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kennen, dass er sein Buch vorzugsweise für die Schule bestimmt habe und tadelt umständlich und lebhaft die Methode der sogenannten synthetischen Grammatik, dass sie nämlich

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vom Artikel bis zur Syntax des Part. pass. jeden Redetheil vollkommen erschöpfend behandelt, ihn dem Schüler als abgeschlossenes, zu erlernendes Ganze hinstellt und erst dann weiter geht, wenn dieser seine schwierige Aufgabe überwunden hat. Jede (?) Abweichung, jede sprachliche Arabeske (?) findet sich sorgfältig numerirt, klassifizirt und registrirt. Durch dieses ungeheuere grammatische Material soll der Schüler, der Anfänger sich durcharbeiten!“ Es spricht dabei auch von

„ihrem Wuste von Regeln, Ausnahmen und Ausnahmen der Ausnahmen" ,,einem Buche mit sieben Siegeln. Sie bietet ihm, (dem Schüler) Nichts als Theorie und wieder Theorie, gerade als ob der Lernende nicht Schüler, sondern Philologe wäre, benimmt ihm den Muth, ertödtet die Lernfreudigkeit und macht ihm endlich das Studium der Sprache recht gründlich verhasst"

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Zu antworten ist darauf Folgendes: 1) Das „Studium" der Sprache ist, gleich jedem,,Studium" wesentlich „Theorie," und die Grammatik, so weit sie überhaupt Grammatik" ist, eben so wesentlich Theorie" und nur Theorie." Denn was man an Aufgaben zu praktischer Uebung des Schülers etwa hinzufügt, ist nicht,,Grammatik," sondern pädagogischer Zusatz. 2) Es ist sowohl sachgemäss als auch pädagogisch zweckmässig, jede besondre Spracherscheinung von dem ihr entsprechenden Gesichtspunkte aus wo möglich vollständig darzulegen. Herr Sauer giebt uns sein Buch eigentlich zwei Mal; er zerlegt es in zwei Theile oder Curse, die in gleicher Reihenfolge dieselben Dinge behandeln, nur eben an zwei verschiedenen Stellen und so, dass er sie an der zweiten Stelle für vorgerücktere Schüler ein Wenig (denn viel ist es nicht) ergänzt und vervollständigt, was nebenbei nicht ohne müssige Wiederholung abgeht. Er legt gerade hierauf grossen Werth und glaubt dadurch die von ihm so verachtete „synthetische" Grammatik verdienstlich zu übertreffen. Will aber der Schüler Etwas, das er vergessen hat oder reiflicher in Betracht zu ziehen wünscht, nachschlagen, so hat er von jener an sich ganz ausserlichen Einrichtung Nichts als die verdriessliche und zugleich zeitraubende Mühe, an zwei verschiedenen Stellen suchen und aus störender Zerrissenheit zusammenlesen zu müssen, was er kürzer, bequemer und deutlicher beisammen haben könnte. Soll aber, was Herr Sauer in anerkennenswerther Weise eigentlich beabsichtigt, der Schüler nicht schon beim ersten Anfange mit Dingen belästigt werden, die füglich späterer Zeit vorbehalten bleiben können: so lässt sich dafür durch Verschiedenheit des Druckes Sorge tragen welches ganz angemessenen Mittels sich jede über die unterste Lehrstufe hinausgreifende Grammatik zu bedienen pflegt. Ueberdies lernen die Schüler in der Schule nicht für sich allein, bloss nach Vorschrift des Lehrbuches, sondern unter Leitung des Lehrers, der ihnen das nöthige Pensum nach seiner Wahl und Einsicht bestimmt und dabei von der allgemeinen Bildungsstufe seiner Schüler abhängt, die nicht in allen Schulen dieselbe ist. In dieser beachtenswerthen Hinsicht ist die Einrichtung, die Herr Sauer seinem Buche geben zu müssen geglaubt hat, dem Gebrauche desselben eher hinderlich als förderlich. 3) Wenn eine Grammatik wirklich ein Wust von Regeln und Ausnahmen nebst weiteren Ausnahmen" ist, ist sie eigentlich auch kein Lehrbuch. Dies ist sie nur, wenn sie die an sich mannigfaltigen, ins Unendliche aus einander gehenden Erscheinungen der Sprache auf ihre Einheitspunkte, ihre einfachen Grundbestimmungen zurückzuführen versteht. Diese zu gewinnen ist die Sache des Lehrers oder dessen, der es unternimmt, eine Grammatik auszuarbeiten, und sie wird nur durch ein eingehendes, nicht an oberflächlichen, oft ganz zufälligen Merkmalen (aus diesen entspringt eben der Wust u. s. f.) hängen bleibendes,

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sondern das Wesen der Sache in seiner Wurzel erfassendes Studium geein Studium, das leider noch bei Vielen, die sich auf dem Boden der neueren Philologie zu thun machen, vermisst wird. Gerade die Einfachheit und folglich auch die Zugänglichkeit und Fasslichkeit der Bestimmungen, die sowohl den Bedürfnissen des Anfängers als auch denen des Fortgeschrittenen entspricht, sich sowohl auf ein Minimum beschränken als auch zu weiteren Ausführungen entwickeln lässt, diese Einfachheit, die in der verzweigtesten Vielheit doch immer wieder das eine ursächliche Grundprincip aufzeigt, die allein ist das Kennzeichen einer guten Grammatik. Und nur eine solche Grammatik hat auch pädagogischen Werth und Nutzen. Denn die Schule erstrebt vor Allem Einsicht. Ein grosser Theil des Publikums macht sich hierüber ganz irrige Vorstellungen. Wozu, sagen Viele, treiben unsre Kinder die und die Sprachen in der Schule, wenn sie sie doch nicht sprechen lernen? Die Sprache sei doch eben zum Sprechen da. Von solchen Schlagwörtern muss sich kein Lehrer blenden lassen. In der Schule ist die Beschäftigung mit der Sprache vor Allem ein Bildungsmittel, und das um so wirksamer, je wissenschaftlicher sie von dem Lehrer behandelt wird. Für die italienische Sprache gilt dies um so mehr, als diese erst da an die Reihe zu kommen pflegt, wo bereits ein Unterricht im Lateinischen oder wenigstens im Französischen vorangegangen ist. Selbst die praktischen Uebungen, welche mit zu Hilfe genommen werden, dienen zunächst nur dem Zwecke, die Einsicht und das Verständniss des Schülers zu befördern. Selbst Zweck werden sie erst, wo über diese pädagogische Aufgabe hinausgegangen und im gesellschaftlichen oder geschäftlichen Interesse eine Fertigkeit auch im äusserlichen Gebrauch und Verkehr erstrebt wird, was alsdann beliebig die Sache des weiteren Privat- und Conversationsunterrichtes ist.

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Dies führt uns schliesslich auf denjenigen Punkt, den Herr Sauer besonders hervorhebt. Seine Grammatik soll vorzüglich dem Interesse der Conversation dienen. Er nennt sie ausdrücklich eine Conversations - Grammatik. In diesem Sinne hat er den mit jeder Lection verbundenen italienischen (und deutschen) Uebersetzungsaufgaben noch besondere Sprechübungen hinzugefügt, welche das zuvor gelesene italienische Stück in Fragen und Antworten auflösen und in italienischer Sprache abgefasst sind. Er sagt hierüber:

Dieser Dialog ist so zu sagen das Resumé der durchgenommenen Partie. Ganz in der fremden Sprache geschrieben bedingt er bei dem Schüler nicht nur ein mechanisches Auswendiglernen der Antwort, sondern auch ein Verstehen der vom Lehrer gestellten Frage, ist also eine wirkliche Conversation" (S. VIII).

Aber der Lehrer ist es ja nicht, der diese Frage stellt, sondern Herr Sauer hat sie gestellt, und ebenso ist es nicht der Schüler, der sie frei aus sich, aus seinem Verständniss heraus beantwortet, sondern er findet die Antworten vor, die statt seiner schon Herr Sauer niedergeschrieben hat und die er, der Schüler, eben nur nachträglich noch auswendig zu lernen braucht. Ist ein so vorgeschriebener, so auswendig gelernter Dialog wirklich eine Conversation? Wahr ist es, Herr Sauer hat diese Dialoge mit grossem Fleisse ausgearbeitet, und eben so wahr ist es, dass es von grossem Nutzen ist, wenn der Lehrer auch solche Uebungen mit den Schülern anstellt; aber nur dann, wenn die Schüler das, was sie auf die Fragen des Lehrars zu antworten haben, selber sagen und nicht vorher auswendig lernen oder, wozu sie eben auch Gelegenheit zu finden wissen, aus dem Buche heimlich ablesen. Mit Recht werden sich viele Lehrer Herrn Sauer zu Dank verpflichtet fühlen, dass er ihnen ein Muster solcher an das Gelesene angeknüpften Sprechübungen aufgestellt hat; für den Schüler aber sollten sie nicht mit im Buche stehen.

Nro. 3 verfährt in diesem Punkte (es sei erlaubt der Anknüpfung

halber damit zu beginnen) richtiger. Auch hier werden nach den einzelnen Capiteln und den im Anhange beigefügten Lesestücken dem Lehrer solche Fragen an die Hand gegeben, wie sie Herr Sauer aufstellt (und eigentlich jeder Lehrer sich leicht selber machen kann), aber die Antworten sind weislich dem Schüler allein überlassen.

Im Ganzen verfolgt dies Buch denselben Zweck wie das Sauersche, auch ungefähr auf dieselbe Weise und reicht auch ziemlich bis zu derselben Grenze. In letzterer Beziehung vermisst man nur einige Andeutungen über den Gebrauch der Zeitformen und des Conjunctiv. In der ersteren Beziehung aber ist lobend zu erwähnen, dass eine Spaltung in zwei Curse vermieden ist. Die Reihe der Redetheile bildet jedoch auch hier den leitenden Faden, und zwar (nach den nothigsten Bemerkungen über die Aussprache) wie bei Herrn Sauer vom Artikel ausgehend. Jedes Capitel führt seine Uebungsaufgaben nebst deren Vocabeln mit sich; denn ein Unterschied zwischen Formenlehre und Syntax ist nach alter Weise von Herrn Wild so wenig wie von Herrn Sauer gemacht worden. Man muss dies bedauern. Denn wie viel auch von den Redetheilen, ihrer Bedeutung, Form, Flexion und Anwendung gesagt werde: von dem Satze und dem Verhältnisse seiner Glieder, die zum Theil selber Sätze sein können, ist damit noch Nichts gesagt. Lassen sich die syntaktischen Verhältnisse als selbstverständlich stillschweigend voraussetzen, oder braucht der Anfänger noch nicht auf sie aufmerksam gemacht zu werden? Um nur z. B. von den Casusverhältnissen zu sprechen, ist nöthig, sie nach denjenigen syntaktischen Beziehungen zu beurtheilen und darzustellen, in welchen sie zu den verschiedenen Redetheilen stehen, zu deren Bestimmung oder Ergänzung sie dienen und von denen sie eben zu diesem Behufe gefordert (regirt) werden. Statt dessen wird bei Herrn Wild eine Reihe von Beiwörtern (S. 34 flg.) und Zeitwörtern (S. 128), die mit diesem oder jenem Casu zu verbinden seien, nur einfach aufgezählt, ohne die mindeste Andeutung über die Bedeutung dieser Casus, obschon er nicht verschweigt, dass der Gebrauch der Casus im Italienischen nicht überall derselbe sei wie im Deutschen. Von den Partikeln di, a, da, den eigentlichen Trägern der Casusverhältnisse, sagt er Folgendes:

Di bezeichnet Stoff und Ursprung, Ort, Zeit, Art und Weise.

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A zeigt an die Richtung, das Streben, die Bestimmung, die Bestandtheile, die zu einem Ganzen gehören, wenn sie als unterscheidende Merkmale dienen; die bewegende Kraft, die ein Werkzeug in Thätigkeit setzt; die Zeit, die Weise.

,,Da bezeichnet das Herkommen, das Ablösen, Trennen, die Bestimmung, den Zweck; das thätige Objekt bei der Passivform; den Anfang einer Zeitdauer; mit andare die Richtung hin, mit venire die Richtung her (S. 137 flg.).

Das sind lauter äusserliche (nicht einmal immer richtig erkannte oder bestimmt ausgedrückte) Merkmale, deren unzusammenhängende Anhäufung eben jenen, Wust" etc. erzeugt, von dem Herr Sauer spricht. Einen fassbaren Begriff sucht man vergebens darin, und doch ist es eben nur dieser, der dem Schüler nützen kann. Ich muss es wiederholen, pädagogischen Werth kann eine Grammatik (und die vorliegende macht als „Schulgrammatik" ausdrücklich Anspruch hierauf) nur in dem Masse haben als sie, wenn auch in noch so beschränktem Umfange, aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten behandelt ist. Das Beste ist für die Schule gerade das Rechte.

Noch will ich einige Unrichtigkeiten oder Ungenauigkeiten bemerklich machen. Die Pluralbildung der Nomina betreffend, sagt Herr Wild:

Die Endungen ajo, ejo, ojo, cio, chio, gio, glio werfen blos das o der Endung weg" (S. 14);

es muss heissen: Die Wörter auf cio, gio, glio geben ihr Hülfs-i vor dem i des Plurals als nunmehr überflüssig auf, und die auf ajo, ejo, ojo thun dasselbe entweder mit dem j oder dem aus o entstandenen i (librajo— librai

oder libraj), um das missfällige ji zu vermeiden. Die Endung chio ist hier zu streichen.

„Die Namen der Länder, Provinzen und Flüsse stehen mit dem bestimmten Artikel, wenn man vom ganzen Lande, der ganzen Provinz oder irgend einem bestimmten Theile des Ganzen spricht; werden dieselben nur im Allgemeinen erwähnt, so bedient man sich bloss der Präpositionen" (S. 23)

ist sehr unklar und zum Theil kaum verständlich.

„Es wird die Bedeutung und Kraft des Adjectivs hervorgehoben und vermehrt, wenn dasselbe dem Hauptworte vorangesetzt wird“ (S. 28

dies ist auf den besonderen und seltneren Fall zu beschränken, wo der Inhalt dem Adjective ein emphatisches Gewicht beilegt. Wo dies, wie in der Regel, nicht der Fall ist, ist das Adjectiv vor dem Hauptworte schwächer als dieses, wogegen es hinter demselben immer das Uebergewicht der Bedeutung sowohl, wie der Betonung hat.

Der vergleichende (relative) Superlativ wird durch Vorsetzung des bestimmten Artikels vor den Comparativ gebildet" (S. 29).

ist zur Zeit noch in allen Grammatiken (ausser der von Wiggers, s. Archiv Bd. XXVII S. 220) zu lesen, ohne dass auch nur eine die Frage in Erwägung zöge, wie der Artikel, der Nichts weiter als ein Pronomen demonstrativum ist, zu dieser Wirkung kommen solle. Selbst im Deutschen, z. B. der stärk(e)ste, liegt die superlative Beziehung nicht in dem Zusatze des Artikels denn dieser kann eben so gut auch zum Positive und Comparative hinzutreten: Der starke, der stärkere sondern in der Endung est, die nur in der Regel (ausser nach d und t) ihr e aufgiebt, und Ausdrücke wie gütigst, gnädigst, gehorsamst u. s. f. zeigen, dass der Superlativ auch überhaupt ohne Artikel auftritt. Das Wahre ist, dass die romanischen Sprachen an Stelle unsers Superlativs lediglich ihren Comparativ denn etwas Anderes ist il più forte nicht setzen und nur die Beziehung desselben erweitern; il più forte ist nicht nur der stärkere von Zweien, sondern eben so sehr auch von Allen.

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Ob unser als nach dem Comparative durch che oder durch den Genitiv ausgedrückt werde, ist keinesweges gleichgültig, wie ebendaselbst und noch in allen mir bekannten Lehrbüchern angegeben wird.

Santo (S. 32) verliert seine Endsylbe nicht überall, sondern nur vor Eigennamen, denn man sagt stets santo dio, santo padre, santo sepolcro, santo paese.

Egli, ella (S. 43) beziehen sich keineswegs nur auf Personen," sondern unbedenklich auch auf Sachen.

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„Das im Deutschen unpersönlich gebrauchte Fürwort es wird im Italienischen gewöhnlich weggelassen" (S. 44)

ist ungenau und unvollständig. Ausdrücke wie piove, nevica oder è il genero dell' avvocato, die der Herr Verfasser anführt, dürfen allerdings auch egli piove etc. oder egli è il genero etc. lauten (obwohl Letzteres nicht ganz dieselbe Beziehung hat); in dem gleichfalls angeführten vennero tutti gli operaj wäre der Zusatz egli fehlerhaft. In allen diesen Beispielen ist unser es übrigens Subject; wie verhalt es sich mit denjenigen Fällen, wo es Object ist? z. B. er sagt es. Oder wäre es dann nicht „unpersönlich?“

Das Conditionale ist kein Modus (S. 67), sondern eine Zeitform, so gut wie das Futurum, dem es nachgebildet ist und dessen Stelle es bisweilen (nämlich in der indirecten Rede) geradezu einnimmt.

Die 3. Personen Singularis und Pluralis des Imperativ sind nicht dem Conjunctive entnommen (S. 71), sondern der Conjunctiv selbst. Der Imperativ hat keine 3.. Person, denn einen Abwesenden kann man weder bitten noch ihm befehlen; man kann in Bezug auf ihn nur einen Wunsch oder dgl. aussprechen, was in den Bereich des Conjunctiv gehört.

Die unregelmässigen Zeitwörter sind einfach aufgestellt, ohne dass Etwas zur Erläuterung der bezüglichen Bildungsweise hinzugefügt wäre. Wenigstens einige Andeutungen hierüber sind nicht nur wünschenswerth, sondern für die Sicherheit des Erlernens auch erforderlich.

Ich schliesse hier meinen Bericht mit der allgemeinen Bemerkung, dass auch die beiden letztbesprochenen Sprachlehren über den Standpunkt Fornasari's und Filippi's nicht hinausgehen, ja denselben zum Theil nicht einmal erreichen. Von dem, was Neuere auf dem Gebiete der romanischen Sprachen geleistet, ist, so viel man sehen kann, Nichts benutzt worden.

Taschen-Wörterbuch der italienischen und deutschen Sprache. Von Dr. Francesco Valentini. Dritte Original-Auflage, vom Verfasser durchgesehen, verbessert und vielfach vermehrt. Erster Theil: Italienisch-Deutsch; zweiter Theil: Deutsch-Italienisch. Leipzig, F. A. Brockhaus.

Dieses schätzbare Wörterbuch, das sich schon durch zwei Auflagen in der wohlverdienten Gunst des Publicums behauptet hat, liegt hier in einer dritten vor uns, vom Herrn Verfasser auf's Neue durchgesehen und mit sorgsamem Fleisse reichlich vermehrt. Insbesondere ist beiden Theilen dies Mal eine eigene Sammlung kaufmännischer Ausdrücke beigegeben worden, was dem betheiligten Publicum, zumal bei dem jetzt in Aussicht stehenden regeren Verkehr mit Italien, von besonderem Interesse sein wird. Wie früher nur der italienische Theil die den Deutschen wichtige Betonung der italienischen Wörter angab: so hat jetzt auch der deutsche dadurch einen bedeutenden Werth für die Italiener gewonnen, dass nun auch hier die Betonung der deutschen Wörter angegeben und am Schlusse ein vollständiges Verzeichniss der (deutschen) unregelmässigen Zeitwörter hinzugefügt worden. Eben so sind in beiden Theilen eine grosse Anzahl technischer Bezeichnungen theils neu hinzugekommen, theils genauer bestimmt worden. Von grossem Nutzen ist die schon in den früheren Auflagen beobachtete Berücksichtigung der Synonyma so wie die Angabe von Sprichwörtern oder sprichwörtlichen Redensarten; auch nach dieser Seite hin hat das Buch manche erwünschte Bereicherung erfahren. In dieser neuen, zugleich von einem sehr sauberen und gefälligen Aeusseren unterstützten Ausstattung steht das gediegene Werk, das lange Zeit das einzige seiner Art war, auch heute noch, wo sich manches ähnliche neben ihm erhoben hat, mustergültig da.

Für eine wiederholte Auflage dürfte indess der Wunsch doch erwägenswerth sein, bei den italienischen unregelmässigen Zeitwörtern nicht nur, wie bisher, das Definitum und Participium, sondern auch das Präsens und das Futurum, insoweit diese von der gewöhnlichen Bildung abweichen, mit angegeben zu sehen. Eben so wünschenswerth wäre bei Haupt- und Beiwörtern auf go und co die Angabe der Pluralform (ob gi, ci ođer ghi, chi), ganz besonders aber bei Bei- und Zeitwörtern die Angabe der Rectionsverhältnisse, indem z. B. gesetzt würde degno di q. c., domandare q. c. a qd., domandare di q. c., cominciare a far q. c., privare qd. di q. c. etc. Die Vorrede weist zwar auf die Nothwendigkeit der Raumersparniss hin; doch würde ein Zuwachs von einigen Bogen dem Buche keinen Schaden bringen, zu dem gedachten Zwecke aber die Brauchbarkeit desselben unfehlbar bedeutend erhöhen.

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