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Diese lektern Bücher sind die besten Romane, die in neuern Zeiten geschrieben worden. Die Ursachen sind leicht zu sehen; denn wenn man dergestalt einen befannten Helden hat, dessen Begebenheiten mit andern Geschichten seiner Zeiten in eine Verbindung konimen: so erlangt der Roman einen weit größern Grad der Wahrscheinlichkeit, als wenn man lauter erdichtete Namen nenuet. Wie aber der Verfasser dadurch viel Stoff und Syülfe zu seinen Erdichtungen befómmt: also muß er auch in den Alterthümern, oder Geschichten damaliger Zeiten sehr geschickt seyn, um nichts zu dichten, das bekannten Sachen widerspricht. Er muß aber auch die Charactere der Personen nicht veråndern. Denn in diesem Falle gilt Sorazens Niegel auch von dem Romanschreiber, die wir oben a. d. 224. f. S. angefüh. ret haben. Geseßt aber, daß man auch lauter erdichtete Personen aufzuführen håtte: so ist gleichwohl die Regel zu beobachten; daß man sich genau nach den Sitten der Zeiten, der Derter, des Standes, Gesdalechtes und Alters seiner Personen richten müss se. Diejenigen Romanschreiber sind also sehr verwerflidy, die allen Personen die Sitten ihrer eigenen Zeit, igres Landes, und ihres Standes geben. In der Banise sollten asiatische, in der Octavia rómische, im Arminius deutsche Sitten Herrschen. Allein wie oft ifi dawider gefehlet worden? Wie oft läßt Los benstein seine alten Helden, wie belesene Schulmeister reden? Und ist nicht Zieglers Prinz Balacin ein so hochtrabender Sophist, als ob er aus Christian Schréters Schule ents laufen wåre?

22. 9. Was nun II. die Ordnung der romanhaften Erzählung betriffc, so ist die einfältigste die historische, der Zeit nad): wie ! somer die Zlias, Ramsay den Cyrus, Eriles den Cleves land, u.s.m. beschrieben hat. Allein die poetische ist weit fünfte licher, die ebenfalls somer in der Odyssee, Virgil in der Zeneis, Keliodor im Theagenes, Fenelon im Telemach, und Ziegler in der Banise beobachtet haben. Hier führt der Dichter seinen Sefer gleich in die Mitte der Geschichte, und holet im folgenden das vorhergegangene nach; indem er es von jemanden erzählen läßt. Dadurch kann auch ein Poet den

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Umfang seiner Geschichte verkürzen, die ihn sonst zu weit führen würde. Denn ungeachtet man einem Noman solche enge Grán. zen nicht seket, als einer Epopee; ro roll er doch kein Lebenslauf werden. Und dieses giebt die III. Regel an die Hand: daß nämlich der Roman nicht von der Wiege bis ins Grab geben; fondern nur eine Haupthandlung des Romanhelden, nebst allem, was dazu gehöret, erzählen solle. Uuch darinn darf ein Roman dem Heldengedichte nicht gleich kommen, daßer den wunderbaren Einfluß der Götter , oder Geister, Heren, u.d. m. nothig hätte. Diese Stúde würden ihn mehr verunzieren, weil sie ihn unglaublich machen würden. Denn wer machet sich wohl viel aus den arabischen Gesdyichten, Tausend und eine Nacht; den französischen Contes de Fèes, oder Herenmåør. chen, Prinz Titiu.d.gl. m. ? Endlich IV. was die Schreibart betrifft, so ist zwar lange in Deutschland die Mode gewesen, fie recht poetisch), wie man glaubte, d. i. schwülftig und hochs trabend zu machen; wie Arminius, die Banise , und unzäh. lige andere die Proben geben. Allein eine natürliche Art zu erzählen, die der Vernunft und Wahrheit gemåßer ist, ma. chet einen weit größern Eindruck in den Gemüthern, als ein so gefirnißter und gleißender Ausdrucf; der insgemein die Schwäche seines Urhebers verråth. Je näher also die Schreibart in Romanen der historischen kommt, desto schöner ist sie: und sie bleibt darum doch aller Schönheit fähig, die ein ges låuterter Wiß, und eine feine Sprache, wohlausgearbeiteten Schriften, z. E. dem Sethos, und der Ruhe des Cyrus geben. Sdílůßlich muß ich noch V. erinnern, daß ein guter Roman auch den Sitten keinen Schaden thun muß. Die Liebe kann, nach Heliodors Erempel, auch eine unschuldige und tugendhafte Neigung feyn. Dieses zeiget auch das Erempel der Pamela in neuern Zeiten: ja selbst diese ist vielen Kunstrichtern noch nicht von allen Buhlerfünften fren genug. Wie unzählig vielen Romanen wird durch dieß Urtheil nid)t der Stab gebrochen!

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Des I. Abschnitts VI. Hauptstück. Von heroischen Lobgedichten.

I. S.

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enn man vollständige Ausgaben vom Somer,

3. E. Strevels feine, nachschlågt, so findet man

verschiedene Lobgedichte, unter dem Nainen ‘T uvos, auf die beidnisden Götter, z. E. auf den Apollo und Mers fur, auf die Venus, den Bacchus, und den Mars, ims gleichen auf den Pan, die Diana, und Pallas, u. Po w. Es kann seyn, daß einige von diesen Stúden nicht ganz unstreitig vom somer Gerrühren; wie denn die Kunstrichter an vielen zweifeln.. Alle miteinander aber, demselben abzusprechen, halte ich die Gründe nicht für zulänglich: weil wirklich sowohl die Art zu denken, als der Ausbrud, den übrigen homerischen Schriften so nahe kommt; daß schwerlich ein anderer ihn so genau þåtte nachahmen können. Diese Gedichte nun þaben mit den obigen epischen viel ähnliches. Denn ungeachtet sie bey weitem so lang nicht sind, als jene: To find fie doch auch nicht eben so gar kurz. 3. E. das Lob. gedicht auf die Venus, ist so lang, als die Batrachomyo. machie, das ist auf die 300 Verse: das auf den Apollo, entpålt nag an sechstehalb hundert, und das auf den Merkur, 575 Verse. Die Versart, die er darinn beobachtet, ist auch die feroische; denn sie besteßen aus lauter Herametern. Der Inhalt ist auch größtentheils episch, das ist erzählend; indem er die Geburt, die Erziehung, und die Thaten seiner Götter, und was sonst vor Ulters von ihnen geglaubet ward, erzählet. Endlich kommen diese Lobgedichte auch darinn mit den epischen überein, daß er in etlichen die Musen an. ruft, ißm benzustehen. 3. E, in dem, auf den Merkur, heißt es gleich anfangs: Crit. Dichok.

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'Eguny

Ερμην υμνει Μεσα Διος και Μαιαδας υιον etc.

Mercurium lauda Musa, Jovis ac Majæ filium etc, Und das auf die Venus, Hebt so an:

Mουσα μου εννεπε έργα πολυχρυσε 'Αφροδιτης etc.

Musa mihi dic opera aurez Veneris etc. Diese Hehnlichkeit veranlasset mich, von dieser Art von Ges dichten, gleidy nach den obigen zu handeln.

2. 9. Es erhellet auch), ohne mein Erinnern, von sich selbst, daß diese Gedichte von den Oden gånzlich unterschieden sind. Weder die furze Versart, noch die Abtheilung in Strophen, noch die Kürze der Oden, schidet sich zu diesen großen lobgedichten: am allerwenigsten aber würde sich der erzählende fast Visiorisdie Inhalt, den diese erfodern, zu den Oden schicken, die ihn, so viel als möglich ist, fliehen müssen. Man darf also nicht denken, daß ich die Arten der Gedichte olne Noth vervielfältige: zumal da eine Menge neuerer Dichter dem somer hierinn gefolget find, daß sie eine Menge Lobgedichte auf Gotter und Helden geschrieben haben, die man unmöglich zu den machen fann. Von den Gries chen zwar sind uns, außer dem Rallimactus, wenige von dieser Art übrig geblieben. In der großen Sammlung griecisijder Didster, die 1614. ben Petern de la Rociere, in Fol. herausgekommen, trifft man fein einziges Stüc an, welches genau von derselben Are wåre. Qytophrons Cassandra, scheint dem Inhalte und der Absicht nach, hie. þer zu gehören: allein es it felbige nicht in heroischen, sondern jambischen Versen geschrieben, auch in einer so vers stricten, dunkeln und schwulstigen Schreibart abgefasset, daß man sie gar nicht loben kann. Die zehn Symni des Synesius, sind eben sowohl als des Gregorius von na: zianz Lieder , mit besserm Rechte Oden zu nennen: weil sie in den kürzesten Versarten, nicht aber in Heroischen Versen abgefasset sind. Johann von Damascus , hat die Theogonie auch in Jamben befungen; inapiinus Margu. nius aber feine Symnos gar in anakreontischen Versen

geschrie. geschrieben. Endlich sind auch des sogenannten Johannis Geometrå Symni, auf die Jungfrau Maria, niche in Heroischen Versen, sondern als Elegien abgefasset. Es bleibt mir also der einzige Kallimactus übrig, der auf eben den homerischen Schlag, Hymnen auf den Jupiter und Apollo Die Diana und Ceres, und auf die Insel Delos gemadiet. Auf das Bad der Pallas aber hat er sein (oblied als eine Elegie eingeridytet. Indessen finden wir sonst Nachridsten genug, daß alte Dichter Götter und Helden auf diese Art besungen: wie z. E. dem großen Alerandeč, Chérilus, obwohl in sehr schlechten Versen, dergleid;en Ehre erwiesen Hat; nach sorazens Zeugnisse: Lib. II. Epist

. 1. Gratus Alexandro Regi magno fuit ille Chærilus, incultis qui versibus, et male natis,

Retulit acceptos regale numisma Philippi. Selbst Aristoteles soll auf den Sermias ein solch Lobgedicht geschrieben Gaben, das sich angefangen:

Αγνε θεων, πρεσβευτέκατηβολε etc.
Sancte Deûm, longeque senex jaculans etc.

3. $. Wenn wir auf die Lateiner kommen : fo hat schon in alten Zeiten ein Ennius dergleichen heroische Jobgedichte gemacht: davon wir aber nur unvollkommene Stúde übrig haben. Um Cicerons Zeiten schrieb Carull feine Argonautica, ein heroisches Gedicht, das gleichsam einem Virgil den Ton angab, wie die lateinische Epopee klingen mußte. Selbst der Culex dieses Dichters, gehört unter diese Zahl, weil er nicht scherzhaft genug war, unter die komischen Heldengedichte gezáblet zu werden. Tibull besang den Meffalla, in einem sogenannten Panegyricus. Darauf folgte Petronius, der uns in seinem Satiricon eine Probe gab, wie der Bürgerkrieg in Rom Heroisch beschrieben wer. den müßte:

Orbem jam totumn victor Romanus habebat etc. Claudians Ruffinus, und Eutropius, imgleichen seine Bücher, de bello Gildonico und Getico, wider den Allarich; (1 2

feine

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