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6. Ein Affe, der eine Flasche in der Hand hält. Als ich meine Notizen über Bristol zuerst niederschrieb, sagte ich ,holding a bottle or a purse in his hand'. Die Schnitzereien zu Beverley zeigen uns den Affen gelegentlich als Arzt seines Freundes, des Fuchses. Dort ist kein Zweifel daran, dass die betreffende Schnitzerei einen Affen mit einem Uringlase in der Hand darstellt. Man vergleiche damit die Darstellung des Arztes in den Todtentänzen, wo dieselben immer auf diese Weise gekennzeichnet werden.

7. Ein Affe, der auf einer Laute spielt.

8. Ein Affe, oder ähnliches Thier reitet auf einem Esel. Ein Bauer treibt das Thier mit einem Stocke an, während er es beim Schwanze festhält.

Diese Holzschnitzereien stammen wahrscheinlich aus dem Anfang des sechzehnten oder Ende des funfzehnten Jahrhunderts her. Doch sind die Steinbilder, zu denen wir uns nun wenden, entschieden älter. Diese befinden sich in der Elder Lady Chapel oder älteren Marien-Capelle, die hier nicht, wie gewöhnlich, den östlichen Theil, sondern das westliche Ende des nördlichen Seitenschiffes einnimmt. Diese Capelle wurde zwischen 1196—1215 gebaut. Unter den Grotesken des Gewölbes befinden sich folgende Thierbilder:

1. Ein Fuchs, der mit einer Gans davonläuft.
2. Ein Affe und Widder, die auf Pfeifen blasen.

3. Ein Affe, der auf der Pansflöte bläst und einen Hasen auf seinem Rücken trägt.

Zur Zeit der Reformation wurde diese Kirche von Heinrich VIII. zum Dom erhoben. Von dem mächtigen Hause Berkeley als ein Haus für Augustiner Domherren (nicht zu verwechseln mit Augustiner Bettelmönchen) 1142 gegründet, war dasselbe gegen Mitte des vierzehnten Jahrhunderts zu einer gefürsteten Abtei erhoben worden.

Ich wende mich nun zu den höchst interessanten Sculpturen zu

Beverley. Um das Jahr 700 gründete Johann, Erzbischof von York, an seinem Geburtsorte Inderawood ein Kloster für Frauen und

von

Mönche. Er selbst zog sich im Jahre 718 altersschwach von seinem Bisthum nach seinem Monasterium zurück, wo er bald darauf, im Jahre 721, starb. Im Jahre 1037 wurde er Pabst Benedict IX. canonisirt und als St. John of Beverley verehrt. Seine Gebeine, die noch heutzutage im Münster zu Beverley ruhen, zogen von allen Theilen Englands eine grosse Anzahl Pilgrime an. Beverley, das ehemalige Inderawood, wurde die heilige Stadt des Nordens. König Athelstan besuchte das Heiligthum auf seiner Expedition nach Schottland, 934, und nachdem er den Heiligen um seinen Schutz angefleht hatte, nahm er das Banner desselben von seinem Grabe und versprach der Kirche mancherlei Privilegien, falls er siegreich zurückkehren sollte. Nach seinem Siege verlieh er dem Heiligthume das Recht der Freistätte und andere Privilegien. Als im Jahre 1138 die Schotten in das Land einfielen, nahmen die Barone des Nordens das Banner des heiligen Johann und liessen es mit den Bannern des St. Petrus von York und des St. Wilfrid von Ripon ihren Schaaren in der „Battle of the Standard“ vorantragen. Nach der Schlacht bei Azincourt (25. Oct. festum translationis S. Johannis de Beverley) ging Heinrich V., seiner Gemahlin begleitet, nach Beverley, um dem Heiligen für seinen Beistand in der siegreichen Schlacht zu danken. So gross war der Ruf des heiligen Johannes, dass der König ihm zwei andere Heilige, St. Crispin und St. Crispinian, deren Fest auf diesen Tag fällt, nachsetzte.

Unter den von König Athelstan verliehenen Privilegien wird auch die Gründung einer Guild of Minstrels erwähnt. Athelstan wird auch sonst in der Geschichte als Liebhaber und Beschützer der Sänger dargestellt. Sicher ist es, dass eine Gesellschaft von Sängern und Musikern vor alten Zeiten hier bestand und sich mehrere Jahrhunderte lang hindurch erhielt. Diese Minstrels müssen in hohem Ansehen gestanden haben, wie aus den Steinbildern der Musiker sowohl im Münster als in der Marienkirche hervorgeht. Vielleicht sind sie auf die Entwickelung der Reineke-Sage nicht ohne Einfluss gewesen, denn nur Beverley giebt uns eine vollständige Reihe von Bildern, welche das Abenteuer vom Gänseprediger zu einem befriedigenden Abschluss bringen. An Interesse stehen die Bilder

von

zu Beverley vielleicht allen anderen vor und werfen auf die Gestaltung und Bedeutung der Thierfabeln des Mittelalters ein helles Licht.

Wenden wir uns zuerst nach dem herrlichen Münster. Die Wandarkaden der Seitenschiffe sind reichlich mit Grotesken geschmückt. Unter denselben bemerken wir im nördlichen Seitenschiffe ein Steinbild, welches einen Fuchs in Mönchskleid und Pilgerstab in der Hand darstellt. Der Kopf ist leider abgebrochen, doch ist der ganze übrige Körper, besonders der schöne buschige Schwanz, gut erhalten. Eine Gans zieht den frommen Pilgrim am rechten Arme und zwei Hähne am linken Arme. Sie scheinen den heiligen Mann zurückhalten zu wollen und zur Predigt aufzufordern.

Unter den anderen Steinbildern wiederholt sich das musicirende Schwein, das aber besonders häufig zu Winchester zu sehen ist. Dies halte ich für eine andere Version des so häufig in mittelalterlichen Kirchen dargestellten Asinus ad lyram.

Wir treten jetzt in den hohen Chor, wo die Misereres sowohl der oberen als unteren Reihe mit vielen Thierbildern geschmückt sind. Zwei Umstände machen dieselben äusserst wichtig. Erstens wissen wir, wer dieselben geschnitzt hat, und zweitens wissen wir genau das Jahr, in dem sie vollendet wurden. Auf einem Miserere steht ein Hahn, der ,,Erwache“ (Wake!) zu rufen scheint, und dabei die Inschrift: „Johannes Wake clericus fabric(avi)t.“ Auf einem anderen Miserere befindet sich ein Wappen (eine aufgehende Sonne auf einem den Schild theilenden Querbalken) zwischen zwei Hähnen und der Umschrift: „Arma Wilhelmi Tait Cocton Thesaurarii hujus Ecclesiæ 1520.“ Der Athem stockt Einem, wenn man das liest. Was, im Jahre des Heils 1520! Das war das Jahr, in dem Martin Luther die päpstliche Bulle verbrannte! Und in dem Jahre amüsirte sich Johannes Wake clericus im Münster zu Beverley, indem er die Geschichte Reineke Fuchsens auf die Chorstühle schnitzte. Man nehme hinzu, dass Cardinal Wolsey zu dieser Zeit Erzbischof von York war, dass der Clerus im Norden grenzenlose Macht besags und das Volk am Clerus und der katholischen Religion mit fanatischem Eifer festhielt, und man wird unglaublich finden, dass dies Spottbilder auf den

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Clerus seien. Sechzehn Jahre, nachdem Johannes Wake seine Bilder vollendet hatte, stand der ganze Adel und Bürgerstand von Yorkshire und Lincolnshire unter Anführung der Geist. lichen unter den Waffen, um die Rechte der alten Religion zu vertheidigen. Was zu Beverley vorging, ist erst heutzutage nach den Acten im Rolls House von James Anthony Froude im dritten Bande seiner „History of England from the Fall of Wolsey to the death of Elisabeth“ beschrieben worden und lässt, meiner Meinung nach, keinen Zweifel, dass Johannes Wake mit seinen Spottbildern die Franciscaner und Dominicaner meinte. Ueberhaupt ist es zum Verständniss der englischen Reformation absolut nothwendig, die wichtigen von Froude zuerst veröffentlichten Documente zu lesen. Ich gebe hier nur die Stelle über die Vorgänge in Beverley.

William Stapleton, a friend of Aske (dem Rädelsführer in der Insurrection) and a brother barrister, also bound to London for the term, was spending a few days at the grey friars at Beverley, with his brother Christopher. The latter had been out of health, and had gone thither for change of air with his wife. The young lawyer was to have set out over the Humber on the 4th of October. At three in the morning his servant woke him, with the news that the Lincolnshire beacons were on fire, and the country was impassable. Beverley itself was in the greatest excitement; the sick brother was afraid to be left alone, and William Stapleton agreed for the present to remain and take care of him. On Sunday morning (Oetober 8, 1536) they were startled by the sound of the alarm-bell. A servant who was sent out to learn what had happened, brought in word that an address had arrived from Robert Aske, and that a proclamation was out, under the town-seal, calling on every man to repair to W'estwood Green, under the walls of the Grey Friars and be sworn in to the commons. Christopher Stapleton, a sensible man, made somewhat timid by illness, ordered all doors to be locked and bolted, and gave directions that no one of his household should stir. His wife, a hater of Protestants, an admirer of Queen Catherine, of the pope, and of the old religion, was burning with sympathy for the insurgents. The family confessor appeared on the scene, a

certain father Bonaventure, taking the lady's part, and they two together 'went forth out of the door among the crowd.' 'God's blessing on ye William Stapleton heard his sister-in-law cry. . Speed ye well,' the priest cried; 'speed ye well in your godly purposes.' The people rushed about them. Where are your husband and his brother? they shouted to her. 'In the Freers,' she answered. “Bring them out! the cry rose.

Pull them out by the head or we will burn the Freers and them within it. Back flew the lady in haste, and perhaps in scorn, to urge forward her hesitating lord he wailing, wringing his hands, wishing himself out of the world; she exclaiming it was God's quarrel let him rise and show himself a man. The dispute lingered; the crowd grew impatient; the doors were dashed in; they rushed into the hall, and thrust the oath down the throat of the reluctant gentleman, and as they surged back they swept the brother out with them upon the green. Five hundred voices were crying: 'Captains! captains! and presently a shout rose above the rest, «Master William Stapleton shall be our captain!' And so it was to be: the priest Bonaventure had willed it so; and Stapleton, seeing worse would follow if he refused, consented. (Froude, vol. III, pp. 125–6.)

Zum vollständigen Verständniss dieser Stelle ist es nothwendig zu wissen, dass ausser den Chorherren sich ein Haus der Dominicaner und Franciscaner in Beverley befanden. Die letzteren sind die oben erwähnten Grey Friars, schlechtweg "the Freers' genannt, welcher Ausdruck dann auch auf das Gebäude übertragen wurde. Stapleton, der nicht geneigt ist, sein Leben und Hab und Gut aufs Spiel zu setzen, verbirgt sich bei den Franciscaner Bettelmönchen. Als gentleman hätte man ihn eher bei den Chorherren zu St. John vermuthet. Da will er aber nicht hin, denn er weiss wohl, dass man ihn zum Anführer der Rebellen machen will. Nun kommt der Priester auf die Scene, der, wie zu erwarten war, sich an die Frau macht und aus ihr herausbringt, wo ihr Gemahl und Bruder stecken. Nun merke man wohl auf was geschieht. Vom Priester gehetzt, zieht das Volk vor das Haus der Franciscaner, das es zu verbrennen droht. Dieselben Leute, die soeben unter Anführung eines Priesters Gut und Blut für ihren Priester und

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