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È ardito il gallo sopra il suo letame, der Spanier: cada gallo canta en su muladar (Oudin 66), der Engländer: Every cock is proud on his own dunghill (Ray 62). As proud as a cock on his own dunghill (Ray 153), und dieser hat ausserdem die metaphorische Redensart: He is cock on the hoop, oder cock-a-hoop, um einen stolzen, dünkelhaften Menschen zu bezeichnen, ein Ausdruck, der, wenn man die anderen angeführten Sprüchwörter vergleicht, im wörtlichen Sinne nicht anders gedeutet werden kann als: er ist der Hahn auf dem Haufen, obgleich sonst heap Haufen heisst und hoop Reifen. Vielleicht ist dies hoop eine vereinzelté Nebenform von heap, die hervorgegangen ist aus dem angelsächs. heop, einer Nebenform von angels. heap. Der Franzose hat für denselben Gedanken ein anderes Bild, er sagt: Chien sur son fumier est hardi, Der Lateiner aber fast übereinstimmend mit jenen Sprachen: Gallus in sterquilinio plurimuni potest.

Nahe an dieses Bild schliesst sich das des Hahnes als herrschenden Hauptes einer Gesellschaft von Hühnern. Wir sehen es zu Grunde liegen in der Bedeutung: Factotum, Hauptperson in einem Hause oder einer Gemeinde, welche das sp. gallo hat (el que en alguna casa, pueblo ó comunidad todo lo manda, ó lo quiere mandar en tales terminos que no hagan los demas sino lo que él dispone), und in der span. Redensart: hacerse oder ser el gallo, der Hahn sein, sich zum Habn machen, d. h. die erste Rolle spielen, die Herrschaft sich anmassen (ser el primero en autoridad, aprecio ó saber en alguna comunidad ó junta); ebenso in der französischen : c'est le coq du village, il est le coq de son village, er ist der Hahn des Dorfes, d. h. er ist der Erste, Vornehmste; und in der englischen: He is the cock of the roost (Hühnerstange zum Aufsitzen) mit derselben Bedeutung. In der andern englischen Redensart: He is the cock of the club, er ist der Wortführer im Club, ist einerseits auch wieder an den Hahn als das Haupt der Hühner gedacht, dazu aber an die andere Eigenschaft des Hahns, dass er der Kräher, der Schreier ist. Daher heisst auch im Spanischen gallo derjenige Professor, welcher bei der Verleihung der Doctorwürde die Lobrede auf den Doctoranden hält, während in dem sp. gallear mit der Bedeutung: mit lauter Stimme drohen, schreien gallearse, mit zorniger Stimme Jemandem Beleidigungen sagen (enfurecerse con otro, diciendole injurias), und in dem fr. coquard, ein alberner Schwätzer, blos an den Hahn als den Schreier gedacht ist.

In diesen beiden Eigenschaften als Herrscher und als Schreier

erscheint der Hahn auch in folgenden Sprüchwörtern, die alle den Gedanken aussprechen, dass es schlecht mit einem Hause bestellt ist, in welchem der Mann unter dem Pantoffel steht. It.: In quella casa è poca pace

Dove gallina canta e il gallo tace.
oder: Trista è quella casa, dove etc. Giusti 129.
oder: In casa non c'è pace, quando gallina canta e gallo tace.
Fr.: Malheureuse maison et méchante

Où coq se tait et poule chante. Le Roux I, 111.
La poule ne doit pas chanter devant le coq. ib I, 127.
C'est chose qui moult me deplaist,
Quand poule parle et coq se taist. Rom. d. I. Rose.
Femme qui parle comme homme, et geline qui chante comme

coq ne sont bonnes à tenir. Le Roux I, 146. Sp.: Con mal está la casa, donde la rueca manda al espada. Egl.: It's a sad house where the hen crows louder then the cock.

Ray 26.

Aus diesem Bilde heraus ist indessen keine Metapher für den Begriff: unter dem Pantoffel stehen, gebildet worden. Metaphorisch drückt ihn der Italiener, Franzose und Engländer dadurch aus, dass er sagt: die Frau trägt die Hosen; it.: Sua moglie porta i calzoni; fr.: Cette femme porte le haut-de-chausses (Le Roux 121), engl. : The woman wears breeches (Ray 137). Der Engländer hat aber ausserdem noch zwei metaphorische Ausdrücke, also einen nicht zu verkennenden Reichthum an Ausdrücken für diesen Begriff, was offenbar mit der hoch entwickelten Herrschaft der Frauen in diesem Lande zusammenhängt. Davon lautet der eine: The grey mare is the better horse (Die graue Stute ist das bessere Pferd), der andere ist aber wieder ein aus dem Leben des Hahnes mit den Hühnern entnommenes Bild, und zwar ein originelles und geradezu drastisches, aus einer Zeit stammend, wo man die Dinge noch beim rechten Namen zu nennen wagte und die delicacy, fashion und respectability noch nicht regierten. Wenn der Hahn das Huhn tritt (engl.: the cock treads the hen), so pickt er es in den Kamm. In der Umdrehung dieses natürlichen Verhältnisses, dass die Henne den Hahn pickt, sieht nun der Engländer das Bild des von der Frau beherrschten Mannes, und er bezeichnet einen solchen als einen von der Henne gepickten Ehemann, a hen pecked husband.

III. Nachdem wir so gesehen haben, wie die neueren Sprachen die Bilder für eine gewisse Gestaltung des ehelichen Lebens aus dem Leben des Hahnes mit den Hühnern entnehmen, kann es uns nicht wundern, wenn dasselbe geschieht, um einen anderen Charakter desselben, den es durch gewisse Ereignisse erhalten kann, zu bezeichnen.

Einer der am meisten hervortretenden und charakteristischen Züge im geselligen Leben der Hühner ist die Eifersucht des Hahnes. Vor Allem ergötzlich, sagt Masius (a. a. O.), ist die Eifersucht, womit der Hahn seine Alleinherrlichkeit überwacht. In hartnäckigen, blutigen Gefechten, mit Sporn, Schnabel und Flügeln kämpfend, vertreibt er den Eindringling aus seinem Gebiete, und nun thut ein weithin dringendes Triumphlied von hoher Stelle herab die Niederlage seines Feindes kund.“ Das deutsche Sprüchwort drückt dies in den Worten aus: „Zwei Hahnen auf einem Mist vertragen sich nicht“ (Simr. 194), und das italienische in diesen : Non istanno bene due galli in un pollajo (Giusti 91). Eins der überall sich darbietenden Bilder aus dem Leben der Hühner ist der Kampf zweier Hähne um die Alleinherrschaft, und mit Rücksicht auf die Veranlassung dieser Kämpfe und den Gemüthszustand der Kämpfenden, d. b. Eifersucht, macht die Sprache davon Gebrauch, um den in seinen Rechten verletzten Ehemann zu bezeichnen.

Wir sprechen von dem französischen Ausdrucke cocu. Die bisher allgemein angenommene Meinung (s. Diez, Etymol. Wörterb. I, S. 148) ging dahin, dass cocu von cuculus, der Kuckuck, abstamme, der bekanntlich seine Eier in fremde Nester legt, um sie ausbrüten zu lassen. Diese Ableitung ist aber sachlich sehr bedenklich und formell geradezu unhaltbar. Was nämlich den Sinn betrifft, so hat schon Adelung bemerkt, dass, wenn jene Ableitung richtig wäre, cocu nicht den betrogenen Ehemann bezeichnen könnte, sondern im Gegentheil den Betrüger (s. Schwenk, Wörterb. d. deutsch. Spr. S. 274), und dieses Bedenken sucht Diez nicht besonders glücklich durch die Bemerkung zu heben: ,,Gab man nun etwa dem betrogenen Ehemann per antiphrasim den Namen des Vogels, der in fremde Nester legt?“ Wir wollen jedoch auf diese Schwierigkeit kein zu grosses Gewicht legen, weil die Wege, auf welchen die Begriffe in einander übergehen, manchmal recht wunderlich sind, und zudem hier ein Ausweg zur Erklärung versucht werden könnte, von dem wir unten sprechen werden.

Ungleich gewichtiger ist aber das formelle Bedenken. Cocu

kann formell weder von cuculus, noch von dem seltenen cucus abstammen. Cucus müsste im Französischen eine Form couc, wie lupus - loup, jugum — joug, ergeben, und cucālus kann gar nicht in Betracht kommen, wenn man die vorletzte Sylbe als kurz nimmt, da dann der Ton auf der ersten Sylbe ruht (cúculus); nimmt man sie aber als lang, so kann cucūlus doch immer nur eine Form cocul oder cocule, wie culus--cul, mulus-mule ergeben, nicht aber cocu, da ein Wegfall des nach Abwerfung der Endung auslautenden l unerhört ist. Und darum ist auch coucou, der Name des Vogels, nicht von cuculus abzuleiten, sondern als ein selbständig nach dem Rufe des Vogels gebildeter Naturausdruck anzusehen.

Mit Verwerfung der bisherigen Ableitung von cocu wollen wir daher hier eine andere geben, Das fr. cocu setzt ein it: cocuto (lat. -utus), ein sp. cocudo, ein provenç. cocut oder cucut voraus, wie fr. barbu dem it. barbuto, sp. barbudo, wie fr. chenu dem it. canuto, provenç. canut, wie membru dem it. membruto, sp. membrudo tc. entspricht. Von jenen Ausdrücken existiren nun aber in der That die provençalischen in den Formen cucut, cocuda, cogotz mit derselben Bedeutung wie das fr. cocu. Hieraus geht einestheils unwiderleglich hervor, dass cocu nicht von cuculus abgeleitet sein kann, denn jene mit ihm identischen provençalischen Ausdrücke können doch nimmermehr auf cuculus zurückgeführt werden, anderntheils aber das positive Resultat, dass der Auslaut u von cocu das Ableitungssuffix ist, welches lat. utus, it. uto, sp. udo, prov. ut lautet, und dass daher cocu von coq gebildet ist, wie barbu von barbe, inembru von membre.

Die Bedeutung von cocu entwickelt sich aber mit Leichtigkeit unter Zugrundelegung dieser Etymologie. Seinem Ursprunge von coq entsprechend bedeutet cocu ursprünglich zu einem Hahne gemacht, einem Hahne ganz ähnlich gemacht, etwa wie it. chercuto (geschoren) eigentlich heisst: zu einem Geistlichen (cherico) gemacht, einem Geistlichen ähnlich gemacht, nämlich in Bezug auf die Tonsur, Die Beziehung aber, in welcher eine mit cocu bezeichnete Person einem Hahne ähnlich gemacht ist, liegt auf der Hand. Sie ist demjenigen Hahne ähnlich, welchem ein anderer Hahn ins Gehege gekommen, oder, wie es deutsch heisst, auf den Mist gekommen ist, und, wenn sie ihren Zustand kennt, so ist sie in demselben leidenschaftlich aufgeregten Gemüthszustande der Eifersucht, wie ein solcher Hahn,

der mit dem Eindringling kämpft. Das Tertium comparationis ist also Eifersucht wegen grober Verletzung ehelicher Rechte, und darum ist die eigentliche Bedeutung von cocu: eifersüchtig wie ein Hab n.

Mit dieser Auffassung harmoniren auch die Ausdrůcke für denselben Begriff, die wir bei Besprechung der Ziege kennen gelernt haben: it. becco, becco cornuto, sp. cornudo, fr. porter, avoir les cornes, engl. wear horns, gr. xepatías, xepósgopos. Wie cocu heisst zum Hahne gemacht, so bedeuten alle diese Ausdrücke zum Bocke gemacht, mag der Bock ausdrücklich genannt sein wie im it. becco, oder er bloss angedeutet sein durch den Ausdruck: gehörnt, Hörnerträger; und wie die bestimmtere Bedeutung von cocu ist: eifersüchtig gemacht wie ein Hahn, so die von jenen Ausdrücken: eifersüchtig gemacht wie ein Bock.*) In beiden Ausdrücken wird also nicht auf die Thatsa che als solche gesehen, dass der Ehemann beleidigt ist, sondern auf den Gemüthszustand, in den er durch die Beleidigung versetzt worden sein muss, und das ist Eifersucht. Die Eifersucht muss aber um so mehr aufgeregt sein, je heisser die Liebe war. Darum wählt die Sprache, um diesen Gemüthszustand auszudrücken, zwei Thiere als Bilder, die durch ihren heftigen Ardor coëundi bekannt sind, den Bock und den Hahn. Vergl. über den Letzteren die oben citirte Stelle von Masius und die aus Buffon (hist. nat. des ois. 67. genre): quand il [sc. le coq] en aurait cinquante [sc. poules) chaque jour, on prétend qu'il ne manquerait à aucune**), über den Ersteren die am Schlusse des Capitels über die Ziege citirten Worte von Buffon, insbesondere: Le bouc . . est très-chaud, un seul peut suffire à plus de cent cinquante chèvres pendant deux ou trois mois.

Was die Ausdrücke der anderen Sprache betrifft, welche dem fr. cocu entsprechen, so ist zu unterscheiden: Das italienische cuculo kennt die hier besprochene Bedeutung gar nicht und scheidet also aus.

Das englische cuckold kann seinen Ursprung aus cock

*) Dies ist eine Auffassung, die auch Shakespeare getheilt haben muss, wie aus folgender Stelle hervorgeht (Oth. III, 3)Think'st thou, I'd make a life of jealousy, to follow still the changes of the moon with fresh suspicions? "No; to be once in doubt, is once to be resolv’d. Exchange me for a goat, when I shall turn the business of my soul to such exsufficate and blown surmises.

**) Daher sagt Logau ([II, 98): An Worten ist er Mönch, an Thaten ist er Hahy.

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