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69.

Was ist heilig? Das ist's, was viele Seelen zusammen

Bindet; bånd' es aus nur leicht, wie die Binse den Kranz.

70.

Was ist das Heiligste? Das was heut und ewig die Geister,

Tiefer und tiefer gefühlt, immer nur einiger macht.

71.

| Wer ist das würdigste Glied des Staats? Ein waderer Burger;

Unter jeglicher Form bleibt er der edelste Stoff.

72.

Wer ist denn wirklich ein Fürst? 30 hab' es immer gesehen,

Der nur ist wirklich Fürst, der es vermochte zu reyn.

73.

Fehlet die Einsicht oben, der gute wille von unten,

Führt sogleich die Gewalt, oder sie endet den Streit.

74.

Republifen hab' ich gesehen, und das ist die beste,

Die dem regierenden Cheil Lasten, nicht Bortheil, gewährt.

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Balb, es kenne nur Jeder den eigenen, gonne dem Andern

Seinen Vortheil, so ist ewiger Friede gemacht.

76. Keiner bescheidet sich gern mit dem Cheile, der ihm gebühret, Und fo habt ihr den Stoff immer und ewig zum Krieg.

177.

Zweyerlei Arten gibt es, die treffende Wahrheit zu sagen:

Deffentlich immer dem Boll, immer dem Fürsten geheim.

78.

Wenn du laut den Einzelnen schiltst, er wird sich verstoden,

Wie sich die Menge verstogt, wenn du im Ganzen sie lobst.

79. Du bist König und Ritter und kannst befehlen und streiten:

Aber zu jedem Vertrag rufe den Kanzler herbei.

80, Klug und thátig und fest, bekannt mit allem, nach oben

und nach unten gewandt, rey er Minister und bleib's.

81.

Welchen Hofmann ich ehre? Den Flårsten und feinsten! Das

Undre,
Was er noch sonst befißt, kommt ihm als Menschen zu gut.

82.

Ob du der Klugste fenst: daran ist wenig gelegen;

Aber der Bieberste fey, so wie bei Rathe, zu Haus.

83. Ob du wachst, das kümmert uns nicht, wofern du nur fingest.

Singe, wachter, dein Lied schlafend, wie Mehrere thun.

84.

Dießmal streust du, o Herbst, nur leichte iveltende Blätter;

Gib mir ein andermal schwellende Früchte dafür.

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Wasser ist fórper und Boden der Fluß. Das neuste Cheater

Thut in der Sonne Glanz zwischen den Ufern sich auf.

86.

Wahrlid, es scheint nur ein Traum! Bedeutende Bilder des

Lebens
Schweben, lieblich und ernst, über die Flahe dahin.

87.

Eingefroren salen wir ro Jahrhunderte starren, Menschengefühl und Vernunft schlich nur verborgen am

Srund.

88.

Nur die Fläche bestimmt die kreisenden Bahnen des Lebens;

3ft fie glatt, fo vergißt jeder die nahe Gefahr.

89.

Alle streben und eilen und suchen und fliehen einander;

Aber Alle beschränkt freundlich die glåttere Bahn.

90.

Durch einander gleiten sie her, die Schüler und Meister,

und das gewdhnliche Volk, das in der Mitte sich hålt.

91.

Jeder zeigt hier, was er vermag; nicht Lob und nicht Tabel

Hielte Diesen zurüc, förberte Jenen zum Ziel.

Dieses

• 92. Euc, Praconen des Pfuschers, des Meisters Verkleinerer,

wünscht' ich, Mit ohnmächtiger Wuth stumm hier am Ufer zu sehn.

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Lehrling, du schwantest und zauberst und sicheuest die glåttere

Fläche.
Nur gelaffen! du wirst einst noch die Freude der Bahn.

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94.

Willst du schon zierlich erscheinen., und bist nicht sicher ? Ber:

gebens ! Nur aus vollendeter Kraft blicet die Anmuth hervor.

95.

Fallen ist der Sterblichen Lood. So falt hier der Schüler,

Wie der Meister; doch stürzt dieser gefährlicher bin.

96. Stürzt der rustigste Läufer der Bahn, so lacht man am Ufer;

Wie man bei Bier und Tabak úber Besiegte sich hebt.

97.

Gleite fröhlich dahin, gib Rath dem iverdenden Schüler,

Freue des Meisters dich, und fo genieße des Tage.

98. Siehe, Tchon nahet der Frühling; das stromende Waffer ber:

zehret Unten, der sanftere Blid oben der Sonne, das Eis.

99. Dieses Geschlecht ist hinweg, zerstreut die bunte Gesellschaft;

Schiffern und Fischern gehört wieder die wallende Fluth.

100.

Schwimme, du måchtige Scholle, nur hin! und kommst du

als Scholle Nicht hinunter, du kommst doch wohl als Tropfen in's Meer.

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