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Den Schnee und Eis ihr umgethan,

Aus beißer Brunst nicht ferner dulden kann. Diese Stelle kann für ein Muster des guten verblümten Ausdruckes angesehen werden. Das frühe Morgengold auf den Zinnen der Thürme, ist das goldfarbigte licht der Morgen: róthe, und der bervorbrechenden Sonnenstralen, die fich an den Thurinspißen zuerst zeigen. Der Nordwind wird, seis ner Kålte halber, einem alten Manne, und der warme Zephir einem Jünglinge verglichen. Die Erde wird wegen ihres Pukes im Frühlinge, als eine Braut, und die Sonne, als ihr låsterner Bräutigam vorgestellt: weil fie fo unverwandt nach derselben ihre Stralen schießt, als es ein verliebter Freyer bey seiner liebsten zu thun pflegt. Der Schnee des vergangenen Winters, muß endlich, seiner Farbe halber, einen Wittwenschleyer abgeben, den die brünstige Sonne ihr vom Angesichte ziehen will. Wer hier nicht den Reichthum eines poetischen Wißes wahrnimmt, der muß gewiß keinen Geschmack an schönen Dingen finden können.

7. S. Ein jeder sieht aber von sich selber wohl, daß hier fast nichts anders, als die Metaphore vorgekommen, welche sonst, bey den Lehrern der Redekunst, die erste und hauptsäch. lichste Gattung verblümter Redensarten ist. Diese war auch den Alten, f. E. dem Aristoteles, einzig und allein bekannt, und die übrigen hat man erst nach der Zeit angeinerket. Cicero nennt die Metaphore Translatio; bende Wórs ter haben eine sehr allgemeine Bedeutung, und schicken, fidh auch so gar für die Metonymie, Synckdoche und Jronie. Deutsch můßte man sie eine Versekung, oder einen Wechsel nennen; denn dieses drückt die Natur der Sache ziemlich aus: die Metonymie aber, als die andre Gattung verblůmter Rebensarten, könnte eine Namenånderung heißen. Doch wir müssen sie alle nach der Ordnung durchgehen, und mit Erempeln aus unsern Poeten erläutern. Ich kehre mich also an die stotzen Kunstrichter nicht, die es für eine zu geringschåßige Arbeit halten, sich mit Registern von Tropen und Figuren aufzuhalten. Man Rieht es nämlich aus iören eiges R 4

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nen Schriften wohl, daß sie sich mit den Regeln und deutli. chen Begriffen dieser Zierrathe der guten Schreibart, nichts zu schaffen gemacht; indem sie kein Maaß und keine Regel darinn zu halten wissen. Jør Erempel also soll uns eher behutsam, als nacilaßig in diesem Stúde machen.

8. S. Die Metaphore ist also eine verblümte Redensart, wo man anstatt eines Wortes, das sich in eigentlichem Vers stande zu der Sache schicket, ein anderes nimmt, welches eine gewisse Zehnlichkeit damit hat, und also ein kurzes Gleichniß in sich schließt. Zum Erempel, Fleinming schreibt in einer Obe auf der 363. S. die demantenen Gewasser, und bald hernach gedenfet er der bublerischen Sterne. Wir haben schon oben die verwachre Rose, die taumelnden Cypressen, die gesunden Schatten und schluminernden Gewachse aus eben diesem Poeten angeführet. Dieses sind lauter metaphorische Ausdrückungen. Im eigentlichen Verftande gåtte man sagen müssen: die klaren Gewässer, die blinkenden Sterne, die verwelfte Rose, die hin und her wanfenden Cypressen; die fühlen Schatten; und die ruhigen

1 Gewächse. Aber der Poet führet uns durch seine geistreiche Beywörter auf ganz andere Begriffe. Die allernächsten Wörter sind ihm zu fchlecht: er folet sich von weitem gang ungemeine Gedanken her, die sich aber zur Sache schicken, und dem Verstande sehr angenehme Bilder machen, wenn er die Zehnlichkeit derselben einsieht. Eben dergleichen finde ich in Pietschens Hochzeitode auf Prof. Bayern in Petersburg, meinen nunmehr feligen Freund, fehr häufig.

. 3. E. in dieser Strophe:

Die holden Wangen deiner Braut,
Muß eine keusche Röthe farben,
So, wie man fonst den Himmel schakt,
Wenn die verlebten Tage sterben.
Der Jungferstandes letzter Schein,
Ist ein nicht fehlender Prophete,
Der Tag wird heiß und heiter reyni,
Nad) einer schönen Abendrothe.

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9.9. Eben dergleichen Metaphoren können auch in selbst. ståndigen Nennwörtern und Hauptwórtern, ja fast in allen andern vorkommen. 3. E. Ranis schreibt:

Ssts ihm nicht mehr vergönnt, zu küssen eine Docke,

Die ihre freche Stirn mit Thürmen überhauft 2c. Da ist das Wort Thürme, für den hohen Kopfpuk ge. braucht, der zu seiner Zeit Mode gewesen. Eben so hat Seråus auf der 248. S. die großen Perrůcken beschrieben:

Der weißbeståubte Busch, der ganze Leiber deckt. Imgleichen Opin, nennt ein Frauenzimmer ein Bild; we gen der Schönheit, die man in Bildern am vollkommensten finden kann. Auf der 165. S. der poetischen Wålder.

vier geht ein schönes Bild, Wo nichts zu spüren war, als ungegåhmes Wild. Von Hauptwörtern mogen folgende Erempel dienen. Serdus sagt, ein Fleißiger habe Minuten zu zahlen; und ein Müle siggånger stehle ihm den Tag.

Wie diesem, dessen Fleiß Minuten hat zu zählen,

Der kommt, den guten Tag zu biethen und zu stehlen. Um das Zåhlen ist es einem Fleißigen wohl nicht zu thun: aber es heißt hier beobachten, ja theuer und werth halten; weil man solche Dinge genau nachzuzählen pflegt. Das Stehlen schicket sich hier gleichfalls so eigentlich nicht zum Tage. Aber es heißt hier unbrauchbar machen; weil man Sachen, die uns gestohlen werden, nicht mehr zu seinem Nußen anwenden kann. Opis schreibt auf der 166. Seite der poetischen Wålder.

Ich kenne den Weg auch. Sehr oft hab ich gemessen
Den grünen Helifon, bin oben auf gesessen.
Durch mich wird ißt das Thun in Deutschland aufgebracht,
Das fünftig troßen kann der schönsten Sprachen Pracht.
Wer diesen Zweck erlangt, der darf nicht unten fleben:
Und wår er zehnmal todt, so soll er dennoch leben!
Gott herbergt selbst in ihm, ja was er denkt und schafft,
Reucht nach Unsterblickeit, schmeckt nady des Rimmels Kraft 2c.

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Den Helikon messen, heiß hier darauf gehen: weil man mit Schritten zu messen pflegt. Den schönsten Sprachen troben, heißt hier, ihnen an Schönheit gleich gehen. Uns ten kleben, heißt hier, unten bleiben; leben heißt, unvergeßlich senn; herbergen, heißt, in etwas anzutreffen seyn; nach Unsterblichkeit riechen, und nach des Himmels Kraft fitimecken, heißt, nur jenes und dieses zu verstehen geben, und an sich spúren lassen. Und diese Erempel können Savon genug seyn.

10. S. Wenn die Metaphore långer, als in einem Worte fortgeseßt wird, so heißt sie eine Allegorie. 3. E. Flems ming schreibt von einem Bräutigam:

Viel tausend, tausend feuchte Küsse,
Bethauen die vermählte Hand:
Damit der Liebe trádytigs Land,

Szinkünftig nicht vertrocknen müsse.
Die Liebe wird hier als ein besåeter Acker vorgestellet, der
eines nassen Chaues benöthiget ist, damit er nicht verdorre:
Und diesen findet der Poet in den feuchten Küssen des Bråu-
tigams. Ranig beschreibt die Reizungen der bösen Lüste
unter dem Bilde des ersten Sủndenfalles :

Wir hören überall Verführungsschlangen pfeifen,
Wir wollen hier und da nach fremden Wepfeln greifen,

Wie wassert uns der Mund, die Hand wird ausgestreckt. Aintbor beschreibt den Christenwandel unter dem Bilde des israelitischen Zuges nach Kanaan auf der 308. Seite:

Der Proben harter Strich madit seinen Werth bekannt;
Man kommt durchs rothe Meer nur ins gelobte Land,
Uud muß durc) manchen Kampf den Heldenmuth beweisen.
Es trågt Arabiens beståubte Wüsteney
Nur Hunger, Durst und Angst auf allen Wegen ber;

Durd, die der Wandrer muß nach Zions Höhen reisen. Pietsch gleichfalls, wenn er die Beschaffenheit des faiserlichen Heeres ben Belgrad beschreibt:

Der Adler wacht indeß auf einem sichern Hügel,
und stredt mit reger Kraft die ausgedehnten Flügel

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Vor seiner Wohnung aus, um die er anfangs schwebt,
Eh ihn Der volle Flug aus seinen Grånzen hebt.
Bald schießt er schnell berab, wenn er den Drachen findet,
Der sich, auf seinen Stoß um seinen Sdnabel windet:
Doch den verdrehten-Balg hålt seine Klaue feft,
Bis er ihn abgestreift im Blute liegen láßt;
Als Sieger in den Kreis des fernen Mondes fteiget,
Und seinen Donnerkeil den blassen Hörnern zeiget.

11.9. Es muß aber eine gute Metaphore und Alegorie I) eine wahre Aehnlichkeit in sich baben, die in den Sachen, und nicht in bloßen Worten anzutreffen ist. 3. E. Wenn ich den Himmel ein Engelland nennen wollte, so wäre es nichts: denn hier fåme es bloß auf das Wort Engel an. 3. E. VTeukirch hat in dem vortrefflichen Gedichte auf die Königinn in Preußen, Charlotte, dieses Wortspiel gebraucht, indem er den König Friedrich fo revend einführet:

Und wer bewundert nicht das, was du jüngst gesprochen?
Mein Kronprinz, war dein Wort, beschloß vor wenig Wochen,
Mach Engeland zu gehn; doch lebt, er laßt es seyn,

Und seine Mutter geht ins Land der Engel ein.
Ich weis aber zu seiner Entschuldigung nichts mehr zu fas
gen, als daß dieses vieleicht in der That ein Einfall des
Königes selbst gewesen seyn muß: daher der Poet ihn denn
auch dem Könige in den Mund gelegt hat; um demselben
die Ehre der Erfindung nicht zu rauben. Und spricht er
gleich, daß man dieses Wort des Königes bewundere: fo
glaube ich doch nicht, daß ihm dasselbe fo schön vorgefoma
men sey, weil er selbst nirgend dergleichen vorgebrachta
Aber an manchem großen Herrn, ist in solchen Dingen oft
etwas ein Wunder, welches man auc, an einem Schüler
nicht dulden würde. Doch ich befinne mich, daß auch heus.
kirch von Wortspielen fo fren nicht gewesen, als er wohk
þåtte seyn sollen. 3. E. in dem Gedichte auf die geschüßten
Nachtigallen, þeißt es:

Denn sprach er, was man ißt im Kriege großes Tchant,
It, daß uns Friederich Fried, thr und Reich erbaut.

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