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Doch von diesen Dingen ein andermal.
Von den nunmehr in Vorschlag gebrachten Ausdrücken
1. vovxhotov, vaúxhaorpos, etwa Schiffzerbrecher, Schiff-

zerberster,
2. vavipavotns, etwa Schiffzertrümmerer, und

3. vavqfópos, etwa Schiffzerstörer wurde zunächst der letztere als der zu wählende bezeichnet, weil minder übelklingend und weniger schwerfällig in der Aussprache als die ersteren, die fast unhellenisch genannt wurden; nur wurde für den ersten Theil der Zusammensetzung die ionische Grundform müs bevorzugt, mithin die leicht aussprechbare und ausserdem schon von den Alten gebrauchte Form 4. rog fópos in Vorschlag gebracht, wenn man sich ent

scheiden wolle nunmehr auch 5. vnospatorns (gegen Nr. 2) als den Vorgang der schiff

zersprengenden Wirkung des Torpedos ungleich

zutreffender bezeichnend, oder noch besser 6. vnogónxtos, etwa Schiffzerberster zu wählen.

Dem gegenüber wurde nunmehr die unmittelbare Wiedergabe des lateinischen „Torpedo“ durch

7. νάρκη oder νάρκα, der Zitterrochen, vorgeschlagen, als eine Benennung, die alle Vortheile der Kürze, des Wohllautes und echt hellenischer Urwüchsigkeit in sich vereinigt und vom Volke wohl verstanden wird, wenn auch die Fischer für das Rochengeschlecht den gang und gäben Namen uovddotpa gebrauchen; oder – so fährt die Paliggenesia fort - man wähle, in Verbindung mit dem echt griechischen xatoxins, Zerbrecher, Zerkracher (v. xatáyvuul), das Wort 8. vewxatoxins, Schiffzerkracher, wenn man nicht vorziehen

sollte, das bequeme Fremdwort „Torpille“ etwa in der

Form
9. Tognihan, einzuführen.

Auch die Alten hätten es nicht verschmäht gänzlich unhellenische Dinge und Begriffe mit den sie bezeichnenden Fremdwörtern zu benennen, wie die dem Persischen entlehnten Wörter tagadeloos, Park, Garten; üyyapos, Estafette, nebst áyyapevw

eine Estafette absenden, ávačvois, pers. Pluderhose, napaodyyns, pers. Längenmass u. a. hinreichend beweisen.

Mangel an Zustimmung. Neu vorgeschlagen werden als wohlklingend und sinnvertretend die Ausdrücke:

10. otolog pavotns, etwa Flottenzerstörer,
11. oxago9 pavotns, etwa Schiffzerstörer,

12. xapaßoróorns, etwa Schiffsprenger,
die aber ihrer Länge wegen wiederum verworfen werden.

Dagegen wird zurückgegriffen auf das vorerwähnte vooxn, vdoxa, das den grossen Vortheil gewährt, dass es echt griechische, wohlklingende und leicht auszusprechende Ableitungen zulässt, wie vapxɛùs, Torpedoführer (franz. torpilleur) άμαξες aus &paga; vapxborowtos Sávn, Torpedozone (franz. zone torpillée) =h9ootporos odos, gegenüber den sonst unvermeidlichen Wörtern ναυκλαστοφόρος λέμβος oder καραβοπαστοφόρος λέμβος für Torpedoboot, die geradezu barbarisch klingen. Den Sprengapparat nach einem Thiere zu benennen, sei zumal nicht ohne antikes Vorbild, da bekanntlich xpiós, der Widder, auch Mauerbrecher und Widderschiff als Schiffbrecher hiess, und ebenso

xedavn, die Schildkröte, auch das Schirmdach bezeichnete, unter welchem der Mauerbrecher vorgeführt wurde. *)

Hierauf wird von einem Herrn N. G. Nikoklis, auf Grund historischer Notizen, die er im Etym. M. unter vuvaitos fand, (eigentl. Schiff brand, Name eines Flusses in Unter- Italien, auf welchem ein solcher Act vor sich gegangen war) vorgeschlagen, lieber das echt hellenische

13. voúronoros, etwa Schiffzünder, Brander zu wählen, da es historisch und lautlich die Sache vollkommen

*) Hier hätte noch geltend gemacht werden können, dass das Wort xapáßı abgekürzt aus xapáblov, jetzt ein Kriegsschiff, im Altgr. aber sapáBlov (Hesych.) ein Ruderscbiff, desgl. xápaßos (Etym. M.) ein Ruderschiff bezeichnet, Krabbe genannt, d. i. Seekrebs (rapaßis), wegen der Aehnlichkeit der Ruder mit den Krebsfüssen; dass die Russen diesem Worte ihr korábli (sprich karábli), die Nordmannen ihm ihre Karbe, aus dem zuletzt die romanische Corvette, Schiff, wurde, entlehnt haben.

Ferner, dass die alten Nordmannen, wohl die berühmtesten Seefahrer ibrer Zeit, ihre Kriegsschiffe Drachen (drekjar) und Schnecken (snekja) nannten und viele ihrer Schiffe Thiernamen führten, wie Olaf's des Heiligen bekannter Wisund, König Sverris grosses Buchtenthier (fiardakolla) u. a.

darstelle und schon durch die hervorgerufenen Ideenverbindungen von πρήσις, Entziinden; πρηστις oder πρίστης, Sigefsch; πριστήρ, feuriger Wetterstrahl, einschlagender Blitz, Orcan; agiotis, das neben Spritz- oder Sprühfisch (eine Art Walfisch) auch eine Gattung von Kriegschiffen bezeichnete, das unheimlich Schreckhafte, elementar Gewaltthätige des vulkanartig jach auflodernden, prasselnd aufkrachenden Schmetterbruches lautlich versinnliche.

Ueberhaupt, sagt er, ist mit blossen Ableitungen, und noch dazu schlecht klingenden, von so matt malenden Verben, wie xhūv, zerbrechen, brechen; Souvelv, zerschmettern, zertrümmern, Ofiqev, verderben u. dergl. wenig gethan, um die urplötzlich aufberstende, Alles mit einem Ruck zermalmende Wirksamkeit des Mechanismus anzudeuten. Sollte und könnte dies überhaupt geschehen, dann müssten Verben herangezogen werden, die wie

xataqhéyelv, durch Flammen ganz und gar verheeren,
xatoxalev, ganz und gar verbrennen,
nvonohelv, mit Feuer verwüsten,
čunohtaly, einbranden, durch und durch entzünden,
Žuninpával, in Brand stecken,

alleiv, dalely, in lichten Brand stecken, dazu angethan sind, ganze Vorstellungsreihen, die mit der zu bezeichnenden verheerenden Catastrophe in Zusammenhang stehen, vor dem inneren Sinne des Hörers wachzurufen.

Das ist der Inhalt von fünf einschlägigen längeren Correspondenzen. Eine sechste, sehr lange, erklärte die Paliggenesia wegen Mangels an Raum ablehnen zu müssen; auch ist es kaum fraglich, dass unter den zwölf vorgeführten echt griechischen Benennungen gewiss eine sich vorfinden wird, die den Anforderungen an das Wort entsprechen dürfte.

Und was thun wir, das Volk der Denker? Wir sprechen und schreiben inzwischen ganz ungenirt, als brauchte es gar nicht anders zu sein, von Taucher-Torpedo, Offensiv- und Defensiv.Torpedo, von Torpedo-Angriff, Torpedo-Vertheidigung, Torpedo-Brigade, Torpedo-Sperre, Torpedo-Sonde und TorpedoSuche und überhaupt von der ganzen Torpedo - Angelegenheit (Grenzboten, 1877 Nr. 4), als verstünde sich das Alles ganz

von selber und als wäre das nebenher erwähnte „Sprengboot"
oder „Minenboot“ (warum steht da Mienenboot?) gar zu ple-
bejisch, um in so vornehmer Gesellschaft einer näheren Be-
rücksichtigung gewürdigt zu werden.

O neuerstandenes Hellas, wir dürfen wieder von dir lernen!
Homburg v. d. Höhe.

Aug. Boltz.

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Molière's Misanthrope und die Urtheile der Kritik.

Unleugbar ist Molière's Misanthrop für die Kritik unserer Zeit nicht mehr das Meisterwerk psychologischer Tiefe und höherer Komik, das von Voltaire und Goethe so hoch bewundert wurde. Nachdem noch die älteren französischen und deutschen Literarhistoriker in der Bewunderung dieses originellen Werkes einig waren und den vereinzelten Angriff Rousseau's von sich abschüttelten, hat sich gegenwärtig die Spitze der Molièrefeindlichen Kritik gegen dasselbe gerichtet. Nicht nur hat Marckwaldt*) ein gut Theil der einseitigen Schärfe, die ihm eigenthümlich, daran gesetzt, um die herkömmliche Geltung dieses Meisterwerkes aus den Angeln zu heben, auch Bewunderer des grossen französischen Dichters, wie Géruzez und Hettner, haben den Einwänden Rousseau's Gehör gegeben. Aber reger und erfolgreicher haben jüngere Kritiker den Ruhm Molière's gegen alle Angriffe einer von Rousseau beeinflussten Sophistik zu vertheidigen gewusst! War auch bis vor einem Decennium die Vertheidigung noch spärlich und kleinlaut, wusste auch Laharpe **) sich nur mit der sophistischen Unterscheidung zu helfen, dass Molière nicht die Tugend selbst, sondern nur die Uebertreibung derselben lächerlich gemacht, gab auch Taschereau ***) zu, dass Alceste zwar einen lächerlichen Eindruck

*) Molière als Dramatiker S. 29 u. f. **) Cours de littérature V. 431, 436 u. f. ***) Vie de Molière I, 199, 200.

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