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Jhr trågen Goldbachlein, ihr hellen Glasquellen,
Ihr schwellende 8ållen, ihr Silberfluthzellen,

Ihr Pegnignajaden

In sümpfigten Pfaden, Nehmt dieses, nehmt hiesig erneurende Lieder zc. 30. J. Es giebt noch eine Art der Wortspiele, darauf Rich gewisse leute Wunder was einbilden. Es sind die Anspielungen auf Namen, wo ich so reden darf; daben sie einen besondern Wiz zu bezeigen vermeynen. Flemming þat es uns auch an solchen Erempeln nicht fehlen lassen, welche ich, der Hochachtung unbeschadet, die ich sonst gegen ihn habe, zu dem Ende anführe, damit man rehe: wie sich auch Leute, denen es an Wiß und Geist sonst nicht fehlet, in dergleichen Kleinigkeiten verlieben können. Auf der 364. S. steht ein Lied auf eine Hochzeit Johann Weinmanns, mit Magd. Wasserführerinn. Da Heißt nun eine Strophe:

Ochdne Braut, gedenft zurüde,
Und erwegt des Himmels Gunst,
Der euch, helfe Gott zu Glücke!
Einen Weinmann, eure Brunft,
Einen Weinmann, der euch liebet,

Für den Wasserführer giebct. Welch eine Wohlthat Gottes ! einen Mann zu bekommen, der vom Weine den Namen bat; nachdem man einen verloh. ren, der ihn vom Wasser herleitete. Ohne Zweifel wird die gute Frau bey dem ersten lauter Wasser, und beym andern lauter Wein getrunken haben. Die 17te Ode in seinem III. Buche ist auf Nicl. von Söveln und Elis. Viehusens Hochzeit gemacht, und darinnen spielt er so unsauber:

Hófelt euer neues Haus,

Bråutgam, aus dc. Dieses läuft nun gar wider die Ehrbarkeit, wird aber von schmugigen Versmachern desto lieber nachgemacht. In der 19ten Ode desselben Buches, auf Dan. Glåsers und Mar. Reimininn Hochzeit, steht folgende lebte Strophe:

Brau,

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Braut, gedenket unterdessen,

Daß an euch was glåferns ist,
Bråutgam, thut auch nicht vergessen,

Was ihr nun fort reimen müßt.
Daß ihr mögt nad) kurzen Tagen

Neue Reim und Glåser tragen.
31. . Wer nun in allen dergleichen Kinderenen Schon-
Heiten zu sehen meynet, dem kann man seinen Gesehmad
wohl lassen: aber wer etwas wahres und gründliches dem
scheinbaren vorziehen will und kann, der wird besser thun,
wenn er alle diese Klapperwerke sorgfältig vermeidet. Die
Erempel großer Leute, die sich zuweilen auf diese Art ver-
gangen haben, machens nicht aus. Man bat freylich in
Virgils Schäfergedichten eins gefunden:

Dic, quibus in terris, et eris inihi inagnus Apollo,

Tres pateat CAELI spatium, non amplius ulnas! Dieses Råthsel besteht bloß in der Zwendeutigkeit des Wor. tes cæli, welches entweder von Cålius Herkommt, und also das Grab eines gewissen Cælii zu verstehen giebt: oder von Cælun ein Abfall ist, und also die Breite des Himmels andeutet. Allein der Poet kann leicht damit entschuldiget werden, daß er sein Räthsel in den Mund eines einfältigen Hirten legt, der auf dem Dorfe leicht etwas für schön halten konnte, was doch Virgil selbst für was schlechtes hielt. Nur wäre es zu wünschen, daß Martial und andere neuere Verfasser von Sinngedichten, als z. E. Oven sich nicht ohne folchen Vorwand, in eben diese Spielwerke verliebet gåtten. Ihre Gedichte wimmeln aber von solchen Einfällen, und gefallen mittelmäßigen Köpfen oft darum, warum sie ihnen, misfallen sollten. Ja junge Lute ahmen oft diesem falschen Wiße desto lieber nach, je leichter er ihnen fålle, wenn sie noch keinen bessern Vorrarh guter Gedanken haben.

32. J. Von Opigen und andern Poeten unsers Vatere landes, darf man mir also destoweniger einen Einwurf machen. Ich weis wohl, daß sie sich zuweilen von dem verderbten Gefchmade ihrer Zeiten, gleichsam wider iøren

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Willen haben hinreißen lassen. Ihr Erempel aber, fann
uns keine Regel machen: weil es mit feinen guten Gründen
unterstüßet ist. Wir folgen vielmehr der Vorschrift des
Boileau, der in seiner Dichkunft ausdrüflich die Wortspiele
verworfen hat. Denn er erzählt, wie anfänglich die Spiga
fündigkeiten und zweydeutigen Worte aus Jtalien gekommen,
und erstlich in die Sinngedichte; hernach, da der Pobel da
durch verblendet wurde, in Madrigalen, Tragödien, Elegien,
Schäfergedichten, ja gar vor Gerichte und auf der Kanzel
eingeführet worden.

On vit tous les Bergers dans leurs Plaintes nouvelles,
Fideles à la Pointe, encor plus qu'à leurs Belles,
Chaque Mot eut toujours deux Visages divers;
La Prose la reçût aussi - bien que les Vers;
L' Avocat au Palais en heriffa son Stile,

Et le Docteur en Chaire en sema l'Evangile.
Hierauf fagt er, die Vernunft Håtte endlich die Augen auf-
gethan, und sie einmal für allemal aus ernsthaften Schriften
verbannet; sie allenthalben, für unehrlich erklåret, und ihnen
taum in Sinngedichten, doch mit dem Bedinge, einen Plak
vergönnet, daß sie mit den Gedanken und nicht mit Worten
spielen möchten. Darauf hatten zwar allenthalben die Una
ordnungen aufgehört: doch waren bey Hofe Possenreißer
geblieben, abgeschmackte Lustigmacher, unselige Pickelheringe,
altfrånkische Perfechter grober Wortspiele:

La Raison outragée enfin ouvrit les Yeux,
La chassa pour jamais des Discours serieux,
Et dans tous ces Ecrits la declarant infame,
Par Grace lui laissa l' Entrée en l'Epigrainme:
Pourveu que la Finesse, éclatant à

propos,
Roulaft sur la Pensée, & non pas sur les Mots.
Ainsi de toutes Parts les Desordres cesserent,
Toutesfois à la Cour les Turlupins resterent,
Infipides Plaisans, Bouffons infortunéz,
D'un Jeu de mot grollier Partisans furannés.

33. S. Was könnte ich nicht aus des Grafen Schafts, bury Schriften, und aus dem Zuschauer für Stellen anziehen, darinn sie über den verderbten Geschmack ihrer {andesleute in diesem Stücke die heftigsten Klagen führen? Siehe von diesem leßten das 58. Blatt des I. Bandes. Allein es ist genug gesagt, wenn ich nur noch die Probe eines guten Gedankens, die von einigen vorgeschlagen wird, werde angemerkt haben. Man sagt: alles, was sich in eine fremde Sprache überlegen låßt, und gleichwohl noch die vorige Schönheit behåle, das ist ein gründlicher und richtiger Gedanken; was aber alsdann sich selbst nicht mehr ähnlich sieht, das ist zu verwerfen. Nun trifft dieses zwar nicht allemal ein, indem manche Wortspiele in mehr als einer Sprache angehen: allein, in Ermanglung einer beso fern, will ich mich nicht bemühen, diese Regel umzustoßen. Ein Kopf, der richtig denken gelernt bat, wird auch nicht leicht eine Anweisung dazu brauchen. Das ist endlich noch anzumerken, daß man zum Gelächter, und irgend eines lustigen Einfalls wegen, wohl zuweilen ein Wort in andern Verstande nehmen, und zum Scherze brauchen kann; ohne den guten Geschmack dadurch zu verleßen. Boileau selber erlaubt dieses in folgender Stelle:

Ce n'est pas quelque Fois, qu’une Muse un peu fine,
Sur un Mot en passant ne joue & ne badine,
Et d'un Sens detourné n'abuse, avec Succés:
Mais fuyez sur ce Point un ridicule Excés,
Et n'allez pas toujours d'une Pointe frivole,
Aiguiser par la Queuë une Epigramme folle.

Wie viel gezwungene Spisfindigkeiten müßten wir nicht aus unsern meisten Poeten ausmustern; wenn wir des Boileau Vorschrift in diesem Stücke folgen wollten?

Das

సంఘంఘiorithంచడంఘం

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Das VIII. Hauptstück.
Von verblümten Redensarten.

1. S.
er größte Zierrath poetischer Ausbrückungen besteht
freulich in den tropischen , uneigentlid;en und verblüm-

ten Worten und Redensarren. Man sekt dieselben dem eigentlichen Ausdrucke entgegen, der alle Wörter in ihrer natürlichsten und einfältigsten Bedeutung braucht. Dieses ist die allergemeinste Art zu reden und zu schreiben, die auch den allerschlechtesten Kopfen nicht schwer ankommt. So leicht und verständlich sie ist, wenn sie nur nach den Regeln der Sprachkunjt richtig bleibt: so trocken, so mager und wässerigt ist sie auch. Sie hat kein Feuer, keinen Geist, fein Leben in sich, und ist sehr geschickt, einen, der sie höret oder liest, einzuschlåfern. Diejenigen Poeten unsers Vas terlandes, die sich mehr auf ein fließendes Sylbenmaaß, als auf gute Gedanken beflissen haben, sind in dieser Art des eigentlichen Ausdruckes fast zu tief herunter gesunken. Sie wollten die hochtrabende lohensteinische Schreibart meiden; und fielen in den gemeinen prosaischen Ausdruck: so, daß endlich ihre Gedichte nichts, als eine abgezählte Prose geworden. Es hat von ihnen geheißen:

Sectantein levia, nervi

Deficiunt animique; Ich will hieher nur Chr. Weisen, Bessečn, Sübnern, Uhsen und Sunolden rechnen, welche gewiß in diesem Stücke vielmals gar ju' natürlich geschrieben. Von dem erstern kommt mir in seinen reifen Gedanken auf der 175. S. ohngefähr folgendes in die Hand: Wer ißo funfzig Jahr in seinem gauzen Leben

Zurúce legen kann, dem scheint es trefflich viel:
Die Welt nimmt tåglich ab, und will fast Abschied geben,

Jemehr die Jahrzahl wädyst, je fürzer wird das Ziel.
Crit. Dichtk.

N

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