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dans les). Allmälich consolidirt sich die Grammatik; Marot hat viel mehr grammatische Regeln als Rabelais, die Formbildung wird gleichmässiger (z. B. die Pluralisbildung, der Gebrauch des Artikels), und kommt den modernen Formen näher; die Willkür hört sowohl im grammatischen Gebiete mehr und mehr auf, als auch im Gebiete der Orthographie, welche letztere bei Rabelais, zum Theil durch die Schuld der verschiedenen Herausgeber, eine sehr schwankende war, bis endlich die Ausgabe des bekannten Forschers Jacob le Bibliophile eine gleichmässige Rechtschreibung durchführte. Die Ménippée laborirt in den ältern Ausgaben an demselben Mangel, besonders in der mir voliegenden von 1600. Marienburg.

Dr. H. Eckerdt.

1

Zwei angelsächsische Gedichte.

I. The Grave.

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From the Anglo-Saxon. Unter den verschiedenen Uebersetzungen, die sich in der Sammlung der Gedichte Longfellow's befinden, scheint mir das Bruchstück, welches die obige Ueberschrift trägt, seiner Sprache wie seinem Inhalte nach einer eingehenden Betrachtung nicht unwerth zu sein. Denn jene bietet die günstigste Gelegenheit, die allmähliche Verändrung der Wörter nach Form und Bedeutung zu beobachten, dieser weist auf einen im Mittelalter beliebten und in dem Gebiete der germanischen Literatur mehrfach auftauchenden anziehendeu Stoff, die Zwiegespräche des Leibes und der Seele hin. Zur Bequemlichkeit des Lesers lasse ich die Uebertragung des amerikanischen Dichters nebst dem Originale hier folgen, wie sie bei Longfellow Ed. Tauchnitz I, p. 51 und in Thorpe's Analecta Anglo-Saxonica ed. 1846. p. 153 stehen. Die einzige Verändrung, die ich mir erlaube, ist, dass ich das angelsächsische Stück in der bei uns gewohnten Weise nach Langzeilen ordne, während es bei Thorpe aus der doppelten Anzahl von kurzen Versen besteht. Ueber diese Verschiedenheit in der Abtheilung angelsächsischer Gedichte ist zu vergleichen J. Grimm Vorrede zu Andreas und Elene p. LV. ff.

The Grave.

From the Anglo-Saxon.
For thee was a house built
Ere thou wast born,

For thee was a mould meant
Ere thou of mother camest.
But it is not made ready,
Nor its depth measured
Nor is it seen
How long it shall be.
Now I bring thee
Where thou shalt be;
Now I shall measure thee,
And the mould afterwards.

Thy house is not
Highly timbered,
It is unhigh and low;
When thou art therein,
The heel - ways are low,
The side - ways unhigh.
The roof is built
Thy breast full nigh,
So thou shalt in mould
Dwell full cold,
Dimly and dark.

Doorless is that house,
And dark it is within;
There thou art fast detained
And Death hath the key.
Loathsome is that earth - house,
And grim within to dwell,
There thou shalt dwell,
And worms shall divide thee.

Thus thou art laid,
And leavest thy friends;
Thou hast no friend,
Who will come to thee,
Who will ever see
How that house pleaseth thee;
Who will ever open
The door for thee
And descend after thee,
For soon thou art loathsome
And hateful to see.

The Grave. A Fragment.

Dhe wes bold gebyld er thu iboren were,
dhe wes molde imynt er dhu of moder come;
ac hit nes no idiht, ne theo deopnes imeten;

nes gyt iloced, hu long hit the were.
5 Nu me the bringaedh ther dhu beon scealt,

nu me sceal the meten, and dha mold seodhdha;
ne bidh no thin hus healic itimbred,
hit bidh unheh and lah thoune thu list ther-inne;

dhe hele - wages beodh lage, sid - wages unhege,
10 the rof bidh ibyld thire broste ful neh;

swa dhu scealt on mold wunien ful cald,
dimme and deorcae: thet den fulaet on hond.
Dureleas is thaet hus, and dearc hit is widhinnen,

dhaes thu bist feste bidytt, and Daeth hefdh tha caege:
15 ladlic is thaet eordh - huş, and grim inne to wunien,

dher thu scealt wunien, and wurmes the todeledh.
Dhus dhu bist ilegd, and ladaest thine fronden;
nefst dhu nenne freond, the the wylle faren to

dhaet efre wule lokien hu the thaet hus the likie
20 dhaet aefre undon dhe wule dha dure,

and the aefter lihten, for sone thu bist ladlic
and lad to iseonne; for sone bidh thin haefet
faxes bireued, al bidh dhes faxes
feirnes forsceden, naele hit nan mit fingres feing stracien.

Der erste Blick zeigt, dass die Uebertragung Longfellow's eine fast wörtliche ist und deshalb um so mehr zu einer Vergleichung der Sprachformen einladet. Das Original darf etwa in die zweite Hälfte des zwölften Jahrhunderts gesetzt werden. Die Sprache desselben ist noch rein germanisch, aber hat in den Formen bereits soviel Einbusse und Zerrüttung erfahren, dass sie dem ausgebildeten Angelsächsisch wohl als Semi-Saxon entgegengestellt wird.

Bekanntlich sind die Hauptquellen für diese Sprachstufe in der Zeit von 1150 bis 1250 Layamon's Brut und das Ormulum. Unser kurzes Fragment ist im Ausdrucke noch reiner und alterthümlicher als beide; dennoch ist der Verfall deutlich genug, charakteristisch unter anderem die Bildung der Participien der Vergangenheit mit der Vorsilbe i statt des alten ge, was sich nur in gebyld v. 1. neben ibyld v. 10. findet. Die Erörterung der einzelnen Formen im Folgenden mag sich übrigens auf diejenigen Fälle beschränken, wo der heutige Ausdruck mehr oder weniger deutlich von dem alten abweicht, der Uebergang in der Sprache also für das allgemeine Bewusstsein verdunkelt, oder durch das Aufgeben mancher Formen aller Zusammenhang verschwunden scheint.

v. 1. bold ist house, dwelling; die angelsächsischen Formen bold, byldan und bôtl (Wohnung vgl. Wolfen - büttel) bytlian scheinen, wenn auch ursprünglich 'getrennt, sich mehrfach mit einander zu mischen. Byldan berührt sich ausser dem mit einem anderen Stamme beald, bald kühn, byldan ermuthigen, stärken. vgl. das engl. bold und unser bald. In unsrer Stelle hier ist offenbar Haupt- und Zeitwort desselben Stammes zu verstehen, dem das jetzige build der Bedeutung, auch wohl der Form nach genau entspricht, während das von Thorpe im Glossar herbeigezogene „bilden“ kaum hierher gehört. Immerhin ist die Etymologie dieser ganzen Wortgruppe noch keineswegs völlig aufgeklärt und würde deren vollständige Erörterung zu weit führen.

v. 2. molde, mould, earth. Das alte Wort hat sich, wenn auch in beschränkter Anwendung erhalten als mould, mold und erscheint in mold - turner, mold - warp wie das ahd. molta noch in dem volksmässig assimilirten maulwurf, vgl. Mätzner p. 188, 189., wo auf das Zusammenfallen mit einem andern mould aus dem lat. modulus hingewiesen und das holl. inolworp, altnord. molivarpa herbeigezogen ist.

imynt erklärt Thorpe durch appointed. Es steht für gemynt von myntan, mit welchem das heutige mean, meant fast der Bedeutung nach, weniger der ursprünglichen Form nach zusammengehört. Im Angelsächsischen steht neben myntan = suppose, resolve, intend, appoint, decree ein andres Zeitwort maenan, meinen und klagen, das neuenglisch in mean und moan gespalten ist. Uebrigens kommt to mint at = to endeavour, aim, mean örtlich vor und es früge sich, ob dasselbe nicht schon zu dem angels. myntan oder ob etwa beides aus dem lat. moneta, ags. mynet, engl. mint, unserem Münze, münzen auf etwas zu erklären sei.

v. 3. ac, Die alte Adversativpartikel, gothisch, altsächsisch und nordisch ak ist im angelsächsischen häufig, verliert sich aber im englischen, wie im hochdeutschen, wo das ahd. oh die letzte Spur ist, und

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