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Bibliothek zeiget; und eben dieser hat auch die Aeneis in einer Romansgestalt deutsch gereimet. Der Theuerdank ist bekannt, und verwandelt Kaiser Marimilians Geschichte in ein Ritterbuc). Mehr geschrieben vorhandene Rittera bůdrer in Versen, habe ich im vorigen Hauptstücke gemeldet. Prosaische alte Sachen haben wir an dem Kaiser Octavian, ( ' und an den sieben weisen Meistern, denen Kaiser Pontian seinen Sohn befohlen. Die vier Haymons - Kinder habe ich oben genennet, und das Buch der Liebe gleichfalls, darinn Ritter Tristrant, und sehr viel andere solche Bücher stehen; daraus Sans Sachs und Ayrer eine Menge Tragödien und Komödien gemachet: des verdeutschten Amadis und unzähliger andern vorißo zu geschweigen.

20.8. Bei der opißischen Aufklärung der schönen Wissen. fchaften, bekamen wir zum Theil von ihm, die Arkadia der Gráfinn von Pembrok, die Philipp von Sidney geschrieben, und Valentin Theokritus von Hirschberg überseket hatte. Des Herrn von Urfe Schäferroman von der schönen Diana, haben wir auch deutsch befommen. Dieser Schäfergeschmack jog mehr Nachahmungen nach lidz ; 3. E. der schönen Schäferinn Juliana, und die von lysandern und Ra. listen, welches als ein deutsches Original 1650. zu Amsterdam, bey Elzevieren gedrucket worden. Veumark gab 1648. zu Königsberg den Hirten Filamon mit seiner edlen Schäfer: nymphen Bellifloren heraus. Philipp von

Zefen schrieb nicht nur eine Ässenath, sondern auch einen Simfon und Solofernes, lauter Liebesgeschichte. Der abentheuerliche Simplicissiinus, der Landstórzer Gußmann, die Dianea, die deutsche Argenis, und andere mehr, sind auch bekannt und beliebt gewesen. Von einer andern Art ist die Fabel vom Lfelkönig, eine wunderseltsame Erzählung, wie nämlich die Monarchei und Gubernement über die vier. füßigen Thiere geåndert, das Königreich umgefallen, und die Kron auf einen Esel gerathen; von Adolph Rofen von Rreuzbeim. Diese Fabel ift nåmlich satirisch und politisch. Schochs philyrenische Kriegs- und Friedensschäferey, ist

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die Historie des dreyßigjährigen Krieges in Meißen,' nach Schäferart eingekleidet. Was soll id, von der aus dem Frans zösischen übersekten Clelia, und Prinzessinn von Cleve saa gen? Den Don Quijore haben wir gleichfalls schon im vorigen Jahrhunderte, und vor etwa 20 Jahren von neuem überseget bekommen. Alle andere Romane aber übertreffen, an der Größe und Würde işres Urhebers, Herzog Anton Ulrichs zu Braunschweig, Octavia und Arainena. Nechst ihnen sind Buchholzenis deutscher Serkules mit feie ner Valiska, fein Serkuliskus und Serkuladisla,imgleichen Lohensteins Arminius und Thusnelda , zu inerfen: denen ich noch Zieglers asiatische Banise beyfügen muß. Von allen eine Kritik zu machen, das würde mich hier zu weit führen; noch weiter aber, wenn ich alle übrige deutsche Romane in ein Verzeichniß bringen wollte, die der fruchtbare, obwohl nicht allemal ordentliche Wię unserer Landsleute zum Vorscheine gebracht. Es ist Schade, daß die meisten ohne Regeln und Ordnung, auch mehrentheils in einer schwulstigen und unrichtigen Schreibart abgefallet worden. Doch wäre es eine nicht ganz unnuge Urbeit, wenn irgend ein Liebhaber davon ein vollständiges chronologisches Verzeichniß aller deutschen Originale sammlen und bekannt machen wollte.

21. S. Um aber meine Leser in den Stand zu seken, daß fie felbst von den vorkommenden Romanen urtheilen können; fo will ich ihnen folgende Regeln an die Hand geben. Was den Inhalt anbetrifft, so darf zum I. ein Roman eben nicht nach Art der Heldengedichte, einen berühmten Namen aus den Geschichten haben. Denn Liebesbegebenheiten können auch Leuten aus dem Mittelstande begegnen, und auch diese können durch falsche Namen noch verstecket werden. Indessen schadet es nicht, daß man in der Geschichte einen berühmten Held wåhlet, um seine Erzählungen desto wichtiger zu machen. So haben es Lohenstein mit dem Arminius, Plúche mit dem Sethos, Ramsay mit dem reisenden Cyrus, die Urhe. ber der Ruhe des Cyrus und des Memnons, und Prevot d' Exiles mit dem Cleveland, Cromwells Sobne, gemacht.

Diese leßtern Bücher sind die besten Romane, die in neuern Zeiten geschrieben worden. Die Ursachen sind leicht zu sehen; denn wenn man dergestalt einen befannten Helden hat, dessen Begebenheiten mit andern Geschichten seiner Zeiten in eine Verbindung fonimen: so erlangt der Roman einen weit größern Grad der Wahrscheinlichkeit, als wenn man lauter erdichtete Namen nenuet. Wie aber der Verfasser dadurch viel Stoff und Julfe zu seinen Erdichtungen bekommt: also muß er auch in den Alterthümern, oder Geschichten damaliger Zeiten febr geschickt seyn, um nichts zu dichten, das bekannten Sachen widerspricht. Er muß aber auch die Charactere der Personen nicht veråndern. Denn in diesem Falle gilt Sorazens Niegel auch von dem Romanschreiber die wir oben a. d. 22 u. f. S. angefüh. ret haben. Geseßt aber, daß man auch lauter erdichtete Personen aufzuführen håtte: so ist gleichwohl die Regel zu beobachten; daß man sich genau nach den Sitten der Zeiten, der Derter, des Standes, Gesdalechtes und Alters seiner Personen richten müss se. Diejenigen Romanschreiber sind also sehr verwerflidy, die allen Personen die Sitten ihrer eigenen Zeit, igres Landes, und ihres Standes geben. In der Banise sollten asiatische, in der Octavia rómische, im Arminius deutsche Sitten herrschen. Allein wie oft ist dawider gefehlet worden? Wie oft läßt Los benstein seine alten Helden, wie belesene Schulmeister reden? Und ist nicht Zieglers Prinz Balacin ein so hochtrabender Sophist, ali ob er aus Christian Schrócers Schule ente laufen wåre?

22. 9. Was nun II. die Ordnung der romanhaften Erzählung betriffc, so ist die einfältigste die historische, der Zeit nad): wie ! somer die Zlias, Ramsay den Cyrus, Lriles den Cleves land, u. s. w. beschrieben hat. Allein die poetische ist weit fünfte licher, die ebenfalls somer in der Odvisee, Virgil in der Aeneis, Keliodor im Theagenes, Fenelon im Telemach, und Ziegler in der Banise beobachtet haben. Hier führt der Dichter seinen Sefer gleich in die Mitte der Geschichte, und holet im folgenden das vorhergegangene nach; indem er es von jemanden erzählen läßt. Dadurch kann auch ein Poet den

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Umfang seiner Geschichte verkürzen, die ihn sonst zu weit führen würde. Denn ungeachtet man einem Noman solche enge Grán. zen nicht seket, als einer Epopee; ro roll er doch kein Lebenslauf werden. Und dieses giebt die III. Regel an die Hand: daß nämlich der Roman nicht von der Wiege bis ins Grab geben; fondern nur eine Haupthandlung des Romanhelden, nebst allem, was dazu gehöret, erzählen solle. Uuch darinn darf ein Roman dem Heldengedichte nicht gleich kommen, daßer den wunderbaren Einfluß der Götter , oder Geister, Heren, u.d. m. nothig håtte. Diese Stúde würden ihn mehr verunzieren, weil sie ihn unglaublich machen würden. Denn wer machet sich wohl viel aus den arabischen Gesdyichten, Tausend und eine Nacht; den französischen Contes de Fèes, oder Herenmåhr. dhen, Prinz Titiu. d. gl. m.? Endlich IV. was die Schreibart betrifft, so ist zwar lange in Deutschland die Mode gewesen, fie recht poetisch), wie man glaubte, d. i. schwülftig und hochtrabend zu machen; wie Arminius, die Banise , und unzäh. lige andere die Proben geben. Allein eine natürliche Art zu erzählen, die der Vernunft und Wahrheit gemäßer ist, ma. chet einen weit großern Eindruck in den Gemüthern, als ein so gefirnißter und gleißender Ausdruf; der insgemein die Schwäche seines Urhebers verråth. Je nåher also die Schreibart in Romanen der historischen kommt, desto schöner ist sie: und sie bleibt darum doch aller Schönheit fähig, die ein gelåuterter Wiß, und eine feine Sprache, wohlausgearbeiteten Schriften, z. E. dem Sethos, und der Ruhe des Cyrus geben. Sdılüßlich muß ich noch V. erinnern, daß ein guter Roman auch den Sitten keinen Schaden thun muß. Die Liebe kann, nach Heliodors Erempel, auch eine unschuldige und tugendhafte Neigung feyn. Dieses zeiget auch das Erempel der Pamela in neuern Zeiten: ja selbst diese ist vielen Kunstricitern noch nicht von allen Buhlerfünften fren genug. Wie unzählig vielen Romanen wird durch

dieß Urtheil nid)t der Stab gebrochen!

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Des I. Abschnitts VI. Hauptstück. Von Heroischen Lobgedichten.

I. S.

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enn man vollständige Ausgaben vom Somer,

3. E. Strevels feine, nachschlågt, so findet man

verschiedene Lobgedichte, unter dem Nainen ‘T uvos, auf die beidnisden Götter, z. E. auf den Apollo und Mers kur, auf die Venus, den Bacchus, und den Mars, im. gleichen auf den Pan, die Diana, und Pallas, u. Po w. Es kann seyn, daß einige von diesen Stúden nicht ganz unstreitig vom somer berrůbren; wie denn die Kunstrichter an vielen zweifeln. Alle miteinander aber, demselben abzu. sprechen, halte ich die Gründe nicht für zulänglich: weil wirklich sowohl die Are zu denken, als der Ausdruc, den übrigen homerischen Schriften so nahe fommt; daß schwerlich ein anderer ihn so genau þåtte nachahmen können. Diese Gedichte nun þaben mit den obigen epischen viel ähnliches. Denn ungeachtet sie bey weitem so lang nicht sind, als jene: To find fie doch auch nicht eben so gar kurz. 3. E. das Lob. gedicht auf die Venus, ist so lang, als die Batrachomyo. machie, das ist auf die 300 Verse: das auf den Apollo, entpålt nag an sechstehalb hundert, und das auf den Merkur, 575 Verse. Die Versart, die er darinn beobachtet, ist auch die Heroische; denn sie bestehen aus lauter Herametern. Der Jnhalt ist auch größtentheils episch, das ist erzählend; indem er die Geburt, die Erziehung, und die Thaten seiner Götter, und was sonst vor Ulters von ihnen geglaubet ward, erzählet. Endlich kommen diese Lobgedichte auch darinn mit den epischen überein, daß er in etlichen die Musen an. ruft, ißm benzustehen. 3. E. in dem, auf den Merkur, heißt es gleich anfangs : Crit. Dichok.

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' Ερμην

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