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zum Gespötte geworden. 3. E. wenn er den Fuchs, (un Pythagore à longue Queiie) den langgeschwanzren Pythagor; ein Gerücht Kraut: ein Topfphänomey non; oder eine Růctienersdreinung; (un Phenomene potager) und dergleichen mehr genennet : fo ist er im Diitionnaire Neologique • damit fehr übel angefommen. Was fönnte man nicht aus Stoppens und andern. Fabeln für Worogespenster , (wenn ich diefe fauderwålsche Urt sinnlich zu machen, fo reden darf,) zusammen tragen; die wohl in dem Munde eines Pickelherings, aber nicht auf den Lippen eines moralischen Fabeldichters Entschuls digung verdienen? Was soll ich von denen fagen, die aus ásopischen Fabeln gar asotische, oder fobaritische madzen? Ein Sittenlehrer muß seinen Charakter bedenken, und da er andere lehren will, nicht sid, selbst veráchtlich machen. Man sage nicht, er müsse auch belustigen: das ist wahr, und eben durch das Belustigen muß er unterrichten. Allein, die Fabel an sich selbst belustiget schon, durch die Aehnlichkeit, die sie mit den Neigungen und Handlungen der Meniden hat: was brauchet er nun noch die zoten. hafte Schreibart? Jd überlasse es dem Urtheile der les fer, ob es nicht auch, dahin gehöre, daß Fontaine und la Morte, ihre Thiere einander Gevarter und Gevate terinn nennen lassen; und wenn in Stoppen eine Eide einmal zu einem andern Baume sagt:

Jd) will wohl eine sure feyn! Erempel von guten und schlechten Fabeln, wird man in

obangezogenen Büchern zur Gnúge finden.

Des

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Des I. Abschnitts III. Hauptstück. Von scherzhaften Heldengedichten.

1. Q.
n allen menschlichen Dingen und Erfindungen gesdieht

nichts auf einmal, oder durch einen Sprung; sondern

alles wird nach und nach erfunden, verbessert, und allmählich zur Vollkommenheit gebracht. Diejenigen fennen also die Wirkungsart der Natur sehr sdzledyt, die sich einbilden, Somer habe auf einmal das große Heldengedicht, Jlias, zuerst erfunden, und zugleich den höchsten Gipfel der Dichtkunst dadurch erreichet. Durch ordentliche menschliche Kråste wåre foldes gewiß nicht möglich gewesen: und es ist also nur gar zu wahrsd)einlich, theils daß somer in dieser Art von Heldengedichten Vorgånger gehabt; theils, daß er sich selbst in einigen kleinen Arten von epischen Ges dichten geübet haben inüsse, ehe er sich an ein so großes Werk gemachet. Was das erste betrifft, so beståriget die Geschichte unsere Muthmaßungen. Orpheus, XVujaus, Linus, Eumolpus, Pheinius, Deinodokus u. a. m. Hatten sich schon vor ihm im Dichten hervorgethan, und mochten unter andern auch kriegerische Tiyaten beschricben haben. Das andere aber lehret uns der Augenschein felbst. Denn wir finden nicht nur, daß somer verschiedene Lobo gesånge auf die Götter, Apollo, Merkur, Venus, Ba. chus, Mars u. s. w. gemachet, sondern daß er sich auch durch ein scherzhaftes Seldengedicht vorbereitet, und FF 2

geübet

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• Vonius in feinein Tractate de zugeben: aber daß es viele andere ges Poetis græsis will zwar nicht zugeben, gehen, beweiset der Verfasser des engl. daß es ditere griechisdie Dichier, als Buches The Life of Homer, Lund. Somer, oder Sesiodus, gearben: 17.3. in gr. 8. und Pope in seinem incessen erflåret er sich so, daß er leben Somers, siehe die deutiche solche merne, deren Schriften noch liebersetung meiner Freundinn in den übrig waren. Dieß kann man ihm aušerles, et,

geübet habe, dereinst ein größeres Werf dieser Art zu verfertigen. So ist denn die Dictyrkunst nicht mit einem Sprunge von der åsopischen Fabel zum Heldengedichte, gestiegen; sondern sie hat sich allmählich und stufenweis bis auf diesen Gipfel erhoben.

2. 9. Um nun dieses desto besser begreiflich zu machen, wollen wir dieses älteste spaßhafte epische Gedicht etwas nås her ansehen. Er nennet es Batpax guvoje a Xoc, oder der frostindusekrieg, weil darinn erzählet wird, daß die Frósche mit den Mäusen einen (djweren Krieg gehabt. Die Fabel verhålt sich fürzlich so: Pricharpas, des Måusekönigs einziger Pring, wird von der Kaße verfolget, und flieht durstig ans Wasser, wo der Frösche König, Physignar tus sigt. Dieser fraget jenen, wer er fer, und woher er fomme ? Der Mäuseprinz pralet mit seiner königlichen 2bkunft, und seiner zärtlichen Erziehung, erzählet auch alle Leckerbissen, die er zu essen pflege; imgleichen, wie er sich vor keinem Menschen fürchte, und nur den Habicht und die Kage und die Mäusefalle zu scheuen habe. Physignatus spottet über sein leckerhaftes Maul, und sagt: auch die Frösche hätten viel wunderbares zu Wasser und Lande: weil Jupiter ihnen zweyerley lebensart verliehen håtte. Wenn er dieses reben wollte, sollte er sich nur seinem Rücken anvertrauen; so wolle er ihn in sein Haus führen. Psichar, : pap springt auf, und Physignatus schwimint mit ihm in Den See. Kaum aber låße sich eine Wasserschlange blicken, so erschrift dieser, taucht sich unter, und der Mäuseprinz fómmt elendiglich um. Lichopinar, sein Gefährte, der am Ufer steht, wird es gewahr, låuft nach Hause, und erzählet es den andern Miusen. König Trorarres berufet des andern Morgens feine Stånde zusammen, flaget ihnen sein Unglüif, daß er seinen ersten Sohn durch die Kaße, den zweyten durch die Mausefalle, und nun auch den dritten und legten durch die Bosheit des Froschkönigs verlohren habe, und bittet um ihren Beystand. Alle stimmen ein, diesen Schimpf an den Fröschen zu rächen, und waffnen sich zum Kriege.

3. S. Als nun der Måuse Herold kommt, den Krieg ans zukündigen, leugnet Physignatus, daß er den Mäuseprinz ermordet habe; und sagt, er habe aus Muthwillen, gleich den Fröschen, (dywimmen wollen, darüber er erroffen ser. Indessen redet er sein Volk gleichfalls an, und ermuntert sie zur Gegenwehr: worauf sich alles waffnet. Als Jus piter, nun beyde Heere am Ufer ihre Janzen dwingen sieht, wie Centauren und Riesenheere irgend thun möchten: fraget er die Götter mit Lächeln: wer von ihnen den Mäusen, oder den Fröschen benstehen wolle? Minerva sagt: sie möchte den Mäusen nicht beystehen, weil sie ihr viel Schaden gethan fåtten. Es wäre auch besser, daß sich die Götter nicht darein mengeten, und sich um ihrenthalben verwunden ließen. Sie wollten der Sache lieber vom Himmel zufehen, und sich daran ergeşen: welches auch von allen Göttern beliebet wird. Darauf blafen zwo Můcken mit ihren Trompeten zur Schlacht, und Jupiter giebt vom Himmel das Zeichen eines bösen Krieges. Die Schlacht geht an, und viele Helden fallen beyderseits; bis Meridarpar, ein tapfrer Held unter den Måusen, sich vorseket, das ganze Froschgeschlecht auszurotten. Jupiter erbarmet sich der Fròsdie, und will den Mars und die Pallas wider ihn in den Streit schicken. Wars aber verfeket, sie bende würden den Untergang von den Fröschen nicht abwenden fónnen: alle Götter müßten ihnen zu Hülfe ziehen. Jupiter wirft also felbst einen Bliß und Donnerkeil herab, das vor bende Heere erschrecken. Allein die Mäuse Hören nicht auf, die Frösche zu mekeln. Darauf schickt ihnen Jupiter die Krebse zu Hülfe, die geharnischt, stark von Bruft und Schultern, mit Scheren und acht Füßen versehen sind, ůber quer gehen, und mit Hånden nicht gegriffen werden konnten. Diese klemmten den Mausen Schwänze, Arme und Beine ab: daher sie sich fürchteten, und auf die Flucht machten, so daß der ganze Krieg in einem einzigen Tage aus war.

4. S. Dieß ist der kurze Inhalt eines Gedichtes, welches vielen neuern und viel weitläuftigern Werken zum Muster

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gedie

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gedienet hat. Ehe wir nun dieselben erzählen, müssen wir die Absichten und Kunstgriffe entdecken, die somer darinn vor Augen gehabt, und angewandt hat. Ohne Zweifel þat er irgend eine kurze und lächerliche Zwistigkeit einiger kleinen Städte, oder Dörfer, die zu seiner Zeit irgendwo vorgefallen, låderlich machen wollen. Weil die Volker klein und ohnmächtig gewesen, so hat er sie unter dem Bilde verächtlicher Thiere abbilden wollen; und die einen, die vom festen (ande waren, mit den Mäusen, die andern aber, die vieleicht Fischer und Seeleute gewesen, mit Fröschen vers glichen, die mit beyden Elementen zurecht kommen können. Ihre Rüstungen beschreibt er, nach Art folcher Thiere febr kurzweilig; ohne Zweifel, weil der wahre Streit, bey der damaligen Seltenheit eiserner Waffen, auch auf eine lächerliche Art geführet worden. Aber die Sache desto lustiger zu machen, vergleicht er sie mit Centauren und Riesen, menget auch ein Rathschlagen der Götter drein: denn nichts ist lächerlicher, als wenn große Dinge ins Kleine gemenget werden. Der Held Meridarpar, mag auch etwa einen verwegenen Großsprecher bedeuten, der sich unter den landleuten gefunden hat; und da diesen aud) ein Donnerwetter nicht furchtsam gemachet, mogen vieleicht einige geharnischte, und besser bewaffnete Leute den Fischern zu Hülfe gekommen seyn, die er spashaft als Krebse beschreibt: dadurch denn die Sandleute zurück jetrieben, und der ganze Krieg geendiget worden. Die abgezielte Celre kann feyn: daß es thüricht fery, wenn kleine Gemeinen einander über bloße Unglücsfålle, in die Haare gerathen, und einander gar zu Grunde ridy ten wollen.

5. S. Ich muthmaße dieses alles, aus der innern Bea schaffenheit dieses Gedichtes, und der Vorausseßung: daß ein so großer Geist, als Komer , auch bey diesem anscheinen. den Spielwerke, nicht bloß Possen treiben; sondern unter einem, obwohl lächerlichen Bilde, doch etwas ernsthaftes habe vorstellen wollen. Seine Art ist es sonst allemal, lehrreiche Fabeln zu dichten: und warum sollte er hier da.

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