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Wenden wir nun schließlich von den Gedichten des griechis schen Zeitgenossen unseres Besser, Neukirc, Günther *), König und Gottsded den Blick zu den jüngsten Erzeugnissen der neugriechischen Poesie, so wird natürlich bei der Vergleichung mit jenen roben Produkten der Eindruck der Gedid te eines Penagiotis und Alexander Sutsos, Rh. Rhangawis, Th. Orphanidis, Jo. Karats sutsas, um so erfreulicher sein, und zwar erscheint das rastlose Stres ben dieser Dichter nach dem Bessern um so verdienstlicher, je wes niger es durch die Glei dy gültigkeit der noch porzugsweise rein materiellen Interessen zugewandten Mehrzahl des griedisden Volfø, oder durch das vornehme ignoriren der Regungen neuen geistigen Lebens in Griechenland von Seiten der åben da ländisce'n Kritif sich irre machen läßt. Damit aber freilid die Poesie in Griechenland zu der bei den glüdlichen Anlagen des Volis ihr sider erreid baren Höhe fic erhebe, ist nächst der einen solchen Aufschwung vor allem bedingenden erträglichern Gestaltung der innern Verbältnisse des Landes, auch sehr zu wüns schon, daß man im westlichen Europa an Dichtungen, wie der Mɛooias, der lleguthavalevos und der Aaon.avos, nicht länger fast mit gleicher Achtlosigkeit, wie an unserer Aizualasia Mogéos, vors übergebe. Denn so seltsam bat nun einmal im Lauf der Jahrtausende das Blatt sich gewendet, daß wir þyperboreer, jene weiland nége vai vedély xexahvuuévor, e$ find, von deren Lehre in lob und Tadel die besten Dichter im Vaterlande des Pindar und Sos photles die ersprießlidste Anregung und Leitung ihrer Thätigkeit erwarten. Ich erlaube mir (über unausbleibliche Mißceutungen mich hinwegfeßend), zum Belege des eben Gesagten die betreffende Stelle aus einem Screiben berzuseßen, das Alerander Rhifos Rhanga wis, an Charakter und Talent unbestritten einer der ehrenwertbesten unter den johtlebenden griechischen Schriftstellern, jüngsthin Bezug auf meine schwachen Versuche', zu den Bemühungen der Herren Thiersch, Brandis, Kind und Sanders für die Aufnahme der ncugriechischen Literatur in Deutsdland, mein Schärflein beizutragen, an mich richtete. Der Passus mag zugleich in

*) Die Erinnerung an diesen gleichzeitigen Dichter liegt hier vor Adem

nabe, da er in seinem berühmtesten Gedidte einen mit der Eroberung Mo rea's nahe zusammenhängenden Stoff, nämlich den sie der Pfort fichernden Frieden von Passaro w iß besang, obne freilich bei der Feier der Triumphe des Kaisers die schmählichen Verluste seiner Bundegenossin, der Republik Venedig, mit einer Sylbe zu erwähnen,

dem jeden Kenner des Altgriechischen verständlichen Original als ein Specimen der gebildeten caploëllinischen Sprache, wie sie sich in den Schriften der geschäftesten Autoren bis jegt ausbildete und insofern als Gegenstüd zu dem barbarischen Kauderwälsch des alten Manthos Joannu dienen. - » Εν μέσω της ψυχρότητος και αδιαφορίας, ήτις είναι ακόμη το έπαθλον του ποιητού εν Ελλάδι και στις κατά μέρος μεν χρεωστείται εις των ποιητών την ατέλειαν, κατά μέρος όμως και εις την διάσπασιν της προσοχής του έθνους εις άλλα υλικώτερα και μάλλον κατεπείγοντα, εν μέσω της παντελούς εγκαταλήψεως της φιλολογίας μας εκ μέρους της Ευρώπης, ήτις πλησμονήν έχουσα συγγραφέων ολίγον φροντίζει και δια τα ημέτερα ψελλίσματα, όπως η τα έμψυχώση δια του επαίνου της, ή τα διευθύνη δια των κρίσεων της, εννοείτε πόσον απαστη έπρεπε να μας φανη η επιχείρησις ανδρος.... θελήσαντος δια συλλογής και μεταφράσεων να καταστήση τα δοκίμια μας γνωστα εις την Γερμανίας. Η ποίησις δια ν' αρθη εις το οικείον ύψος έχει ανάγκην μεγάλου ορίζοντος, και ως η διπλωματία έδιχοτόμησε το ελληνικόν έθνος, ήξεύρετε εις τι περιορίζεται το ελεύθερου αυτού μέρος! "Όταν λοιπόν αί... μεταφράσεις σας, μας ανοίγουσι της Ευρώπης τας πύλας, τότε ζωηρότεροι και θαρραλεότεροι αλειφόμεθα προς τον φιλολογικός αγώνα. So schrieb mir der treffliche Rhangawis kurz vorher, ehe die Brits tische Diplomatie, die ihrer Zeit jene Zerreißung des griedischen Volfs gegen die Absichten Frankreichs durcsegte und die seitdem aus eben so guten Gründen kein Mittel sparte, das freie kräftige Gedeihn des jungen Staates, zumal jeden Aufschwung der Industrie, der Schifffahrt und des Handels in Griechenland zu bintertreiben, ihre weltgepriesene Hoch herzigkeit diesem Lande gegenüber aufs Neue glänzend bewährte, indem sie, im Verein mit dem Vernichter der Selbstständigkeit Polens und der in Paris und Wien besiegelten Verträge, den Großtürken, das geliebte Schoofkind der heiligen Alianz, zur brutalsten Insolvenz gegen die Regierung des Königs von Griechenland ermunterte und dadurch die Griechen veranlaßte, fich auf ernstere, als poetische Kämpfe gefaßt zu halten.

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Beurtheilungen und Anzeigen.

Grundriß der Geschichte des Schriftenthums der Griechen und Römer und der

Romanischen und Griechischen Völfer von August Fud 8. Halle 1846. 446 S.

Es ist dieser Grundriß, wie die Vorrede sagt, zunächst für den Unterricht in der allgemeinen Literaturgeschichte in der ersten Klasse der Herzoglichen Töchterschule in Dessau, an welcher der rühms lidh bekannte Verf. als Lehrer wirkt, abgefaßt. Da dem Verf. ein Grundriß fehlte, so schritt Ausarbeitung, Druck und Gebrauch zugleich fort, und der Verf. erklärt daraus den Uebelstand, daß ihm theils mancherlei Hülfømittel nicht zu Gebote standen, theils Unverhältnismäßigkeit in der Darstellung der verschiedenen Literaturen fic einstellte. Einen andern Vorwurf, den man ihm allenfalls machen fönnte, giebt jedoch der Verfasser nicht zu, daß er nämlid, besonders bei dem deutschen Schriftenthum, zu viele unbedeutende Namen aufgenommen habe. Man müsse nämlich nicht blos mit den Sdriftstellern sich bekannt machen, die neue Bahn gebrochen, Nachahmer gefunden oder in ihren Werken den Anforderungen der Kunstrichter entsprochen haben, sondern auch mit denjenigen, welche beim Volfe Beifall gefunden, jedoch wirklichen und dauernden, denn diese geben am meisten Aufschluß über die geistige Entwices lung des Volfrs. Darum seien Schriftsteller, wie Cramer, Spieß, Lafontaine, Kopebue u. a. Lieblinge des Volfcs in der Literaturs geschichte wichtiger als Hamann; man dürfe darum sogar den Edensteher Nante, der in zwei Jahren 21 Auflagen erlebt, nicht übergeben. Obgleich nun Vollständigkeit in den Namen nicht ers strebt sei, so habe doch eine gewisse Vollständigkeit in den literaris schen Richtungen erreicht werden sollen, und eine möglichst einfache und klare Uebersicht über die Entwidlung in der Geschichte des Sdriftenthums der Griechen und Römer, der germanisden und Archiv III.

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romanischen Völfer zu geben, sei der Zwed dieses Buches. Es sei nöthig, den Unterricht in der Literaturgeschichte auf höheren Anstalten auszudehnen, dessen Mangel nicht sowohl in der Verfennung der Widytigkeit desselben, wie vielmehr in dem Mangel an einem ge. igneten Lehrbuche zu suchen sei.

So der Verfasser. Des Ref. Absicht ist es nun feineswegs das Buch von Anfang bis zum Ende durchzugehen; dazu fehlt ihm Lust und Kenntniß. Der Verf. ist durch mehrerlei Arbeiten auf Dem Gebiete besonders der romanischen Literatur rühmlich bekannt, während Ref. sich auf diesem wenig umgesehen hat, hier also eine fritisde Prüfung von seiner Seite nur anmaßend sein würde. Auch in den andern Gebieten der Literatur hat sich der Verf., wenn er auch nicht Ergebnisse eigener Studien darbietet, mit den wichtigsten Erscheinungen und den neuesten Untersuchungen bekannt gemacht, so daß ihm wenig Fehler nachzuweisen sind.

Aber andere Einwendungen sieht sich Referent zu machen ges nöthigt; und hebt zuerst folgenden Punkt bervor:

Bei der außerordentlichen Ausdehnung der Unterrichtsgegens stände, wie sie jegt schon auf den höhern Lehranstalten sich findet, ist nicyté gewagter als an eine Vermehrung zu denken. Am wes nigsten aber scheint es gerathen, eine allgemeine Literaturgeschichte einzuführen. Was gewinnt damit der Schüler? Die Zeitrichtuns gen fann er nicht kennen lernen ohne Kenntniß der Schriftsteller; woher soll er Zeit gewinnen, sich mit diesen bekannt zu machen? Der Historiker freilich, welcher über eine Zeit Auskunft haben will, muß auch deren Literatur finnen; aber der Schüler ist kein His storifer und foll es nicht werden, sein Geist soul an dem Studium der vollkommensten Kunstwerfe gebildet, nicht vorzeitig sein Kopf mit allerlei Notizen angefüllt werden, die ihn nur verwirren und mit dem Dünfel, als wisse er nun etwas, erfüllen. Hat der Schüs ler gelehrter Anstalten bei dem Studium eines griechischen und römischen Schriftstellers einen Ueberblick über das entsprechende Fach der Literatur erhalten, um den Schriftsteller würdigen zu fönnen, an dessen Lesung er sich begiebt, hat er den Entwidlungsgang seiner Muttersprache an den Klassikern seines Volfes kennen gelernt, so hat er etwas, was von Werth für ihn ist, er bat damit aber auch genug. Und beschränkt sich in unsern höhern Töchters schulen der literargeschichtliche Unterricht auf den leßteren Gegens stand und schränkt sich derselbe in Rücksicht auf die ältere Zeit noch ein, so leisten sie etwas Nüplides. Beiderlei Anstalten werden aber

ihr Ziel, einer wirklichen Bildung nämlich, außer Auge lassen, wenn sie den vom Verfasser vorgeschlagenen Weg einschlagen. Und der Vortrag der allgemeinen Literaturgeschichte scheint dem Ref. somit dem Gebiete der Schule entrüdt worden, dics Buch in seie nem ganzen Umfange also nicht in den Kreis der Scule hineinges bören zu müssen.

Ferner tümmert fic die Literaturgeschichte weder um die Sprachentwidlung an sich noch um den Inhalt an sich, sondern betrachtet die Verbindung beider, des Inhalts und der Sprade; ihre Betrachtungsweise schlägt nicht in die Geschichte der Wissen. (daften ein, sondern ist eine rhetorisch-ästhetische Produkte, welche mit rober Form dem rohen Gefdmade des niederen Volfes zu schmeicheln bestimmt waren, in denen sich keine Ahnung von der Würde der Kunst ausspricht, gehören immerhin in die Culturgeschichte, aber nicht in die Literaturgeschichte. Darum ist der Umfang des Buches des Verf. einzuengen, Vieles auszuscheiden. Es gehörten der Edensteher Nante und die Erzeugnisse des Berliner Schriftstellers Brennglas so wenig wieher, wie Spengel's Geschichte der Medizin, Gmelin's Geschichte der Chemie, Poppe's Geschichte der Technologie.

Der Verfasser sagt ferner, ell sei sein Bestreben gewesen, die günstigen Richtungen erfennen zu lassen. Das sieht man dem Bude nicht an. Es ist fast nichts als eine dürre Nomenclatur was wir finden; Namen, Stand, Geburtos und Todesjabr, Geburts- u. a. Städte sind genau aufgezeichnet, auch bei den unbedeutendsten Pers fonen, an denen in diesem Buche fein Mangel ist, ein Gesammt. überblick wird nicht gewonnen. Was z. B. die deutsche Literatur angeht, so hatten dem Verfasser die ihm bekannten Werke von Servinus, Soäfer u. A. den Weg vorgezeichnet, den er nicht hätte verlassen sollen. Aber nicht bloß durd diese endlose Anbäus fung von Namen ist die Deutlichkeit gestört, sondern auch durch die Anordnung. Der Verfasser theilt nämlich in Zeiträume ab, diese sind aber sehr groß, und indem er nun innerhalb derselben mit Consequenz nach den drei Hauptgattungen der Poesie u. f. w. und ihren zahlreichen Unterfächern scheidet, find in denselben Paragras phen Schriftsteller, die durd Jahrhunderte von einander getrennt sind, zusammengestellt, während wir im nächsten Paragraphen wies der um ein Jahrhundert uns zurüdwenden müssen.

Wenn ferner die Genauigkeit in der Angabe der Namen und Zahlen rühmlich erwähnt werden mag, so ist dagegen nicht bloß die

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