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Uns preist, von Freudenthränen voll,

Die Mutter und ihr Kind.
Sie drückt den Knaben an ihr Herz, .

Und sieht dem König nach.
Uns folgt ein Ruhm, der ewig bleibt,

Wenn wir gestorben sind !
Gestorben für das Vaterland

Den ehrenvollen Tod !

EWALD CHRISTIAN VON KLEIST.

(Scherer D. 429, E. ii. 38.) Geboren 1715 zu Zeblin in Pommern, in Polen erzogen, studierte die Rechte auf der Universität Königsberg; später Officier in dänischen und preussischen Diensten. Starb an einer Wunde, die er in der Schlacht von Kunersdorf erhalten 1759. Berühmt durch sein Gedicht. Der Frühling'. Seine Werke wurden herausgegeben von Sauer 3 Bde (Berlin, o. J.).

I.

IO

ODE AN DIE PREUSSISCHE ARMEE.

(Im März 1757.)
Unüberwundnes Heer, mit dem Tod und Verderben
In Legionen Feinde dringt,
Um das der frohe Sieg die güld'nen Flügel schwingt,
O Heer, bereit zum Siegen oder Sterben!

Sieh, Feinde, deren Last die Hügel fast versinken,
Den Erdkreis beben macht,
Ziehn gegen Dich und drohn mit Qual und ew'ger Nacht ;
Das Wasser fehlt, wo ihre Rosse trinken.

Der dürre, schiele Neid treibt niederträchtige Schaaren
Aus West und Süd heraus,
Und Nordens Höhlen spein, so wie des Osts, Barbaren
Und Ungeheu'r, Dich zu verschlingen, aus.

Verdopple Deinen Muth! Der Feinde wilde Fluthen
Hemmt Friedrich und dein starker Arm,
Und die Gerechtigkeit verjagt den tollen Schwarm.
Sie blitzt durch Dich auf ihn, und seine Rücken bluten.

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IO

Die Nachwelt wird auf Dich als auf ein Muster sehen;
Die künft'gen Helden ehren Dich,
Zieh'n Dich den Römern vor, dem Cäsar Friederich,
Und Böhmens Felsen sind Dir ewige Trophäen.

Nur schone wie bisher im Lauf von grossen Thaten
Den Landmann, der Dein Feind nicht ist !
Hilf seiner Noth, wenn Du von Noth entfernet bist!
Das Rauben überlass den Feigen und Croaten !

Ich seh', ich sehe schon-freut Euch, o Preussens Freunde !
Die Tage Deines Ruhms sich nahn.
In Ungewittern ziehn die Wilden stolz heran ;
Doch Friedrich winket Dir—wo sind sie nun, die Feinde ?

Du eilest ihnen nach und drückst in schweren Eisen
Den Tod tief ihren Schädeln ein
Und kehrst voll Ruhm zurück, die Deinen zu erfreun,
Die jauchzend Dich empfahn und ihre Retter preisen.

Auch ich, ich werde noch-vergönn es mir, o Himmel !-
Einher vor wenig Helden ziehn..
Ich seh' Dich, stolzer Feind! den kleinen Haufen fliehn
Und find' Ehr oder Tod im rasenden Getümmel.

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2.

AUS DEM FRÜHLING. Hier, wo der spitzige Fels, bekleidet mit Sträuchen und Tannen, Zur Hälfte den bläulichen Strom, sich drüber neigend, beschattet, Will ich ins Grüne mich setzen auf seinen Gipfel und um mich Thal und Gefilde beschauen. O, welch ein frohes Gewühle Belebt das streifichte Land! Wie lieblich lächelt die Anmuth Aus Wald und Büschen hervor! Ein Zaun von blühenden Dornen Umschliesst und röthet ringsum die sich verlierende Weite, Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Mohnblumen

laufen, Mit grünem Weizen versetzt, sich schmälernde Beete ins Ferne, 30 Durchkreuzt von blühendem Flachs. Feldrosen-Hecken und

Schlehstrauch, In Blüthen gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche Und sehn sich drinnen. Zur Seite blitzt aus dem grünlichen Meere

Ein Meer voll güldener Strahlen durch Phoebus' glänzenden

Anblick. Es schimmert sein gelbes Gestade von Muscheln und farbichten

Steinen, Und Lieb' und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Ge

schwadern Und in den Riesen des Wassers die unabsehbare Fläche. Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rosse; Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern für Wollust, Dass Hain und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten, Geführt vom ernsthaften Stier, des Meierhofs büschichte Sümpfe, Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen Führt zu ihm, welchen ein Bach durchblinkt, in Binsen sich 10

windend, Von Reihern und Schwänen bewohnt. Gebirge, die Brüste der

Reben, Stehn fröhlich um ihn herum ; sie ragen über den Buchwald, Des Hügels Krone, davon ein Theil im Sonnenschein lächelt Und glänzt, der andere trau’rt im Flor vom Schatten der Wolken. Die Lerche steigt in die Luft, sieht unter sich Klippen und Thäler ; Entzückung tönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes Ergetzt den ackernden Landmann. Er horcht eine Weile ; dann

lehnt er Sich auf den gleitenden Pfug, zieht braune Wellen ins Erdreich, Verfolgt von Krähen und Elstern. Der Säemann schreitet ge

messen Und wirft den Samen ihm nach. O, dass der mühsame Land- 20

wirth. Für sich den Segen nur streute ! Dass ihn die Weinstöcke

tränkten Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wälzten ! Allein der frässige Krieg, vom Zähne--bleckenden Hunger Und wilden Schaaren begleitet, verheert oft Arbeit und Hoffnung. Er stürmet rasend einher, zertritt die nährenden Halmen, Reisst Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder Für sich zum flammenden Lustspiel. Wie wenn der Rachen des

Ätna

Mit ängstlich-wildem Geshrei, dass Meer und Klippen es hören,
Die Gegend un sich herum, vom untern Donner zerrüttet,
Mit Schrecken und Tod überspeit und einer flammenden Sünd-

fluth.

SALOMON GESSNER.

(Scherer D. 430, E. ii. 39.) Geboren 1730 in Zürich, in Berlin zum Buchhändler erzogen, widmete sich der Malerei und Poesie und ward später Mitglied des Grossen Raths in Zürich. Er starb 1788. Besonders berühmt machten ihn seine prosaischen Idyllen von 1756.

IDAS, Mycon.

Sey mir gegrüsst, Mycon ! du lieblicher Sänger! Wenn ich dich sehe, dann hüpft mir das Herz vor Freude ; seit du auf dem Stein beym Brunnen mir das Frühlings-Lied sangest, seitdem hab' ich dich nicht gesehen.

Mycon. Sey mir gegrüsst, Idas ! du lieblicher Flöten-Spieler! Lass uns einen kühlen Ort suchen, und in dem Schatten uns 10 lagern.

Idas. Wir wollen auf diese Anhöhe gehn, wo die grosse Eiche des Palemons steht ; sie beschattet weit umher, und die kühlen Winde flattern da immer. Indess können meine Ziegen an der jähen Wand klettern, und vom Gesträuch reissen. Sieh, wie die grosse Eiche die schlanken Äste umher trägt, und kühlen Schatten ausstreut ; lass hier bey den wilden Rosen-Gebüschen uns lagern, die sanften Winde sollen mit unsern Haaren spielen. Mycon ! diess ist mir ein heiliger Ort! O Palemon ! diese Eiche bleibt deiner Redlichkeit heiliges Denkmal! Palemon hatte eine kleine 20 Heerde ; er opferte dem Pan viele Schaafe ; O Pan! bat er, lass meine Heerde sich mehren, so kann ich sie mit meinem armen Nachbar theilen. Und Pan machte, dass seine Heerde in einem Jahr um die Hälfte sich mehrte ; und Palemon gab dem armen Nachbar die Hälfte der ganzen Heerde. Da opfert' er dem Pan auf diesem Hügel, und pflanzt eine Eiche, und sprach: 0 Pan! immer sey dieser Tag mir heilig, an dem mein Wunsch sich erfüllte; segne die Eiche, die ich hier pflanze ; sie sey mir ein heiliges Denkmal ; alle Jahre will ich dann in ihrem Schatten dir opfern. Mycon!

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