Page images
PDF
EPUB
[ocr errors]

Man eener dem so hupich nich vs ingegaten
Dat hemlische Licht, wvůrde ydt dúden súlcker maten:
Als wenn de Fruw ere Kleder van dem Bedde
Genahmen, un in Pand versettet hedde.
Een ander de dar meent, he würd ydt beter wéten,
Lede hot so uth: dat Wyff hefft int Bedde gescheten.
Desülve Poet, dar he fünstlyck verklaret
Wo syn Frůnd up dem Meer in eenem Schepe fahret,
Spne hochflegende Flogel mit dyssen Worden uthbreidet :
„Auf einem hölzern Pferd das nasse Blau durdyschneidet,

Spaltend Neptuni Růck mit einem Waldgewächs.
Een Halffgelehrd, als ick, laß dylie fchware Ler,
Je spinteseerde lang, ehr he se fond ergründen,
Endlyd sprack be: de Poet, de eenen foner Fründen
Beklaget, dat he must upm holten Esel rydent,
Un synen natten Ers dar brun un blau tho schniden:
Un dat desülve Fründ Neptun, um sin Verbreken,
Up dem Knfe mit Roden were uthgestreken.
Súlce hocherlúdytede Rede, de nu 18 upgefahmen,
Bringet den nyen Poeten eenen ewigen Nahmen.
Ydtys nu lächerlpcf, schryven dat yderman,
Ja ock een Schofter, edder old Wyff vornehmen kan.
Men moet syne Fedder hoch aver de Lufft upfchwingen,
Un mit poetischen Stiel dörd de Wulken dringen.
Dat is nu de Maneer. “

21.9. Nichts ist übrig, als daß ich versprochenermaßen noch zeige, was für Versegungen der Wörter in unsrec Spra. che, der Deutlichkeit unbeschadet, noch möglich sind; und was für eine Zierde die poetische Schreibart davon bekommt. Man bildet sich insgemein ein, die guten Poeten folgten der ungebundnen Wortfügung aufs allergenaueste: allein ich habe bisweilen das Gegentheil bemerket und wahrgenommen, daß sie viele neue, und oft recht verwegene Versekungen ma. chen; die zwar ungewöhnlich, aber doch nicht unrichtig klina gen, und also überaus anmuthig zu lesen sind. Sonderlich habe ich diese Kühnheit an den Meistern in Oorn wahrge. nommen, darunter id) Opißen, Dachen, Flemmingen, Troherningen, Raldenbachen, Franken, Amthorn und Güntbern nennen kann. Die Erempel, die ich aus ihnen anführen will, werden sattsam zeigen, wie edel der Crit. Dichtk.

poetische

[ocr errors]

poetische Ausbruck dadurch wird: weit gefehlt, daß er entweder unrichtig, oder doch dunkel werden sollte. Wenn Opiz sagen will: Grüne wohl, du starke Raute! dieses Gift der Zeiten, weiche deinen süßen Bitterfeiten, welche nichts bezwingen foll; fo kehrt ers um, und singt im II. B. der P. W. viel munterer also:

Starke Raute, grüne wohl!
Deinen süßen Bitterfeiten,
Welche nichts bezwingen roll,
Weide dieses Gift der Zeiten;
Dieses Gift, das gar zu viel

Derz und Qaupt durchdringen will. Bald darauf will er in einer andern Ode sagen: -Wie Phda bus der Wolfen blaue Tracht zu malen pflegt: so blinkt der Stern von Mitternacht mit guldnen Stralen. Allein er fingt weit edler in einer andern Wortfügung:

So blinkt mit güldnen Stralen

Der Stern von Mitternacht ;
Bie Phdbus pflegt zu malen

Der Wolfen blaue Tracht. 22. S. Dach wil in einer Doe, die ich in Rindermanns deutschem Poeten p. 222. finde, fagen: Mein Aufenthale war sonst nirgends zu finden, als nur bey den hohen Linden, durch den grünen Wald. Ich liebte obn Unterlaß eine Quelle, ein frisches Gras 2c. allein er ordnet seine Worte weit lebbafe ter, wenn er so schreibt:

Sonsten war mein Aufenthalt
Nirgends nicht zu finden,
Als nur durch den grünen Wald,
Bey den hohen Linden.
Eine Quell, ein frisches Gras,
Liebte id ohn Unterlaß:
Da ich denn gesungen,

Daß die Bäum erklungen. Flemming will seiner Anemonen im Vten Buche der Oden sagen: Ach! dieß einige, war von allen meinen Plagen, noch übrig, daß ich das schwere liebesjoch abgeschieden tra

gen

[ocr errors]

gen muß. Allein der Affect, darinn er steht, bringt eine ganz neue Worrfiigung zuwege:

Ach! Einzig dieß war übrig noch.
Von allen meinen Plagen,
Daß ich das schwere Liebesjoc)

Muß abgeschieden tragen. Kaldenbact) in seinem Klaggedichte auf Opißen, will sagen: Die berühmte Galathee gieng an des süßen Neckars Rande, in tieferregtem Weh; als Corydon durch einen grimmigen Riß, sie und ihre Felder in einsamwůstem Stande ließ. Aber das poctisdie Feuer hat ihn dieses folgendermaßen verseken gelebret.

An des füfen Neckars Rande
Gieng, in tieferregtem Web
Die Betribte Galathee;
Als, in einsam wustem Stande,
Corydon, Durch grimien Riß,

Sie und ihre Felder ließ. 23. 9. Tscherning in einem Gedichte an Fabriciussen von Danzig, will Preußenland also anreden: Für das grimme Blut und Rauben, werden Pickelhauben, Helm und Harnisch, Spieß und Schwert, besser in den Uferzeug verkehrt. Denn, weil wir mit dem Eisen kriegen, so muß das Feld öde liegen. Aber weit edler hat er die Worte so geordnet:

Besser werden Pickelhauben,
Helm und Harnisch), Spieß und Schwert,
für das grimme Blut und Rauben,
In den Ackerzeug verkehrt:
Denn das Feld muß öde liegen,

Weil wir mit dem Eisen kriegeli. Johann Frank håtte in der Ode auf Hofmanns, Bürgermeisters zu Frankfurth, Hochzeit, in ungebundner Rede fagen müssen: Jene Grabschrift, die Paternus gestiftet, wird dort um Nemaus, wie ein Wunderwesen gelesen; daß die Parce in seiner Ehezeit, ohn allen Zank und Streit zwen und dreyßig Sonnen (Jahre) abgesponnen habe. Üllein er kehret alles um, und doch ist es nicht unrecht ; sondern recht lebhaft gerathen.

2018

[ocr errors]

U %

Als wie ein Wunderwesen,
Wird jene Grabeschrift
Um Nemaus dort gelesen,
Die der Patern gestist:
Daß zwey und dreyßig Sonnen
In seiner Ehezeit
Die Parc hab abgesponnen,

Ohn allen Zank und Streit. Ainthor, in der aus dem Rousseau überseßten Obe auf die Weltbezwinger, hátte die Helden, so anreden müssen: Jhr stolzen Krieger, laßt einmal sehen, worauf sich eure Tu. gend stůkt, und wo euch dann das Herz im Leibe siktwenn sich das Glück verdrehen will. Allein er þat es weit edler so geseßt:

Laßt einmal, stolze Krieger ! sehen,
Worauf fid, eure Tugend stůkt?
Wo, wenn das Glück fich will verdrehen,

Euch dann das Herz im Leibe sitzt ? 24. S. Ich könnte auch aus unsern übrigen Poeten noch unzähliche Stellen anführen; dieses zu behaupten: wenn die bereits erwähnten nicht sdyon zulänglich wären. Ich will aber lieber noch eine Anmerkung machen, und den Grund dieser aus erlaubten Verlegungen entspringenden Schönheit entdecken. Einmal ist es gewiß, daß auch unsre Prose sehr vielerley Verfeßungen leidet, davon aber eine immer besser klinget, als die andere. 3. E. des Herrn von Ranig Trauerrede auf die brandenburgische Prinzeßinn Henriette, hebt foan: „Fürsten sterben zwar eben so, wie andere Mensdien: „ doch haben sie zu folcher Zeit vor andern ein großes vor: „aus. Diefen Saß hätte man, unserer Mundart unbeschadet, auch so vortragen können: Zwar sterben die Fürsten eben so, wie andere Menschen: doch baben sie vor andern zu solcher Zeit ein großes voraus. Imgleichen in dem nåchstfolgenden Saße: „Was ihr Tod nach sich zieht, giebt nicht ,, nur eine Veränderung in einem Hause oder Geschlechte, „ sondern auch zugleich in unzåhlich vielen Seelen.“ Hier håtte das Wort, eine Veränderung, noch an zwo ver. schiedene Stellen gelegt werden können, nåmlich nach Ges

schlechy: schlechte, und ganz am Ende. In andern Stellen dieser Rede würden sich noch mehrere erlaubte Versegungen vors nehmen lassen.

25. S. Fragt man nun ferner, welche Ordnung der andern in zweifelhaften Fällen vorzuziehen ist? so sage ich ersto lich: die, welche am besten klinget. Das Urtheil der Ohren entscheidet die Schwierigkeit am besten: denn auf das Ges hór des Scribenten kommt es hauptsächlich an, wenn die Schreibart des einen wohlfließend und harmonisch ist; des andern Ausdruck aber rauh und widerwårtig lautet. Es ist aber, außer dem Wohlklingen, zweytens auf den Affect zu Fehen. Das Feuer der Gemüthsbewegungen erlaubt uns nicht allezeit, auf die gewöhnliche Ordnung der Wörter zu Finnen: es bricht heraus, und fångt oft den Sag in der Mitten an. 3. E. Ein ruhiges Gemüh wird sprechen: alle dein Bitten ist umsonst! ich werde es nimmermehr leiðen. Du sollst den Tag nicht erleben :. Allein einen Zornigen wird die Heftigkeit seiner Leidenschaft so sagen lehren: Ilmsonst ist alle dein Bitten! Timmermehr werde ichs leiden! Den Tag sollst du nicht erleben! Dergleichen Verlegungen machen eine Rede fehr feurig und lebhaft: und weil dieß in allen Affecten zu geschehen pflegt, die Poeten aber oft selbst darinnen stehen , oft andre Personen, die aufgebracht gewesen, redend einführen, oder ihnen nachahmen; fo ist es kein Wunder, daß fie dergleichen nachdrückliche Verlegungen mit gutem Bedachte anzubringen suchen.

26. S. Oft will man den Nachdruck eines Wortes, durch den Ton der Aussprache anzeigen, der sich aber an einer Stelie nicht so gut, als an der andern hören läßt: daher vers rekt man dasselbe an einen Ort, wo es sonst nicht hingehöret. 3. E. wenn ich schriebe:

Ich will dir zu Liebe sterben. So würde es lange fo fråfrig und nachdrücklich nicht klingen, als wenn ich sagte: Dir zu Liebe will ich sterben. U 3

Dahin

« PreviousContinue »