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viel zu weitläuftig, als daß sie sich so ins Kurze bringen ließe. Wer den Vossius de Poetis græcis und latinis liest, wird finden, daß es vormals etliche Hundert tragische Dich. ter gegeben. Eben das kann man von Engländern im Winstanley, von Wälschen im Riccoboni und von Fran. zosen in der Bibliotheque des Theatres ersehen. Von der Deutschen theatralischen Poesie, oder der tragischen inson. derheit war ich willens, eine ausführliche Geschickte zu schreiben; zu welchem Ende ich denn eine Sammlung von meør als 1600 gedruckten Schauspielen zusammen gebracht. Ich habe aber aus bewegenden Ursachen, dieses Vorhaben, einem gelehrten und überaus geschickten Manne in Wien, Hrn. Weißkern abgetreten, und ihm alles, was ich dahin gehöriges zusammen gebracht, überlassen. Dieser wird uns, als ein deutscher Riccoboni, in kurzem dieses Verlangen erfüllen. Indessen kann man theils die Verzeichnisse alter deutscher Schauspiele, die ich bey der ersten Ausgabe meis ner deutschen Schaubühne vorgeseßet ; theils von neuen Stůcken, die seit zwanzig Jahren, seit dem mein Cato diese Art von Dichtkunst rege gemacher, das Register nachlesen, das ich davon in dem Maymonate des Neuesten aus der anmuthigen Gelehrsamkeit, dieses 1751. Jahres, bekannt

gemachet habe.

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Des I. Abschnitts XI. Hauptstück. Von Komödien oder Lustspielen.

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1. g. ie Komödie ist, wenigstens dem Namen nach, junger, als das Trauerspiel: denn in der That waren sie vor

Alters einerley; da man noch, dem Bacchus zu Ehren, die fchimpflichsten Lieder an Festtagen zu singen pflegte, und selbige Tragödien nannte. Als aber die gescheidesten Köpfe fich allmählich von dem niederträchtigen und unfàtigen Zeus ge entfernten, und ernsthaftere Sachen in iþren Schauspie. ten aufführeten: so wurden sie auch in Städten beliebt, ja die Obrigkeit selbst nahm die Komödianten in ihren Solb, und ließ auf öffentliche Kosten Schauplåße bauen, die nothigen Sånger zum Chore unterhalten, und alles nöthige Zubehör der Schaubühne anschaffen. Wenn nun ein Poet ein neues Stück fertig hatte: so gab man ihm den Chor; wie fie redeten: das ist, man kaufte es ihm ab, und ließ es. von den Komödianten aufführen. Indessen waren die Ues berbleibfel der alten unflåtigen Tragödien noch auf den Dörs fern und Flecken im Schwange geblieben. Das gemeine Volt findet allezeit mehr Geschmack an Narrenpossen und garstigen Schimpfreden; als an ernsthaften Dingen. Den wißigen Stadtleuten in Athen schien diese Art der Belustigungen zu abgeschmackt; weil sie schon etwas Edleres in der Tragödie gefunden hatten. Sie mögen also wohl diesen båurischen Justbarkeiten, zum Schimpfe, den Namen der Komóbien gegeben haben, als welcher von zwan und won berkommt, und also ein Dorflieb bedeutet. Almählich wurden doch auch die Verfertiger dieser Stücke gewahr, daß die Tragödienschreiber ihre Spiele besser einrichteten. Sie aḥmeten denenselben also meşr und mehr nach, bis ihre

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Schaubühnen endlich ein besser Geschick bekamen. Doch weis man insbesondere denjenigen, oder diejenigen nicht zu nennen, die am ersten Hand ans Werk geleget haben.

2. S. Aristoreles berichtet bloß, daß Epicbarius, ein Sicilianer, der neuer als Thespis, aber älter als Ales fetiylus gewesen, zuerst angefangen, ordentlichere Stücke zu spielen, und eine gewisse Hauptabsicht in seine komishe Vor. stellungen zu bringen. Ihm folgte bald ein Athenienser, Rrates nach. Dieser befrenete die angefangene Komödie von der alten Grobheit der Bauren, und sauberte sie von ihren vorigen Unflårereyen: und darauf fand sie denn auch in der Stadt Benfall. Dahin gehören die Verse des Sos raz, die von dem Pratinas handeln :

Carmine qui tragico vilem certavit ob hircuin,
Mox etiain agreites Satyros nudavit; et asper
Incoluni gravitate jocum tentavit: eo quod
Illecebris erat, et grata novitate morandus

Spectator, functusque facris, et potus, et exlex. Hier finden wir alles beysammen, den Ursprung, den Inhalt, auch die Absicht der åltesten Komodien. Xus den tragischen Liedern sind sie entstanden, und zwar bey Gelegenheit der Festtage. Ihr Inhalt ist ein scharfer oder beißender Scherz gewesen, den sie von lauter båurischen Satiren, das ist, halbnacketen Bauren, haben absingen oder spielen lassen. Und die Absicht war, dem Volke, nach vollbrach: tem Gottesdienste und vollendetem Schmause, durch eine neue Lustbarkeit die Zeit zu vertreiben. Dieses war nun die alte Komödie. Man lese davon nad) Nicolai Calliachii Tractat de ludis scenicis mimorum et pantomimorum, welchen Marc. Anton. Wiadero 1730. aus einer Handschrift zuerst zu Padua ans Licht geftallet ; und wo im IV. und V. Cap. Der Ursprung der åltesten Lustspiele überhaupt sehr gelehrt erkläret ist.

3. S. Sobald sie nun von dem alten Rrates etwas ins Geschick gebracht worden, fanden sich bald - kupolis,

Kratinus und Aristophanes, die ihr ein ganz andes · res Unsehen gaben. Die vorige Heftigkeit nacfeter Sa

tiren, wurde in eine lächerliche Vorstellung gewisser Personen verwandelt, die man sich nicht scheuete, mit Namen zu nennen.

So finden wir, daß die vornehmsten Leute in Uthen vor den Poeten nicht sicher gewesen. Selbst Sofrares ist von ihnen öffentlich verspottet worden; da ihn Atistophanes in dem Stůcke, das er die Wote ken nennet, als einen wunderlichen Naturforscher und gottlosen Atheisten vorstellet. Sonderlich sungen die Chore dieser Komödien nichts als ehrenrührige Schmåhlieder, dadurch die Unschuldigsten angegriffen wurden. Daher fam es auch, daß die Obrigkeit dieser Frechheit Einhalt that, und die Chöre abzuschaffen, auch keine Person mehr mit Namen zu nennen geboth. Soraz schreibt:

Succeflit vetus his comcedia, non fine multa
Laude: sed in vitium libertas excidit, et vim
Dignam lege 'regi. Lex est accepta, chorusque
Turpiter obticuit, sublato jure nocendi.

4. S. Da nun dergeftalt die mittlere Komödie der Gries chen aufhörete: so gieng die neue an, darinn sich Philemon und Menander vor andern hervorgethan. Diefer fing nunmehr an, rechte Fabeln zu erdenken, die sich auf die komische Schaubühne schickten. Er gab denenselben ires der von lebendigen Leuten, noc, von den Helden in Geschichten, die Namen; sondern er nannte sie selbst, wie es ihm gut dúnkte. Seine Spiele aber blieben deswegen dod, eben fo angenehm und erbaulich, als sie vorher gewesen waren. Diese Veränderung oder Verbesserung der Komotie, hat Aristoteles nicht erlebet; weil die mittlere bis nach Allefang ders Zeiten gewähret. Daher hat auch dieser große Kunstrichter wohl gesehen : daß zwar die Tragödie zu feiner Zeit, zur Vollfommenheit gebracht worden; aber nicht die Komödie: deren Wachsthum er also vorher fagen konnte; wie es auch in der That erfolget ist. Man sehe hier

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des Abts Brůmois Abhandlungen, von der griechischen Scaubühne nach, die vor seinem Theatre des Grecs ftes þen; imgleichen die schönen Untersuchungen hießer gehöriger Dinge, die in den Memoires de l' Academie des belles Lettres hin und wieder vorkommen. Indessen hat es eine ungeheure Menge komischer Dichter in Griechenland gegeben, von denen alles verlohren gegangen. Man fann ihre Namen theils beym Aristoteles, in der Dichtturft; theils beym le Sevre, des Poetes grecs, theils im Vosius de Poetis Græcis nachfehen.

5.5. Die Römer müssen Leute von ganz anderm Nas turelle gewesen seyn, als die Griechen: Denn ben ihnen hat die Komödie ein ganz widerwärtiges Glück gehabt. Dort war sie zulegt in Zufnehmen gekommen; hier aber, ward sie zuerst beliebt. Man kann sie hier ebenfalls in die alte, mittlere und neue eintheilen; und jene zu des Livius Ans dronicus, die andere zu des Plautus, die dritte zu des Terenz Zeiten antreffen. Die erste war noch ziemlich uns gestalt und grob; wie aus des Sorazens Zeugnisse von des Lnnius Versen erhellet. Plaucus trieb die Kunst in seie nen Komödien etwas höher; aber er bequemte sich zu sehr nach dem Geschmacke des Pöbel, und mengte viel garstige Zoten und niedertrådhtige Fragen hinein. Diese mochten auch noch zu Sorazens Zeiten vielen gefallen: weil sie gemeia niglich die alten Poeten lobten, die neuen aber verachtes ten; wie er darüber in seinem langen Schreiben an den Aus gust klaget. Auch in der Arte poetica sagt er davon :

Non quivis videt immodulata poemata judex,
Et data Romanis venia eft indigna Poetis.

1

At nostri Proavi Plautinos et numeros et
Laudavere fales, nimium patienter utrunque,
Ne dicam, Nulte mirati: fi modo ego et vos
Scimus inurbano lepidum seponere dicto.

plaus

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