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nur

dichte durch den eigenthümlichen Ton; die spanischen und italienischen Zeilen sind Gelegenheitsreime und die russischen

vermag der Unterzeichnete nicht zu lesen. Was er von den Uebersetzungen zu lesen und vielleicht zu beurtheilen vermochte im Ganzen nur höchstens die Hälfte da die andre, böhmisch etc. für ihn böbmisch blieb macht in ihm den Wunsch rege, den Verfasser zu bitten, seine schöne Kraft auf eine im Allgemeinen hier wenig bekannte, vielleicht die russische Literatur, zu concentriren und dem Publikum recht bald einmal mit einem Bande solcher Uebersetzungen aus einer Sprache zu dienen.

Die Ausstattung des Büchleins ist sehr hübsch und auf welchem Büchertisch Europa's, würde dasselbe nicht einen Leser finden? Es wird in Pe. tersburg verstanden werden können wie in Amsterdam , in Edinburg wie in (leider weiss ich in diesem Augenblicke keine Stadt, wo man von Natur slovakisch spricht), also wie im Abgeordnetenhause Oesterreichs.

Büchmann.

Die Brautfahrt der Königstochter. Gedicht in zwölf Romanzen

von Andreas Munch. Aus dem Norwegisehen übersetzt von F. V. K. Berlin 1861. Haude- und Spenersche Buchhandlung (F. Weidling).

Andreas Munch gehört zu den besten neuern Dichtern Norwegens, und fängt an, auch in Deutschland sich Freunde zu erwerben. Seine Trauerspiele „Salomon de Caus“ und „William und Rachel Russel“ zeichnen sich durch Eigenthümlichkeit aus, und ersteres darf die Vergleichung mit A. F. Brachvogels „Mondecaus“ nicht scheuen. Ein Theil seiner lyrischen Gedichte ist neuerlich ins Deutsche übersetzt, unter dem Titel „Leid und Trost“ erschienen, und jetzt erhalten wir aus derselben Feder die Brautfahrt Christina's, der Tochter des Königs von Norwegen Hakon im Jahr 1262, welche der Werbung des Königs von Spanien für einen beliebigen seiner vier Brüder Gehör gibt und mit einem stattlichen spanischen und norwegischen Gefolge nach der Normandie und von da durch Frankreich über Narbonne nach Spanien zieht. Unterwegs entspinnt sich eine Liebe zwischen ihr und einem ihrer spanischen Begleiter, Aimeric von Toulouse, so dass sie ihr Versprechen nicht balten kann, einen von den drei Brüdern zum Gatten zu wählen. Der Sänger Aimeric stellt sich ihr aber als der vierte dar und das Gedicht schliesst mit einem fröhlichen Hochzeitfeste. So lernen wir denn den Verfasser nicht bloss als dramatischen und lyrischen, sondern auch als epischen Dichter und nicht zu seinem Nachtheile kennen.

Von der Uebersetzung lässt sich vielleicht eben so viel Gutes sagen, wie von der der kleinen lyrischen Sammlung „Leid und Trost,“ Doch fehlt es auch hier wie dort nicht an unreinen Reimen, z. B. S. 3. Dach und Tag, schwer und Herr, S. 8 ihm und Stimm', S. 33 Noth und Gott, s. 41 spiel und will u. 8. w. - . Und wenn es in der Vorrede heisst, dass die Gedanken und Empfindungen in vollkommener Treue und zwar nach dem Urtheile des Dichters selbst, wiedergegeben sind, so bat der Dichter viel Nachsicht bewiesen. Bisweilen wäre auch der Ausdruck zu verbessern. So heisst es S. 96.

Christina sank übernommen
Zu dem Geliebten hin,
So Auge in Auge gekommen,

Sahn ewige Liebe sie drin.
Zur Vergleichung setze ich Urschrift und Uebersetzung der drei letzten
Strophen des Gedichtes her:

Saa Folget tilbage mod Norden gik
Og det skede, som hun havde villet :
De bragte met mangen Ridderskik
Mangt Digt og mangt Skjönhedsbillet.

Fra Kongens Gaard gik til Folket snart'
Deres Sagn om Kunsternes Glaeder,
Og Jomfru Kristinas Brudefart
Gav Norge mildere Saeder.
Thi Landet rundt, i hoer Arnekrog,
Fortaltes atter og atter
Om det underfulde Sydlandstog
Med Kong Hakons deilige Datter.
So zog das Gefolge zum Norden bin,
Und musste dort Alles schildern
Von Rittergebrauchen und südlichem Sinn,
Gesängen und Schönheitsbildern.
Vom Hofe des Königs in flüchtiger Art
Ward kund es in Volkes Mitten,
Und Jungfrau Christina's Hochzeitsfahrt
Gab Norwegen mildere Sitten.

Im Lande von Munde zu Munde sich trug
Der Name von Thorlaug Bose
Und seinem prachtvollen Südlandszug
Mit der reizenden nordischen Rose.

Hier ist „snart, bald“ durch „in flichtiger Art“ und die zweite Zeile vom Anfang „und musste dort Alles schildern“ willkürlich übersetzt. Ich schlage vor:

Heim zog das Gefolge zu Nordens Gefild,
Es geschah auch, was sie geboten.
Mitbrachten Rittergebrauch und manch Bild
Der Schönheit samt Liedern die Boten.

Vom Hof bald drang der Künste Lob
Hinab in des Volkes Kreise.
Norwegens rauhe Sitte zerstob
Seit Christina's bräutlicher Reise.

Ich fahre nicht fort, da mir meine beiden letzten Zeilen weniger gefallen. Die vier Schlusszeilen heissen wörtlich: „Denn rings im Lande in jedem Heerdwinkel erzählte man wieder' und wieder von dem wundervollen Südlandszuge mit König Hakon's reizender Tochter.“ Auch hier ist den Worten nach nicht treu übersetzt, der Sinn aber richtig ausgedrückt. Und dies lässt sich der Uebersetzung im Ganzen nachrühmen. Einzelnes ist auch als besonders gelungen auszuzeichnen, z. B. die erste Hälfte der dritten Romanze, oder der Anfang der sechsten:

Da, wo das dunkelblaue Mittelmeer,
Die Wellen schlägt an seinen krummen Strand,
Wo Weinlaub weht herab von Berges Rand,

Da leuchten hell Narbona's Mauern her, etc.
Archiv f, n, Sprachen. XXIX.

20

So möge denn das Büchlein viele Leser finden und bald eine zweite verbesserte Auflage nöthig werden! Der Verleger hat ihm ein sehr gefälliges Aeusseres gegeben.

K. L. K.

Der goldene Mai. Eine Frühlingsphantasie. Fragment der

vier Jahreszeiten, von Jul. Bercht. Braunschweig, Verlag von H. Neuhoff & Comp. 1861.

Wen überkäme nicht ein Grauen, wenn er eine neue Sammlung lyrischer Gedichte, und noch dazu voll Frühlingsempfindungen, dieses abgenutzte Thema mit seinem Refrain von „Liebe und Triebe,“ von „Sonne und Wonne,“ angekündigt hört! Aber ich hoffe, wer seinen Horror überwindet, wird sich durch das, was unser neuer Frühlingssänger in seinem „goldenen Mai“ bietet, für den ersten Schreck vollkommen entschädigt fühlen. Denn Herr Bercht ist in seiner Lyrik so eigentbümlich neu, so frisch und kerngesund, so melodiös und plastisch, dass dieselbe einen sehr wohlthuenden Abstich gegen die sentimentale Blasirtheit der modernen Mondscheinspoesie bildet. An und für sich allerdings ist der Frühling ein verbrauchtes Thema ; aber der Verfasser sagt mit Recht zu seinem eigenen Troste:

Dass ich Neues nicht gestalte,
Kümmert mich von Herzen wenig;
Bist du selber doch der alte,

Ewig junge Dichterkönig!“ Dass unser Dichter nun die Natur zu vergeistigen, ihr menschliche Empfindungen zu leihen versteht, dass er statt einer trocknen oder gar emphatischen Naturbeschreibung, den Ausdruck der Gefühle beim Naturgenuss bietet, das eben lässt seine Poesie so neu erscheinen.

„Im Herzen ruht allein und immer

Der Erde göttlich Paradies," sagt der Verfasser; und so ist es vorzugsweise das menschliche Leben mit seinen wechselvollen Erscheinungen und deren stets neuen Eindrücken, was uns unter dem Bilde der Jahreszeiten vorgeführt wird. Wie die landschaftliche Darstellung des Malers nicht eine sclavische Veduten - Nachbildung, sondern eine Composition aus der unbeseelten Natur nach der Stimmung und Empfindung des Künstlers ist , so führt uns auch der Verfasser seine Naturobjecte stets in subjectiver Umstimmung vor das Auge. Vor das Auge, sage ich, um damit nochmals ausdrücklich die oben angedeutete, glückliche Begabung des Verfassers zu betonen, seine Ideen in plastischer Form zur Erscheinung zu bringen. Selbst wenn er sich auf das, der Lyrik so gefährliche Gebiet der Reflexion wagt, bleibt doch seine Betrachtung sinnlich-anschaulich. Den abstracten Gedanken der Vergänglichkeit und des Kreislaufes der irdischen Dinge kleidet er z. B. in die Worte:

„Ist der laute Tage geschwunden,
Thut sich auf die stille Nacht;
Es erscheint aus goldnen Tboren,
Schönheit strahlend, neugeboren,
Eines jungen Morgens Pracht.

Alles Web im Menschenherzen,
Es verklärt sich noch in Lust:
Stehst du an der Erde Grenzen,
Ziehen dich mit Liebeskränzen
Selige an ihre Brust.“

Ist der Gedanke in dem vorgeführten Bilde auch nicht neu, so ist die Darstellung doch ächt-poetisch. Und mag diese Kunst der Plastik auch noch so einfach erscheinen, so ist sie doch schwieriger und auch seltener, als man glaubt. Gerade aber in unserer Zeit, wo wir uns mit einer Fluth von Reflexions-Lyrik und gereimter Moral durch die Nachäffer „des westöstlichen Divans“ überschüttet sehen, ist ihr Werth nicht hoch genug in Anschlag zu bringen. Dieser Richtung gegenüber macht die Anschaulichkeit in der Darstellung unsers Dichters einen woblthuenden Eindruck. Man sieht es der Menge; Originalität, Frische und Feinheit seiner Beobachtungen an, dass er, als ächter Freund der Natur, seinen Frühling nicht am Büchertische ergrübelt haben kann, sondern unmittelbar aus erster Quelle geschöpft haben muss.

Wie zart und sinnig weiss er das Leben der Thiere, wie charakteristisch und poetisch die Formen und Farbenschönheit der Pflanwelt aufzufassen. Wir wollen zum Belege nur auf die Schilderung des Maikäfers hingewiesen haben. Und neben diesen Vorzügen ist auch noch der sprachlichen und rhythmischen Schönbeiten zu gedenken. Der Verfasser ist in Bewältigung der Sprache so gewandt, dass man fast sagen möchte, er habe ihr eine neue Seite abgewonnen. Ohne haarsträubende Satzverdrehungen und Wortverbindungen markirt er mit Eleganz in wenigen, aber treffenden Zügen keck und natürlich sein Object, dass der Gedanke zur reinen Erscheinung kommt und der Leser glaubt, den geschilderten Gegenstand mit Händen greifen zu können. Obenein aber bleibt bei aller ihrer Natürlichkeit die Sprache edel. Ein gleich feines Gefühl giebt sich auch in der Wahl der Rhythmen kund, die jedesmal den richtigen Ton und Takt anschlagen, und in ihrer originellen Mannigfaltigkeit das Gemüth stets frisch erhalten. Da muss man sich denn wohl ganz anders gestimmt und angeheimelt fühlen, als wenn uns der, übrigens liebenswürdige Sänger Kleist im gravitätischen Schritte des antiken Hexameters in seinem Frühlingsgarten umherführt. Und eben weil Herr Bercht gleichmässig Auge und Ohr zu fesseln und anzuregen versteht, wird mit seiner Liedersammlung sowohl dem Maler, wie dem Musiker eine reiche Fundgrube künstlerischer Motive dargeboten. Möchten doch einer etwaigen zweiten Auflage einige Früchte dieser wohlthätigen Anregung als Illustrationen beigefügt werden, und vor allen Dingen die Mitglieder des Düsseldorfer Malkastens, denen dieser Schatz gewidmet worden ist, mit den schuldigen Dankopfern vorangehen!

Bei der grossen Vollendung der Form bietet die vorliegende Gedichtsammlung allerdings nur eine spårliche Veranlassung zu Ausstellungen. Allein ob deren viele oder wenige, ob sie erheblich oder unerheblich sein mögen: je vollendeter das Kunstwerk ist, eine um so grössere Strenge der Kritik fordert dasselbe heraus, und um so würdiger ist es auch der grössten Strenge. Was die Composition einzelner Gedichte betrifft, so vermisst Ref. hin und wieder die abrundende Pointe. Dieses gilt z. B. vom „Wiesenbach,“ auf S. 15; vom „Gartenflor,“ auf S. 18; vom „Orakel des Kuckucks,“ S. 31 und von der übrigens reizenden Schilderung der „wilden Hummel“ auf S. 47. Wollten wir diese Sächelchen auch als liebliche Naturstudien gelten lassen, 80 wären sie damit noch keinesweges als Kunstwerke bezeichnet. Auch die treueste und subtilste Studie des Malers ist nichts, als ein Product der Technik; die höhere Kunstweihe empfängt sie erst durch die Beseelung mittelst der Idee. Die Dichtkunst stellt nicht etwa geringere Anforderungen. So schlösse auch auf S. 34 das Liedchen: „Vogelsang" passender mit der vierten Strophe. Der nachfolgende Schlusssatz, in welchem der Dichter die

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Natursänger, weil sie seine eigenen Empfindungen verrathen und in alle Welt ausposaunt haben, vor dem Schwurgerichte verklagt und einsperren lässt, hinkt hinter dem ätherischen Anfange etwas lahm hinterher. Selbst der herrlichen Schilderung des Frühlings-Gewitters auf S. 97 hätten wir eine andere Schlusswendung gewünscht. Wäbrend der Verfasser singt:

„Da wendet sich zum Schattenreiche
Der finstre Geist mit fernem Grollen,
Im Sternenkranz, im strahlenvollen,

Geht Luna auf, die marmorbleiche,“ wäre vielleicht die Andeutung wirksamer gewesen, dass unter diesem Kampfe der Elemente der junge Lenz in's Leben getreten sei, dessen erstes Lächeln die Wehen der Geburt versüsse. Beiläufig bemerkt, schwächen auch die durchgehends weiblichen Reime dieses Gedichtes die markigen Charakterzüge der vorgeführten ernsten Naturerscheinung entschieden ab. Dass S. VI die Blätter fall’n, klingt mindestens hart; dass S. 33 der Aal, welcher trübes Element liebt, der Forelle, welche nur im klaren Wasser gedeihet, auf lauert, ist poetische Licenz; dunkel jedenfalls der Ausdruck auf S. 50, dass der Falter „melodisch aus dem Psalter in den grossen Weltaccord wiege.“ Heisst es S. 78.

Mit keinem König möcht' ich tauschen
Um seiner Krone Edelstein,
Wenn deine bärt'gen Häupter rauschen,

O Tannenwald im Sonnenschein,“ so fühlen wir allerdings, dass der Verfasser hat sagen wollen: „Ich tausche mit keinem Könige für den Anblick eines rauschenden Tannenwaldes;“ aber wir bedauren doch die Ungenauigkeit des Ausdruckes. Auch der Hiatus auf S. 79 „umspüre ich,“ auf S. 98: geht Luna auf,“ ist störend ; so wie auf S. 116: „Ja,_stosse auf ein volles Fass. Warum nicht: „Já, stoss' nur auf das volle Fass ?“ Nicht eben poetisch wird S. 80 gesagt:

„Der Gräser zitterndes Geflimmer

Sieht wie Millionen Perlen aus.“ Warum sollen die flimmernden Gräser nur so aussehen, und werden nicht gleich als ein Meer von Perlen bezeichnet? Ja, selbst der „Hirte" auf S. 99 möchte nicht ganz parnassfähig sein.

Doch genug dieser minutiösen Bemerkungen, welche nichts, als Belege für das hohe Interesse sein sollen, welches die Berchtsche Muse dem Ref. abgewonnen hat. Finden wir den „goldenen Mai“ auf dem Titelblatte als „Fragment der vier Jahreszeiten“ bezeichnet, so wollen wir hoffen, dass damit nur die Fortsetzung dieses höchst anziehenden Bruchstückes habe in Aussicht gestellt werden sollen. Möchte doch der Herr Verfasser auch selbst diesen Frühling als noch nicht vollständig abgeschlossen betrachten, um mit jedem neuen Lenze neue Blumen diesem duftenden Kranze einzuflechten. „Der Schleedorn,“ „die Maiblume,“ „die erste Rose,“ , die Aussaat," „die Hoffnung, “ „Waidmanns Lust,“ , der“ Giessbach,“ „das Ballspiel“ u. s. w. wären gewiss Stoffe, eines so kunstgeübten Griffels und dieses Ehrenplatzes würdig. Wir begleiten die vorliegende Gedichtsammlung, der auch, als einer erfreulichen Zugabe, die Sauberkeit der Ausstattung und die Correctheit des Satzes nachzurühmen ist, mit unseren besten Wünschen für eine freundliche Aufnahme von Seiten des Publikums. Braunschweig.

C. Schiller.

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