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hätte dieses Gauckelspiel auf Einmal geendigt), Göthe XIV, 14 (→ übersieht man auf Einmal das ganze Thal) mit Schiller VIII, 39 (die Schiffe, welche auf einmal in den Hafen einliefen); ib. 103. 119. 121 etc. Das Letztere ist jedenfalls vorzuziehen, und wenn man die Betonung der ersten Silbe für das Auge noch besonders bemerklich machen will, so kann das auf andere Weise geschehen (durch gesperrten Druck oder durch ein Accentzeichen).

2 „Ich habe recht“ oder „ich habe Recht?“ „Ich gebe dir recht“ oder „ich gebe dir Recht?“

Wenn man nicht etwa die grossen Anfangsbuchstaben überhaupt verFerfen will, so wird man sich wohl für das Zweite entscheiden müssen, wobei allerdings nicht zu leugnen ist, dass sich in den Drucken auch die erste Schreibweise (recht, unrecht) sehr häufig findet: vergleiche Göthe XIX, 212 (der Hofmeister gab ihm recht); XIV, 5 (Gewiss, du hast recht). Besser ist es aber zu schreiben : du hast Recht, du hast Unrecht; ich gebe dir Recht, ich gebe dir Unrecht. Denn dass Recht und Unrecht bier als Substantiva zu betrachten sind, wird man wohl kaum in Abrede stellen können: vergleiche im Franz isischen j'ai tort, j'ai raison.

3. „Ich bin schuld“ oder „ich bin Schuld?“ „Ich gebe dir schuld“ oder „ich gebe dir Schuld?"

Beide Schreibweisen sind bekanntlich sehr gebräuchlich: vergleiche Göthe XVII, 400 (Bin ich Schuld an dem, was vorgeht?); Schiller VIII, 118 (Alle Lasten wurden ihm Schuld gegeben). Anders Göthe XXVIII, 45 (daran war denn doch das verdammte Blasen schuld), XXII 343 (ohne dass man es den Zuständen hätte schuld geben können). Die letztere Schreibweise sucht man dadurch zu rechtfertigen, dass man das Wort „8chuld" in den Sinne von schuldig nimmt, wozu man freilich gar kein Recht hat. Jedenfalls kann man die zweite Redensart „ich gebe dir Schuld“ nicht anf diese Weise erklären. 4. Seinesgleichen“ oder „seines Gleichen“

„Unseresgleichen“ oder „unseres Gleichen?“

Auch hier sind beide Schreibweisen im Gebrauch: vergleiche Göthe XIX, 175 (Montau und Seinesgleichen); XXI, 198 (Missreden über Unsersgleiehen); ebenso XXII, 278 und öfter. Anders Göthe III, 6 (Wirst du deines Gleichen kennen lernen), XIX, 56 (Sie möchte schwerlich ihres Gleichen finden), Schiller VIII, 21 (der mit Königen als seines Gleichen moterhandelt).

In allen diesen Verbindungen ist das den ersten Bestandtheil bildende Pronomen mit dem folgenden Worte so eng zusammengewachsen, dass man wohl am besten thut, das Ganze als ein Substantivum zu betrachten und demgemäss zu schreiben. Man vergleiche dazu Ausdrücke wie Unsereiner, das Vater unser, das Einmaleins u. a.

5. „Für nichts und wider nichts“ oder „für nichts und wieder nichts?"

Dem Anschein nach lassen beide Schreibweisen sich ganz gut erklaren, wie denn auch beide gleichmässig vorkommen: a. Für nichts und wider Dicbts, pro nibilo et contra nihil = temere, frustra. b. Für nichts und wieder nichts = für nichts und abermals nichts, also auch für gar nichts, ganz umsonst oder vergeblich.

Da auch in anderen Verbindungen das Für und das Wider so häufig vorkommen, so könnte man geneigt sein, der ersteren Schreibweise den Vorzug zu geben, indes wird man bei näherer Betrachtung sich zuletzt

:

doch für das „wieder nichts“ entscheiden müssen. Es spricht dafür vor Allem die Betonung. Man sagt keineswegs: Für nichts und wieder nichts (wie man bei der ersten Erklärungsweise nothwendig sprechen müsste), sondern „Für nichts und wieder nichts" = für nichts und abermals nichts. Man vergleiche damit andere ganz analoge Ausdrücke wie „Tausend und aber tausend“ und ähnliche. Luckau.

Fr. Ad. Wagler.

In einem Reisehandbuche: Les Bords du Rhône de Lyon à la Mer par Alphonse B-- Paris 1843 fand ich folgenden Chant populaire du Mois de Mai. Der Herausgeber, sagt er, habe an Ort und Stelle das Lied am ersten Mai gehört, und es auf Dictat der Landleute niedergeschrieben. Er selbst verstehe nichts davon. Daher die Unverständlichkeit einiger Stellen :

Véci lou djoli mé de mai
Que lous galans plan tan lou mon
N'en plautaré iun à ma mio
Saro plus iarlt que sa tio-liuo.
Li boutarem per lou garda
Un soudar de chânque côtà.
Qui boutaren per sentinella,
Saro, lou galant de la bello.
Ah! què me fatchario per tu
Si tu mio l'avio vègu;
Ja mio n-amo quoqués autrés,
Et sè monquars de nous autrés.
Mi savou bèn, ce que faré,
Mi, m'en iré, m'enbarquaré,
Mi, m'en iré dret à Marseillo
Et n'en pensaré plus à iello.
Quand de Marseillo revendré
Devant sa porte passaré;
Demandaré à sa vesino
Coumé se porte Catherino.

Catberino se porto bien
Et l'on maria l'y o bien longten
Aub'un moussier de la compagno
Que li fait bien fuirè la damo.

N'em porto lou tchapet borda
Et l'espècio à son cotà;
La noriro mieux seu ren faire
Que non pas ti, mavais cardaire !

L. M.

Im zweiten Hefte des 32. Bandes dieses Archivs hat Herr Dr. Eduard Sebreder versucht, die deutsche Orthographie zu verbessern, weil die jetzige Schreibart den Ausländern das Erlernen der deutschen Sprache erschwere. Nach elf Jahren Aufenthaltes im Auslande darf ich ihn versichern, dass die deutsche Orthographie für den Ausländer durchaus keine Schwierigkeiten hat. Die französische und englische Rechtschreibung sind viel schwieriger, und doch lernt Jedermann diese Sprachen. Die schwülstigen Sätze, in denen sich deutsche Schriftsteller gefallen, schrecken allerdings viele vom Lernen ab. Ausser Heine, Goethe und Varnhagen giebt es keinen deutschen Prosaiker, der deutsch verständlich geschrieben hätte. Das wird man erst gewahr, wenn man anfängt zu übersetzen. Die Saalbadereien, welche in diesen langen Sätzen eine über der andern aufgespeichert liegen, können nicht den Leser anziehen.

Ein anderes Hinderniss, welches der Verbreitung deutscher Bücher entgegensteht, ist die Unebrlichkeit entweder der deutschen oder der englischen Buchhändler. Wir müssen hier enorme Preise für deutsche Bücher bezahlen. So habe ich für die „Neuen Goethestudien“ neun Schillinge bezahlt, und für dieses Archiv bezable ich jährlich achtzehn Schillinge. Die meisten deutschen Buchhändler zeigen ibre Bücher an als „geheftet,“ oder ,brochirt,“ aber höchst selten sind die Exemplare, welche nach England gesandt werden, geheftet. Aus Cotta's Verlage, der uns mit Schulbuchero versorgt, babe ich in meinem Leben kein geheftetes Buch gesehen, obwohl ich häufig für das Heften zu zahlen gehabt habe. Man wird dergleichen überdrüssig, und kauft lieber französische Bücher, die billig, sauber und lesbar sind. Wenn deutsche Schriftsteller ihre Sprache so gebrauchen, dass sie für civilisirte Menschen verständlich ist, und wenn deutsche Buchbändler ein Buch so billig verkaufen, wie die Franzosen und Engländer, dann wird auch die deutsche Literatur im Auslande allgemeiner werden. Bristol.

Dr. Ludwig Meissner.

1862, S. 25.

Sonderbarkeiten im Gebrauche der deutschen Sprache. Wichtigere bochortige Erlässe.“ Programm des Gymnasiums zu Pilsen

, Ordens - Provinz-Vorstehung.“ Programm des Gymnasiums zu Bozen 1862, S. 51. 9.

„Er ward so anhaltend im Beichtstuhl besucht, dass endlich seine beiden Ellbogen sich wundeter.“ Das. S. 28.

So obliegt mir die schmerzliche Pflicht.“ Programm des Gymnasiums zu Linz 1862, S. 34.

,,Am 1. Mai betheiligte sich das ganze Gymnasium sammt seinem Lehrkorper bei der feierlichen Grundsteinlegung zum Maria-Empfängniss-Dome, alle stiegen in die Baugrube zum festlichen Hammerschlage auf den Grundstein, erlegten dort aus eigenem Antriebe eine Gabe mit dem Wunsche, Gott möge dieses Unternehmen segnen zur Verherrlichung seiner reinen Matter." Das. S. 34.

„Es wurden folgende Schüler mit Prämien betheilt.“ Programm des akademischen Gymnasiums zu Wien 1862, S. 33.

„Schreiben, wodurch der hochgeborne Graf C. als Statthalter seine Berafung bekannt gibt.“ Programm des Gymnasiums zu Olmütz 1862, S. 41. Am 20. Juli

" langte die hochortige Bestätigung der von den Schülern zusammengelegten Schuster'schen Studentenstiftung herab.“ Programm des Gymnasiuins zu Eger 1862, S. 61.

„Frau Constantin Schedlbauer, k. k. Kreiscommissärsgattin.“ Das. S. 55.

Ueber sein verdienstvolles Wirken wurde derselbe mit dem Ritterkreuze des pp. Ordens ausgezeichnet.“ Programm des Gymnasiums zu Graz 1862, p. 22.

„Die Supplirung der Religionslehrerstelle überkam der fürstbischöfliche Ordinariats-Secretär Worm.“ Das. S. 22.

„Die von 12 bis incl. 16 genannten sind in supplirender Verwendung, alle übrigen wirkliche Gymnasiallehrer.“ Das. S. 23.

„Der demnächst erscheinende Jabresbericht des Vereins wird die Gebarung desselben umständlich darlegen.“ Programm des Gymnasiums zu Troppau 1862, S. 72.

Ich bin gehabt

= ich bin gewesen. Unter vorstehendem Titel brachte das letzte Heft der Ebert'schen Zeitschrift eine Miscelle, in der die Gleichstellung der beiden Formen durch mehrere Beispiele bewiesen wird. Ich bin im Stande, zu den angeführten vier Belegstellen noch zwei andere in der provenzalischen Sprache hinzuzufügen. Beide befinden sich in dem bekannten Roman de Jaufre (Raynouard Lex. rom. I.)

1) E es lor agutz tant leals.

P. 107b.

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Das zweite Beispiel erhält eine besondere Wichtigkeit dadurch, dass die periphrastische Form zweimal vorkomint, einmal vollständig, nämlich es aguda, dann aber mit einer Ellipse: si soi ben. Das Hilfsverb es wird durch die Wiederholung soi, das Participium aguda durch den Reim mit ajuda hinreichend bestätigt, so dass die Richtigkeit der Bedeutung wie des Textes nicht zu bezweifeln sind. Die provenzalische Sprache besitzt also drei Formen, welche dem deutschen „ich bin gewesen“ entsprechen, und zwar ai estat (Lex. rom. I. 170b), sui estatz (Raynouard, Choix V. 32) und sui a gutz. Allerdings ist diese letzte Umschreibung nur in der Volkssprache üblich, sie ist jedoch in ihrer Verallgemeinerung über einen bedeuienden Theil Europas durch Mussafia nachgewiesen und hat sich auch mehrere Jahrhunderte hindurch erhalten,

Die Form sui agutz zeigt ferner, in welchem Grade die Zeitwörter, die zu Hilfsverben geworden sind, ihre concrete Bedeutung einbüssen können. Die Grundbedeutung ist sowohl bei esser wie bei aver so verschwunden, dass man leicht im Stande war, die Umtauschung von ai estat gegen sui agutz zu bewerkstelligen. Bonn.

L. Bertrand

Ueber Uhland's Gedichte.

Wenn wir hier versuchen eine Reihe von Dichtungen L'hlands, die scheinbar ohne allen Zusammenhang neben einander gestellt sind, als ein einheitliches Ganzes aufzufassen und darzulegen, so glauben wir dazu eine Berechtigung in folgenden Worten zu finden, welche in dem gereimten Vorworte der Gedichtsammlung stehen und also lauten:

Doch vielleicht, wer stillem Deuten
Nachzugehen sich bemüht,
Ahnt in einzelnen Gestaltungen
Grösseren Gedichts Entfaltungen
Und als Einheit im Zerstreuten

Unseres Dichters ganz Gemüth. Am Ende nämlich einer langen Reihe von Balladen und Rhapsodieen, in denen Verhältnisse, Anschauungen des Mittelalters und einzelne Vorgänge ritterlichen Lebens behandelt sind, am Ende dieser Reihe finden wir als Abschluss mehrere Gedichte, welche des Dichters historische Reflexion über das ganze Mittelalter in poetischem Gewande aussprechen.

Diese Dichtungen machen es uns recht klar, wie sehr sich Uhland von den eigentlichen Romantikern unterscheidet. Die Romantiker nämlich füchten sich aus der ihnen unbequemen, sie verletzenden Wirklichkeit nicht wie Schiller und Goethe in das Alterthum, sondern in das Mittelalter. Theils thun sie das, wie Schlegel einmal sagte, aus einer prédilection d'artiste, theils aber auch in der Ueberzeugung, dass Glaube, Liebe und Hoffnung, dass alles das, was das Leben schön und herrlich gestalte, im

Archiv f. n. Sprachen. XXXV.

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