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ungemeinen Geist und Nachdruck geben: Den sie von andern
bekannten und oft gebrauchten, nimmermehr gåtten erwarten
können. Siinon Dach), in seiner Ode, auf die Geburt
eines preußischen Prinzen 1648. schreibt:

Was? der brådenreiche Pregel
Hebt durch Flaggen, Mast, und Segel

Sein beschilftes Haupt empor xc.
Und bald hernach:

Wachs o Rino! die grünen alder
Und die Frucht der schwangern Felder

Wådist zum Wohlgefallen dir.
In einem andern Gedichte finde ich bey ihm, die fruchtbes
Thwerten Xeste, ein starkbeeiftes Haar. Dem Pregel
giebt er im Winter, einen harten Rücken; dem Churfürsten
Friedrich Wilhelm, ein ahnenreiches Haus.

25.9. Flemming ist in dergleid)en Künften noch fast er. fahrner gewesen. Er beschreibt in einer Ode eine Frühlingsnacht folgender gestalt:

Ales braucht sich seiner Ruh.
Sehet, wie die Saat fich bucket!
Die verwachte Rose nicket,
Und thut ibt ihr Auge zu.
Und die taumelnden Cypressen
Haben ihrer selbst vergessen.

Die gekühlte Luft schleicht aus
Und haucht auf die trodnen Matten,
Thauende, gesunde Schatten:
Und das frobe Sternenhaus
Geußt den schlummernden Gewachsen,

Neue Kraft in ihre Flechsen.
Alle diese Benwörter sind so auserlesen und sinnreich, daß ich
mich nirgends entsinne, was schöners in dieser Gattung geo
funden zu haben. Weil sie aber fast alle gleichnißweise zu
verstehen sind, so gehören sie eigentlich nicht in dieses Haupt-
stůd. I'mgleichen in seinen langen Perfen, ist ein großer

Vorraty

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Vorrath davon. Auf der 60. S. stehen, der bøse Krebs, der grimme Eifer, die lose Welt, der böse Himmel, die freyen Sinne, eine linde Luft, darauf folgt:

Der himmelreiche Plato,
Der frische Seneca, der weisheitvolle Cato,
Die haben ihn zuvor durch sich beherzt gemacht,
Daß er in dickster Ungst, als höchster Wollust lacht,

Wenn aller Pobel weint. Was könnte ich nicht noch aus Tscherningen, Riften, Siebern, Franken, Schochen, und Ranigen, als den besten Geistern des vorigen Jahrhunderts, für schöne Proben anführen, wenn es nöthig ware? Doch es ist Zeit auf das ißige zu kommen.

26. S. . Eben so glücklich in Beywörtern ist Amthor, 3. E. auf der 187. S.

Der Nordwind hat der Bäume Zweigen
Den grünen Vorhang abgestreift:
Die Fablen Gipfel stehn bereift,
Des Jahres Alter anzuzeigen.
Das Laub entfleucht der kalten Luft,
Und suchet die beliebte Gruft:
Vieleicht nur in den stillen Gründen,

Por ihren Stürmen Schuß, zu finden. Das ist die erste Strophe von einer Hochzeitode: in den ans dern finde ich noch das leichtbedeckte Vogelbeer, laue Sümpfe, warme Nester, viergefüßte rauche Schaaren, neu gepugte Waffen, ein reichbehaarter Balg, der er: starrte Körper, mit weicher Hand ein hartes Eisen (den Ofen) befühlen; todte Funken, eine lindgemachte Glut, ein boldbelebter Schooß, in seinen federweichen Gruften, ein froher Schlummer, die kalten Schatten, ein frostig Weh, der weiße Liebesschnee, keusche Lüfte, die geschloßne Dede, ein starrer Leib, die geweihten Anmuthsflammen, immerfrisches Del, ein helles Tugends lidht, u. [.w. Was könnte man nicht noch aus Bessern, dem Ber&us, neukirchen und Günthern, für Proben anführen? Allein ich will nur noch ein paar aus Pietschen, herseßen. In dem Gefange auf den Eugen finde ic), unter andern die räuberisibe Zeit, dauerhafte Mufen, den belorberten Eugen, imgleichen den unsterblichen Eu. gen, u. d. gl. .

27. 9. Ben dein allen fragt es sich, ob es angehenden Poeten zu rathen sen, sich dergleichen schöne Beymórter und, andere poetische Rebensarten zu sammlen; oder dieselben in gedruckten Sammlungen nachzuschlagen und zu brauchen? Wir haben eine Menge folcher Handbücher, die ich alle hier namhaft machen wollte, wenn ich ihren Gebrauch für nöthig hielte. Zwar einem solchen Keimschmiede,

Der feine Griffe woeis, und mit dem Hübner spielt,

Und feinen Funken Trieb in seinen Adern fühlt. wie Günther schreibt, thun dergleichen Bücher zuweilen gute Dienste. Allein, das sind eben die Leute nicht, die dem Vaterlande durch ihre Poesie Ehre bringen werden: und also wäre es besser, daß man ihnen den Weg zum Reimen und Sylbenhenken nicht erleichterte. Geistreiche Köpfe braudhen solche Gångelmågen nicht, ihre Muse zu leiten. Poeten zu lesen, und bey iyren schönen Ausdrůckungen den Wik, der darinnen stecket, zu überdenken, das růdet uns fremlich den Kopf zurecht. Ein Feuer zündet das andere an, und man wird selber allmählich geschickt , guten Mustern zu folgen. Allein ein Chaos von allerley zusammengestoppelten Blümchen nachzuschlagen, und ben jeder Zeile, die man schreibt, einen poetischen Erichter in Händen zu haben, daraus man Wörter fucht, Gedanken auszudrücken, die man noch nicht hat; das heißt gewiß schlecht poetisiret. Gemeiniglich beFómmt auch ein Benwort feine ganze Schönheit aus dem Zusammenhange, barinn es steht. In einer sold)en Schako fammer aber findet man nichts, als Disjecti membra Poëta, Hor.

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die verstůmmelten Glieder eines zerrissenen Poeten; die nun. mehr dasjenige nicht mehr sind, was sie an ihrem rechten Drte gewesen. Wie kann also ein Ausdruck, außer seiner rechten Stelle , seine Anmuth und seinen Nachdruck behalten?

. 28.. Nun muß ich auch auf die Wortspiele kommen, die vorzeiten überall so beliebt gewesen; zu unsern Zeiten aber ganz lächerlich geworden. Wenn ich durch ein Wortspiel eine jede Wiederholung eines Wortes oder einer Sylbe vera stehen wollte, so würde ich in der That viele poetische Schón. heiten verwerfen müssen. 3. E. Wenn Flemming auf der 129. S. schreibt:

Bohl dem, der so verdirbt: Wer eh stirbt, als er stirbt, der stirbt nidt, wenn er stirbt. So kann ich dieses unmöglich ein verwerfliches Wortspiel nen. nen. Denn der Poet hat lauter wahre und wohlgegründete Gedanken im Kopfe, die er am allerbesten auf diese Urt aus. zudrücken dachte. Es ist wahr, daß das Wort sterben hier in dreyerley Bedeutung genommen wird. Denn che ster's ben, als man stirbt; das heißt eigentlich, seinen Süsien absagen, und die Welt verschmåhen, ehe nod, die Seele vom Leibe getrennet wird. Und nicht sterben, wenn man stirbt, Heißt so viel, als in der Welt in gutem Andenken bleiben, ja auch der Seelen nach ewig leben; wenn man gleich dem Körper nach, entseelet worden. Also fonnte man freylich hier sagen, der Poet håtte mit dem Worte sterben gespielet, und es bald in eigentlichem, bald in verblümten Verstande genom. men. Allein gefekt, daß man dieses ein Wortspiel heißen wollte, welches denn eine willkührliche Sache ift: fo könnte es doch kein verwerfliches Wortspiel heißen. Denn der Gedanken in der ganzen Zeile ist richtig, deutlich und auf eine sinnreiche Art ausgedrůdt. Man hátte ihn weder fürs zer fassen, noch dem Leser in fo wenigen Sylben mehr gute Betrachtungen veranlassen können. Alle Bedeutungen, die endlich das Wort stirbt, bekommt, sind gewöhnlich; und der Leser darf sich also keine Gewalt thun, einen unerhörten Sinn desselben zu errathen.

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29. J. Ganz anders wird es fich, meines Erachtens, ben folgenden Proben von Wortspielen verhalten, die ich aus eben dem Poeten nehmen will. Er feßt z. E. 367. S. Schaffet, daß sich selbsten müssen

Die geküßten Rúse küssen. 386. S. Srey ist freyen, wie es heißt,

frey will feyn ein freyer Geist,

Freyt denn! freyet nach Belieben X.
393. ®. Als der gute Tityrus

Denen kaum erwachten Schlafern,
Seinen treuen dreyen Schafern,

Brachte seinen lieben Gruß.
Hier glaube ich nun, wird wohl ein jeder begreifen, daß diese
Wortspiele nichts als leere Schellen sind, die nur im Gehöre
klingen, dem Verstande aber keinen neuen Gedanken der.
anlassen. Denn was foll es heißen, daß fich die gefüßten
Küsse füssen? Ein Kuß kann ja nicht geküßt werden, weil er
im Küssen erst entsteht, und sogleich aufhört zu senn. Viel-
weniger kann er selber füssen. Dieses sind also Tone ohne
Sinn. Und was hat das Freyseyn mit dem freyen zu
thun? Wenn gleich das eine Wort von dem andern abstam-
mete; so wäre es doch noch kein Grund, das Freyen aller ,
Kinder ihrer Willkühr zu überlassen. In allen diesen Wies
derholungen ähnlicher Worte steckt weiter nichts, als die
Gleichheit des Zones, die so leicht einen Efel, als Wohlklang
erwed.n kann. Das dritte Erempel ist vollends eine sebr
låppische Art des Spieles. Ein Buchstab soll durch seine
Lehnlichkeit mit dem andern der ganzen Zeile eine vermeynte
Schönheit geben. Die obigen Spiele sind mir also eben fo
lächerlich, als folgende Misgeburt eines Pegnigschäfers vors
gekommen:

Jhr Matten voll Schatten, begrasete Wafen,
Sör nårbigt und fårbigt geblümete Rasen,

Shr buntliden Sternen,

Ihr Felderlaternen,
Hört moieder die Lieber von Schäfer chalmeyen ac.

Shr

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