Page images
PDF
EPUB

Mein Parna ragt hier hervor ;
Hier faun Sokrates gebiethen,
Und die Kunst des Stagiriten
Hebet hier das Haupt empor.

Plato, Tullius, Euklides,
Maro, Flaccus, Aristides,
Und der Aerzte Fürst, Galen,
Kriegen hier ein neues Leben,
Ja man sieht noch hier erheben,

Palestinen, Rom, Athen. worinnen man fast von allen obigen Regeln zulångliche Erempel antreffen und zugleich sehen kann, daß in der ersten Endung, oder im Nennfalle fein Geschlechtswort nöthig ist. Hergegen in den andern Fållen würde es wunderlid) klingen, wenn man sagen wollte, Phyllis Hand, an Phyllis, gib es Phyllis, von oder mit Phyllis; wie einige neuere so verstůmmelt schreiben wollen. Hier fehlen überall die Artikel zur Deutlichkeit.

13. 9. Was die neuen Wörter anfanget, so fraget richs, ob man dergleichen machen könne oder dörfe? Man versteht hier durch neue Wörter, entweder ganz neue Sniben und Tóne, die man sonst in unserer Sprache nicht gehöret hat, oder nur eine neue Zusammensekung alter Sylben und Wóra ter, die nur auf diese neue Art noch nicht verbunden worden. Die lateinischen Poeten haben dergleichen neue Wörter zus weilen mit gutem Glücke gemaget. 3. E. Soraz brauchet, tergeminis, decertare, dissociabilis, depræliantes, dereplus, irruptus, u. d.gl. Doch da ich in seinen ersten XV. Dden nicht mehr, als diese sechs finden kann, fo sieht man, wie bescheiden er damit umgegangen. In den folgenden Zeiten aber, als Geschmack und Wiß in Rom aus der Art schlugen, ist man viel verwegener damit geworden: wie Seneca, Lucan und Claudian zeigen. Ob dieses auch im Deutschen möglich ren, daran ist wohl kein Zweifel : ja es ist ben uns viel möglicher und leichter, als im Italiänischen und Französischen; weil unsre Sprache mehr Zehnlichkeit mit der alten griechischen hat, als alle heutige europäische

Spra

[ocr errors]

Sprachen. Diese aber war überaus geschickt, durch die Zusammenfekung, recht vielsolbige neue Wórter zu machen; mie uns die Kunstnamen in der Zergliederungskunft, und die Dichnramben der alten Poeten sattsam zeigen. 3. E. Bes gesander hat dieß sportische Sinngedicht auf die alten Sophisten gemacht; und darinn mit Fleiß ausgeschweifet : Οφρυανασπασιδαι, ενεχκαταπυξυγένειοι,

Σακκογενεοτρόφοι, και λαπαδαρπαγίδας, Ιματανωπεριβαλλοι, νηλίπος και βλεπελαίοι,

Νυκτιλατραιοφάγοι, νυκτιπαταιπλάγιοι. Μαρακιεξαπάται, και συλλαβοπσιλαβήται,

Δοξοματαιόσοφοι, ζηταρετήσιάδας-
14. J. Ob unsre Muttersprache es auch so weit bringen
könnte, das haben die Pegnißschäfer und Zesianer nicht unver-
sucher lassen wollen. Die ersten hießen ihren nürnbergischen
Strom, die holdrinnende und würbelfriedige Pegning;
Ihre Geister, hochsteigend feuerbrünstige Beister; den
Ton ihrer Flöten, der fobleifenden Pfeifen luftfolir
fendes Tänen; Jhre Wiesen: die von der kunstab,
menden Natur hůgelartig erhobenen fiamnarirten
Wafen; Jhre Schafe, die wolligten wollenbehåres
ten seerden; Die Ziegenböcke, die mit zorrigren Bårten
bebårreten Becke u. d. gl. Fiengen sie aber gar an, die
Natur gewisser Dinge mit ihren neuen Wörtern nachzuah-
men; so waren sie ganz unvergleichlidh. 3. E.

Es dirdilir, dirdilir, dirdirlirliret die Lerche,
Es klappern und pappern und blappern langheinigte Störche,
Es freften, frerekfen und queffen grüngelblichte Frösche,
Sie lechzen und Schzen und frádizen mit Gellem Gedrósche,
Es lispeln und mispeln und friscipeln frystalline Brúnnen,

Und sprißen und schwißen und nüßen mit brauflichtem Rinnen.
Desgleichen von andrer Art.

Es wallt das Fluthgelad, die schnellen Wellen schwellen,
Die hulle Wellenzell hudt den frystallnen Wall,
Der Wollinhüter bilt, die Lämmerhálie chellen,
Doch schalt vor allen wohl der helle Gegenbau.

Noch

[merged small][ocr errors]

Noch was schöners, dergleichen nicht immer vorkommt.

Der keffe Lachengelk koaret , krefft und quafft,
Des Krüppels Krůkkenstock frokkt, grafkelt , humpt und pafft,
Des Guffufs Suffen trokt den Frosch und auch die Krůtke,

Was knifft und knafft noch mehr? Kurz, hier mein Reimgefliffe. Alle diese Blümchen sind aus Plays Pegnißschåferey entlehnet.

13. S. Eben dieser Gesellschaft Oberhaupt, Floridan ges nannt, fonnte die Kunst eben so gut. In seiner selig ents feelren Margaris Lieb und Lobanderken, so er im Pegniggefilde bey frdlicher Frühlingszeit traurig angestimmet, heißt gleich der Anfang des erjien Trauer, hirtenspiels fo:

Das schöne Himmelblau lacht von den Bogenschanzen,
Das Weltaug åugelt ab, dje güldnen Flittern danzen

Und Freuzen durch die Luft xe. Also sagte und klagte (wie es ferner heißt) der betrübte Schäfer Floridan, von seinem gewöhnlichen Luftwandels weg rich an der Pegniß forttragen lassend. Seine Sinne sibwarzeren in die Wette mit seinen Kleidern a. Seine Wangen und Augen hatten die Farben gewechselt :c. öffnet ein paar Thränenbrunnen ac. Aus ihrem Schmer, zensthau und Berzregen låsset er die ihm damals viel zu goldne Sonne, Wolken machen, und den schwarzen Himmel mit saphirnen Carcinen verhången 2c. Hernach redet er die Bächlein poetisch an, und will sich mit ihrer Lust belůsten.

Entweiche Nachtigall

, Du füsse Baumsiren! Sing dort in jenem Thal Die Federbublen an. Mich sollen Wüsteneyen

Mit ihrem kulgebeul born in die Wette sdreyen. Indem hernach eine Zerche über ihm tirilirer, bildet er sich ein, sie ruffe: Margaris, Margaris, Margaris 2c. weis aber nicht, ob er von dieser geflügelten Luftharfe gehih. net oder getröstet wird. Doch erinnert er sich daben seiner unter den himmlischen Engellerchen schwebenden gott. lobenden Margaris x. XC.,

16. 5. Was könnte ich nicht aus Zefens Schriften für treffliche Proben anführen? Ich dörfte nur seinen hod)deuts fchen şelifonischen Rosenthal, bas ist, der höctistpreis, würdigen deuschgesinnten Genossenschaft erster oder neunståmmiger Rosenzunft Erzsöhrein, durdiblättern, und alle die seltsanien Misgeburten von Wörtern und Res densarten, die er ausgehecket hat, anmerfen; oder auch feine helifonische Hechel ein wenig nachschlagen, die in dem VII. Bande der kritischen Beytråge im XXVII. Stůcke beleuchtet worden. Allein das obige kann genug fenn, die Art dieser Sprachkünstler und Worthelden kennen zu lernen. Nichts mehr ist zu bewundern, als daß selbst Opis, ben so vieler Einsicht in die Natur unsrer Sprache, fich durch das Erempel der Hollander zu einer gar zu großen Kühnheit verleiten lassen. Er überfekt 3. E. aus seinsens Poesien folgende Zeilen von Wort zu Wort, die dem Weingotte zum Sobe gereichen:

Nachtlånfer, Hüftesohn, Hochschreyer, Lüftenspringer,
Gutgeber, Liebesfreund, Hauptbrecher, Lówenzwinger,
Herzfanger, Serzendieb, Mundbinder, Sinnentol,

Geistrůhrer, Wackelfuß, Stadtfreischer, Adzeitvoll. Eben dergleichen neue Namen und Wörter findet man in seinem Lobe des Kriegsgottes Mars, und an andern Orten. Er hat z. E. die Nacht eine Kummerwenderinn u. 8. m. genennet; welches endlich so übel nidit klinget, als die vori: gen, und also schon zu dulden wäre. Seine Nachfolger, 3. E. Lobenstein u. a. m. haben sich aud) zuweilen großer Freyheiten bedienet, die ich keinem nachzuahmen rathen wollte: ob sich gleich vor kurzem einige Verderber des guten Deutschen gefunden, und jungen Leuten ein böses Erempel gegeben haben.

17. 9. Sonderlich hat man sich bemühet, alle Wörter, die nur einigermaßen dem Lateine ähnlich waren, oder wirklich daraus herstammeten, auf eine wunderliche Art zu übersegen: gerade, als wenn die Sateiner vormals alle griechische Namen

oder

ober dergleichen andre entlehnte und hergeleitete Wörter fo Heftig verabscheuet håtten. Daß man sich bemühet, alles, was sich deutsch geben låßt, deutsch auszudrücken, das ist allerdings löblich. Unsere Sprache ist weder so arm, als sich einige, die nicht viel Deutsches gelesen haben, einbilden; noch so ungeschickt, daß man nicht auch neue bequeme Wörter dar, inn bilden fönnte, selbst die Kunstwdrter der meisten Wissenschaften zugeben; wie man seit zehn oder zwanzig Jahren gesehen hat. Allein Dinge, die feinen andern Namen haben, als der aus einer fremden Sprache genommen ist, umzutau. fen; und dadurch unverständlich zu werden: das ist gewiß tadelhaft. Denn gefegt, daß Nase von Nasus, Dhr von Auris, Arm von Armus, Fenster von Fenestra, Tisch von Discus, Fisch von Piscis, Wind von Ventus, Spiegel von Speculum, Glas von Glacies, Fuß von 78, Thüre von Juga, Thier von Ingrov, Maus von uus, Vater von TaTng, Mutter von untes, Thron von Ipovos, Kirche von xugiaxn, berstammete; so vieler andern Wórter zu geschweigen, die ganz fremde sind, als Kaiser, Körper, Kas min, Kammer, Kloster, Kanzel, Mönch, Prinz, Provinz, Natur, Tempel, Erempel, Register, Magister, Doctor, Titel, Capitel, Bibel, Prophet, Evangelist, Apostel, Epistel, u. d. m. fo haben doch diese und dergleichen Wörter eben dadurch, daß sie allgemein geworden, und auch von dem Póbel verstanden werden, das deutsche Bürgerrecht erhalten; so, daß man sich lächerlich machen würde, wenn man sie gang verbannen wollte. Rachel hat sid, abermal nicht enthalten können, diese Hirsenpfriemer, wie er sie nennet, lächerlich zu machen. In seiner oft angezogenen Satire Heißt es:

Luch sieh dich eben vor, daß deine Arbeit nicht,
Sey alzusehr genau und sorglich eingericht.
Nach Hirsenpfriemers Art, wenn er also darf regen:
Der Erzgott Jupiter, der hatte, sich zu leben,
Ein Gastmahl angestellt. Die Weidinn gab das Wild,
Der Glutfang den Tobad. Der Saal ward angefüllt.
Die Obftinn trug zul Tiich in einer vollen Schüssel;
Die Freye saß und spielt auf einem Herzensschlüssel;

Der

« PreviousContinue »