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Er gieng voran, der edle Greiss!
Voll Gott und Vaterland.
Sein alter Kopf war kaum so weiss,
Als tapfer seine Hand.

Mit jugendlicher Heldenkraft
Ergriff sie eine Fahn,
Hielt sie empor an ihrem Schaft,
Dass wir sie alle sahn;

Und sagte : ‘Kinder, Berg hinan,
Auf Schanzen und Geschütz!'
Wir folgten alle, Mann vor Mann,
Geschwinder wie der Blitz.

Ach! aber unser Vater fiel,
Die Fahne sank auf ihn.
Ha ! welch glorreiches Lebensziel,
Glückseliger Schwerin !

Dein Friederich hat dich beweint,
Indem er uns gebot;
Wir aber stürzten in den Feind,
Zu rächen deinen Tod.

Du, Heinrich, warest ein Soldat,
Du fochtest Königlich!
Wir sahen alle, That vor That,
Du junger Löw', auf dich ! .

Der Pommer und der Märker stritt,
Mit rechtem Christen Muth.
Roth ward sein Schwerd, auf jeden Schritt
Floss dick Pandurenblut.

Aus sieben Schanzen jagten wir
Die Mützen von dem Bär.
Da, Friedrich, gieng dein Grenadier
Auf Leichen hoch einher.

Dacht, in dem mörderischen Kampf,
Gott, Vaterland, und Dich,
Sah, tief in schwarzem Rauch und Dampf,
Dich seinen Friederich.

Und zitterte, ward feuerroth,

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Im kriegrischen Gesicht,
(Er zitterte vor Deinem Tod,
Vor seinem aber nicht.)

Verachtete die Kugelsaat,
Der Stücke Donnerton,
Stritt wütender, that Heldenthat,
Bis deine Feinde flohn.

Nun dankt Er Gott für seine Macht,
Und singt : Victoria !
Und alles Blut aus dieser Schlacht
Fliesst nach Theresia.

Und weigert sie auf diesen Tag,
Den Frieden vorzuziehn;
So stürme, Friedrich, erst ihr Prag,
Und dann führ uns nach Wien.

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2.

AN LEUKON.

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Rosen pflücke, Rosen blühn,
Morgen ist nicht heut!
Keine Stunde lass entfliehn,
Flüchtig ist die Zeit!

Trinke, küsse! Sieh, es ist
Heut Gelegenheit!
Weisst du, wo du morgen bist ?
Flüchtig ist die Zeit!

Aufschub einer guten That
Hat schon oft gereut !
Hurtig leben ist mein Rath,
Flüchtig ist die Zeit!

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JOHANN PETER UZ.

(Scherer, D. 419, E. II. 28.) Geboren 1720 zu Ansbach, geheimer Justizrath daselbst ; starb 1796. Dichtete anakreontische Lieder und später Oden ernsten und religiösen Inhalts. Seine Poetischen Schriften' gab Weisse heraus, 2 Bde. (Wien 1804).

GOTT, IM FRÜHLINGE.
In seinem schimmernden Gewand
Hast du den Frühling uns gesandt,
Und Rosen um sein Haupt gewunden.
Holdlächelnd kömmt er schon !
Es führen ihn die Stunden,
O Gott, auf seinen Bluhmenthron.

Er geht in Büschen und sie blühn;
Den Fluren kömmt ihr frisches Grün,
Und Wäldern wächst ihr Schatten wieder,
Der West, liebkosend, schwingt
Sein thauendes Gefieder,
Und jeder frohe Vogel singt.

Mit eurer Lieder süssem Klang,
Ihr Vögel, soll auch mein Gesang
Zum Vater der Natur sich schwingen,
Entzückung reisst mich hin !
Ich will dem Herrn lobsingen,
Durch den ich wurde, was ich bin !

O Gütigster! Denn wer ist gut,
Wie du, der allen Gutes thut ?
Du sorgtest auch für mein Vergnügen,
Als aus dem grossen Plan
Erstaunte Welten stiegen,
Und Sonnen sich geschaffen sahn.

Schön ist die Erde, wann sie blüht,
Und, ganz um unsre Lust bemüht,
Sich in des Frühlings Farben kleidet,
Und überall voll Pracht,

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Selbst, wo die Heerde weidet,
In bunter Zierde düftend lacht:

Der Gottheit würdiger Altar,
Worauf das bluhmenreiche Jahr,
O Herr, zu deinem Wohlgefallen,
Sein süsses Rauchwerk bringt,
Indess von Nachtigallen
Ein froher Lobgesang erklingt !

Du hast mit Schönheit, die entzückt,
Das Antlitz der Natur geschmückt,
O aller Schönheit reiche Quelle !
Dir geht kein Wesen vor !
Die reinste Liebe schwelle
Mein ganzes Herz zu dir empor!

IO

FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK.

(Scherer, D. 421, E. II. 30.)

Wurde am 2. Juli 1724 zu Quedlinburg geboren und lebte bis zu seinem dreizehnten Jahre auf dem Lande, dem Amt Friedeburg im Mansfeldischen, das sein Vater in Pacht hatte. Nachdem er drei Jahre das Gymnasium in Quedlinburg besucht, kam er 1739 nach Schulpforte. Als er 1745 die Schule verliess, hatte er den Plan zum Messias bereits gefasst, und wies in seiner Abschiedsrede vom Wesen und Beruf des epischen Dichters nicht undeutlich darauf hin. Er gieng 1745 nach Jena, um Theologie zu studieren, und begann den Entwurf des ' Messias', aber in Prosa. Im nächsten Jahre kam er nach Leipzig und arbeitete die ersten Gesänge des · Messias' in Hexametern aus und veröffentlichte sie anonym in den Bremer Beiträgen’. Nachdem er Leipzig 1748 verlassen, war er eine Zeitlang Hauslehrer in Langensalza. Seine Neigung zu Fanny Schmidt blieb unerwidert. 1750 reiste er nach Zürich, wohin ihn Bodmer eingeladen hatte, und nach seiner Rückkehr erhielt er vom König von Dänemark, Friedrich V., ein ehrenvolles Jahrgehalt, damit er in freier Musse den · Messias 'fortsetzen und vollenden könne. Er reiste nach Dänemark und verheiratete sich 1754 mit Marga. reta Moller (Cidli), die bereits 1758 ihm durch den Tod entrissen wurde. Er blieb in Kopenhagen bis 1771, zog dann nach Hamburg, gieng 1775 auf ein Jahr nach Karlsruhe und kehrte dann nach Hamburg zurück. Hier verheiratete er sich 1791 mit Johanne von Winthem und starb am 14. März 1803. Ausser dem ‘Messias', der in einzelnen Gesängen von 1748–1773

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erschien, sind am bedeutendsten seine 'Oden und geistlichen Lieder'. 1757 erschien der ‘Tod Adam's', ein Trauerspiel; 1769 die ‘Hermanns-Schlacht '; 1772 ‘David'; 1784 'Hermann und die Fürsten'; 1787' Hermann's Tod'. Von seinen Prosawerken ist die Deutsche Gelehrtenrepublik’ (1774) das wichtigste. Eine vollständige Ausgabe von Klopstock’s ‘Sämmtlichen Werken ' erschien zu Leipzig (11 Bde., 1844-45); ein Neudruck der 3 ersten Gesänge des 'Messias' in der ältesten Gestalt durch Muncker (Heilbronn, 1883).

I.

DER MESSIAS.

Erster Gesang.

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Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung, Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet, Und durch die er Adams Geschlecht zu der Liebe der Gottheit, Leidend, getödtet, und verherrlichet, wieder erhöht hat. Also geschah des Ewigen Wille. Vergebens erhub sich Satan gegen den göttlichen Sohn ; umsonst stand Juda Gegen ihn auf: er thats, und vollbrachte die grosse Versöhnung.

Aber, o That, die allein der Allbarmherzige kennet, Darf aus dunkler Ferne sich auch dir nahen die Dichtkunst? Weihe sie, Geist Schöpfer, vor dem ich hier still anbete, Führe sie mir, als deine Nachahmerin, voller Entzückung, Voll unsterblicher Kraft, in verklärter Schönheit, entgegen. Rüste mit deinem Feuer sie, du, der die Tiefen der Gottheit Schaut, und den Menschen aus Staube gemacht zum Tempel sich

heiligt! Rein sey das Herz ! So darf ich, obwohl mit der bebenden

Stimme Eines Sterblichen, doch den Gottversöhner besingen, Und die furchtbare Bahn, mit verziehnem Straucheln, durch

laufen. Me en, wenn ihr die Hoheit kennt, die ihr damals empfinget, Da der Schöpfer der Welt Versöhner wurde; so höret Meinen Gesang, und ihr vor allen, ihr wenigen Edlen, Theure, herzliche Freunde des liebenswürdigen Mittlers, Ihr mit dem kommenden Weltgerichte vertrauliche Seelen, Hört mich, und singt den ewigen Sohn durch ein göttliches Leben.

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