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hätte. Nach Dilettantismus aber besonders schmeckt das Glossar, in welchem sich allbekannte Wörter wie Emden, geck, kednbund , naber, oss, schöttel vorfinden, wogegen man nach den seltneren dübbeltje, dürkopsbrand, futikan, hartslag, quinkhlag, wuttels und noch vielen anderen sich vergeblich umsieht.

C. Schulze.

Noiré's Lehrbücher der französischen Sprache. 1. F. H. I. Albrecht's französische Grammatik, zweite Auflage,

vollständig umgearbeitet und durchgängig vermehrt, von Dr. L. Noiré. Mainz, Verlag von Victor v. Zabern 1859.

Die Albrechtschen Lebrbücher der französischen Sprache baben eine Zeit lang bei Grammatikern und Schulmännern allgemeine Anerkennung ge. funden, aber auch ihre Mängel konnten denselben unmöglich entgehen und es hatte sich bald allgemein der Wunsch geltend gemacht, es möchten dieselben bei einer etwa nothwendig werdenden neuen Auflage einer gründlichen Revision unterzogen werden. Der Herausgeber dieser neuen, zweiten Auflage hat sich mit anerkennenswerthem Fleisse und bestem Erfolge der eben nicht so leichten Aufgabe, wie die Ueberarbeitung eines Lehrbuches scheinen könnte, unterzogen und dem Buche der Form und dem Inhalte nach jene Vollendung gegeben, die den Anforderungen der Gegenwart entspricht. Von der Veberzeugung geleitet, dass Einfachheit und Anschaulichkeit das leitende Prinzip beim Unterricht der ersten Altersstufen sein müssen, hat es der Herausgeber für angemessen erachtet, das Albrecht’sche Elementarbuch der französischen Sprache in seiner ursprünglichen, einfachen Form wieder erscheinen zu lassen, um das Fehlende und Mangelbafte in der eigentlichen Grammatik ergänzend nachzutragen. Diese eigentliche Grammatik ist es, welche eine gänzliche Umarbeitung erfahren hat. Nachdem die Regeln der Aussprache kurz aber erschöpfend angegeben sind, folgt ein Résumé alles dessen, was das Elementarbuch enthält, kurz zusammengefasst und in sy stematischer Ordnung. Dieser letzteren entsprechend musste aus der eigentlicben Albrecht’schen Grammatik Vieles in diesen ersten Theil der neuen Auflage aufgenommen werden, was mit dem im Elementarbuch Enthaltenen zusammengestellt, einen vollständigen , etymologischen Theil der Grammatik bildet. Es folgen diesem etymologischen Theile der Grammatik eine Reihe von Uebungsaufgaben nach, abweichend von der Anordnung im Elementarbuche und der Syntax, wo Regeln und Uebungen wechseln. Sie bilden einen Nachtrag zur Einübung der Formen und Regeln, die in dem für die ersten Altersstufen berechneten Elementarbuch nicht erschöpfend gegeben sind. Der zweite Theil der Grammatik enthält die Syntas. War im etymologischen Theile bereits eine strengere Gliederung und Ordnung nothwendig, als die Albrechtschen Lehrbücher sie beobachten, so musste dies um so' mehr im syntaktischen der Fall sein, da er der complizirtere und schwierigere ist. Gerade im syntaktischen Theile war es, wo die Albrecht'sche Grammatik entschiedene Mängel bot, indem es ihr an gehöriger Gliederung und Uebersichtlichkeit fehlte und sie nicht auf die für die höheren Altersstufen, in's Besondere für Schüler höherer Lehranstalten, erforderliche Vollständigkeit Anspruch machen konnte. Grade in diesem Punkte zeichnet sich die 2. Auflage vor der frühern in vortheilhaftester Weise aus. Alles, was ins Gebiet der Syntax gehört, ist in diesem zweiten Theil aufgenommen worden (jedoch mit Ausscheidung der Gallicismen, Dialogen, Synonymen und jeglichen Apparates, der sonst Grammatiken zu wahren Lexiken anschwellen lässt);

aber, da strenge, systematische Ordnung das Ganze belebt, so ist das Studium der Sprache bedeutend erleichtert worden und es wird dem Zögling einer höheren Bildungsanstalt ein Leichtes sein, sich in dieser 2. Auflage zurechtzufinden, auch wenn er das Buch zum ersten Male vor sich nimmt. Der Verfasser der ersten Auflage hat seiner Methode den Namen der calculirenden gegeben. Es sollte jedesmal nach Vorausschickung, einiger Beispiele von dem Schüler die Regel aufgefunden und in bestimmter Form dann mündlich gegeben werden. Abgesehen davon, dass diese Methode nicht durch das ganze Gebiet der Grammatik durchführbar ist (wie denn auch überall, wo es nöthig war, der Verfasser der Grammatik, seine Methode aufgebend, interpretirend dem Schüler zu Hilfe gekommen ist), muss eine Grammatik auch für diejenigen brauchbar sein, welche nicht immer der Unterstützung des Lehrers sich erfreuen, oder, die etwas Vergessenes nachzubolen gedenken. Wer als praktischer Lehrer die calculirende Methode zu Grunde gelegt hat, wird aus Erfahrung wissen, dass die in Form des Gesetzes bestimmt gefasste Riegel sich am besten dem Gedächtniss einprägt und dass es rathsam erscheint, in der Methode des Vortrages sich an das für die Erlernung anderer Sprachen, namentlich der alten, Geltende anzuschliessen, um für den Unterricht an höheren Lehranstalten die grösstmögliche Einheit und Uebereinstimmung zu erzielen. Der Herausgeber der 2. Auflage hat daber die calculirende Methode aufgegeben und es ist ihm gelungen, die Regeln in grösster Präcision und Bestimmtheit dem Schüler vorzufübren. In der ersten Auflage der Albrecht'schen Grammatik waren die hie und da eingeschalteten Regeln nicht selten äusserlich gefasst und der Schüler durch mechanisches Vorgehen angewiesen, das Richtige zu finden. Im Kapitel über die Veränderlichkeit des participe passé (1. Auflage Nro. 137) waren z. B. die Sätze „je les ai vus tomber" und „les accusés que j'ai entendu condamner" nebeneinandergestellt und der Schüler gelehrt, im ersten Satze sei das participe veränderlich, weil der Infinitiv durch das Activ gedreht werden könne: sie fielen; im zweiten Satze sei das participe unveränderlich, weil der Infinitiv durch dass Passiv gedreht werden könne: sie wurden verurtheilt. Eine solche Art der Begründung ist eine allzu willkürliche und gewöhnt den Schüler an mechanisches Denken. Das warum so und nicht anders muss aus dem Geiste der Sprache und in logischer Begründung angegeben, das mechanische Verfahren als eine Art Erleichterung und Nebensache dem Schüler beigegeben werden. Auch bierin erhebt sich der Herausgeber der 2. Auflage über den Standpunkt des Verfassers der Grammatik und es trägt diese 2. Auflage überall den Charakter der Wissenschaftlichkeit und logischer Strenge. Wir überlassen eine weitere Prüfung der 2. Auflage der Albrecht'schen Grammatik dem Urtheile sachverständiger Schulmänner und wollen nur noch erwähnen, dass aus der ersten Auflage der Grammatik eigentlich nur die Uebungsaufgaben, die, wenn auch nicht Alles neu und dem Lebrer zum Theil aus anderen Grammatiken bekannt war, jedenfalls mit Geschmack und im Hinblick auf die Bedürfnisse der Umgangssprache gewählt waren, aufgenommen wurden. Aber auch diese mussten hie und da vervollständigt und der neuen Fassung angepasst werden. Bei näherer Beachtung wird man bald zum Resultate gelangen, dass die vorliegende 2. Auflage der Albrecht'schen Grammatik eher eine selbständige Arbeit als eine Ueberarbeitung genannt zu werden verdient, eine Arbeit, die sich durch Vollständigkeit, systematische Ordnung, Kürze und Präcision aufs Vortheilhafteste empfiehlt.

2) Aufgaben zu französischen Stilübungen in vier Stufen etc. von

Dr. L. Noiré. Mainz, Verlag von Victor v. Zabern. 1860.

In vorliegendem Uebungsbuch zum Uebersetzen ins Französische, dessen erster Theil für die mittleren, der zweite für die obern Classen von höheren Lehranstalten berechnet ist, war es dem Verfass 'einmal darum zu thun, den Schülern ein Buch in die Hände zu geben, bei dessen Benutzung sie stets auf die Regeln der Grammatik zurückgeführt würden, um jene Festigkeit und Sicherheit sich anzueignen, die unumgänglich nothwendig sind zu freien stilistischen Uebungen; aber es sollte dem Schüler zugleich ein Buch geboten werden, das dem Alter derselben und ihrer Vorbildung in anderen Gegenständen entsprechend, denselben nur Interessantes und Anziehendes bietet. Der Verfasser hat seine Aufgabe, was diesen letzten Punkt betrifft, so glücklich gelöst, dass das Buch, abgesehen von sprachlichen Zwecken, eine höchst interessante Lectüre bietet. Hierin, so wie in dem stufenmässigen Fortschreiten vom Leichtern zum Schwierigern, das in den vier Stufen mit grosser Umsicht gewahrt ist, zeichnen sich die Stilübungen des Verfassers aufs Vortheibafteste vor denen so vieler Sprachlehrer aus, die dem Grundsatz, „que la méthode soit nette et faciles mehr in der Theorie als Praxis huldigen. Wir müssen die vorliegende Arbeit des Verfassers hauptsächlich als eine geschmackvolle bezeichnen, die ganz nach den Grundsätzen seiner Grammatik ausgeführt ist. 3) Résumé de l'Histoire de la littérature Française rédigé d'après

les ouvrages de Baron, Demogeot, Villemain par Louis Noiré. Mayence, librairie de V. de Zabern. 1860.

Es ist gewiss ein Bedürfniss der Gegenwart geworden, die Schüler der oberen Gymnasialclassen mit den Hauptzügen der französischen Literatur vertraut zu machen, theils wegen des allgemeinen Interesses, theils wegen ihrer Beziehungen zur deutschen. Dieses Ziel sucht der Verfasser zu erreichen in seinem Abrisse der französischen Literaturgeschichte, der in schöner, geschmackvoller Sprache die Schüler in die Entwicklungsgeschichte der französischen Literatur einführt und denselben in gedrängter Kürze die Anbaltspunkte für künftiges Selbststudium bietet. Neben den wissenschaftlichen, verfolgt der Verfasser aber noch den sprachlichen Zweck. Er will den Schülern die Materialien reichen, die dem Lehrer zugleich Gelegenheit bieten durch Erklärung und Verarbeitung mit seinen Schülern, diese anzuleiten, sich auch über einen wissenschaftlichen Gegenstand mit Takt und Sicherheit auszudrücken. Das Büchlein des Verfassers bildet gewissermassen den Schlusstein von dessen Lehrgebäude der französischen Sprache und trägt alle Eigenschaften an sich, um den Schüler zu fesseln und das Studium der Literatur einer für ans und die europäische Entwicklungsgeschichte so bedeutungsvollen Nation auch für die Zukunft zu empfehlen.

Deutschland ist in jüngster Zeit reich geworden an Lehr- und Lesebüchern für das moderne Sprachstudium Auf eine allseitige Bedeutung können natürlich nur jene gegründete Ansprüche machen, die den Grundsätzen wissenschaftlichen Fortschritts huldigen. Wir tragen kein Bedenken, die erwähnten Bücher des H. Dr. Noiré zu den bessern der letzten Classe zu zählen und denselben Verbreitung zu wünschen.

von

1) Auswahl französischer Gedichte Malherbe bis auf

die Gegenwart, herausgegeben v. Carl Goldbeck. A. Stein,

Potsdam. 2) Album poétique pour la jeunesse par M. Meyer. H. Sau

vage, Berlin.

neuen

Diese beiden Bücher sind vorzugsweise für den Gebrauch in höheren Töchterschulen bestimmt und es ist für den Ref. eine angenehme Pflicht, sie bestens zu empfehlen. Obwohl wir recht viele gute Lehrbücher bereits besitzen, bringt doch fast jeder Messkatalog, eine Anzeige von Sammlungen, die natürlich einem „tief gefühlten Bedürfnisse abhelfen“ sollen, wenngleich die meisten nichts weiter sind als ein Abklatsch früherer Erscheinnngen auf diesem Gebiete. Die beiden vorliegenden Bücher bringen nun aber wirklich etwas Neues. Die Sammlung von M. Meyer ist für Kinder von 7 11 Jahren bestimmt und bietet einen ganz vortrefflichen Stoff zum Lesen und Memoriren. Die kleinen poetischen Stoffe sind dem jugendlichen Alter ganz angemessen, rücksichtlich des Inhalts sowohl als auch des Ausdrucks; wir finden hier kurze, sehr leicht verständliche Fabeln, Gebete, Glückwünsche, Scherze u. s. w. und es muss anerkannt werden, dass die ganze Sammlung einen feinen pädagogischen Takt und recht viel Geschmack verräth; auch darf es nicht unerwähnt bleiben, dass hier die sehr bekannten und mehr oder weniger ziemlich abgenutzten Stücke sich nicht vorfinden, vielmehr fast ausschliesslich Neues geboten wird. Das kleine zierliche Büchlein, auf dessen Ausstattung grosse Sorgfalt verwendet worden, kann nicht verfehlen, recht viel Freunde zu erwerben.

Das unter Nro. 1 genannte Buch ist für eine höhere Unterrichtsstufe bestimmt und empfiehlt sich vor allem dadurch, dass es sehr viel Neues und nur Gutes bringt, das zugleich auch seiner Form wegen von den Franzosen werthgeschätzt wird; es ist dem Herausgeber überdies gelungen, recht Characteristisches zu finden, d. h. solche Stücke, welche irgend eine Seite des Volkscharacters deutlich kennzeichnen. Die in der Vorrede enthaltenen Winke zur Benutzung des Buches verdienen die vollste Beachtung und man gewinnt daraus die Ueberzeugung, dass der Verfasser ein talentvoller und zugleich erfahrener Sehulmann sein muss. Dankenswerth sind auch die recht praktischen Anmerkungen und die dem Buche beigegebene Bearbeitung der Verslehre nach Quicherat. Ref. wünscht der Sammlung den besten Erfolg.

H.

1) Dr. Th. Gaspey. Englische Conversations-Grammatik. Sechste

Auflage. Heidelberg, Groos. 2) Derselbe. Englisches Conversations - Lesebuch. Ebend.

erster Theil. Für die untern und mittleren Klassen,

Zweiter Theil. Für die oberen Klassen. 3) Dr. F. Otto. Französische Conversations-Grammatik. Fünfte

Auflage. Ebend. 4) Derselbe. Französisches Conversations - Lesebuch. Zweite

Auflage. Ebend. Erste Abtheilung. Für die untern und mittleren Klassen. Zweite Abtheilung. Für die oberen Klassen.

Die hier gerühmte Conversations - Methode besteht darin, dass in der Grammatik den Regeln Fragen und Antworten mit den Vokabeln der vorhergehenden Uebungsbeispiele, im Lesebuche den 1.esestücken Questionnaires über den Inbalt derselben hinzugefügt sind. Herr Gaspey gerirt sich als Erfinder dieser auch von Madame Brée angewandten Methode, wird indess von seinem Nacbfolger, Herrn Otto, an Geschick in der Behandlung derselben bei weitem übertroffen. Herr Otto hat selbst mit dem einfachsten Material Sätze gebildet, wie sie in der Unterhaltung verständiger Menschen vorkommen können, während Herr Gaspey Ollendorfiana zu Tage fördert, wie die folgenden: Has the mother the wine? No, she bas the water. Has the father of the boy the pot ? Are the lamps on the table ? No, the forks are on the table.

Could I not sell a ewer? No, you might sell a spoon. Should you like a sausage for dinner? Yes, if you have no soup. und was dergleichen Consequenzen der rein synthetischen Methode mehr sind.

Beide Grammatiken erheben sich nicht über das Niveau der zablreichen Bücher, welche ibre buchhändlerischen Erfolge dem Umstande verdanken, dass sie den Unterrichtsstoff auf das Bequemste und Vollständigste zurichten, so dass auch der schwächste Lehrer nicht durch die Nothwendigkeit einer Vorbereitung in seiner Bequemlichkeit gestört wird.

Auf die Lebre von der Aussprache folgt die Grammatik, mit dem Artikel anfangend, auch sogar in der englischen Grammatik the, of the, to the, the. Die Aussprache ist mit deutschen Buchstaben bezeichnet. Die damit verbundenen Uebelstände vermeidet Herr Otto zuweilen, z. B. bei den Nasallauten schreibt er au, au u. 8. w. das halblaute e bezeichnet er mit einem ganz kleinen 8. Dagegen schreibt er règne räj'n.

In beiden Lesebüchern ist der Stoff weniger mit Rücksicht auf Classicität als darauf ausgewählt, dass er den Schüler interessirt und von ihm mit Leichtigkeit mündlich oder schriftlich frei wiedergegeben werden kann. Da dem Lehrer häufig die eingeführten Chrestomathieen einen solchen Stoff nicht liefern, so dürfte dieses der grösste Vorzug sein, um dessentwillen die genannten Lesebücher Empfehlung verdienen.

Ueber einen Punkt haben wir noch mit Herrn Otto zu rechten. Er lässt den Bindestrich nach très weg und rechtfertigt diese allerdings häufig vorkommende Auslassung damit, dass der Gebrauch dieses Bindestrichs keinen vernünftigen Grund zur Unterlage habe. Es lässt sich zwar nicht bei allem Bestehenden die historische Berechtigung durch einen vernünftigen Grund nachweisen; aber bei den Erscheinungen der Sprache muss man sich doch hüten, das Vorhandensein eines vernünftigen Grundes nur darum zu leugnen, weil man denselben nicht kennt. Wir meinen das tiret aus fol. gendem Grunde rechtfertigen zu können: très, das lateinische trans, hat vor dem französischen Adjectiv dieselbe steigernde Bedeutung wie das lateinische per, ist aber kein selbständiges französisches Wort. Würde es im Lateinischen ebenso gebraucht, so würde es mit dem Adjectiv zu einem Worte vereinigt werden. Wäre es ein selbständiges französisches Wort, so würden très und das Adjectiv getrennt geschrieben werden. Das tiret bezeichnet also hier, wie in vielen anderen Fällen eine auffallende Verbindung, in welcher das eine Glied kein selbständiges französisches Wort ist. Wir erachten das Weglassen des tiret nicht als Fehler, können aber den von Herrn Otto gegen dasselbe angeführten Grund nicht gelten lassen.

V. D.

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