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Der Gentleman hat auch sein Theil davon bekommen,
Ein Wörtlein hier und dar, von allem was genommen:
Ilnd eben dieses war den Deutschen auch geschehn;
Wenn nicht mit allem Ernst da wäre zugesehn,
Der Lapperev gewehrt, das gute Deutsch erzwungen,

Das nichts erbetteln darf von fremder Volker Zungen 2c. c. Er fährt noch weiter fort, und stellet so gar einen Geistlichen vor , der das Evangelium vom Hauptmanne zu Kapernaum in einer neumodischen Sprache auf der Kanzel vorgetragen, welches wohl werth ift, gelesen zu werden. Dieser Rachel felbst ist in diesem Stücke so gewissenhaft, daß er in der Vorrede zu seinen zehn Satiren (in 12. vom 1700. Jahre) aus: drücklich erinnert; daß er zwey oder drey lateinische, vieleicht auch so viel französische Wörter mit eingeschoben, nicht unwissend, daß solches im Deutsdien kein geringer Solócismus ist. Er habe es aber mit Fleiß gethan, dcrer zu spotten, die sich auf solche Weise Hervorthun wollten: wie es auch die Sateis ner mit denen gemacht, die halb lateinisch, Jalb griechisch Håtten reden wollen. Was könnte ich nicht noch aus Lau. renbergs plattdeutschen Scherzgedichten für Zeugnisse anführen? wenn es nöthig wåre , eine so ausgemachte Sache noch weitlåuftiger zu erweisen.

II. . Ein deutscher Poet bleibt also ben seiner reinen Muttersprache, und behånget feine Gedichte mit keinen geslohlnen Jumpen der Ausländer. Aber wie hält es mit den eigenen Namen der Personen, Stådte, Flüsse, länder und Berge? Diese kann man unmöglid) vermeiden. Denn wer kann allen solchen Dingen deutsche Benennungen geben, die doch verståndlid, wåren? Man läßt also diese Namen, nach Opißens Regel, aus dem VI. Cap. seiner Poeterey, unveránderlich durch alle Abfälle; und zwar in der Nenn- und Rufa endung ohne, in den übrigen Endungen mit dem Geschlechtsworte. 3. E.

Id wil mein Glücke tragen,
Co lang ich kann und mag; will feßen auf den Wagen
Der grauen Ewigkeit, durd, meiner Leger Kunst,
Die braune Flavia.

Opitz.

Nicht

Þ 5

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Nicht Flaviam, u. 8. m. Zuweilen geht es an, daß man von
langen Namen die lekten Sylben weg läßt, und also ein
Wort von deutscher Endung draus macht. Als z. E. Homer,
Herodot, Plutarch, Auguft, Virgil, Lucian, Terenz, Dvid,
Marin, u. s. vo. Alsdann lassen sich ben den meisten auch
die Veränderungen der Abfälle machen, z. E. Homers Ges
dichte, Herodots Historie, Plutarchs Schriften, Lucians
Spórtereyen 2c. Kann man aber durch die Endung nicht
alle Abảnderungen andeuten, wie es z. E. mit der Gebendung
und Klagendung zu gehen pflegt; so lekt man den Artikel
vor, dem Herodot, den Homer, u. f. f.

12. J. Ben etlichen aber will auch das erste nicht angehen.
Als bey Terenz und Soraz kann ich unmöglich sagen, des
Terenzes, des Horazes : sondern da bin ich genöthiget, ents
weder die lateinische Endigung, oder die deutsche Verkürzung
unverändert zu behalten, und den Abfall durch den Artikel
anzudeuten. Gewisse Namen haben an sich schon deutsche
Endungen, als Solon, Alexander, Sannibal, u. d. gl.
Und diese können ohne alle Aenderung nach Art Deutscher
Wörter gebraucht werden. Die Endigungen as, 18, is,
os und us, imgleichen die Namen, die ein a, o, oder
einen andern lauten Buchstaben zum Ausgange haben, sind
am schlimmsten nach deutscher Art zu brauchen. Den man
kann nicht sagen, Epaminondas's, Sylla's, Praxiteles's,
Phyllis's, Minos's und Atticus's ac. berühmte Namen.
Die Engelländer machens in ihrer Sprache fo, und im
Deutschen habens einige nachthun wollen; aber noch keine
Nachfolger gefunden. Es ist also am rathfamsten, alle die
Wörter entweder zu lassen, wie sie sind, und den deutschen
Artiket vorzulegen, als des Sylla, dem Cicero, die Phyl.
lis ac. oder den verkürzten Zeugefall der Lateiner, z. E. Eis
cerons, Catons u. d. gl. zu gebrauchen; oder sie nach Ges
legenheit gar auf lateinische Art zu veråndern. 3. E. Si-
mon Dach schreibt fast vor hundert Jahren fo:

Hier muß fich mit schonen Flüffen,
Hippokrene selbst ergießen.

Mein Parna ragt hier hervor ;
Hier faun Sokrates gebiethen,
Und die Kunst des Stagiriten
Hebet hier das Haupt empor.

Plato, Tullius, Euklides,
Maro, Flaccus, Uristides,
Und der Aerzte Fürst, Galen,
Kriegen hier ein neues Leben,
Ja man sieht noch hier erheben,

Palestinen, Rom, Athen. worinnen man fast von allen obigen Regeln zulångliche Erempel antreffen und zugleich sehen kann, daß in der ersten Endung, oder im Nennfalle fein Geschlechtswort nöthig ist. Hergegen in den andern Fållen würde es wunderlid) klingen, wenn man sagen wollte, Phyllis Hand, an Phyllis, gib es Phyllis, von oder mit Phyllis; wie einige neuere so verstümmelt schreiben wollen. Hier fehlen überall die Artikel zur Deutlichkeit.

13. 9. Was die neuen Wörter anfanget, so fraget richs, ob man dergleichen machen könne oder dörfe? Man versteht hier durch neue Wörter, entweder ganz neue Sniben und Tone, die man sonst in unserer Sprache nicht geboret hat, oder nur eine neue Zusammenseßung alter Sylben und Wóra ter, die nur auf diese neue Art noch nicht verbunden worden. Die lateinischen Poeten gaben dergleichen neue Wörter zu: weilen mit gutem Glücke gemaget. 3. E. Soraz brauchet, tergeminis, decertare, dissociabilis, depræliantes, dereplus, irruptus, u. d. gl. Doch da ich in seinen ersten XV. Dden nicht mehr, als diese sechs finden kann, fo sieht man, wie bescheiden er damit umgegangen. In den folgenden Zeiten aber, als Geschmack und Wie in Rom aus der Art schlugen, ist man viel verwegener damit geworden: wie Seneca, Lucan und Claudian zeigen. Ob dieses auch im Deutschen möglich ren, daran ist wohl kein Zweifel : ja es ist ben uns viel möglicher und leichter, als im Italiänischen und Französischen; weil unsre Sprache mehr Zehnlichkeit mit der alten griechischen hat, als alle heutige europäische

Spra

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Sprachen. Diese aber war überaus geschickt, durch die Zusammenfekung, recht vielsolbige neue Wórter zu machen; mie uns die Kunstnamen in der Zergliederungskunft, und die Dichnramben der alten Poeten sattsam zeigen. 3. E. Bes gesander hat dieß sportische Sinngedicht auf die alten Sophisten gemacht; und darinn mit Fleiß ausgeschweifet : Οφρυανασπασιδαι, ενεχκαταπυξυγένειοι,

Σακκογενεοτρόφοι, και λαπαδαρπαγίδας, Ιματανωπεριβαλλοι, νηλίπος και βλεπελαίοι,

Νυκτιλατραιοφάγοι, νυκτιπαταιπλάγιοι. Μαρακιεξαπάται, και συλλαβοπσιλαβήται,

Δοξοματαιόσοφοι, ζηταρετήσιάδας-
14. J. Ob unsre Muttersprache es auch so weit bringen
könnte, das haben die Pegnißschäfer und Zesianer nicht unver-
sucher lassen wollen. Die ersten hießen ihren nürnbergischen
Strom, die holdrinnende und würbelfriedige Pegning;
Ihre Geister, hochsteigend feuerbrünstige Beister; den
Ton ihrer Flöten, der fobleifenden Pfeifen luftfolir
fendes Tänen; Jhre Wiesen: die von der kunstab,
menden Natur hůgelartig erhobenen fiamnarirten
Wafen; Jhre Schafe, die wolligten wollenbehåres
ten seerden; Die Ziegenböcke, die mit zorrigren Bårten
bebårreten Becke u. d. gl. Fiengen sie aber gar an, die
Natur gewisser Dinge mit ihren neuen Wörtern nachzuah-
men; so waren sie ganz unvergleichlidh. 3. E.

Es dirdilir, dirdilir, dirdirlirliret die Lerche,
Es klappern und pappern und blappern langheinigte Störche,
Es freften, frerekfen und queffen grüngelblichte Frösche,
Sie lechzen und Schzen und frádizen mit Gellem Gedrósche,
Es lispeln und mispeln und friscipeln frystalline Brúnnen,

Und sprißen und schwißen und nüßen mit brauflichtem Rinnen.
Desgleichen von andrer Art.

Es wallt das Fluthgelad, die schnellen Wellen schwellen,
Die hulle Wellenzell hudt den frystallnen Wall,
Der Wollinhüter bilt, die Lämmerhálie chellen,
Doch schalt vor allen wohl der helle Gegenbau.

Noch

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Noch was schöners, dergleichen nicht immer vorkommt.

Der keffe Lachengelk koaret , krefft und quafft,
Des Krüppels Krúffenstoc krofft, graffelt, humpt und pafft,
Des Suffufs Guffen trokt den Frosch und auch die Krútke,

Was knifft und knafft noch mehr? Kurz, hier mein Reimgefliffe. Alle diese Blümchen sind aus Plays Pegnißschäferey entlehnet.

13. S. Eben dieser Gesellschaft Oberhaupt, Floridan ges nannt, fonnte die Kunst eben so gut. In seiner selig ents feelren Margaris Lieb und Lobanderken, so er im Pegnißgefilde bey ftdlicher Frühlingszeit traurig angestimmet, heißt gleich der Anfang des ersten Trauers hirtenspiels fo:

Das schone Himmelblau lacht von den Bogenschanzen,
Das Weltaug åugelt ab, dje güldnen Flittern danzen

Und Freuzen durch die Luft x. Also sagte und klagte (wie es ferner heißt) der betrübte Schäfer Floridan, von seinem gewöhnlichen Lustwandels weg rich an der Pegniß forttragen lassend. Seine Sinne sibwarzeren in die Wette mit seinen Kleidern a. Seine Wangen und Augen hatten die Farben gewechselt :c. öffnet ein paar Thränenbrunnen . Aus ihrem Schmer, zensthau und Serzregen låsset er die ihm damals viel zu goldne Sonne, Wolken machen, und den schwarzen Himmel mit saphirnen Carcinen verhången 2c. Hernach redet er die Bächlein poetisch an, und will sich mit ihrer Lust belůsten.

Entweiche Nachtigall

, Du fúsle Baumsiren! Sing dort in jenem Thal Die Federbublen an. Mich sollen Wüsteneyen

Mit ihrem Eulgebeul hårn in die Wette sdhreyen. Indem hernach eine Lerche über ihm tiriliret, bildet er sich ein, sie ruffe: Margaris, Margaris, Margaris 2c. weis aber nicht, ob er von dieser geflügelten Luftharfe gehöh. net oder getröstet wird. Doch erinnert er sich daben seiner unter den himmlischen Engellerchen schwebenden gott Lobenden Margaris X. XC.,

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