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IN MEMORIAM

Jolfenry Seigen

890
F 654
1861
V.3

W o r r e de.

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Fölsing's Lehrbuch für den wissenschaftlichen Unterricht in der englischen Sprache, seit seinem ersten Erscheinen im Jahre 1840 bis zu dem, 1846 erfolgten, Tode des Verfassers in zwei Auflagen von Fölsing selbst neu bearbeitet, trat die reiche Erbschaft der in der Wagner'schen Grammatik niedergelegten, tief eingehenden Kenntniß der englischen Sprache mit einer völligen Systemsänderung an. Die von Beder durchgeführte Umgestaltung des Lehrgebäudes der Grammatik, mit Mißtrauen und Widerstreben nur von der Bequemlichkeit und dem an dem Alten hängenden Vorurtheil betrachtet, konnte am wenigsten auf eine neue englische Sprachlehre ohne Einfluß bleiben. Fölsing sagt darüber in seiner Vorrede (Zweite Auflage 1843):

„Becker ist, wie aus vielen Stellen seines Werkes hervorgeht, ein gründlicher Renner des Englischen, und es hat, da sich die Grundfäße der allgemeinen Grammatik gerade in dieser Sprache sehr klar und ungetrübt aussprechen, die Kenntniß derselben ihm ohne Zweifel wesentliche Dienste bei der Aufstellung seines Systems ges leistet. Umgekehrt gehen nun aber aus seinem Systeme die sämmt lichen Erscheinungen, welche die englische Sprache darbietet, so ungezwungen hervor, daß es kaum möglich scheint, dieselben auf einfachere Grundfäße zurüdzuführen. Ich habe mich also in den Hauptpunkten genau an Becker angeschlossen, dabei aber sorgfältig vermieden, in einen der beiden Fehler zu verfallen, zu welchen das Beder'sche Werk die Verfasser mehrerer neueren Sprachlehren vers leitet hat. Ich meine einerseits die haarscharfen Zerfällungen von

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Erscheinungen in Abtheilungen und Unterabtheilungen, welche in der aügemeinen (Becker’schen) Grammatik von großer Wichtigkeit, bei der Erlernung einer fremden Sprache dagegen häufig ohne praktischen Nußen, mithin nicht zur Sache gehörig, und deshalb fehlerhaft sind. Andererseits entsteht dadurch, daß Becker viele neue Benennungen eingeführt, und älteren grammatischen Benennungen eine neue Bedeutung gegeben hat, selbst in dem Falle, daß die neue Bedeutung logisch richtiger ist als die alte, eine große Verwirrung der Begriffe bei schwächeren Schülern. Ich habe mich daher durchgehende der aus der lateinischen Grammatik bekannten Benennungen in ihrer alten Bedeutung bedient, -und nur in wenigen Fällen, namentlich bei der Eintheilung der Säße, die von Becker vorgeschlagenen, dem älteren Gebrauche keineswegs widersprechenden Benennungen aufgenommen. Nur eine einzige Benennung habe ich mich genöthigt gesehen hinzuzufügen; dies ist das Wort Complement, welches dem aus der französischen Grammatik bekannten „régime“ und dem Becer’schen ,,Ergänzungsobject“ entspricht."

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Daß ein auf solcher Grundlage und nach diesem neuen Plane aufgeführter Bau nicht sofort eine Gestalt erhalten konnte, in welcher er den Anforderungen aller Zeiten entsprach, liegt auf der Hand, wurde auch von Fölsing selbst anerkannt, der sich über die schon an der ersten, günstig aufgenommenen, Auflage gemachten Vers änderungen in der genannten Vorrede folgendermaßen ausspricht:

„Zwar sprady gegen eine vollständige Umarbeitung der Umstand, daß das Verdrängen der alten Ausgabe durch die neue auf den Schulen, in welchen dieses Buch eingeführt ist, nur allmählich vor sich gehen kann, und dem Lehrer aus dem gleichzeitigen Vorhandensein verschiedener Ausgaben in den Händen der Schüler bedeutende Schwierigkeiten erwachsen; doch glaubte ich, so hoch ich den baraus hervorgehenden Uebelstand auch veranschlage, dieser Rücksicht eine wirkliche Verbesserung des Werks nicht opfern zu dürfen."

Mit diesen Worten hatte Fölsing den Männern, welche nach ihm die neuen Auflagen seines Buches zu bearbeiten hatten, den zu befolgenden Weg angedeutet. Jeh glaube hier nur dem allgemeinen Urtheile der Lehrer, welche nach Fölfing unterrichten, einen Ausdruct zu verleiben, wenn ich bemerke, daß die Herren Director Dr. Brennede und Dr. Franz mit der größten Pietät gegen den Schöpfer des Buches und mit trefflicher Sachkenntniß und Umsicht zu Werk ges gangen sind. Die folgenden Worte aus der Vorrede zur dritten Auflage (1846) beweisen, wie richtig Herr Director Brennecke Fölsing'$ Wesen aufgefaßt hat: ,,Ueberall, auf jeder Seite, zeigt sich der eigens thümliche Bildungsgang des Verfassers, seine durch mathematische Studien gewonnene Folgerichtigkeit im Denken, seine innere Mars heit, seine richtige Beurtheilung der Fassungskraft der Lernenden.“ Und Dr. Franz äußert fich in seiner Vorrede zur vierten Auflage (1849) über die Art und Weise, in welcher er Fölfing's Arbeit fortgeseßt hat: „Auch in der dritten Auflage des Werkes, dem sich der Verfasser fortwährend mit großer Vorliebe zuwandte, zeigte sich überall die bessernde Hand und das eifrigste Streben nach Volls kommenheit. Bis auf die Correctur der legten Bogen und die — von seinem Freunde, dem Herrn Director Brennecke, nach einem vorgefundenen Entwurfe geschriebene - Vorrede hatte er sie vollendet, ba ereilte ihn ein früher Tod beim Baden in den Wellen der Osts see! Als mir nun vor einiger Zeit von den Seinigen der Auftrag wurde, eine nöthig gewordene neue Auflage zu besorgen, konnte von irgend einer Aenderung an dem Geiste und dem Wesen des Ganzen um so weniger die Rede sein, je mehr mir durch eine mehrjährige Denugung des Werkes beim Unterrichte in verschiedenen Anstalten Gelegenheit geworden war, mich von der Vortrefflichkeit desselben zu überzeugen: ich habe mir deshalb auch nur einzelne Aenderungen und, namentlich in der Phraseologie, Zusäße zu machen erlaubt, uno bin bemüht gewesen, die höchst werthvollen, vor den Uebungsstücken befindlichen, Tafeln zu vervollständigen.“

Nachdem nun mir seit der achten Auflage (1857) die Aufgabe der Durchsicht des Werkes zugefallen ist, kann zunächst von einer Aenderung des Grundplanes nicht die Rede sein. Sollte auch reta fere Erwägung mich später dazu führen, die Formenlehre in diesem zweiten, wissenschaftlichen Theile so weit zu ergänzen, daß derselbe ganz unabhängig von dem ersten, elementaren Theile hingestellt

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werbe, so foc mich das doch nicht in Widerspruch mit den folgenden Erörterungen des Herrn Directors Brennecke (1846, Verrede) bringen, welchen ich aus voller Seele beipflichte:

,,Diese Grammatik der englischen Sprache meines verstorbenen Freundes Fölsing hat ben doppelten Zweck, im ersten Theile die Lernenden mit den Erscheinungen der englischen Sprache bekannt zu machen, und im zweiten ihre Gefeßlichkeit, innere Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit darzulegen. Jedem Cursus sind zahlreiche Uebungen zum Ueberseßen aus dem Deutschen in's Englische beigefügt, die Lernenden im Gebrauche und in der Anwendung der aufgestellten Thatsachen und Regeln zu üben und zu befestigen."

,,Die vier ersten (grammatischen) Abschnitte dieses zweiten Theils enthalten das System der englischen Grammatik, dessen Hauptresultate, durch größeren Druck hervorgehoben, in denjenigen Regeln niedergelegt sind, deren Inbegriff mit dem Namen der Schulgrammatik bezeichnet werden kann.

Es scheint eine Rechtfertigung nöthig, weshalb diejenigen Theile des Werkes, welche nicht unmittelbar zum Schulbuche gehören, barin eine Stelle gefunden haben. Auf unseren Gymnasien kann, ihrer ganzen Einrichtung zufolge, auf das Englische nur wenig Zeit vers wendet werden; es können mithin nur die nothwendigsten Thatsachen aus der Grammatik tüchtig eingeübt werden. Es würde aber ein ungünstiges Zeugniß von der philologischen Bildung unserer Gymnasiasten sein, wenn nicht wenigstens ein Theil derselben außer den Thatsachen noch den wiffenschaftlichen Zusammenhang zu erkennen wünschte; der Lehrer wird daher Gelegenheit nehmen, darauf hins zudeuten. Freilich muß er sich dabei auf gelegentliche Winke bes schränken, und dem Privatfleiße der Schüler, von denen gewiß doch viele noch in späteren Jahren sich mit der englischen Sprache, fet es im praktischen Gebrauche, sei es in dem Studium ihrer Literatur, beschäftigen, ein weiteres Vorarbeiten dieser Andeutungen überlassen, wozu bas Lehrbuch die Anleitung bieten soll. Noch dringender aber muß das Bedürfniß nach einem, die Grammatik gründlich behans delnben Lehrbuche der englischen Sprache auf Anstalten hervortreten, welche die wissenschaftliche Ausbildung ihrer Schüler weniger durch

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