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dieses i den Suono schiacciato ohne Weiteres bedingt: so fällt das im Singularis lediglich zu diesem Zweck gegebene als nunmehr überflüssig geworden selbstverständlich aus. Noch mehr: Herr Zerbi lehrt (ebend.) ganz richtig, dass z. B. von tempio der Plur. tempj laute, dass aber bei Wörtern wie figlio „der Gebrauch berechtige, im Plur. auch (auch!) ein einfaches i zu setzen," was doch Fornasari schon weit richtiger dargestellt hat.

Wenn nun Herr Zerbi schon so einfache Dinge, zum Theil selbst gegen Fornasari's bessern Vorgang, in solcher Weise behandelt: was wird dann in Betreff schwierigerer zu erwarten sein? Er sagt z. B. über die Nomina auf co und go und deren Plur. auf ci und gi oder chi und ghi:

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Ueber diese Ausgänge lassen sich keine bestimmten Regeln aufstellen, und ihre Anwendung kann nur durch den Gebrauch gelernt werden“ (S. 37).

Ueber die Stellung der Beiwörter:

sie ist nicht willkürlich; sie (die Beiwörter) haben eine verschiedene Bedeutung, je nachdem man sie vor oder nach dem Hauptworte setzt. So heisst un uomo povero ein Mann ohne Vermögen, und un povero uomo ein unbedeutender, elender Mensch etc. für alle Andern" (S. 55). In Betreff der verkürzten Participia der 1. Conjugation (guastato, guasto) gibt er das Beispiel: questa serratura è guasta (dieses Schloss ist verdorben) und chi ha guastato questa serratura (wer hat d. Sch. verdorben) mit der Erklärung:

„Nur ein geübtes Ohr ist im Stande, diesen feinen Unterschied genau zu merken" (S. 230). Hinsichtlich der Congruenz eines Particips nach avere und den Fürwörtern mi, ti, si, ci, vi lesen wir Folgendes:

"

Da nun diese Fürwörter in der 3. so wie in der 4. Endung gleich sind, so muss man vorher wissen, in welcher Endung sie stehen, oder besser gesagt, welche Endung regiert das in Rede stehende zurückführende Zeitwort, was man in den meisten Fällen dadurch erörtern kann, indem man zu der 1. oder 2. Person einfacher Zahl seine Zuflucht nimmt. Ich sage in den meisten Fällen, da die Zeitwörter beider Sprachen oft nicht eine und dieselbe Endung regieren; dies lernt man bloss durch Uebung“ (S. 232).

Doch genug davon. Es kann hiernach nicht befremden, dass z. B. über die Unregelmässigkeiten der Verba gar kein Aufschluss gegeben ist. Die unregelmässigen Verba sind mit ihrer Conjugation einfach hingestellt, mit der dürren Vorbemerkung:

„Es waltet dabei keine andere Schwierigkeit ob, als die wenigen Unregelmässigkeiten genau zu merken, wodurch sie von der allgemeinen Regel abweichen“ (S. 155).

Eben so wird man in dem, was über die Wortfügung (S. 258 flg.) gesagt ist, vergebens das suchen, was da eigentlich hingehört. Zu charakteristisch ist aber Folgendes über die „unregelmässige Wortfügung“ (Inversion), als dass ich es dem geneigten Leser vorenthalten könnte:

Diese Wortfügung unterliegt keiner andern Regel als jener, welche ihr die Klarheit und die Harmonie auferlegen. Um diese Wortfügung zu bilden, braucht man wenig Studium, aber um so mehr Gefühl. Da ein jeder Mensch seine eigene Art zu fühlen hat, so kann diese Wortfügung in das Unendliche variiren. Die italienische Sprache ist in dieser Hinsicht höchst vortheilhaft begabt; sie ist vielleicht die einzige, die eine unumschränkte Macht hat, nach Willkür über die Wörter zu verfügen und der Ordnung zu folgen, welche am meisten dazu beiträgt, der Rede Mannigfaltigkeit, Anmuth, Kraft und Einklang zu verleihen. Indessen hat diese Freiheit auch ihre Grenze. Nur das wohlbedachte Lesen der besten Schriftsteller der alten und neuen Zeit wird uns in den Stand setzen, die richtige Anwendung

jener Redewendungen, jener Versetzungen und aller jener kleinen Freiheiten, womit sie mit so vielem Glücke ihre Worte zu zieren wissen, uns anzueignen. Hier folgt der Auszug der Hauptregeln über die unregelmässige Wortfügung."

Der Leser ist darauf gespannt und seine Erwartung wird mit folgenden Sätzen befriedigt:

,,1. Indem man der Rede den grössten Nachdruck und den schönsten Einklang zu geben trachtet, darf man ja nicht ausser Acht lassen, dass selten die Klarheit Etwas dabei gewinnt.

2. Man soll in der Anwendung der Versetzungen nicht zu leichtgläubig (leichtsinnig?) sein; wenn ich z. B. sage: Il fratello odia il cugino, so ist es deutlich, dass nicht der Vetter, sondern der Bruder ist, der hasst. Wenn ich aber sage: Il cugino odia il fratello, so ist es umgekehrt und die Person, welche früher gehasst wurde, ist hier die Hassende geworden.

3. Uebrigens entsprechen die Versetzungen durchaus nicht jeder Rede. In einem leichten, fliessenden Stile z. B. wären sie sehr unpassend, und es wäre lächerlich, wenn der Geschichtschreiber den Versetzungen des Redners und dieser denen des Dichters nachahmen wollte.

4. Unter den Schriftstellern, deren Werke man zu lesen gewählt hat, wird man hauptsächlich jene vorziehen, welche sich von der französischen Einförmigkeit und von den zu häufigen Versetzungen der lateinischen Sprache fern gehalten haben. Boccaccio und seine Nachahmer haben diesen Fehler bis zur Langweile getrieben. Uebrigens so bewunderungswürdig auch Boccaccio sein mag, bin ich weit entfernt, das Lesen desselben zu empfehlen, da es von gewissen Episoden (Zwischenhandlungen) wimmelt, welche durchaus nicht der Art sind, der Jugend gute und tugendhafte Gesinnungen einzuflössen.

5. Es ist unstreitig, dass die italienische Sprache die harmonischste unter allen jenen ist, welche man kennt. Glücklich Derjenige, den die Natur mit einem harmonischen Gehör begabt hat. Dieser Vortheil jedoch, so schön und gross er auch ist, ist nicht hinreichend; auch durch das Lesen guter Schriftsteller und den häufigen Umgang mit gebildeten Individuen der Nation kann man es im Sprachfache dahin bringen, jenen, ja sogar den höchsten Grad der Harmonie, so schlecht man auch in dieser Beziehung von der Natur begünstigt wurde, zu erlangen." (S. 268 flg.)

Dies sind die Sätze, welche über die Inversion belehren sollen! Man wird den Standpunkt, den dies Buch einnimmt, wohl zur Genüge erkennen. Wo man es aufschlägt, da ist es interessant. Auch an eigentlichen Unrichtigkeiten, Irrthümern, Halbheiten leidet es keinen Mangel. Herr Zerbi lehrt z. B., das Präsens des Conjunctiv werde

„aus der dritten Person der einfachen Zahl der gebietenden Art" (S. 85)

gebildet, anstatt dass umgekehrt diese Person des Imperativ eben selber die ist, die Herr Zerbi daraus entstehen lässt. Nach dem Bemerken, dass ,,man“ durch si ausgedrückt werde, sagt er:

,,Bei der Begegnung von zwei si (man sich, si si), was abgesehen von den Zweideutigkeiten, die dadurch entstehen könnten, schon des Wohlklanges wegen nicht gesagt werden kann, gibt man dem Satze eine andere Wendung etc." S. 99,

anstatt zu sagen, dass ein solches si si geradezu Unsinn wäre. Weiteres will ich mir und dem geneigten Leser ersparen. Nur berichten muss ich noch, dass Uebungsaufgaben (mit untergesetzten Vocabeln) zum Uebersetzen in beide Sprachen durch das ganze Buch hindurchgehen, die sich jedoch nicht über einzelne, unzusammenhängende Sätze erheben, und dass grössere,

zusammenhängende italienische Lesestücke den Beschluss machen, doch ohne Angabe der Quellen, denen sie entnommen worden mit Ausnahme einiger Fabeln (in Prosa) von Agnolo Firenzuola und Gasparo Cozzi, welche Verfasser namhaft gemacht sind. Poetische Lesestücke und Andeutungen über den italienischen Versbau fehlen ganz, so wie dem Lernenden auch keine Gelegenheit geboten wird, grössere, zusammenhängende Stücke aus dem Deutschen ins Italienische zu übersetzen.

Man sage nicht, dass ein Buch von solcher Beschaffenheit, ein Buch, das der Kritik gar keine Gelegenheit giebt, irgend welche Anerkennung oder Befriedigung, geschweige denn eine Freude über einen Fortschritt, sei es in Ansehung des Inhaltes oder der Darstellung und Behandlungsweise, auszusprechen, eigentlich unter der Kritik stehe und keinen Anspruch darauf habe, hier in Betracht gezogen zu werden. Es ist wenigstens von so zu sagen statistischem Werthe, zu sehen, wie selbst noch in unsern Tagen, wo das Studium und die pädagogische Behandlung der neuern Sprachen längst zu einer Höhe gediehen ist, die dem, was in Ansehung der alten geleistet worden, wenig nachsteht, dennoch Bücher geschrieben, gedruckt und gekauft werden denn die erste Auflage des in Rede stehenden ist, nach der Vorrede zu urtheilen, i. J. 1858 erschienen, in welchen sich, selbst von dem Standpunkte Fornasari's und Filippi's aus, ein unverkennbarer Rückschritt beobachten lasst. Und doch ist diese Leistung, der Vorrede zufolge, die Frucht einer 25jährigen Erfahrung!

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Nr. 2 bekundet einen ungleich gebildeteren Verfasser. Dennoch findet sich auch hier Manches, was einer eingehenderen Kritik nicht Stand halten kann. Von dem, was über die Aussprache gesagt ist, will ich nur die irrige Behauptung hervorheben, dass es im Italienischen keine Diphthongen gebe (S. 4). Es giebt allerdings Wörter, welche den Diphthongen, den sie im Lateinischen gehabt, beibehalten haben, wie aura, reuma. Eigenthümlich ist nur, dass die italienische Aussprache wie die spanische und die russische die Bestandtheile des Diphthongen vereinzelt, wogegen die französische sie (übrigens zum Theil schon nach lateinischem Vorgange) zu einem einfachen Laute, z. B. au zu o, ai zu e, aufhebt oder neutralisirt, die Deutsche aber wirklich zu einem Doppellaute vereinigt.

Auf S. 9 stossen wir auf den Satz:

Der Artikel oder das Geschlechtswort bestimmt das Geschlecht der
Hauptwörter."

Ich habe dieser Ansicht schon oben Erwähnung gethan, will aber hier darauf zurückkommen. Das Geschlecht ist eine Eigenschaft des Hauptwortes, die mit der etymologischen Bildung desselben zusammenhängt, und nicht so we sentlich, dass sie zu ihrem Ausdruck eines besonderen Wortes oder Redetheils bedürfte. Die italienische Sprache lässt das Geschlecht hinreichend an der Endung des Hauptwortes erkennen und es wäre nicht abzusehen, was der Artikel hierbei noch zu thun hätte. Die griechische Sprache prägt das Geschlecht ihrer Nomina gleichfalls deutlich genug an der Endung aus und müsste deshalb den Artikel so gut wie die lateinische oder die russische, die polnische entbehren können, wenn derselbe nicht noch eine ganz andre Bestimmung hätte. Die semitischen Sprachen haben den Artikel gleichfalls, aber ohne alle Beziehung auf das nicht fehlende Geschlecht der Nomina, und eben so hält die englische Sprache, ungeachtet sie das Geschlecht der Nomina zerstört hat, den mithin auch hier geschlechtslosen Artikel dennoch fest. Und was die Anwendung betrifft: welchen Sinn hat es denn, in einem Satze wie „die Zeit ist edel" die Angabe des Geschlechts durch den Artikel nothwendig zu finden, in dem Satze Zeit ist Geld" aber nicht? Und wäre dann nicht bei Wörtern wie Mann und Frau, Bruder und Schwester, Ochs und Kuh, deren Geschlecht sich ja von selbst versteht, der Zusatz des Artikels ein für alle Mal unnütz und ohne Sinn? Und wozu ferner die Unterscheidung eines bestimmten und unbestimmten Artikels? Es gehört doch

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wirklich nicht viel Nachdenken dazu, die bodenlose Thorheit jener von irgend einem Sprachpfuscher herrührenden Behauptung zu erkennen und sich zu entschliessen, sie nicht immerfort auf's Neue nachzusprechen. Herr Sauer hätte sich zu einer Prüfung des in Rede stehenden Satzes um so eher veranlasst sehen können, als er den Fällen, wo der Artikel im Italienischen gesetzt oder nicht gesetzt wird, einen besonderen Abschnitt (S. 202 - 209) gewidmet hat; unmöglich kann es ihm entgangen sein, dass es sich da um etwas ganz Andres handelt als um die Angabe oder Nichtangabe des Genus. Oder er hätte wenigstens das festhalten sollen, was Fornasari hierüber giebt, dem er doch (S. X der Vorrede) das Compliment macht, dass sein Sprachwerk von ächt wissenschaftlichem Geiste durchweht" sei.

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„Fürwörter stehen an der Stelle der Hauptwörter" (S. 88). Dieser Satz steht ebenfalls im Widerspruche mit Fornasari und beruht auf einem Missverständniss der Benennung Für-wort, Pro-nomen. Sie vertreten nicht die Stelle des Hauptwortes es wäre doch wunderlich, wenn die Sprache ausser den Hauptwörtern auch noch Stellvertreter derselben geschaffen hätte sondern sie drücken gewisse Beziehungen aus, welche durch die Hauptwörter selbst nicht ausgedrückt werden. Ich, Du, Er sind nicht Personen, sondern Beziehungen derselben zur Rede; sie geben zu erkennen, dass Jemand der Redende oder der Angeredete oder der sei, von dem die Rede ist. Mein, Dein, Sein bezeichnen ebenfalls nicht Personen oder Sachen, sondern dieses, dass eine solche einer andern angehöre, und obwohl man für „sein Leben“ etwa auch das Leben des Menschen" sagen kann: so ist doch zu sehen, das „,sein" nicht das Hauptwort „Mensch," sondern den Genitiv desselben, also ein Casusverhältniss vertritt. Aehnlich verhält es sich mit den übrigen Fürwörtern. Der obige Satz ist auch einer vón denen, die so häufig unbesehen von Hand zu Hand gehen.

Dass Herr Sauer die demonstrativen Fürwörter (questo, cotesto, quello; stessó, medesimo) so wie die possessiven (mio, tuo etc.) nur dann als Fürwörter anerkennen will, wenn sie ohne Hauptwort (also an dessen Stelle?) stehen, und sie dagegen in Verbindung mit einem solchen als Bestim mungswörter anzusehen verlangt, die man nicht zu den Fürwörtern rechnen dürfe (S. 50), ist eine so unglückliche Consequenz des so eben erwähnten Satzes, dass sie allein schon hingereicht haben sollte, ihn die Unhaltbarkeit desselben erkennen zu lassen.

Das Bestreben, die der Grammatik eigene Terminologie zu verdeutschen, hat Herrn Sauer zwar nicht so weit geführt, für Declination Abänderung zu sagen, wie Herr Zerbi; dennoch bezeichnet er die Casus (für die er beiher auch das widersinnige „Endungen" gebraucht) einzeln als Werfall, Wessenfall, Wemfall, Wenfall, Wo- und Woherfall. Dass die Fragen wer, wessen etc. aufgeworfen und theilweise mit den gemeinten Casus beantwortet werden können, leidet keinen Zweifel. Steht aber z. B. der Nominativ immer auf die Frage wer? Nur wenn man nach dem Subjecte fragt. In einem Satze wie: Diese Blume ist oder heisst eine Rose" steht ausserdem auch das prädicative Hauptwort Rose im Nominative, aber doch wohl nicht auf die Frage wer. Noch misslicher ist es mit dem Genitiv und Dativ. Beispiele wie statua di marmo, bicchiere di vino, regno di Prussia, povero di cervello, cercare di uno nave a vapore, andare al teatro und hundert ähnliche müssen doch wohl auch dafür angesehen werden, Genitiv- und Dativverhältnisse darzustellen, aber die Frage wessen wird sich ihnen nicht unterlegen lassen. Den Ablativ aber von der Frage wo“ abhängig zu machen, trifft nur in dem einen conventionellen Falle zu, wo die Partikel da, die ihn bezeichnet, mit Rücksicht auf die Behausung Jemandes gebraucht ist, z. B. io sono stato da lui ich bin bei ihm, d. I. in seiner Behausung oder Wohnung gewesen, und in diesem einen Falle (der übrigens nur beschränkte Anwendung leidet und bei Substantiven gern vermieden wird) ist da nichts Anderes als a, gerade so wie dove, donde, desso, davanti

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u. a. nichts Andres als ove, onde, esso, avanti sind. Man muss zugeben, dass Benennungen wie Nominativ, Genitiv u. s. f. oder Infinitiv, Indicativ, Präsens u. s. f. einer Erklärung bedürfen, aber die dafür gesetzten deutschen können einer solchen auch nicht entbehren und führen ausserdem den Nachtheil mit sich, dass sie durch ihren allzulebhaft empfundenen Sinn das Verständniss an irgend ein Vorurtheil bannen, wogegen sich dasselbe bei den fremden Ausdrücken, deren unmittelbarer Wortsinn uns nicht so nahe tritt, ungestörter und unbefangener erhalten kann.

Ein von Fornasari entnommener Irrthum ist ferner, dass manche Präpositionen im Italienischen einen Genitiv, Dativ oder Ablativ regiren können (S. 22 und 136). Wie die Präpositionen di, a, da, die diese Casusverhältnisse annäherend bezeichnen, dem Haupt- oder Fürworte ohne Weiteres vorgesetzt werden, so werden es eben auch die übrigen (in, con, per, su, senza, verso etc.). Solche Partikeln aber, welche sich mit jenen Casuszeichen verbinden und sich dadurch überhaupt erst eine Beziehung auf ein Nomen geben, sind an sich Adverbien, und dass auch einzelne Präpositionen (senza, verso, contra, appo etc.) gelegentlich diesem Beispiele folgen, ist eine Ausschreitung, die theils der Gewohnheit, theils dem Belieben anheim fällt, aber kein Gesetz. Dass namentlich aber, wenn sich der Präposition ein di hinzugesellt, ursprünglich ein Wort ausgelassen (S. 136) oder der Ausdruck (nach Fornasari) elliptisch sei, ist eine reine Abgeschmacktheit, die heut zu Tage nicht mehr wiederholt werden sollte.

Die Stellung des Beiwortes, ob vor oder hinter dem Hauptworte, macht Herr Sauer vor Allem" von dem Wohlklange abhängig, und meint, dass in Allgemeinen das Beiwort vor dem Hauptworte stehe, wenn es weniger Sylben habe als dieses (S. 69). Wenn Herr S. nur die Lesestücke genau ansieht, die er selbst giebt, so wird er viele solche Beispiele antreffen, wie scellerato uomo (S. 82), amorevoli parole (S. 194), impareggiabil città (S. 309). Der Wohlklang" spielt überall da seine Rolle, wo es an der rechten Kenntniss und Beobachtung fehlt. Der Stellung der Beiwörter liegt ein völlig bestimmtes Princip zu Grunde.

Unrichtig ist auch, dass das zueignende Fürwort (mio, tuo etc.) des Artikels bedürfe (S. 227). Es schliesst denselben nur nicht aus. Die Gegenwart oder Abwesenheit des Artikels wird nicht durch das Possessivum, sondern durch Umstände bedingt, die von diesem ganz unabhängig sind.

Die Behandlung der unregelmässigen Verba pflegt ein besonderes Kriterium gründlicher oder ungründlicher grammatischer Einsicht zu sein. Herr Sauer stellt in dieser Beziehung den Satz auf, dass diese Zeitwörter ihren Stamm entweder verändern oder nicht verändern, und macht dies letztere durch das Beispiel pin-gere anschaulich, dessen Definitum (Aorist) pin-si lautet (S. 146). Er hält demnach nicht ping, sondern pin für den Stamm dieses Verbi, was etwas stark ist. Auch im weiteren Verfolg führt er Verba auf dere, ndere, rere, llere, rgere, rdere (chiudere, accendere, correre, espellere, spergere, ardere, S. 160 fig.) u. s. f. an, wo also überall der Auslaut des Stammes von diesem abgerissen und der Endung beigezählt ist. Bei einem so sachwidrigen Verfahren kann es natürlich zu keiner Einsicht in die Art und Veranlassung der unregelmässigen Bildungsweise dieser Verba kommen. S. 152 zählt Herr S. dire (lat. dicere) mit Recht nicht mehr zur dritten, sondern zur zweiten Conjugation, warum aber lässt er S. 147 fare (lat. facere) dennoch bei der ersten stehen? Ein sehr schlimmes Versehen ist, ridondare und secondare für Zusammensetzungen von dare zu halten (S. 148), da sie doch (lat. redundare, secundare) deutlich genug von unda und secundus stammen.

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So findet sich noch Manches, was zu berichtigen wäre. Doch will ich mich nun zu einer andern Seite des Buches wenden, die weniger das wissenschaftliche als das pädagogische Interesse in Anspruch nimmt. Herr Sauer giebt in der (beiläufig von Wien aus datirten) Vorrede (S. VII) zu er

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