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sie nur nicht gleich nachgeåffet håtten. Die Kleidungen der Personen müssen nach ihrem Character und Stande eingerichtet seyn: nur Sarlekin hat hier, ich weis nicht warum, eine Ausnahme. Er soll zuweilen einen Herrendiener beo deuten: allein, welcher Herr würde sich nicht schåmen, seis nem Kerle eine so buntscheckigte Liberey zu geben? Scapin hat eing spanische Tracht; und das kann man in einem spa. nischen Stade schon gelten lassen: allein bey uns (dzict fidis nicht. Den Scaramus, Pantalon, Anselmo, Doctor und Capitain, Pierrot und XVIezetin, und wie die nårs rischen Personen der italienischen Komödien alle Heißen, können wir auch entbehren. Denn warum soll man immer ben einerley Personen bleiben?

26. S. Die Namen dörfen auch in einer Komödie nicht aus der Historie genommen werden. So bald die Personen neue Charactere haben, müssen sie auch neue Namen be kommen: um die Verwirrung zu vermeiden, die sonst ben dem Zuschauer vieler Luftfpiele entstehen könnte. Die Verzierungen der Schaubühne stellen den Ort vor, wo die ganze Fabel gespielet wird. Gemeiniglid) ist es ein Bürgerhaus, oder eine Gasse der Stadt, da man an benden Seiten verschiedene Häuser siebt. Nur muß man keine Besuche auf der Gasse abstatten lassen, wie Bramarbas thut: es wåre denn, daß er sich mit der Sånftè bis in das Zimmer håtte tragen lassen. Die Musik anlangend, so wissen wir, daß in der neuen Komodie, und bey den Römern keine Chöre gebraucht worden. Jndessen steht auch auf den terenzischen Komödien: Modos fecit Flaccus Claudii F. Tibiis paribus dextris & sinistris. Was das zu bedeuten habe, das. mögen die Liebhaber der Alterthümer untersuchen. Vermuthlich þat man zwischen den Handlungen, an statt der vormaligen Oden, eine kleine Musik damit gemacht: denn daß die ganze Komödie abgesungen, und mit einer Instrumentalmusik wåre begleitet worden; davon findet man nicht die geringsten Spuren.

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27.9. Wir Deutschen haben uns so lange mit Ueberset. zungen aus dem Französischen beholfen, bis wir allmåhlich Poeten bekommen haben, die selbst was regelinåßiges machen können. In meiner Schaubühne habe ich ihnen nunmehr auf die zwanzig und mehr Muster von der guten Urt vorgeleget; wenn sie sich den Geschmack nach diesen bilden, so werden sie auf keinen unrechten Weg gerathen. Es sind auch bereits mancherley Proben von Geiten Köpfen gemacht worden, die man an verschiedenen Orten mit Bey. fall aufgeführet hat. Es kommt nur darauf an, daß unsere großen Herren fidy endlich einen Begriff von deutschen Schauspielen benbringen lassen: denn so lange sie nur in ausländische Sachen verliebt sind, so lange ist nicht viel zu hoffen. Etliche von unsern Komödianten haben ihre Schay. bühne allbereit bey vielen Kennern, durch die ordentlichsten und auserlesensten Stücke, beliebt gemacht. Selbst in Wien þat man schon angefangen, einen Geschmack an regelmäßigen Stůcken zu bekommen: und unsers Durchl. Kón. Churprinzen, und der Kön. Churprinzessinn Hoheiten, haben sie verschiedene mal ihrer Gegenwart gewürdiget. Ich schweige, was in andern großen Städten, auf verschiedenen Gymnasien und Schulen in ganz Deutschland geschehen ist: und wenn sie fortfahren, so wird mit der Zeit auch in dies sem Stücke Deutschland den Ausländern nichts

nachgeben Dörfen.

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Des I. Abschnitts XII. Hauptstück. Von Elegien, das ist, Klagliedern und verliebten Gedichten.

1. S.
ie Elegie ist eins von den vornehmsten Gedichten der

alten Griechen und Rómer gewesen, und verdient

also wohl eine besondere Betrachtung. Sie kommt dem Horaz fo merkwürdig vor, daß er sich in seiner Dichtkunst gar forgfältig um ihren Erfinder bemült:

Quis tamen exiguos elegos emiserit auctor,

Grammatici certant, et adhuc sub judice lis est. Er nennt sie in dieser Stelle exiguos, das ist so viel, als eine niedrige Urt von Gedichten. Sonst wird sie auch humilis, tristis, querula u. f. w. genennet, welches alles uns den innern Character derseiben, sattsam zu verstehen giebt. Sie soll nåmlich in einer natürlichen und fließenden Schreibart abgefasset werden, einen traurigen Inhalt haben, und fast aus lauter Klagen bestehen. Die Erempel der Alten befråftigen diesen Begriff: und wir mogen entweder den Rallis mactus, den Ovid, Tibull und Properz, oder sonst jemanden vornehmen; so werden ihre Elegien allezeit etwas Trauriges oder Verliebtes in sich fassen. Des andern Libri Trillium z. E. bestehen aus lauter Elegien, die er aus Scythien nach Rom, als Klageschreiben abgelassen; und der beyden leztern Gedichte, sind fast allezeit in einem traurigen oder verliebten Affecte abgefasset.

2. S. Dody hat Horaj angemerket, daß man allmählich von dieser alten Regel der Elegien in etwas abgewichen fer, und auch, wohl vergnügende Sachen darinn abgefasset habe.

Verlibus impariter junctis querimonia prinum,
Poft etiam inclufa eft veti fententia compos.
Crit. Dibek.

Wir

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Wir können dahin die scherzhaften und verliebten Gedichte redinen, die vielmals von lustigem Inhalte sind, und doch gar geschicklich in dieser Art von Versen abgefasset worden. Die Ursache davon ist wohl diese: weil eben die niedrige und natürliche poetische Schreibart, die sich zu jenen schicket, aud) hier von rechtswegen statt findet. Denn bey der Lust und im Sachen schickt es sich eben so wenig, mit hochtrabenden Worten gleichsam auf Stelzen zu gehen, als in der Bes trübniß. Eine geschminkte Schreibart würde hier, durch ihr künstliches Wesen nur anzeigen, daß der Wiz mehr Theil an der Schrift habe, als das Herz. Wo aber das ist, da macht kein Affect einen guten Eindruck ben dem Leser. Das macht, die Natur wird dadurch nicht nachgeahmet, sondern verlassen: und ein solcher Poet erregt zuweilen gar ganz widrige Leidenschaften.

3. g. Aus der lekt angeführten horazischen Stelle sehen
wir aber auch, was für Verse zu einer Elegie gehören. Der
Poet nennet sie iinpariter junctos, ungleich zusammenges
fekte, oder abwechselnde Verse von zweyerlen Gattung.
Dieses sind nun theils die langen heroischen, theils die kür-
zern fünffüßigen Verse der Griechen und Lateiner, davon
wir oben schon im XII. Capitel des 1. Theils, etliche Erem-
pel in deutscher Sprache gegeben haben. 3. E. Tibull
schreibt an den Messalla, im I. Buche, in der 1. Elegie:
Te bellare decet terra, Mesalla, marique,

Vt doinum hostiles perferas exuvias:
Me retinent vinctum formosæ vincla puellæ,

Et sedeo duras janitor ante fores.
Non ego laudari cupio, mea Delia! tecum,

Dum modo fim, quæso, segnis inersque vocer.
So sehen nun alle lateinische Elegien aus, und ich wundere
mich daher, warum Franzosen und Engelländer sich nicht
bemühet haben, diesem Muster zu folgen. Diese machen
auch zwar Elegien, dem Namen und Inhalte, aber nicht

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der

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der äußerlichen Gestalt nach. Auch Marot z. E. þat
XXVII. Elegien gemacht, aber alle in ungetrennten Reimen:

ELEGIE PREMIERE,
Quand j'entreprins t'ecrire ceste lettre,
Avant qu'un inot a mon gré fçense mettre;
En cent façons elle fut commencée,

Platost escrite, & plustost effacée &c.
Nicht besser macht es Ronsard, von dem wir XXIX. ha-
ben. In der I. an den König Heinrich den III. Hebt er
fo an:

Je ressemble, mon Prince, au prestre d'Apollon,
Qui n'est jamais attaint du poignant aiguillon,
Ou soit de Prophetie, ou soit de Poesie,

S'il ne sent de son Dieu son ame estre saisie.
Desportes, der um eben die Zeiten für einen Meister in
Elegien gehalten worden, macht es nicht anders.

8.
Apres avoir passé tant d'étranges traverses,
Apres avoir servis tant de beautez diverses,
Avoir tant combatu, travaillé, supporté,

Sous la charge d'amour le guerrier indomté &c. Wollen wir uns bey den Englåndern umsehen, so wers den wir auch nichts bessers finden. 3. E. Graf Ro. chester übersetzet Ovids IX. Elegie des II. B. folgender Gestalt:

O Love! how cold and flow to take my part?

Thou idle Wanderer about my Heart:
Why, thy old faithful Souldier, wilt thou see,

Opprest in thy own Tents? They murther me.
Um allerbesten machen es also noch die Wälschen, wenn sie
ihre Reime wenigstens mischen, obgleich die Zahl der Snl.
ben in allen Versen gleich bleibt. 3. E. Ariosts I. Elegie
Hebt so an:

!

ELE

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