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fich darinnen vor gar zu trocknen Vernunftschlussen, die einem Weltweisen besser anstehen, als einem Dichter; der gleichsam Orafelsprůche vorbringt, die er nicht beweisen darf, weil sie aus einer höhern Eingebung kommen. Daher kleiten alle die Bindewórter, denn, weil, darum, daher, hers nach), u. d. gl. eine Ode sehr schlecht; und man pflegt zu sagen, daß eine schöne Unordnung in der Ode die Probe der hódysten Kunst fey. Boileau schreibt:

Chez elle un beau Desordre est un Effet de l'Art. 17. S. Anstatt der Erempel, rathe ich igo die Meisterstücke unfrer alten Dichter, Opigens, Flemınings, Dache, Tschernings, Teukirchs, Günthers und Pietstens zu lesen. Ich halte dieselben nicht nur allesammt für stårfer in dem edlen Feuer, das zu einer Ode gehöret, als alles, was wir þeute zu Tage schreiben; sondern hoffe auch, daß ich durch die gesunde Hige dieser Muster, unsren angehenden Dichtern auf die rechte Spur Helfen, und sie von dem finstern Gesd;mace gewisser heutigen Verführer abziehen werde, die alles, was nicht von Sprachsdinißern wimmelt, für Wiegenlieder auss geben wollen. Nun gestehe ichs zwar, daß in der Reinigkeit der Verse, unsre Alten nicht ganz unverbesserlich sind. Allein wer die Regeln unsrer Keutigen Profodie, und die reine Wortfügung der besten Dichter kennet, der wird sich schon in acht zu nehmen wissen, daß er mit dem Guten der Alten, nid)t auch bas Tadelhafte nachahme. Zum Beschlusse will ich nod) er. innern, daß derjenige, der Oder zum Singen verfertigen will, folgende Regel beobachten muß, um dem Componisten die Arbeit nicht zu verderben, und zu machen, daß alle Strophen fich gleich gut fingen lassen. Diejenigen Dien flingen noch einmal so schön, die am Ende mit einem månnliden Reime schließen, als die andern, die sich weiblicy endigen. Und, da ich es auch an denen, die id) in der gråfischen Sammlung finde, bemerke, daß diejenigen sich in der Musik viel besser Gören lassen, die mit einer langen Sylbe schließen: fo rathe ich es allen denen an, welche Oden zum Singen madjen, keinen weiblichen Reim ans Ende zu bringen. Ee 2

Des

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choodaganic సంఘం

ookcomroccohootoofacticed Des I. Abschnitts II. Hauptstück. Von ásopischen und sibaritischen Fabelni, imgleichen von Erzáh

lungen.

1. S. er Ordnung des Alterthumes zu folgen, muß ich wohl

von dieser Art der Dichtkunst, unmittelbar nach den

Liedern handeln. Was eine Fabel überhaupt sen, habe ich oben im I. Theile, im 3ten Hauptstücke ausführlich erklåret. Sie ist eine erdichtete Begebenheit, welche erfunden worden, eine gewisse Sittenlehre darunter zu verbergen, oder vielmehr durch sie desto sinnlicher zu machen. Wir haben auch schon gewiesen, daß sie zweyerlev fev; nachdem man entweder Pflanzen und Thiere, oder vernünftige Wes fen darinn redend oder handelnd einführet. Hier aber muß ich noch die dritte Art hinzusehen, darinnen man allegorische Personen didytet, oder solchen Dingen ein Wesen und Leben giebt, die entweder ganz leblos sind, oder doch nur den Ge. danken der Menschen ihr Dasein zu danken haben: wie fichs hernach deutlicher zeigen wird. Diese Gattung nebst der ersten von Thieren, fann man eigentliche Fabeln oder Mährlein nennen; diejenigen aber, worinn lauter vernünftige Wefen, denkend, redend, und wirkend aufgeführet werden, pflegt man auch wohl Erzählungen zu heißen. Sie ändern aber darum ihre Natur nicht, und bleiben allemal erdich, tete Begebenheiten, die ihre Sittenlehre ben sich führen. Menget man aber Thiere und Mensden, oder leblere und allegorische Personen, mit Geistern oder wirklich denfenden Wefen zusammen: so entstehen daraus vermistyre fubeln.

2. S. Dasz indesse:r die Fabeln noch ålter, als die übrigen Arten der Gedichte, sonderlich das Heldengedidit fenn, ist leicht zu erweisen. Döne Zveifel ist das Bud, der Richter,

wenn

wenn és gleich erst um Samuels Zeiten geschrieben wäre, ålter als somer: und in demselben finden wir schon Jo. thams Fabel von den Båumen, die sich einen König ge. Wåhlet. Jotham also, war unstreitig lange vorm Samuel ein Fabeldidster: und da sein Gedicht dergestalt das åltefte dieser Art ist, das wir kennen: so ist es wohl werth, daß.wir es hier einrücken. · Es steht im gten Capitel des bemeldten Buches, und lautet so:

Die Bäume giengen hin, daß sie einen König über sich falbe: ten, und sprachen zum Delbaume: Sey du unser König. Aber der Delbaum antwortete: Soll id) meine Fettigkeit lassen, die beyde Götter und Mensden an mir preisen, und hingehen, daß id) über den Bäumen schwebe? Da sprachen die Baumre zum Fei: genbaume: Komm du, und Tey nnser König! Aber der Feigen: baum svrady zu ihnen: Soll id) meine Süßigkeit und nteine gute Frucht lassen, und hingehen, daß idy uber den Bäumen fdwebe? Da sprachen die Bäume zum Weinstocke: Komm du, und ren unser König! Aber der Weinstock sprach zu ihnen: Soll ich meinen Most lassen, der Götter und Menschen frölich machet, und hingeben, daß ich úber den Bäumen schwebe? Da spraden alle Bäume zum Dornbusche: Komın du, und sey unser König! Und der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Jsts wahr, daß ihr mich zum Könige salbet über ends? so kommet, und versammlet euch unter meinen Schatten. Wo nicht, so gehe Feuer aus dem

Dornbusche, und verzehre die Cedern auf dem Libanon. So lautet die Fabel felbft; ihre Deutung aber mag man, nach den damaligen Umstånden, in der angezogenen Stelle nachsehen. Sie ist ganz sittlich, und giebt den Sichemis rern einen deutlichen Unterricht: daß sie sich unter Gideons Söhnen gerade den årgsten ausgesuchet, der theils seine àltern und besseren Brüder erwürget håtte; theils sie selbst zu Grunde richten würde.

3. S. Die Fabel, so nächst dieser die älteste ist, steht im II. Buche Samuels iin 12ten Cap. und Nathan erzählete fie dem Könige David. War die obige aus dem Reiche Der Båume genoinmen: so ist diese von der zweyten Gattung, und hat laufer menschliche Personen; weil nåmlich die Schafe, so darinn vorfommen, nichts reden, oder handeln.

Von

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Von eben der Art ist die dritte, des flugen Weibes zu Thes koa, die im 14ten Cap. desselben Budhes steht: und diese wollen einige Neuere lieber Erzählungen (Contes) nennen; weil es nämlich mehr Anschein hat, daß sie wohl geschehen Feyn könnten. So liefert uns denn die Schrift felbst åltere Muster von ásopischen Fabeln und Erzählungen, als die åsopischen sind: geseßt, daß Aesopus, wie einige Gelehrte meynen, mit dem asuph in Davids Hofcapelle einerley gewesen wäre. Allein der ganze Orient ist in den åltesten Zeiten wegen seiner Neigung zu den Fabelņ und Allegorien berühmt gewesen. Kam nicht die Königinn von Saba, den König Saloinon mit ihren Räthseln zu versuchen? Erzählet uns nicht Josephus, auf desjenigen Dius Bes richt, der die phonizische Geschichte geschrieben, und auf Des ephesinischen Menanders Zeugniß, der die Jahrbücher der Tyrier überseket hatte: daß Salomon und Siram einander Rächsel aufgegeben, und große Summen darauf geseket, wer sie nicht würde auflösen können? Selbst die Braconanen, die Gymnosophiften, ja die Chineser haben in den åltesten Zeiten die Art an sich gehabt, alles in Allegorien und Erzählungen vorzutragen, was sie als gute Lehren fortpflanzen wollen. Die ältesten Kömer müssen diefe Art zu moralisiren auch geliebet haben, wie wir aus der Fabel des Mertenius Agrippa, von dem Streite der Glies der am menschlichen Leibe sehen, womit er den aufgebrachten Pobel befånftigte, und wieder in die Stadt brachte.

4.4. Doch wir müssen näher auf die rechten Fabetschreiber kommen. Unter den Persern ist Locmann berühmt gea wordenr, ja sein Rusm ist bis nach Indien, Hegypten und Nubien gedrungen. Die heutigen Türken kennen ihn, und feßen iän in Davids Zeiten: worinn sie sich aber, wenn er wirklich Alesopus gewesen feyn folite, etwan um drey bis 400 Jahre irren. Man hat diese Fabeln aud) in heutigen abendländischen Sprachen. Strabo erzáhlet, die Lehrer unter den Perfern pflegten iþren Schülern die Sittenlehre in Erdichtungen vorzutragen. Cyrus, der Stifter ihrer Mos

narchie,

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narchie, erzählet benm Serodot den Gesandten der Jonier und Heolier eine Fabel. Indessen ist sehr zu vermuthen, daß dieser Locłmann eben der phrrgische Aesopus fen, den fast jedes Volk sich hat zueignen wollen. Die Araber geben vor , er sey von hebräischem Geschlechte gewesen; die Perser halten ihn für einen Aethiopier, welches denn die Etymologie des Namens Aefopus (Aethiops) zu bestätigen scheint. Sein Leben, welches Mircond beschrieben hat, kömmt fehr mit des planudes Leben Aesops überein. Jenem, dem Lockmann, geben Engel die Weisheit; im Philoftratus muß Mercur dem Aesop die Fabel einges ben. Kury, die orientalischen Volker sagen, die Griechen håtten ihnen den Lockmann gestohlen, um ihren Aesop baraus zu bilden. Adam Olearius Hat jenes Fabeln vers deutfchet, und am Ende des persischen Rosenthats angehånget: Erpenilis aber hat sie aus dem Arabischen ins Sateis nische gebracht.

5. S. Von der Indianer Weisheit hat uns Sendebar, oder Sandhaber, denn man findet ihn verschiedentlich ges fchrieben, ein Buch hinterlassen, davon ich einen alten Druck in lateinischer Sprache besige. Der Titel heißt: Directoriuin humanæ vitæ, alias parabolæ antiquorum Sapientum: dieser ist fonder Ort und Namen des Druckers, ohne Zah. len der Blätter und Seiten, mit alten Holzschnitten in Fol. gedruckt. In der Vorrede steht, daß es eigentlich Belile ve Dimne * heiße, aus dem Indianischen ins Persische, sodann ins Arabisdhe, hernach ins Hebräische, und endlich ins Lateinische überseket worden. Diefer légtere deberseker

Johannes de Capua, richtet feine Zueignungsschrift an den Cardinal Matthaus, in einem sehr barbarischen Lateine: fo, wie es um die Erfindung der Buchdruckerkunst üblich war. Der Inhalt aber besteht in XVIII. Eapiteln, aus lauter Fabeln, die der König Anastres Casri, durch seinen Leibs arzt Berozias, aus Indien bekommen, als er ihn hingea schicket hatte, auf den Bergen Kråuter zu fammlen, womit

Mar * In Stoltens Hilt. ber Sel. Hebt Kelilah wa dimnah. Welches if recht?

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