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Alles wünscht' ich zu haben, um mit ihr alles zu theilen;

Alles gab' ich dahin, war' fie, die einzige, mein.

34.

Krånken ein liebendes Herz, und schweigen müssen; geschärfter

Können die Qualen nicht fern, die Rhadamanth rich ersinnt.

35.

Warum bin ich vergånglich, o Zeus ? ro fragte die Schönheit.

Macht' ich doch, sagte der Gott, nur das Vergångliche (chón.

36.

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Und die Liebe, die Blumen, der Thau und die Jugend ver:

nahmen's; Alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters Thron.

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Leben muß man und lieben; es endet Leben und Liebe.

Sdnittest du, Parze, doch nur beiden die Fåden zugleich!

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Früchte bringet das Leben dem Mann; doch hangen sie selten

Roth und lustig am Zweig, wie uns ein Apfel begrüßt.

39.

Richtet den herrschenden Stab auf Leben und Handeln, und

laflet Amorn, dem lieblichen Gott, doch mit der Muse das

Spiel!

40.

Lehret! Es ziemet euch wohl, auch wir verehren die Sitte;

Über die Muse laßt nicht sich gebieten von euch.

41.

Nimm dem Prometheus die Fadel, beleb', o Muse, die Menschen!

Nimm sie dem Amor, und rasch quál' und beglüce, wie er!

42,

Aưe Schöpfung ist Werk der Natur. Pon Jupiters Chrone Zuđt der allmachtige Strahl, náhrt und erschüttert die

Welt.

43.

Freunde, treibet nur alles mit Ernst und Liebe; die beiden

Stehen dem Deutschen so schon, den ach! To vieles entstellt,

44.

Kinder werfen den Ball an die Wand, und fangen ihn wieder;

Aber ich lobe das Spiel, wirft mir der Freund ihn zurück.

45.

Immer strebe zum Gangen, und kannst du selber kein Ganzes

Berben, als dienendes Glied schließ' an ein Ganges dich an.

46.

War't ihr, Schwarmer, im Stande, die ideale zu fassen,

O! lo perehrtet ihr aud), wie fidoy's gebührt, die Natur.

47.

Wem zu glauben ist, redlicher Freund, das kann ich dir sagen:

Glaube dem Leben; es lehrt besser als Redner und Buch.

48.

Ade Blüthen müssen vergehn, daß Früchte beglúten;

Blútten und Frucht zugleich gebet ihr Musen allein.

49.

Schädlide Wahrheit, ich ziehe sie vor dem nüßlichen Irrthum.

Wahrheit heilet den Schmerz, den sie vielleicht uns erregt.

50.

Schadet ein Jrrthum wohl? Nicht immer! aber das Jrren

Immer schadet's. Wie sehr, sieht man am Ende des Wege.

51.

Fremde Kinder, wir lieben sie nie po Tehr als die eignen;

Irrthum, das eigene Kind, ist und dem Herzen so nah.

53, r grrthum perlaßt uns nie; doch ziehet ein hoher Bedürfnis

Immer den strebenden Geist leise zur Wahrheit hinan.

54.

Gleich fen Reiner dem Andern; doch gleich fep Jeder dem Höchsten.

Wie das zu machen? Es rey jeder vollendet in sich.

55.

Warum will fich Geschmad und Genie so felten vereinen?

Sener fürchtet die Kraft; diefes verachtet den Baum.

56.

Fortzupflanzen die Welt find alle vernünftge Discurse

Unvermögend; durch fie fommt auch kein Kunstwerk hervor.

57.

Welchen Leser ich wünsche? den unbefangensten, der mich,

Sich und die Welt vergißt, und in dem Buche nur lebt.

58.

Dieser ist mir der Freund, der mit mir Strebendem wandelt;

Låd't er zum Sißen mich ein, stehlich für heute mich weg.

59. Wie beklag' ich es tief, daß diese herrliche Seele, Werth, mit zum Zwede zu gehn, mich nur als Mittel be:

greift!

60,

Preise dem Kinde die Puppen, wofür es begierig die Groschen

Hinwirft; wahrlich du wirst Kramern und Kindern ein Gott.
Goethe's Werke. I. Bd.

23

61.

Wie verfährt die Natur , um Hohes und Niedres im Menschen

Zu verbinden? Sie stellt Eitelfeit zwischen hinein.

62.

Auf das empfindsame Volk hab' ich nie was gehalten; es werden,

Kommt die Selegenheit, nur schlechte Gefellen daraus.

63.

Franzthum drángt in diesen verworrenen Tagen, wie ehmals

Lutherthum es gethan, ruhige Bildung zurúd.

64.

Wo Partepen entitein, bålt jeder fich húben und drüben;

Viele Jahre vergehu, eh' fie die Mitte vereint.

65,

,,Jene machen Parter; welch unerlaubtes Beginnen!

Aber unfre Parter, freilich, versteht sich von selbst."

66. Willst du, mein Sohn, frei bleiben, so lerne was Redtes,

und halte Dich genugsam, und nie blice nach oben hinauf!

67.

Wer ist der edlere Mann in jedem Stande? Der stets fich

Neiget zum Gleichgewicht, was er auch habe voraus.

68.

Wißt ihr, wie auch der Kleine was ist? Er mache das Kleine

Recht; der Große begehrt just so das Große zu thun.

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