem Liede nur einen Affect vom Anfange bis zum Ende båtten herrschen lassen, wie es auch billig seyn sollte. Allein, da sie es nicht thaten; so gerieth man auf die Gedanken, die Lieder nicht mehr so gar

M

einträchtig zu machen, keine solche ähnliche Strophen mehr zu beobachten; sondern Zeilen von ungleicher (ånge, auf eine ungebundene Art durch einander laufen zu lassen; und alsdann die Musik durchgehends, nach dem Inhalte des Gedichtes, zu bequeinen. Dadurch hoffte man jenen Uebelstand der Doen gewiß zu vermeiden, und jede Zeile eines solchen Gez fanges, dem darinn herrschenden

gemåß, auszudrus cfen; jedem Worte nach seinem rechten Sinneden gehörigen Son und Nadydruck geben zu können.

2. S. Die Sache war nicht schwer ins Werk zu richten: denn die Poeten bekamen mehr Freyheit, und die Compos nisten fanden tausendfache Gelegenheit, ihre Künste und musikalische Einfälle recht hören zu lassen. Sie bemüheten fich auch nunmehr, fast alle Sylben eines solchen Liedes, durch die Verschiedenheit des Klanges, auszudrücken, und alle moge liche Übwechselungen dabey zu versuchen. Sie giengen aber allmählich gar zu weit darinnen. Es war ihnen nicht mehr genug, daß sie eine Redensart auf einerley Art in die Musik sekten. Sie trauten sich selber so viel nicht zu, daß sie gleid) die beste Art der Töne gefunden håtten: darum wiederholten ste manches Wort zwey, fünf, zehn, ja wohl zwanzig male, und zwar immer mit neuen Verånderungen. Sonderlich hielten sie sich ben gewissen Stellen verbunden, solches zu thun, wo fid ihre Kunstgriffe recht anbringen ließen. Wo nur die geringste Spur eines Affectes, oder sonst eine Stelle vorfam, die sich einigermaßen durch das Singen und Spielen nach. ahmen lief: da machten sie sich rechtschaffen lustig, und hiele ten sich oft ben einer Zeile långer auf, als man vorhin bey ganzen Oden gethan hatte. Es ist aber leicht zu sehen, was folches nach sich gezogen. Jemehr die Musik dabey gewann, besto mehr verlohr die Poesie daben. Bekam tas Ohr das ben viel zu hören, so hatte der Verstand desto weniger dabey zu gedenken. Doch, da nicht alle Zeilen in einem solchen Gedichte bequem fielen, ihre Schnörkel anzubringen: To ließen sie dieselben nur so obenhin wegsingen, ja fast ohn alle Bes gleitung der Instrumente gleid,sam herbechen; damit sich also

Sånger

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