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Das Unglück hat mir ja von außen was genommen,
Zum Herzen aber ist es mir so wenig kommen,
So wenig als das Meer ; das leichter diese Welt,
Als mein Gemüthe mir wird haben umgefällt.

So bricht der große Mann, der Held re. Ranig giebt mir eben dergleichen Erempel in der Obe auf seine Doris, welche er in der leßten Strophe rebend einführet :

Wie geschieht mir ? darf ich trauen ?
0, du angenehmes Grauen!
Hör ich meine Doris nicht,
Die mit holder Stimme spricht:
, Nur drey Worte darf id) fagett,
» Ich weis, daß du traurig bist:
„Folge mir, vergiß dein Klagen,
„Weil dich Doris nicht vergißt.

Noch ein schönes Erempel giebt Pietsch, wenn er den Pre. gelstrom in Königsberg redend einfübrt:

Der Pregel fiehet dieß mit starren Äugen an,
Und seufzet, daß er nichts dem König opfern fann:
Ud), Friedrich ! flaget er, ich kann dich nicht erhöhen.
Das Segel, Schiff und Mast, durch meinen Hafen gehen,
Das Fama meinen Ruhm durch alle Länder trågt,
Daß nod, fein wilder Sturm auf meine Brücken schlågt,
Daß keine trübe Zeit die klare Fluth verderbert,
Und kein verschwendet Blut die reinen Wellen fårbert,
Und mich entweihen kann, machst du, o Friederich! 26.

26.9. Ferner zählt Lami unter die Figuren auch XXI. die Denk- und Lehrsprůche. Dieses sind allgemeine Såser die bey Gelegenheit besonderer Fålle angebracht werden, und nügliche Regeln, fluge Sittenlehren, oder sonst finnreiche und kurzgefaßte Yussprüche in fich halten. Zuweilen sind fie etwas weitläuftiger, und könnten Betrachtungen Geißen. Ž. E. Tricherning schreibt auf der 166. S.

Dein Sinn war in der Welt, Du wußtest, daß fie mehr in ihren Armen hale,

Crir. Didre.

Als wo der Grånzstein liegt. Wer nie vom Vater kommen,
Nie keinen fremden Ort in Augenschein genommen,
Der weis kaum, wo er lebt, und führt bestürzten Wahn,
Sieht dieses Haus der Welt mit halben Augen an.
Der Tugend Heimath ist der Raum, so weit vom Morgen
Des Tages Vater geht: bis wvo er für die Sorgen,
Der Menschen stille Ruh durch seine Schwester (dict,

Die denn der Wolfen Euch mit Sternen überstickt. Hier sieht ein jeder, daß ben Gelegenheit der ersten dren Zeilen alles übrige als ein sehrspruch beygefüget worden. Weil es aber etwas langweilig ist, so kann es besser eine moralische Betrachtung heißen. Von der kurzen art mag folgendes Erempel eine Probe geben. Es steht in Joh. Frankens irdischem Helikon auf der 94. S.

Ein Sinn, der Feuer hat, hat immer was zu schaffen,
Bald sdhårft er seinen Wiß, bald schårft er seine Waffen:
Zwery Dinge machen uns berühmet und bekannt;

Der Degen und das Bud), der Adel und Verstand.
duhier begreift man leicht, daß diese Sprüche weit nachdrůd:
licher klingen, weil sie fo kurz gefasset worden. Ja, daß
sie zuweilen: noch weit fürzer in einer , oder einer halben Zeile
eingeschlossen seyn können, wird unter andern folgendes
Erempel aus Rachels VI. Sat. Gut und Böse, zeigen:
auf der 66. Seite.

Wie soll man denn, spricht du, vor Gott, den Höchften, treten?
Wie soll man, fage mir, und warum soll man bethen ?
Dafern du Rath begehrst, to bitte das allein,
Was er, der hódyste Gott, vermeynet gut zu seyn.
Er weis es, was dir dient. Ev meynet dich mit Treuen!
Er schenket 26.

27.J. Von eben solcher Gattung sind auch zum XXIIsten die Solufsprüche, (Epiphonema) wodurch man ein ganjes Gedicht, oder eine Strophe desselben, auf eine nachdrüc. liche Art, mit einem denkwürdigen Sake, oder finnreichen Gedanken endiget. 3. E. Opirz beschließt sein Gedicht an Zinkgråfen, wo er von der Poesie gehandelt hat; und sich wegen der elenden Versmacher tröstet, folgender gestalt:

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Ein Körper bleibet doch, obgleich des Schattens Schein

Sich größer madt, als er. Die Jeit soll Richter Reyn! Hier ist der Schluß durch die Kürze so schön geworden: er fann aber wiederum auch ben der weitlåuftigern Schreibart doch von gutem Nachdruce fallen, wenn er desto nachdent: licher und sinnreicher ist. Ainthor beschreibt die Liebe alter Männer, und schließt auf der 165. S. die Strophe fo:

Viel seltner sieht es aus, wenn sich ein greiser Bart,
Wie gleichwohl oft gesdrieht, on Mádgenfleisch verbrennet:
Da muß die Brille wes, der Badenstrumpf herbey,
Und daß der Runzeln Grund womit bedecker sey,
Der eingesperrte Schals aus allen Kasten springen,
O Thorheit! sich durchs Geld zur Knechtschaft einzudrins

gen. Und noch auf andre Art schließt Pietsit in einem Gedichte auf seinen König:

Held, dieses ist das Heer, das deine Herrschaft ziere,
Held, dieses ist der Tag, der dich der Welt gebiehrt.
Dein milder Gnadenstral ist auch auf mich geflossen,
Du hast ihn auf dein Land, und auch auf mic) ergossen.
Doch wird durch deinen Ruhm mein Trieb nicht offenbar :
Mein Weihrauch dampfet nicht auf deinem Brandaftar.
Es blühe dir das Glück! ich wil dein Lob verschweigen:
Ich zeige dir dein Beer, 'was kann ich großers zeigen:

28.8. Es folgt XXIII. die Frage, (Interrogatio) die sich von sich selbst versteht, und so zu reden, die gemeinste; aber auch eine von den fråftigsten Figuren ist. Zuweilen ist sie nur einfach, und dann hat sie so viel Nachtruck nicht, als wenn sie vielmal hinter einander gesegt wird. Die große Weitläuftigkeit macht eine Frage' quch nur matt: je fürzer aber ihre Theile oder Glieder werden, und je hurtiger sie auf einander folgen, desto schårfer dringt sie ein; ja sie stürmt fast auf die Gemüther los. 3. E. Ranitz in seiner Satire von der Poesie:

Was fehlt? was ficht did, an? Was ists? Was macht dich tod ?
Ein Wort! Was für ein Wort? das hinten reimen soll!
Y 2

Eben

Eben auf die Art fångt Opiss sein Schreiben an Nüßlern mit etlichen Fragen hinter einander an: Auf der 177. S. der

poet. W.

Ist das der freye Sinn? Sind dieses die Gedanken,
Der unbewegte Muth, so vormals ohne Schranken,
Vol himmlischer Begier, den Weg der Tugend gieng ?
Ist das des Phobus Sohn, dem ganz fein Herze hieng,

Das Schloß der Ewigkeit in kurzem zu ersteigen ? Günther hat zwar diese Figur selten gebraucht, doch finde ich auf der 825. S.der Ausgabe von 1735. folgendes:

Muß denn der Sonnen Gold im Aufgang untergehn?
Merkt man im Februar auch schon Aprillenwetter?
Verliert im schönsten May der frische Baum die Blätter ?
Wie wird es um den Herbst denn allererst entstehn?
D du verworfne Zeit! was führst du nicht für Sitten? 2.

29. 5. Etwas ungewöhnlicher ist XXIV. die Anrede, (Apostrophe) an Leblose, Todte, Abwesende, oder auch wohl an gegenwårtige Leute und Dinge, welche mit einer großen Heftigkeit gefhieht, und nur in hißigen Bewegungen des Gemüthes statt findet. 3. E. Flemming auf der 363. S. redet den Manmonat an:

Sey gegrüßt, du først der Zeiten!

Du des Jahrs Apell, o May ! xe. In einer andern Ode wendet er sich an den Mond und Abende stern:

Sieh fie an, die Weberinn,
Fromme Cynthie! und höre,
Du auch , züchtige Cythere,

Unsrer Nådhte Heroldinn! Anderwårts redet er die bunten Matten, die Thåler, Germanien, die Liebe, die Musen u. s. w. an. Pietsch rebet eben fo lebhaft den Tag an, den er besingen will:

Tag! meines Königs Glanz front dich mit Stral und Licht,

Du brauchst den matten Schein der Morgenrothe nid)t 2. Und was ist gewohnlicher, als daß die Poeten gar fidh felbst, oder wie sie reden, ihren Geist und Sinn anzureden pflegen? 3. E. Ranig in dem obgedachten Gedichte von der Poesie fchreibt:

Luf, säume nicht, mein Sinn! ein gutes Werk zu wagen. Und abermal:

Verdammte Poesie! mein Sinn, laß dich bedeuten,

Eh ich dir Niesewurz darf lassen zubereiten ac.
Und weil die Musen in der That nichts anders, als den poetic
schen Trieb des Dichters bedeuten, so gehört auch folgende
Art der Anreden hieher, wenn z. E. Seraus schreibt:

Still, Musen!, stil, wohin? Jhr fanget an zu raseni.
Ihr wißt, daß ich ein Blatt und nicht ein Buch bestellt.

30.9. Zum XXV. kommt die Wiederkehr (Epistro. phe) da man die Schlußworte des einen Saßes etlichemal am Ende anderer Såße wiederholet. Dahin gehören die Doen, wo die legten Zeilen allezeit ben jeder Strophe wieder vorkommen, doch so, daß sie sich auch dazu schicken. 3. E. Flemming hat auf der 371. S. im III. Buche seiner Dden die Ste so gemacht, daß jede Strophe sich so schließt:

Pflůcket Blumen; windet Krånze,

Führet liebe Lobetånze. Eben so hat Opis die dritte von seinen Oden ben jeder Stros phe folgenderinaßen beschloßen:

Ein jeder lobe seinen Sinn:

Ich lobe meine Schaferiun. Es ist aber auch nicht nothwendig, daß dieses nur in Ober am Ende jeder Strophe geschehe: man kann vielmehr auch in langen Versen, an bequemen Orten, zum Beschlusse einer kurzen Rede, zwey oder mehrmals nach einander, einerley Schlußworte wiederholen. Ich will davon folgendes Erémpel aus einem Schäfergedichte herseßen, das auf den Tod der Sylvia in Neukirchs von mir ans licht gestellten Gedichten steht, und wo immer der Vers wiederholt wird :

Ad Himmel, Erd und Luft! erhåret meine Lieber,
Gebt meine Sylvia, gebt meine Liebste wieder!
~ 3

31.8.

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