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S. 16. heißt 18: Da fam auch dort ein Weib gegangen

Ein betagtes, in den Tempel
Phanuels Tochter
War Anna geheißen,
Die hatte ihrem Herrn wohl
Zu Dank gedient,
War ein demütig Weib.
Sie mußte nach ihrem Magdthum
Seit Mannes sie ward,
Degens Verlobte,
Edle Dirne,
Mußte mit dem Manne
Mühwalten des pauses

Sieben Winter zusammen.
S. 32.

War da in der Einöde
Der Emir, der øerr,
Lange Weile,
Nicht hatte er der Leute du mehr
Der Sterblichen zur Gesellschaft,
Wie er sie sich selber erfor,
Wollte sich da lassen versuchen

Von dem fräftigen Scheusal 26. 16.
S. 40,

Sagte ihnen da versichernd,
Sprach, daß die selig wären
Die Menschen in dieser Mittelwerf,
Die hier in ihrem Gemüt wären
Arm durch Ergebenheit,
Denen sei das ewige Reich
Sehr þeilig.
Auf der Himmelsau,
gmmerleben ersehen,

Sagte, daß auch selig wären 26. 26.
Ift das altdeutsch? Wer von den feptlebenden führt eine solche Sprache in
Poesie oder Profa ? Wer erfennt in solchen Säßen die neuhochdeutsche Sprech-
weise wieder ?

Ich füge noch einige Säße und Redensarten hinzu. „Einen Schwamm nahm er mit durstlöschendem Leidigsten.“ Das Saus behauptet die Stelle windwider von unten, daß es weichen nicht mag.“ „Rüdsteuerte strebend die Wehrmannschaft windwider.“ „Der Landeswalter bewandet sie von der Himmelsau ber.“ „Weitläuftiges Weltvergnügen.“ (!) „Wählig zu wachsen,“ „höllabfahren,"

hieß auf die Adsel ihn sein Bett rüdnehmen.“ Ich wiederhole die Frage: Ist das Neudeutsch? Dürfen ferner Wörter gebraucht werden, die ver. schollen sind, die jeßt Niemand mehr fennt? 3. B. Grieniwerf, Meinwerf, Meinthat, Meinhart, Neidhart, Tüdbold (so wird das Adv. darnungo, clam überseßt), Gesiedel, Mundherr, Schwarf, Guden, Austrom, Mittelmarf, Gespannschaft, Wiegand 16. *. Oder kennt die jeßige Sprache Bildungen wie „Wutweħlager" „Werfner (= Arbeiter),“ „theuerwerth,“ „wortspähe“ 16. ?

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Berr Nannegießer fönnte diese Bemerkungen, diese Archaiemen, und diese unbekannten Bildungen damit entschuldigen wollen, daß seine leberseßung die Lecture des Originals begleiten und erleichtern soll. Dies ließe sich allenfalls hören. Aber für einen solchen Zweck verlangt man Genauigreit und Pünftlich feit. Diese wird aber häufig vermißt. Ein paar Beispiele mögen mein Urtheil bestä. tigen. Das Wort gumo muß sich die verschiedensten Bedeutungen gefallen laffen. Bald wird es gegeben durch „Gefährte“ bald durch „Edler“ bald durch „Gere mann“, am Häufigsten durdi „Gaumann, Gaubewohner.“ Schmeller gibt aber in seinem Glossar uns die Bedeutung „vir, homo“. Selbst „Jarl“ überseßt es Berr Nannegießer. Wenn wir durch dieses Wort wie durch Klan (Uebersebung von cnôsl und cunni, genus, prosapia P8 wird gesprochen von den „Gaumännern des Klang“, gumon cunnies, von dem Mlan der Juden) an Schottland und England erinnert werden, so müssen wir bei der liebersegung von erl durds „Emira an den Orient denfen und bei den „hochsinnigen Sünen" (helidos hugederbie, viri fortes, audaces) werden unsre Gedanfen nad Deutsdland, bei den „No:nen“ nad Skandinavien geführt. Romantisch genug! glauua gumon wird übero reßt durch nglimpfliche Gaumänner.“ Glau heißt aber prudens, sagax. S. 40. überseßt Herr Sannegießer die Worte: wolda mit is spracun spahword manag lerean thea liudi so: wollte mit seiner Stimme die verständige Menge belehren, während es nur heißen kann „Er wollte mit seiner Sprache den Leuten manches vernünftige Wort lehren." S. 66. 18. ed. Schm. steht unttat ina iru uurth benan, mari metodogiscapa“ D. h. bis das Schidsal ihn ihr nahm, der hohe Rathschluß Gottes. Herr Kannegießer aber überseßt „da nahm ihn die Norne furchtbar herfahrend.“ Die Beispiele ließen sich mehren wenn es nöthig wäre.

Kurz die Uebersegung ist nicht nur durchweg steif und ungelenf, sondern geradezu meistentheils nicht neudeutid, was sie dod sein soll, manchmal untreu. Die Wurzel alles Uebels ist aber das Metrum. Ach, das Metrum! Wie häufig ist ihm zu liebe die deutsche Sprache gemartert und mißhandelt worden! Der Stabreim des Originals sollte aud in der Nebersegung beibehalten werden und an dieser Klippe ist die ganze Ueberseßung gescheitert. Daß ich es auch nicht besser machen würde, weiß ich bestimmt, aber ich werde mich auch hüten eine Arbeit zu unternehmen, der ich nicht gewachsen bin. Lieber würde ich eine wortgetreue lesbare Uebertragung ohne Stabreim geben, als daß ich Zeit und Mühe an eine Ueberseßung wendete, die zwar gereimt wäre, aber dafür Schönheit und Ireue geopfert und der heutigen Spredsweise ins Gesicht geschlagen hätte.

Dr. A. Lübben.

Friesisuses Ardjiv. Eine Zeitsdrift für friesis dhe Geschichte und Sprade. Deraus

gegeben von 5. G. Ehrentraut. Großh. Oldenb. Sofrath. Erster Band, erstes $eft. Oldenburg. Druď und Verlag der Sdulzeichen Buchhandlung. 1847.

Nachdem ich selbst in dem dritten Hefte dieses Archivs Einiges über die Wangeroger Spradie veröffentlicht habe, was ich flüchtig zusammengerafft hatte, halte ich es für Pflicht, auf eine umfassende Darstellung derselben aufmerksam zu maden, welche in diesen Tagen erschienen ist. Sie steht in dem ersten Hefte des ersten Bandes der Zeitschrift für friesische Gesdichte und Sprache, deren Beraug,

geber auch zugleich der Verfasser der Mittbeilungen aus der Sprache der Wangeroger“ ist. Wenn Jemand im Stande ist, Genaues und Zuverlässiges zu bem richten, so ift es berr Ehrentrant, der auf frühere handschriftliche Aufzeichnungen gestüßt und durch öfteren und längeren Aufenthalt auf der Insel fich mit der Sprache ihrer Bewohner völlig vertraut gemacht Hat. Nach einer Einleitung über Sautbezeidhnung und über den Namen der Insel, bespricht er den Artifel, das Prod nomen, die Adjeftiva und Adverbien, das Zahlwort, die Verba und gibt zum Schluß ein Verzeichniß von Udjeftiven und Adverbien und fleineren Rebetheilen. Herr E. ist febr bemüht, die Ausfprache und die Betonung richtig zu bezeichnen, so daß er für diesen Zweď sogar be fondere Typen hat anfertigen lassen. Nach meinem Urtheile ist er in diesem Streben zu weit gegangen und seine Genauigkeit erscheint mir ängstlich und peinlich. Ich halte es für das Gerathenste sich nur der Zeichen zu bedienen, die durch Griming Vorgang allgemeinen Eingang gefunden haben, um so das Anschließen an seine Grammatik, die doch das Fundament deutscher Historisder Grammatik ist, möglid zu machen. Zu bedauern ist, daß Herr E. niớt noch die Mühe über fich genommen hat, eine Lautlebre vorangehen zu lassen. 3. Grimm beginnt immer damit seine Untersuchungen. Wäre es geschehen, so wäre ein richerer und fefter Boden gewonnen und ein besseres Eintheilungøprincip für die Verben gefunden worden, als jeft geschehen ist. Herr E. theilt nämlich die Verba in starfe und schwache Hebergangszeitwörter. Die starten Verben werden, wie gebräudlich ist, nach dem Ablautungsvofal geschieden, die (dwachen aber werden nicht nach den Ablautungsvocal, sondern je nach der Endung des Präteriti est, et d und 1 in 4 Klassen untergebracht. Unter den lebergang &zeitwörtern versteht Verr E. folde, die theils nach der schwachen theile nach der starfen geben und theilt sie in 7 Klassen ein. Diese Eintheilung hat etwas Mißliches und dürfte dwerlich Jedermann befriedigen.

Auf die altfriesische Sprache ist fein vergleichender Blid geworfen. Vielleicht geschieht es in den nädysten Heften der Zeitschrift, die wir den Freunden friestscher Geschichte und Spracie empfehlen.

Dr. A. Lübben.

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Poetische Nachbildungen ausländisder Gedichte von Dr. Ad. laun. Bremen 1846.

Der Verf. vorliegender Sammlung, welcher in früherer Zeit eine Professur am fön. Col. in Bordeaur belleidete, gibt hier eine Reihe von Uebertragungen lyrischer Gedichte, die sich durch so viele Vorzüge auszeichnen, Daß es Ref. eine wahre Freude gewährt, unsere deler darauf aufmerksam zu machen. Mit Recht erschien dem Verfasser die Form in der lyrischen Poesie gleich einem Nessusgewande, welches nur mit dem Leben vom Körper weicht, den es befleidet; und mit wenigen Ausnahmen findet sich sonach die strengste Beibehaltung des Verses, den wir im Originale antreffen. Auch in Beziehung auf den Inhalt ist Herr L. mit der größten Behutsamfeit verfahren und Ref. hat sich durch die sorgfältigste Vergleichung von der Wahrheit der in der Vorrede befindlichen Worte überzeugt: „wo ich Gedanken, Farben und Töne des Originals nicht ganz wier dergeben fonnte, habe ich wenigstens gestrebt, fie durch möglichst entsprechende zu erseßen.“ Die Treue der poetijden Uebertragung, besonders der lyrischen Stücke, besteht nicht im wörtlichen Wiedergeben; das ohneħin unmöglich wäre, sondern darin,

daß mit der Musit der überseßenden Sprache dieselben Empfindungen erweđt werben, die das Original hervorruft.

Die Sammlung gibt liebertragungen von 1) englischen, 2) spanischen 3) französischen Originalen, und wir finden hier Altes und Neues, Ernstes und Beiteres, Berühmtes und wenig Bekanntes in bunter Folge; den Schluß endlich bilden einige eigene Gedichte des Verf., welche man ebenfalls nicht ohne Befricdigung lesen wird. Um den Lesern einen Blic in das Werk thun zu lassen, geben wir ein Gedicht von P. Rodjer v mit dem Bemerfen, daß es sehr schwer rein dürfte einer der Uebertragungen vor den anderen den Vorzug zu geben; ste find fast alle sehr gelungen.

Ein 6 ö tter rint.

3d fam zur Welt, umblüht von Edens Rosenzweigen,
A18 sich im ersten Auß das erste Paar umschlang,
Vor meinem Scepter muß sich jedes Wesen neigen
Und niemand widerseßt sich meinem sanften Zwang,
Ich bin dieselbe stets in wechselnden Gestalten
Und wurde feinem Blick, wie sehr er forschte, klar;
Du kannst den flücht'gen Strahl der Sonne nimmer halten
Und stellst auch nimmer mich nach meinem Wesen dar.

Ich bin der Blume garter Dust,
Id bin das Murmeln leiser Wellen,
Im Vinsenrohr der Weste Sdwellen,
Jū bin Der Stern in hoher Luft
Mit seinem Licht, bem silberhellen,
Ich bin der lauen Nädte Schweigen,
Id bin des Walzers flücht'ger Heigen ;
Im Schloß, im Dorf, im Wald und Feld
Mach ich mir jedes øerz zu eigen,
Das unter meinen Zauber fällt;
Ich bin des Wandervogels Reise,
Der fommend stets zu spät erscheint,
Ob dessen Flucht ein jeder weint;
Im Stillen liebt mich selbst der Weise,
Wie sehr mich auch sein Stolz verneint,
Er legt mir oft mit strengen Mienen
Den ernsten Namen Wahrheit bei,
Er meint, bethört, nur ihr zu dienen
Und ahnet nicht, daß ich es sei.
Er folgt mir durch des Wissens Fluren,
Das nie befriedigt seine Brust;
Der eine sucht auf Geistesspuren,

Der andre mich in Sinnenlust.
Sie Alle irr'n umher in trüber Nebelhülle,
Sie ahnen nicht einmal, wie wunderreich ich kin,
In meinen Fülhorn blüht der Freuden höchste Füle,
Doch nur den Liebenden, den jungen reich' ich's fin;

Die Liebe bin ich nicht, doch wandl ich ihr zur Seiten.
Web' Jedem, welcher meint, daß er uns trennen kann!
Ich bin nur ganz ich selbst, wenn sie mich will begleiten,
Ihr betet ohne sie nur meinen Schatten an.
Id bin ein Weib, ich thron' in gold'nen Wolfensäumen,
Ich bin die Göttin, die in Hellas Tempeln stand,
Ich herrsch als Königin noch in des Herzens Räumen,

Doch von der Erde ward mein heit'rer Dienst verbannt.

Wenngleich das Bunte der ganzen Sanımlung in der Art und Weise ihrer Entstehung eine genügende Erklärung findet, so müssen wir doch schließlich unser Bebauern darüber aussprechen, daß Herr 2. wie ein Schmetterling von den ver, ichiedenartigsten Blüthen Nahrung suchte und sich nicht lieber mit Treue an einen Dichter der fremden Literatur hielt und ihn der deutschen Nation zugänglich madite. Er wäre so recht der Mann dazu und tönnte sich dadurch leicht die gerechtesten Ansprüche auf dauernde Anerkennung erwerben.

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Poésies allemandes par I. P. Hebel, Th. Körner, L. Uhland, H. Meine tra

duites par Max Buchon. Salins. Cornu. 1846.

Seit dem Auftreten der Frau 4. Staël ist in Franfreich das Interesse für deutsche Zustände und deutsche Literatur immer reger geworden und man braucht nur an die Namen von B. Constant, Villers, Veymar, Quinet, Girardin, Lerminier, de Barante, Marmier, Carlovitz, Ozanam u. s. w. zu erinnern, um genugsam anzubeuten, welche Sympathien das gebildete Franfreich mit unserin Deutschen Vaterlande verbinden. Der Verf. vorliegender kleinen Sammlung fand neben der biblischen, Homerischen und scandinavisden Poesie das eigentliche „genre allemand“ noch nicht hinlänglich vertreten, und um diese Lücke auszufüllen, entschloß er sich dazu, von 4 Dichtern, welche er für die „Typen" des deutschen Lebens und deutscher Poesie hält, Einzelnes durch möglichst treue Ueberseßung auf französischen Boden zu verpflanzen; so bezeichnet er denn Hebel als naïf, Körner als héroïque, Uhland als chevaleresque und Heine als spirituel. Ohne nun in dieser Beziehung mit dem Verfasser weiter rechten zu wollen, lassen wir es vorläufig ganz dahin gestellt, ob denn wirklich der Grundtypus deutscher Poesie auf diese Weise erschöpfend aufgefaßt sei und freuen uns vielmehr, daß wiederum ein neuer und wohlgelungener Versuch gemacht worden, beliebte Deutide Lieder in würdiger Form den Franzusen vorzulegen. Die Sammlung besteht gleichsam aus 4 I heilen, von denen jeder einzelne mit einer furzen Biographie und ziemlich scharfen Charafteristik des betr. Dichters anfängt und sodann folgen die ausgewählten Stücke in der franz. Uebersepung; von 11hland und Hebel finden wir größere Stüđe, während von Körner und Beine nur Kürzeres ausgewählt ist. Wir erwähnen Beispielshalber v. þebel : La Wiese, le Cerisier, le Revenant, la Pipe, le Dimanche matin, Soir d'été, Cri du guet, l'Araignée, la Bouillie, Contentement, l'Etoile du matin, Jean et Veronique, l'Arbre de Noël u. r. w. und von uyland: Le comte des gréiers, le jardin des roses, trois jeunes filles, la Faucheuse u. f. 10.

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