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unser

wird durch but, aber ersetzt. Altenglisch sind ac, ak, acke noch vielfach zu finden.

nes erklärte Thorpe im Glossar und übersetzte demnach Longfellow durch is not für ne is; gleichwohl scheint dem Sinne angemessener was not und offenbar steht mit der so häufigen Vertauschung von e und ä hier wie v. 4. nes für näs = ne väs. Ueber die proklitische Natur der alten einfachen Negation ne vgl. Mätzner p. 397.

idiht für gediht == made ready, prepared von dihtan, gedihtan, noch vorhanden in dight, bedight besonders als Participium mit der Bedeutung „geschmückt.“ cf. Mätzner p. 343. Es ist so gut wie

dichten“ auf das lateinische dictare zurückzuführen und bietet ein anziehendes Beispiel des Wechsels der Bedeutung in den verschiedenen Sprachen. vgl. Grimm's Wörterbuch II, p. 1057.

v. 4. iloced zu lôcian, to look wohl identisch mit dem deutschen luokên, luogên, lugen, wenn auch die Lautverschiebung nicht ganz in

Ordnung erscheint, da man entweder zu dem ags. lócian ein ahd. luohhen oder dem ahd. luokên, luogen entsprechend ein ags. logian erwartet.

v. 5. Das me in diesem und dem folgenden Verse ist auch nach Thorpe für men, man zu nehmen, während Longfellow an. das Pronomen der ersten Person gedacht zu haben scheint (etwa wie im Vulgär-Englischen me für I gesagt wird). Im Angelsächsischen, wenn auch erst später kommt man in der abgeschwächten Bedeutung unsres „mán“ vor, während dieser Gebrauch im Neu-Englischen wieder verschwunden ist. Die verstümmelte Form me findet sich zum Beispiel noch bei Percy in dem Liede ,,On the death of King Edward I.“ Gret deol me myhte·se thore, Mony mon is honde wrynge und so öfter in der Chronik des Robert von Gloucester.

v. 6. seodh dha = seodhdhen sind die spätern halbsächsischen oder vielmehr bereits Nebenformen des alten sidhdhan, vgl. Caedmon II, 379, verwandt mit unserem „seit“ und im Englischen erweitert zu since, hier noch in der Bedeutung von afterwards, then.

v. 7. itimbred dem Laute nach „gezimmert“ timbered; in den Verbalformen ist ja auch die Bedeutung ziemlich dieselbe geblieben, während dieselbe sich in ,,Zimmer“ und timber einigermassen gespalten hat.

v. 8. lah, wovon nachher lage, entspricht nach Form und Sinn dem englischen low. Zu vergleichen ist ausser dem altnordischen lågr das holländische laag, laegh, niederdeutsch leeg. Archiv f. n. Sprachen. XXIX.

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v. 9. hele wages. Thorpe erklärt: hele - wah = heelwall, helewages for hele - wagas. Semi-Saxon. Er meint also jedenfalls die Wände zu Füssen (und Häupten) im Gegensatze zu den Seitenwänden sid - wages. Ob und wie Longfellow bei seinem heel - ways sich dasselbe gedacht habe, bleibt zweifelhaft. Jedenfalls sind die beiden Wörter hel=heel und wah, vah=wall im Angelsächsischen sicher, wenn auch beide etwas dunkel und zumal das erste selten. Bei vah wird an das gothische vaddjus erinnert; das Altfriesische hat wach; altnordisch veggr, schwedisch vägg, dänisch vaeg,

neufries.

weage,
neuniederl. weeg.

Die Berührung dieser Formen mit ,, wall“ und „wand“ ist fraglich. Auch hel, das jetzige heel ist zweifelhafter Abkunft. Bei Bosworth findet sich auch die Bedeutung , lime" Kalk, jedenfalls durch ein Missverständniss; er hat nämlich: Leo (in den Sprachproben) says Lime; und in der That heisst es dort p. 183. hêl, der Kalk? wohl nur weil er das lateinische calx nicht als Ferse heel, sondern fälschlich als Kalk lime verstanden hatte.

v. 11. wunien vunian ist unser wohnen, to dwell.

v. 12. dimme and deorca e sind ebenso wie feste, v. 14, Adverbialbildungen mit der im Neu-Englischen abgeworfenen Endung e, vgl. Mätzner p. 383. . Den letzten Theil der Zeile hat Longfellow vielleicht aus ästhetischen Gründen unübersetzt gelassen: „the den fouls (rots) on hand (soon immediately).

v. 14. bidytt shut up, from dyttan to shut up; davon noch im Neuenglischen als Terminus in der Architektur to dit.

v. 17. ladaest. Die Uebersetzung leavest ist weder wörtlich genau, noch in den Zusammenhang passend ; ladaest steht für ladest, lâdhost, den Superlativ des mehrfach auch in unserem Bruchstücke vorkommenden lâd = loath = unserem „leid, verhasst.

v. 19. likie. like, lician und so noch bei Shakspeare to like in dem neutralen Sinne: gefallen, to please. Ausdrücke wie faren v. 18, undon v. 20, lihten v. 21, wenn auch freier übersetzt durch come, open, descend bedürfen keiner weiteren Erklärung aus den formell entsprechenden fare, undo, light; ebensowenig Formen wie nefst :=näfst, nenne = naenne, nânne und wulle, wylle.

Den Schluss von 22. b an hat Longfellow weggelassen; Thorpe bemerkt zu demselben: ,,The last six lines are in a different and almost illegible band.“ Wörtlich übersetzt würde er lauten: for soon is thy head bereaved of the hair, all the fairness of the hair is scattered, none will strike it with the finger's grasp.

Zu bireued und forsceden vergleiche man to bereave, bereft und to shed, zu feing das heutige fang.

Die Schilderung des Grabes mit seinen Schrecken ist eine höchst ergreifende. Schon ehe er geboren, ist dem Menschen nach seinem vergänglichen Theile ein Haus bestimmt und die Verwesungsstätte jm Staube angewiesen; dorthin muss er nach seinem Tode, in den engen Raum, der ihn von allen Seiten umschliesst, wo Kälte, Dunkelheit und Moder herrscht. Der Tod hat den Schlüssel zu dem thürlosen Hause, in welchem der Leib ein Raub der Würmer wird, ohne dass ein Freund je zu ihm kommen, nach ihm sehen, es öffnen und selbst hinabsteigen wollte; denn grässlich sei er anzuschaun, alle Schönheit geschwunden, des Haares Schmuck verwüstet und zerstört. Die Darstellung gewinnt noch an Lebendigkeit dadurch, dass das Ganze Anrede an den Leichnam ist und diese Fassung eben weist uns mit grosser Wahrscheinlichkeit darauf hin, in dem kleinen Gedichte ein Bruchstück aus einem Gespräche zwischen Leib und Seele zu erkennen. Dergleichen sind in der angelsächsischen Literatur noch einige vorhanden; insbesondere eine vollständige Rede der verdammten Seele und eine fragmentarische der seligen Seele an den Leichnam. Die erste von beiden ist in doppelter Recension des Codex Vercellensis und des Codex Exoniensis, die zweite nur in dem Codex Vercellensis erhalten. Dort macht die verdammte Seele dem Leichname Vorwürfe und schildert gegen den Schluss ähnlich wie unser Bruchstück die Schrecken der Verwesung. Ein vollständiges Zwiegespräch mit Entgegnungen des Körpers findet sich in anderweitigen Bearbeitungen desselben Stoffes, niederländischen, niederdeutschen, hochdeutschen, lateinischen (Visio S. Philiberti), welche vielleicht auf eine gemeinschaftliche alte Quelle zurückweisen. Vgl. darüber besonders Max Rieger in Pfeiffer's Germania III, p. 396 ff. sowie Grein's Bibliothek der Angel. Poesie I, 198 204. 364 - 365. II, 408. Dichtungen der Angels. II, 145 – 149.

II. Während ich diese Vergleichungen, deren genaue Besprechung hier zu weit führen würde, eben nur berühren mochte, scheint es mir nicht unangemessen, die Erörterung noch eines andern angelsächsischen Gedichts anzuknüpfen, dessen Inhalt nicht weit abliegt und welches überhaupt geeignet sein wird, die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeitschrift auf eine anziehende Gruppe, der es angehört, zu lenken. Ich meine die Räthsel des Exeterbuchs, um welche sich neuerdings nach Grein besonders Dietrich in zwei vortrefflichen Aufsätzen (Haupt's Zeitschrift für d. A. XI, 409--490 und XII, 232 — 252.) grosse Verdienste erworben hat. Ich habe in dem diesjährigen Programme des Gymnasiums zu Köthen alles dahin gehörige zusammenzustellen und einzelne Nachträge zu liefern versucht, ohne dasjenige Räthsel zu berühren, welches eine gewisse Verwandtschaft mit dem obenbehandelten Bruchstücke zeigt und ebendarum im Folgenden besprochen werden soll.

Es ist das 44. der Sammlung und lautet bei Grein II, 301 (Cod. Exon. p. 430):

Ic vật indryhtne @dhelum deórne
giest-in geardum, tham se grimma ne mäg
hungor scedhdhan ne se hâta thurst,

yldo ne âdle [ne se enga deádh],
5 gif him ârlîce esne thênadh,

se the âgân sceal [his geongorscipe)
on tham sidhfite: hy gesunde ät hâm
findadh vitode him viste and blisse,

cnôsles unrîm, care, gif se esne
10 his hlâforde hyredh yfle

freán on fôre, ne vile forht vesan
brodhor ochrum: him thật bẩm scedhedh,
thonne hy from bearme begen hveorfadh

ânre mâgan ellorfuse
15 móddor and sveostor. Mon, se the ville,

cydhe cynevordum, hů se cuma hâtte,
edhdha se esne, the ic her ymb sprece!

In v. 6. liest Thorpe âgan, in v. 7 hyge sundne, während die Handschrift hyge sunde zeigt, in v. 17 endlich vermuthet Grein, von dem auch die eingeklammerten Ergänzungen herrühren, statt der Lesart des Manuscripts edhtha etwa odhdhe.

Die Uebersetzung davon findet sich bei Grein, Dichtungen der Angels. II, p. 231.

Ich weiss einen edelen edeltheueren
Gast in einem Hause, dem nicht der grimme mag
der Hunger schaden noch der heisse Durst,

nicht Alter noch Krankheit noch der enge Tod,
5 wenn ihm nur der Diener ehrlich dienet,

der seine Jüngerschaft begehen soll
auf seiner Wanderfahrt: sie finden Wonne und Nahrung
sich beschieden gesund in der Heimat

und ihres Geschlechtes Unzahl. Sie finden Schmerz und Kummer 10 wenn seinem Herrn der Diener gehorchet übel,

seinem Gebieter auf der Reise, und der Bruder dem andern
nicht will unterthänig sein: zum Unheil wird das beiden,'
wenn sie beide sollen von dem Busen wandern

der einen Verwandten beeilt zum Scheiden,
15 die Mutter ist und Schwester. Der Mann, der da will,

verkünde mit edelen Worten, wie der Ankömmling
oder der Diener heisse, von dem ich rede.

Während Grein erst von wenigen der Räthsel die Auflösung geben konnte, finden sich bei Dietrich alle oder fast alle gelöst und bei den meisten kann ein Zweifel an der Richtigkeit seiner Lösung kaum aufkommen. Mit zu den durchsichtigsten und leichtesten gehört auch das 44, über welches er sagte, Zeitschrift XI, 473: „Der edle Gast nr. 44 mit seinem Diener, der zugleich sein Bruder ist, ist der Geist und der Leib, ihre Verwandte, die zugleich Mutter und Schwester ist, und von der sie scheiden müssen, ist die Erde. Ihre Mutterschaft ist b>kannt genug; als Schwester, weil von demselben Vater geschaffen, wird sie auch 80, b. bezeichnet, indem der Mensch Bruder der Erde heisst. Die vier ersten Verse nehme ich als Schilderung des höheren Ursprungs und der Immaterialität des Geistes für sich, dann zwei entgegengesetzte hypothetische Sätze, der Vordersatz des zweiten besteht bloss in care (findadh).“

So kurz diese Erläuterung ist, wird sie doch jedem Kenner genügen. Da es mir indessen hier darauf ankommt, das Räthsel auch denjenigen zum vollen Verständniss zu bringen, denen die Formen der alten Sprache nicht so geläufig sind und denen ausser dem Originale und der Uebersetzung ein Kommentar erwünscht sein muss, so will ich einen solchen versuchen und werde dabei Gelegenheit haben, dieses und jenes Neue mit beizubringen. Mir scheint es nicht ungeeignet,

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