Page images
PDF
EPUB

Vorwort.

Mit den Ideen, die das 18. Jahrhundert auf allen Gebieten, auf dem kirchlichen und politischen sowohl als auch auf dem literarischen bewegten, stand Johnson in scharfem Gegensaß, der Art, daß uns in ihm eine durchaus reaktionäre Erscheinung entgegentritt. Als Highchurchman, der eifrigst die Autorität der Kirche verfocht, war er auf die Deisten und Freidenker, die «Libertines», sehr schlecht zu sprechen. Nicht geringer war sein Groll gegen die Whigs und die Rousseauisten, von denen er den Umsturz alles Bestehenden befürchtete. Völlig fremd stand er auch der heranwachsenden Dichtergeneration gegenüber. Für die Natur, der sich diese mit frischer Lust und Liebe zuwandte, hatte er kein Auge. Während die Jüngeren, das Vorbild der Alten außer Acht laffend, vor allem auf die nationale und volkstümliche Dichtkunst zurückgriffen, hielt er mit zäher Kraft an der Autorität der Alten und an der durch die Franzosen vermittelten klassizistischen Geschmacksrichtung fest, die in ihm in England ihren lezten kraftvollen Vertreter finden sollte. Überall vertritt Johnson die aus dem 17. Jahrhundert überlieferten Anschauungen, die er gegenüber den revolutionären Bestrebungen des 18. Jahrhunderts aufrechtzuhalten sucht.

Dieser Standpunkt kommt auch in seinem Verhältnis zur französischen Literatur zur Geltung. Er erklärt uns, weshalb für Johnsons enge literarische Beziehungen zu Frankreich in erster Linie nicht seine französischen Zeitgenossen in Betracht kommen, sondern die Autoren des 17. Jahrhunderts. Mit den französischen Schriftstellern seiner Zeit beschäftigt er sich im allgemeinen nur um sie zu bekämpfen. So ergab sich für unsere Untersuchung die Einteilung des Stoffes nach Jahrhunderten als die nächstliegende.

Besonders nahe standen ihm Boileau, dessen kritischem Urteil er eine große Bedeutung zumaß, und La Bruyère. Wir versuchten darzutun, wie stark Johnson in seinen moralischen Zeitschriften von diesem Moralisten beeinflußt wurde, und die bemerkenswerte allgemeine Übereinstimmung in den Anschauungen der beiden

Moralisten zu beleuchten. Bei Molière haben wir Gelegenheit genommen, auf einige preziöse Reminiszenzen in der damaligen englischen Gesellschaft hinzuweisen. Wenn wir bei Voltaire und Rousseau länger verweilten, so war es bei dem ersteren durch die Polemik Johnsons gegen die von Voltaire an Shakespeare geübte Kritik und durch das eigenartige Verhältnis des «Rasselas» zu «Candide» bedingt; bei Rousseau aber durch das lebhafte Interesse, das seine Ideen in der Gesellschaft fanden, in deren Mittelpunkt Johnson stand, und durch unser Bemühen in Johnsons Stellung zur Philosophie Rousseaus eine Erklärung für das auffällig widerspruchsvolle Verhalten Johnsons in seinen politischen Anschauungen zu finden.

Unserer Arbeit liegt die Ausgabe der Werke Johnsons vom Jahre 1787 (siehe Tabelle der benußten Bücher) zugrunde, wobei jedoch nicht unterlassen wurde, die neueste Einzelausgabe des «Rasselas» und die mir leider erst gegen Schluß der Arbeit zugänglich gewordene treffliche Ausgabe der «Lives of the English Poets» von Birkbeck-Hill zu Rate zu ziehen.

[blocks in formation]

1

I. Johnsons Urteil über Land und Lente in Frankreich

II. Johnsons Urteil über die französische Literatur im allgemeinen und über verschiedene ihrer Erscheinungsformen.

1. Johnson über die französische Literatur im allgemeinen.

2. Johnson und die französische Renaissance

3. Johnson und die französische Akademie.

[ocr errors]

4. Johnsons Urteil über die dramatische Dichtung und über die
Roman- und Briefliteratur der Franzosen

[blocks in formation]

6. Einige Quellen, aus denen Johnson seine Kenntnis der fran-
zösischen Literatur schöpfte

21

[ocr errors]

5. Johnsons Übersetzungen aus dem Französischen

III. Johnsons Stellung zu den einzelnen Autoren.

1. Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts:

[merged small][ocr errors][ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small]
[merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small][merged small]
« PreviousContinue »